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Altersvorsorge: So sichern Sie Ihren Ruhestand

Rentnerpaar genießt bei einem Strandspaziergang seinen Ruhestand
Von Reimar Salzmann
Aktualisiert am: 07.08.2015

Auch Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer sollten für ihren Ruhestand vorsorgen. Ob Sie sich privat, gesetzlich oder über eine Rürup-Rente absichern, bleibt Ihnen überlassen. Diese Wahlfreiheit bei der Anlageform hat Vorteile für den, der seine individuellen Voraussetzungen genau prüft. Welche Formen der Altersvorsorge es gibt und für wen sie sich eignen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Bevor es darum geht, Kapital fürs Alter aufzubauen, sollte jeder Selbstständige und Freiberufler seine Arbeitskraft absichern, also eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) abschließen. Sie springt ein, wenn der Versicherte nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann. Das Motto heißt hier: je früher desto besser. Denn mit steigendem Alter steigen die Prämien für den BU-Schutz drastisch. Im Extremfall lehnen Versicherungen einen Vertrag sogar komplett ab. Freiberufler haben in der Regel eine Absicherung über ihr Versorgungswerk. Hier muss geprüft werden, ob der Schutz ausreicht. Wer eine Rürup-Rente abschließt, kann diese mit einem BU-Schutz kombinieren. Vorteil: Die Gesundheitsprüfung fällt häufig weniger streng aus.

Altersvorsorge mit der Rürup-Rente

Die Rürup-Rente lohnt sich für die meisten Selbstständigen und Freiberufler. Sie sollte die Basis der Altersvorsorge darstellen: Die günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen machen die Rürup-Rente für Einzelunternehmer oder Gesellschafter einer Personengesellschaft zu einem Muss.

Strenge gesetzliche Voraussetzungen

Wer in eine Rürup-Rente investiert, muss allerdings strenge gesetzliche Regelungen in Kauf nehmen:

  • Die Auszahlung des Ersparten ist nur als lebenslange Rente möglich, eine Kapitalentnahme ist nicht ausgeschlossen.
  • Eine Rentenauszahlung ist frühestens ab dem Erreichen des 62. Lebensjahres möglich (Ausnahme: Bei Verträgen, die vor dem Jahr 2012 abgeschlossen wurden, ist eine Auszahlung ab Erreichen des 60. Lebensjahrs möglich).
  • Rürup-Verträge sind grundsätzlich nicht vererbbar und auch nicht auf andere Personen übertragbar.

Die steuerliche Förderung

Steuermindernde Sonderausgaben machen die Rürup-Rente attraktiv. Im Jahr 2012 dürfen Sie 14.800 EUR als sogenannte Altersvorsorgeaufwendungen ansetzen, die die Steuerlast mindern. Das entspricht 74 Prozent der maximal zulässigen Aufwendungen in Höhe von 20.000 EUR. Bis zum Jahr 2025 steigt die steuerlich anrechenbare Quote jährlich um 2 Prozentpunkte, bis dann schließlich die vollen 20.000 EUR für Ledige und 40.000 EUR für Verheiratete als Altersvorsorge steuerlich ansetzbar sind.

Die Produkte

Die konkrete Auswahl einer Police ist – wie meist bei Finanzprodukten – nicht ganz einfach, eine pauschale Empfehlung unmöglich. Grundsätzlich können Sie eine Rürup-Rente als klassische Rentenversicherung oder als fondsgebundene Versicherung abschließen. Die anbietenden Versicherungsgesellschaften stellen bei den fondsgebundenen Varianten in der Regel heraus, dass dort die Renditechancen höher sind. Das ist grundsätzlich richtig. Dass die Kosten derartiger fondsgebundener Policen erheblich höher sind, wird dagegen nicht in den Mittelpunkt gestellt. Aktuelle Tests in Finanzzeitschriften können hier helfen.

Tipp: So sichern Sie Hinterbliebene ab
Rürup-Renten sind nicht vererbbar. Stirbt der Versicherte, profitiert normalerweise die Versichertengemeinschaft und nicht die Erben. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Bei Vertragsabschluss kann ein sogenannter Hinterbliebenenschutz vereinbart werden. Die bereits eingezahlten Beiträge werden dann in Form einer monatlichen Rente ausgezahlt. Als Hinterbliebene kommen allerdings nur Ehepartner oder Kinder, die noch Kindergeld beziehen, in Betracht. 

Altersvorsorge mit Versorgungswerken

Freiberufler und Gewerbetreibende in bestimmten Berufen sind verpflichtet, eine Altersvorsorge nach gesetzlichen Vorgaben abzuschließen. Wer in einem land- und forstwirtschaftlichen Beruf arbeitet, muss in landwirtschaftliche Alterskassen einzahlen. Freiberufler müssen über ein berufsständisches Versorgungswerk vorsorgen. Journalisten und Künstler müssen sich über die Künstlersozialkasse absichern.

Versorgungswerke haben sowohl gegenüber der gesetzlichen als auch gegenüber der privaten Rente einige Vorteile. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente wird das Geld überwiegend für die eigene Vorsorge angelegt. Gegenüber privaten Versicherungen können die Versorgungswerke ebenfalls punkten: Bei ihnen fallen für den Abschluss und für eventuelle Erhöhungen bei den Einzahlungen keine Provisionen an. Außerdem sind die Verwaltungskosten in der Regel deutlich niedriger. Gerade in Zeiten, in denen die Zinsen niedrig sind, ist dies ein entscheidender Faktor für die Rentabilität. Versorgungswerke sind also für alle, die in sie einzahlen müssen, die absolut sinnvolle Basis ihrer Altersvorsorge.

Leistungen der Versorgungswerke: 

  • Rente. Die Kernleistung besteht in einer lebenslangen Altersrente
  • Berufsunfähigkeit. Die Berufsunfähigkeit ist ebenfalls abgesichert. Großer Vorteil gegenüber allen, die sich privat gegen die BU versichern müssen: In der Regel gibt es keine Gesundheitsprüfung. So kann es nicht passieren, dass infolge von Vorerkrankungen der BU-Schutz sehr teuer wird oder gar komplett abgelehnt wird.
  • Todesfallabsicherung. Witwen, Witwer und Lebenspartner erhalten häufig 60 Prozent des zum Todeszeitpunkt erworbenen Rentenanspruchs.

Altersvorsorge mit Investmentfonds

Die Kapitalanlage über Fonds kann eine gute Ergänzung zu Versorgungswerken und Rentenversicherungen sein. Im Wesentlichen sind es 3 Punkte, die für eine Anlage in Aktien- oder Rentenfonds sprechen:

  • höhere Renditeaussichten
  • größere Flexibilität, z. B. bei Entnahmen
  • die Möglichkeit, das Kapital uneingeschränkt zu vererben

Konnte man früher noch davon ausgehen, dass bei einem Anlagezeitraum von 10 Jahren eigentlich nicht viel schiefgehen kann, ist das heute anders. Wer beispielsweise 10 Jahre lang monatlich Geld in einem europäischen Aktienfonds anlegte, musste per Ende Dezember 2011 im Durchschnitt sogar eine Negativrendite von –0,9 Prozent hinnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt der Fondsverband BVI. Um Renditen von 5 bis 6 Prozent zu erreichen, mussten Anleger schon 30 Jahre lang in einem Fonds Geld anlegen. Für die langfristige Anlage meist empfehlenswerter als die aktiv gemanagten Aktienfonds sind sogenannte Indexfonds, bei denen in der Regel wesentlich geringere Gebühren anfallen.

Tipp: Wer mit Aktien- oder Rentenfonds fürs Alter vorsorgen will, sollte möglichst noch 20 Jahre Zeit haben, regelmäßig Geld anzusparen. Dann sind ordentliche Renditen drin.

Beispielrechnung: Rürup-Rente

Die steuerliche Förderung führt dazu, dass die Rürup-Rente die private Rentenversicherung in Sachen Rendite hinter sich lässt. Das gilt für junge Selbstständige und für ältere sogar noch ein bisschen mehr, da sich hier die Steuervorteile noch stärker auswirken.&nb

Professor Thomas Dommermuth, Gründer des Instituts für Vorsorge- und Finanzplanung in Altenstadt und einer der renommiertesten Altersvorsorge-Spezialisten in Deutschland, hat die beiden Formen der Altersvorsorge durchgerechnet. Dabei lagen folgende Annahmen zugrunde:

Persönliche Annahmen: Lediger Mann, selbstständig, Jahreseinkünfte 60.000 EUR, privat kranken- und pflegeversichert mit 400 EUR Beitrag pro Monat (80 Prozent steuerlich abzugsfähig), Rentenbeginn mit 67 Jahren, Lebenserwartung gemäß DAV R 2004 1. Ordnung.

Annahmen Versicherung: Rendite Ansparphase: 4,30 %, Abschlusskosten: 5,10 % der Beitragssumme, Verwaltungskosten: 2,80 % vom Beitrag, Verrentungszins: 4,00 %

Das Ergebnis dieser Berechnung finden Sie in der Excel-Download-Vorlage.

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