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Auskunfteien: Welchen Einfluss haben Bonitätsbewertungen auf mein Unternehmen?

So optimieren Sie die Bonitätsbewertung Ihres Unternehmens
Von Jörgen Erichsen
Aktualisiert am: 14.08.2015

Stellen Sie sich vor, ein potenzieller Geschäftspartner erkundigt sich bei einer Auskunftei über die Bonität Ihres Unternehmens. Und weil die Einstufung nur mittelmäßig ist, entscheidet er sich, das Geschäft mit Ihrem Wettbewerber zu machen, obwohl dessen Angebot ein klein bisschen schlechter ist. Das kommt in der Praxis häufiger vor als viele glauben. Das Tückische ist, dass Sie in aller Regel nicht einmal erfahren, wenn Geschäftspartner so reagieren. Der Beitrag zeigt, wie Ihre Geschäftspartner recherchieren. Und auch, wie Sie selbst Ihre Bonitätseinstufung prüfen und was Sie tun können, um diese zu verbessern.

Auskunfteien bewerten Zahlungsfähigkeit

Unternehmen, Selbstständige und Privatpersonen werden von Auskunfteien, wie z.B. Creditreform oder Schufa, regelmäßig darauf untersucht, wie solvent sie sind. Die Einschätzung drückt sich i.d.R. in einem Prozent- oder Scoringwert (Punktwert) aus. Je höher der Prozent- (z.B. Schufa) bzw. je niedriger der Punktwert (z. B. Creditreform), desto besser die Bonitätseinstufung.

So recherchieren Ihre Geschäftspartner

Wenn ein neuer Kunde mit Ihnen ein Geschäft über z.B. 20.000 EUR abschließen möchte, und in Ihrer Branche nur Zahlung auf Rechnung mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen üblich ist, müssen sie in Vorleistung gehen, und u.a. Material und Mitarbeiter bezahlen. Gleichzeitig können Sie nicht sicher sein, ob der Kunde später tatsächlich bzw. pünktlich zahlt. Sie werden also eine Möglichkeit suchen, mehr über den Kunden und sein Zahlungsverhalten in Erfahrung zu bringen, um sich in diesem Punkt abzusichern. Das können Sie, indem Sie sich an eine Auskunftei wenden und diese um eine Einschätzung der Bonität des potenziellen Kunden bitten.

Genauso verhalten sich Ihre Lieferanten, Kunden und andere Geschäftspartner. Vor einem möglichen Vertragsabschluss werden sich viele darüber informieren, wie Ihr Betrieb in Bezug auf die Bonität eingeschätzt wird. Die Geschäftspartner müssen der Auskunftei dazu nur ein „berechtigtes Interesse“ nachweisen. Das kann z. B. eine geplante Geschäftsanbahnung, also ein Kauf, sein. Auch bei bestehenden Geschäftsbeziehungen ist meist ein Anlass für die Einholung einer Auskunft gegeben; beispielsweise wenn man hört, dass sich das wirtschaftliche Umfeld eines Kunden oder seiner Brache verändert hat, und man eine Risikoeinschätzung vornehmen oder erneuern möchte.

Der wesentliche Vorteil von Auskunfteien für den Nutzer ist, dass er relativ preiswert (Auskünfte kosten meist nur wenige Euro zzgl. einer eventuellen Jahresgebühr), schnell und anhand von nur einer Zahl über die Bonität informiert wird. Der Nutzer selbst muss keine eigenen Recherchen anstellen. Das übernehmen die Auskunfteien für ihn. Sie sammeln nicht nur Daten zum betreffenden Unternehmen, sondern recherchieren weitergehend. Beispielsweise fließen Branchen- und Strukturrisiken, Abhängigkeiten von Branchen, Zahlungsweise, Auffälligkeiten oder Liquidität mit in die Bewertung ein. Alle Informationen werden miteinander verknüpft, zu zentralen Kennziffern zusammengefasst und zu Referenzdaten in Verbindung gesetzt, z. B. zum Branchendurchschnitt. Der größte Nachteil bei Auskunfteien ist, dass nicht genau klar ist, wie sich eine Bewertung insgesamt zusammensetzt. Natürlich gibt es Faktoren, bei denen unstrittig ist, dass sie eine Einstufung beeinflussen, etwa wenn pünktlich oder unpünktlich gezahlt wird oder es zu Kontoüberziehungen kommt. Aber ob und in welchem Umfang man z.B. für Struktur- oder Branchenrisiken in „Sippenhaft“ genommen wird, lässt sich meist nicht ersehen. Insofern wird es kaum möglich sein, an allen Stellschrauben für eine bessere Bewertung gezielt zu „drehen“.

So verbessern Sie Ihre Bonitätseinstufung

Wissen Sie, wie große Auskunfteien Ihren Betrieb eingestuft haben? Falls nicht, sollten Sie dringend und kurzfristig eine Eigenauskunft einholen. Sie haben das Recht, diese von einer Auskunftei einmal pro Jahr kostenlos anzufordern. Wie Sie zu einer Eigenauskunft kommen, erklären die Auskunfteien ausführlich auf Ihren Homepages. In jedem Fall ist es beim ersten Mal notwendig, die Auskünfte schriftlich anzufordern. Auf diese Weise soll Missbrauch vermieden werden.

Wenn es keine konkreten negativen Zahlungsinformationen zu Ihrem Betrieb gibt (z.B. Verzug, Überziehungen), erhalten Sie fast immer eine gute bis sehr gute Bewertung. Liegen negative Informationen vor, verbessert sich der Wert erst, nachdem die Informationen gelöscht worden sind (vorausgesetzt, es kommen keine weiteren negativen Aussagen hinzu). Die Fristen für die Datenlöschung sind unterschiedlich geregelt.

Beispiele: Öffentliche Daten u.a. von Amts- und Vollstreckungsgerichten werden nach 3 Jahren gelöscht. Daten aus Insolvenzverfahren mangels Masse nach 5 Jahren. Nach einer Restschuldbefreiung wird das Insolvenzverfahren noch 3 Jahre gespeichert. Noch offene und gerichtlich titulierte Forderungen werden nach 30 Jahren gelöscht. Ausnahme: der Titel wird vorzeitig abgelöst.

Wenn offensichtliche Falscheinträge vorliegen, sollten Sie das der Auskunftei mitteilen und auf Korrektur bestehen. Allerdings müssen Sie nachweisen, dass es sich bei den Eintragungen wirklich um Fehler handelt (§ 35 DBSG). Auskunfteien verarbeiten Massendaten; daher kann es auch dazu kommen, dass es unvollständige Daten gibt, die zu Falschinterpretationen und in der Folge zu einem nicht gerechtfertigten schlechteren Scoringwert führen. Fehlen z. B. Angaben zu Eigentumsverhältnissen, unterstellen Auskunfteien meist, dass es sich bei Gebäuden um Mietobjekte handelt, was zu einer Verschlechterung des Wertes führen kann. Befindet sich ein Gebäude im Eigentum, sollte das der Auskunftei daher unbedingt mitgeteilt werden.

Ähnlich verhält es sich mit anderen Geschäftsfällen, die für eine Auskunftei nicht direkt nachvollziehbar sind, z.B. im Vergleich zur Branche ungewöhnlich hohe Materialeinkäufe. Dies wird von Auskunfteien i.d.R. negativ ausgelegt, da hierdurch Liquidität gebunden wird, die dem Unternehmen nicht mehr zur Verfügung steht. Erfolgt der Materialeinkauf, weil demnächst 2 größere Aufträge anstehen, ist die Entwicklung hingegen positiv zu bewerten und würde nicht zu einer Bonitätsabstufung führen. Nur muss die Auskunftei diese Zusammenhänge kennen, um eine richtige Bewertung vornehmen zu können.

Daher ist es wichtig, dass Sie zumindest die großen Auskunfteien freiwillig und regelmäßig über Ihren eigenen Betrieb, die Eigentumsverhältnisse und die wirtschaftliche Entwicklung informieren. Wird der Scoringwert nur aus der Sammlung externer Daten erstellt, besteht keine Möglichkeit, eine Entwicklung zu erklären. Anders liegt der Fall, wenn Sie selbst aktiv werden. Sie haben die Chance, bestimmte Entwicklungen zu erklären; etwa, dass der aktuelle Umsatzrückgang eine kurzfristige Angelegenheit ist, weil Sie Ihren Vertrieb umstrukturieren; oder Sie können die zuvor genannten höheren Materialeinkäufe plausibel machen. Diese Hinweise fließen fast immer kurzfristig positiv in die Bewertung ein oder verhindern zumindest eine schlechtere Einstufung.

Tipp: Wenn Sie mit Ihrem Eintrag bei einer Auskunftei nicht einverstanden sind, sollten Sie versuchen, die Angelegenheit in einem Gespräch mit Mitarbeitern der Auskunftei zu klären. Folgt keine Reaktion, sollten Sie im nächsten Schritt einen Anwalt mit der Klärung der Angelegenheit beauftragen. Sie müssen aber bedenken, dass eine Korrektur leicht mehrere Wochen oder Monate dauern kann, weil eine Löschung der Daten nur in Abstimmung mit dem Datenlieferanten erfolgen kann. Auch deshalb sollten Sie Ihre Einträge regelmäßig prüfen, um eventuelle Korrekturen so schnell wie möglich erhalten zu können.

Beispiel aus der Praxis

Herbert Schwartz, Geschäftsführer einer mittelständischen Baufirma, hat bei einem Unternehmerstammtisch zufällig erfahren, dass ein Wettbewerber einen Auftrag über fast 70.000 EUR erhalten hat, mit dem er eigentlich fest gerechnet hatte. Er sucht das Gespräch mit dem Kunden, und erfährt, dass der Grund für die Vergabe an den Konkurrenten war, dass Schwartz bei einer Auskunftei einen leicht negativen Punktwert erhalten hat und der Kunde daraufhin befürchtete, dass Schwartz möglicherweise finanzielle Probleme habe, die sich mittelfristig auf die Leistungsfähigkeit seines Betriebes auswirken könne.

Schwartz kann sich den schlechten Scoringwert nicht erklären. Schließlich ist er seit vielen Jahren erfolgreich am Markt, und er hat nahezu alle Aufträge zur Zufriedenheit seiner Kunden erledigt. Reklamationen hat es nur wenige gegeben. Er setzt sich mit der Auskunftei in Verbindung, um zu erfahren, warum er nur eine mittlere Einstufung erhalten hat und was er tun kann, um den Wert zu verbessern.

Beim Gespräch stellt sich u.a. heraus, dass der Auskunftei Informationen vorliegen, dass Schwartz in der Vergangenheit häufiger Rechnungen nicht pünktlich beglichen und schon mal sein Konto überzogen hat, ohne die Bank vorab zu informieren. Außerdem hat die Auskunftei Gebäude, die Schwartz gehören, als Mietobjekte eingestuft. Nicht zuletzt habe die leicht negative Entwicklung der Ertragslage seiner Firma der letzten 3 Jahre – auch im Branchenvergleich - zu einer schlechteren Einstufung beigetragen.

Schwartz führt aus, dass die Verschlechterung der Ertragslage darin begründet ist, dass er erheblich in neue Mitarbeiter und Maschinen investiert hat, um neue und größere Aufträge erhalten und abwickeln zu können. Allein der aktuelle Auftragsbestand sichere ihm ein besseres Ergebnis als in den Jahren zuvor. Damit begründet er auch den recht großen Anstieg des Einkaufsvolumens der letzten Monate, die für die Branche eher untypisch ist. Die positive Entwicklung kann er mit einer aktuellen BWA belegen.

Die Argumente und Nachweise führen dazu, dass sich das Rating verbessert, und Schwartz sich knapp oberhalb des als potenziell kritisch angesehenen Werts bewegt. Schwartz möchte den Wert weiter verbessern, um dem Risiko von Auftragsverlusten vorzubeugen. Ab sofort will er aktiv dazu beitragen, dass es zu keinen negativen Einträgen mehr kommt, etwa, indem er alle Rechnungen pünktlich bezahlt und strikt darauf achtet, dass es keine ungeplanten bzw. unangekündigten Kontoüberziehungen mehr gibt. Zusätzlich will er regelmäßig mit den größeren Auskunfteien sprechen und diese über wichtige Veränderungen frühzeitig informieren. Er geht davon aus, dass ihm so künftig Auftragsverluste auf Grund unvollständiger Einträge und eigener Fehler erspart bleiben.

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