Beschreiben Sie Ihre Gründungsidee: vom Traum zur Realität

Ergründung und Beschreibung des Wesentlichen bei der Existenzgründung
Aktualisiert am: 01.09.2015

Für die Existenzgründung stehen Ihnen nur begrenzte Mittel in Form von Finanzen, Zeit und Engagement zur Verfügung. Diese Mittel müssen auf das Wesentliche konzentriert werden, damit der gewünschte Erfolg eintreten kann. Doch was ist das Wesentliche, der eigentliche Kern Ihrer Gründungsidee? Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Vorstellungen genauer ergründen und exakt beschreiben. Das ist auch die Basis für das Aufstellen eines Businessplans.

Träume sind meist unklar, verklärend und wenig definiert. Damit Ihr Traum von der Selbstständigkeit nicht zum Albtraum wird, muss

  • die Idee exakt definiert werden,
  • die Idee in die Umwelt integriert werden und
  • der Realitätsbezug der Idee geprüft werden.

Beschreibung der angebotenen Leistung

Zunächst beschreiben Sie die Leistung, die Sie Ihren Kunden anbieten wollen. Diese Informationen sollten Sie zusammenstellen: Handelt es sich um ein Produkt? Eine Dienstleistung? Ist es eine Mischung aus beidem? In welcher Preisklasse liegt das Angebot?

Beschreiben Sie das Produkt so, dass seine wesentlichen Merkmale exakt definiert sind. Ist die Farbe wichtig, legen Sie die Farbe fest. Ist die Zeit wichtig, die Sie für Ihre Dienstleistung brauchen, dann führen Sie die Zeit auf.

Beschreibung der geplanten Funktionen

Die unternehmerische Tätigkeit umfasst viele Funktionen. Diese Funktionen reichen von der Rohstoffgewinnung bis hin zum Vertrieb an den Endverbraucher. Sie werden aller Voraussicht nach nicht alle Funktionen selbst ausfüllen können. Für Ihre Gründung müssen Sie deshalb definieren, was vom neuen Unternehmen selbst und was von anderen Partnern übernommen werden soll.

Sie müssen sich darüber klar werden, was Ihre Kernkompetenz ist, was Sie also besonders gut können. Darauf sollten Sie sich konzentrieren, um größtmöglichen Erfolg zu haben.

Wenn Sie ein Handelsgeschäft (gleichgültig ob Einzelhandel oder Großhandel) gründen, sind viele Funktionen (wie z. B. die Produktion) bereits ausgeschlossen. Trotzdem müssen Sie entscheiden, ob Sie den Einkauf selbstständig oder z. B. im Rahmen eines Franchising vornehmen wollen. Auch das Rechnungswesen, die Fakturierung und das Inkasso von Forderungen können ausge¬gliedert werden.

Bei einem Produktionsunternehmen müssen Sie den Grad der Eigenfertigung bestimmen. Soll das Produkt durch Partner hergestellt werden, sodass nur die Entwicklung und der Vertrieb vom eigenen Unternehmen übernommen werden? Das Gegenteil davon wäre die vollständige Eigenproduktion vom Rohstoff bis hin zum Endprodukt. Jede dazwischenliegende Stufe ist ebenfalls denkbar. Kleinere Fertigungsunternehmen vertrauen ihren Vertrieb immer öfter Profis an, sodass sich der Existenzgründer voll und ganz auf die Herstellung konzentrieren kann.

Die Qualität von Dienstleistungen ergibt sich in aller Regel durch denjenigen, der die Leistung erbringt. Trotzdem kann es – gerade in der Gründungsphase – notwendig sein, auf andere Dienstleister zurückzugreifen, um Kapazitätsengpässe zu vermeiden oder Spezialleistungen anbieten zu können.

Beispiel: Marianne M. möchte in Münster einen Friseursalon für Damen eröffnen und ihren Kundinnen auch Leistungen im Bereich der Kosmetik anbieten. Da sie dazu weder die Zeit noch die notwendigen Kenntnisse hat, vereinbart sie eine Zusammenarbeit mit einer ausgebildeten, freiberuflich tätigen Kosmetikerin, die ihre Leistung an bestimmten Wochentagen im Salon von Marianne M. anbietet.

Jedes Handwerk besteht aus einer Mischung aus Handel und Dienstleistung, wobei die verkauften Handelswaren mit der Dienstleistung verbunden werden. Auch hier gilt es festzustellen, welche handwerklichen und unternehmerischen Funktionen Sie im neuen Unternehmen selbst ausfüllen und welche Sie an Partner übertragen wollen. Damit können Sie Kapazitätsspitzen ausgleichen und sich fehlendes Know-how einkaufen. So müssen z. B. vom Heizungs- und Sanitärfachmann oft auch Fliesen- und Elektroarbeiten erledigt werden. Hier können Arbeiten ausgelagert werden.

> Lesen Sie auch den Beitrag "Gründung: Diese Besonderheiten gelten für die Handwerks-GmbH."

Beschreibung des Einzugsgebietes

Einen großen Einfluss auf die Ausgestaltung Ihres Gründungstraums hat das Einzugsgebiet, in dem Ihr Unternehmen tätig werden soll. Während das Einzugsgebiet im Einzelhandel meistens auf eine Stadt begrenzt ist, müssen Handwerker schon regional denken. Importeure vertreiben ihre Waren in ganz Deutschland, Produktionsunternehmen können ihre Leistungen auch weltweit anbieten.

  • Eine Stadt reicht nur für kleinere Einzelhändler und Dienstleister aus.
  • Eine Region umfasst auch Nachbarstädte und erhöht das Einzugsgebiet für Händler, Dienstleister und Handwerker.
  • Die meisten Handwerker müssen auch überregional (also über Kreis  und Stadtgrenzen hinaus) tätig werden, um genügend Kunden zu finden.
  • Deutschlandweit sind Großhändler, Importeure und Fertigungsunternehmen tätig.
  • Im Ausland, in der EU und darüber hinaus finden sich etablierte Fertigungsunternehmen und Großhändler.
  • Durch einen Internetshop können die Leistungen eines Handelsunternehmens ohne große Kosten auch weltweit angeboten werden.

Tipp: Vertriebsgebiet nicht allzu groß festlegen
Als Existenzgründer sollten Sie sich zunächst darauf konzentrieren, Ihr Einzugsgebiet ausreichend weit, aber nicht zu weit zu wählen. Sie können Ihre Aktivitäten als Produzent z. B. zunächst in Deutschland ausüben und nach erfolgreichem Start damit beginnen, in benachbarte EU-Länder zu exportieren. Damit übernehmen Sie sich nicht gleich zu Beginn.

Beschreibung der Besonderheiten des Angebots

Ein junges Unternehmen ist darauf angewiesen, möglichst schnell Kunden für seine Leistungen zu finden. Ein besonderes Angebot wird die Abnehmer dazu bringen, ihren Bedarf bei dem neuen Lieferanten oder im neuen Geschäft zu decken. Was also ist das Besondere an Ihrem Angebot?

  • Die einfachste Besonderheit ist natürlich der Preis, wenn er unter dem bisher auf dem Markt üblichen Wert liegt. Der Preis wird einige Kunden dazu bringen, dem neuen Unternehmen Aufträge zu geben.

    Achtung: Beruht die Besonderheit Ihres Angebots nur auf dem Preis, steht Ihre Existenzgründung auf tönernen Füßen. Wirklich erfolgreich können Sie nur sein, wenn Sie tatsächlich weniger Kosten als Ihre Mitbewerber haben. Ist das nicht der Fall, werden sich Ihre Mitbewerber durch Preisnachlässe wehren. Dann hat Ihr junges Unternehmen kaum Überlebenschancen.
  • Das Angebot ist neu und auf dem Markt noch nicht vorhanden. Eine solche Situation ist nur sehr selten anzutreffen. Sie bedeutet unter Umständen, dass eine Nachfrage für das Angebot erst noch teuer geschaffen werden muss.
  • Die Leistung besteht aus einer Kombination bereits vorhandener Angebote, die dem Kunden einen zusätzlichen Nutzen verschafft.
  • Das Angebot passt genau in eine Marktnische. Das ist z. B. der Fall, wenn neben den vorhandenen Ärzten in einer Gemeinde noch ein Heilpraktiker seine Praxis eröffnet.
  • Das Produkt oder die Dienstleistung hat eine besondere Eigenschaft, die bisherige Angebote nicht haben. Hierbei kann es sich z. B. um hochwertige Designerwaren handeln oder um besonders schnell ausgeführte Handwerksleistungen.
Beschreibung der besonderen Kompetenz

Zum Abschluss der Ideenbeschreibung muss der Bogen zu Ihrer besonderen Kompetenz als Gründer geschlagen werden. Warum sind gerade Sie besonders dazu geeignet diese Idee umzusetzen?

Bei der Beantwortung dieser Frage spielen 2 Parameter eine Rolle:

  • Welche Erfahrungen hat der Gründer mit den beschriebenen Leistungen, den unternehmerischen Funktionen, den Einzugsgebieten und den Besonderheiten des Angebotes? Je länger sich der Jungunternehmer bereits mit diesen Kriterien beschäftigt hat, desto realistischer ist es, dass er seinen Traum umsetzen kann.
  • Hat der Gründer das Talent, das beschriebene Angebot umzusetzen? Wurde dieses Talent (durchaus auch auf anderen Gebieten) bereits bewiesen, lässt sich die Existenzgründung mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgreich umsetzen.
Gründungsidee in komprimierter Form darlegen

Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Gründungsidee auf einer DIN-A4-Seite darzustellen. Das gibt Ihnen einen komprimierten Überblick über Ihre Idee und macht Ihren Traum greifbar. Gleichzeitig tun Sie mit der Zusammenstellung dieser Informationen den ersten Schritt zu einem Businessplan, den Sie später noch aufstellen müssen.

Viele weitere Tipps rund um die Geschäftsidee und den Businessplan finden Sie übrigens auch hier

Auszug aus dem Fachbuch Erfolgreiche Existenzgründung , Reinhard Bleiber, 3. Auflage 2013, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, 34,95 EUR, ISBN: 978-3-648-03795-9, Bestell-Nr.: E00248 → Hier bestellen!

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