Betriebsrentenstärkungsgesetz: Vorteil oder Last für kleinere Unternehmen? /fileadmin/_processed_/9/5/csm_Altersvorsorge_c5ecd90562.jpg 2018-01-16 Lexware

Betriebsrentenstärkungsgesetz: Vorteil oder Last für kleinere Unternehmen?

Rentenerpaar am Strand, was passiert zukünftig mit der Betriebsrente?
Von Lexware-Redaktion
Aktualisiert am: 16.01.2018

Den Druck des Arbeitsmarkts bekommen auch kleinere Unternehmen zu spüren: Wenn sie auf der Suche nach Fachkräften sind, stehen sie im Wettbewerb mit den größeren Unternehmen, die Bewerber gerne mit attraktiven Incentives locken. Ein Anreiz, den bisher die Großen besser ausspielen konnten, ist beispielsweise die betriebliche Altersvorsorge. Jetzt soll das Betriebsrentenstärkungsgesetz (seit 01.01.2018 in Kraft) auch kleineren Unternehmen ermöglichen, ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Im Vorfeld wurde die sogenannte „Nahles-Rente“ doch häufig unter den Verdacht gestellt, kleinere Betriebe eher zu belasten. Was bedeutet das Betriebsrentenstärkungsgesetz für den KMU wirklich: Fluch oder Segen? Wir haben die wichtigsten Infos für Sie zusammengefasst.

Betriebliche Altersvorsorge mit Sozialpartnern

Am 01.01.2018 ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft getreten. Wie sieht die betriebliche Altersvorsorge jetzt aus? Grundsätzlich ist das neue Modell der Betriebsrente so gestaltet, dass die Unternehmen mit Tarifpartnern bzw. Sozialpartnern zusammenarbeiten (daher der Begriff: Sozialpartnermodell). Die Sozialpartner haben die Aufgabe, gemeinsam mit den Versorgungseinrichtungen passende Betriebsrentensysteme einzurichten und zu betreiben.

Betriebliche Altersvorsorge ohne Garantien: keine Haftung der Arbeitgeber

Der Prozess der Geldüberweisung sieht dann so aus, dass der Arbeitgeber den festgelegten Beitrag an die Versorgungseinrichtung zahlt. Für ihn heißt es: „pay and forget“. Denn der Arbeitgeber ist nach der Zahlung von jeglicher Haftung befreit.

Daher könnte die neue betriebliche Altersvorsorge auch für kleinere Unternehmen interessant sein, insofern sie keine Probleme durch Haftungsklauseln zu befürchten haben. Andererseits muss der Arbeitnehmer ohne Garantien leben, da für ihn eine reine Beitragszusage gilt (also keine Aussicht auf bestimmte Renditen, nur Zusage der Beitragszahlung).

Betriebliche Altersvorsorge auch für nicht-tarifgebundene Unternehmen möglich

Was für kleinere Betriebe auch gut zu wissen ist: Auch nicht-tarifgebundene Unternehmen können eine betriebliche Altersvorsorge anbieten, indem sie den Tarif und die Versorgungseinrichtung ihrer Branche nutzen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass jeder Arbeitgeber eine Betriebsrente anbieten muss. Die Entscheidung, ob ein Betrieb die Möglichkeit zur bAV anbietet oder nicht, bleibt ihm überlassen. In diesem Sinne lässt sich der Vorwurf entkräften, dass das Betriebsrentenstärkungsgesetz kleinere Betriebe per se belaste, denn schließlich verpflichtet es sie zu nichts.

Weitere Neuerungen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes

Bis zu einem bestimmten Betrag kann ein Arbeitnehmer steuerfrei sein Entgelt in die betriebliche Altersvorsorge umwandeln lassen. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz hat eine neue Grenze der steuerfreien Entgeltumwandlung festgelegt: Seit 01.01.2018 bleiben bis zu bis 8 % der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei (zuvor 4 % plus 1.800 € in bestimmten Fällen).

Zudem muss der Arbeitgeber einen Zuschuss in Höhe von 15 % der Entgeltumwandlung leisten – im Gegenzug zu den eingesparten Sozialversicherungsbeiträgen. Der Zuschuss fließt direkt an die Versorgungskasse. Startet die Entgeltumwandlung im Jahr 2019, ist der Zuschuss sofort zu entrichten. Für bestehende Entgeltumwandlungs-Verträge greift die Zuschuss-Verpflichtung erst ab 2022.

Bei Geringverdienern (mit Jahresbruttoeinkommen von maximal 26.400 €) gibt es eine staatliche Förderung, wenn das Unternehmen einen zusätzlichen Arbeitgeberbeitrag zahlt. Für einen Arbeitgeberbeitrag zwischen 240 € und 480 € im Jahr zahlt der Staat eine Summe von 30 % des Arbeitgeberbeitrags (also einen Betrag zwischen 72 € und 144 €). Den Betrag kann der Arbeitgeber über eine Verrechnung mit der Lohnsteuer einbehalten.

Betriebliche Altersvorsorge in Kleinunternehmen: attraktiv oder nicht?

Da das Betriebsrentenstärkungsgesetz keine Verpflichtung zum Angebot einer Betriebsrente enthält, ist der Vorwurf abwendbar, dass das Gesetz Kleinunternehmen per se belaste. Vielmehr steht Betrieben jeder Größe offen, sich bestimmten Tarifen anzuschließen oder nicht. Fraglich bleibt, ob die „Nahles-Rente“ als Instrument zur Mitarbeiterbindung oder -anwerbung funktioniert. Die Erfahrung wird zeigen, ob die bAV trotz fehlender Garantien für Arbeitnehmer attraktiv ist.

Video-Schulung zur betrieblichen Altervorsorge

Kosten senken und Mitarbeiter binden


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