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BVBC-Gehaltsstudie für Controller und Buchhalter: Entwicklung geht zu immer mehr Qualifikation

Ergebnisse der Buchhalter Gehaltstudie
Von Cecilia Hardenberg
Aktualisiert am: 14.09.2016

Verschiedenen Studien zufolge fühlt sich jeder zweite Deutsche für seine Leistungen zu schlecht bezahlt. Gilt das auch im Rechnungswesen und Controlling? Kann dort aktuell mit einer Gehaltssteigerung gerechnet werden? Die diesjährige BVBC-Gehaltsstudie liefert hierzu interessante Ergebnisse.

Über den Berufszweig der (Bilanz-)Buchhalter, Controller und anderer Mitarbeiter mit ähnlichen Funktionen gibt es kaum verlässliche Fakten, da sie keiner Kammer angehören, die solche Informationen sammelt. Umso mehr Beachtung finden entsprechende Studien, wie die aktuell veröffentlichte Gehaltsanalyse des BVBC. Sie hilft den Angehörigen dieser Berufsgruppen, ihre eigene Dotierung besser einordnen zu können und auch für Personalabteilungen ist sie eine wertvolle Orientierung für die Gehalts- und Personalplanung.

Fakten zur Buchhalter Gehaltsstudie

Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) führte seine Gehaltsanalyse dieses Mal ohne Hinzuziehung eines Kooperationspartners durch. Der Online-Fragebogen wurde allen BVBC-Mitgliedern und weiteren Interessenten zur Verfügung gestellt sowie bei berufsspezifischen Fachgruppen und Netzwerken, wie Xing, und Facebook, breit gestreut. Im Januar und Februar 2016 haben Fach- und Führungskräfte aus Rechnungswesen und Controlling, Management und Steuern den Fragebogen ausgefüllt.

Die Fragen wurden erstmals für die drei Berufsgruppen „Buchhalter“, „Controlling“ und „andere übergreifende Leitungsfunktionen in Finanz- und Rechnungswesen sowie Steuern“ getrennt ausgewertet, um die Aussagefähigkeit der Ergebnisse zu erhöhen. Dies ergab 886 Teilnehmer aus dem Bereich Buchhaltung, 173 aus dem Bereich Controlling und 225 aus der Berufsgruppe „andere übergreifende Leitungsfunktionen“. Im Bereich Buchhaltung beteiligten sich etwa 28 Prozent Fachkräfte, wie Steuerfachgehilfen, Lohn- und Gehaltsbuchhalter, Kreditoren-/Debitorenbuchhalter oder Finanzbuchhalter, d.h. die Ergebnisse sind nur bedingt mit früheren BVBC-Gehaltsanalysen (vor 2014) vergleichbar, die sich nur auf Bilanzbuchhalter bezogen.

Im Fokus der Studie steht insbesondere die Einkommenssituation für Fachkräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen sowie Controlling, aber auch die Zusammensetzungen dieser Berufsgruppen nach Geschlecht, Ausbildung, Branche, Stellung, Arbeitsschwerpunkten sowie Zusatzleistungen finden Beachtung. Dadurch ergaben sich teils erhebliche Abweichungen von den Durchschnittswerten.

Wichtig: Die Gehaltsangaben beziehen sich auf die Gesamtbezüge des Jahres 2015. Diese wurden detailliert abgefragt und sind somit sehr genau und zuverlässig.

Kernaussagen der Buchhalter Gehaltsstudie: Bilanzbuchhalter verdienen deutlich mehr

Die Durchschnittsgehälter der Bilanzbuchhalter sind laut Studie seit 2014 wieder stärker angestiegen (um 4,5 Prozent). Der gerechnete Mittelwert liegt bei 56.634 Euro im Jahr. Die Bilanzbuchhalter (dazu zählen Anlagenbuchhalter, Bilanzbuchhalter International, Konzernbilanzbuchhalter, Leiter Buchhaltung und Leiter Rechnungswesen) sind damit die einzige untersuchte Berufsgruppe, bei der das Durchschnittsgehalt angestiegen ist.

Diese Entwicklung bestätigen 408 Befragte, die in den vergangenen zwölf Monaten eine Gehaltserhöhung erhalten haben: Bei 66 Prozent lag diese zwischen einem und fünf Prozent und 22 Prozent der Befragten erhielten sogar eine Erhöhung zwischen sechs und zehn Prozent. Weitere 39 Befragte haben Zusatzleistungen wie Boni oder einen Firmenwagen erhalten und 122 Befragte erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine Gehaltserhöhung.

Bei den Controllern ist in allen Gehaltsstufen ein deutlicher Gehaltsrückgang zu verzeichnen. Die Junior-Controller sind am stärksten betroffen (-10 Prozent), wogegen das Gehalt von Senior Controllern um 8 Prozent und das der Leiter Controlling um 4 Prozent sank. Das Durchschnittseinkommen im Controlling liegt aktuell bei 56.689 Euro. Dies stellt ein Rückgang um mehr als 10 Prozent dar, wobei Männer etwas stärker als Frauen betroffen sind.

Praxis-Hinweis: Nachfrage an Führungskräften steigend

Nach Aussage des BVBC bestand Ende 2015 eine verstärkte Nachfrage nach Führungskräften im Controlling. Das kann sich in 2016 positiv auf das Gehalt auswirken.

Ergebnisse Buchhaltung im Überblick:

Durchschnittswerte
Durchschnittswerte Gesamt 2016 Gesamt 2014 Frauen 2016 Frauen 2014 Männer 2016 Männer 2014
Einkommen (EUR) 49.505 51.157 43.975 46.815 54.343 55.353
Urlaub/Jahr (Tage) 29 28 28 28 29 29
Alter (Jahre) 41 39 40 41 42 42
Arbeitsstunden/Woche (Vollzeit) 44 43 43 41 44 44

Ergebnisse Controlling im Überblick:

Durchschnittswerte
Durchschnittswerte Gesamt 2016 Gesamt 2014 Frauen 2016 Frauen 2014 Männer 2016 Männer 2014
Einkommen (EUR) 59.689 63.404 52.561 54.585 61.973 66.108
Urlaub/Jahr (Tage) 29 29 29 29 29 29
Alter (Jahre) 37 37 37 36 37 38
Arbeitsstunden/Woche (Vollzeit) 44 45 43 43 45 46

Ergebnisse anderer übergreifende Leistungsfunktionen im Finanz- und Rechnungswesen und Steuern im Überblick:

Durchschnittswerte
Durchschnittswerte Gesamt 2016 Frauen 2016 Männer 2016
Einkommen (EUR) 71.450 64.113 74.746
Urlaub/Jahr (Tage) 29 29 29
Alter (Jahre) 44 44 44
Arbeitsstunden/Woche (Vollzeit) 47 48 46

Aus der Tabelle gehen die Durchschnittswerte des Einkommens von Buchhaltern, Controllern und Personen mit „anderen übergreifenden Leitungsfunktionen“ hervor. Sie wurden in Bezug zum Geschlecht, der Wochenarbeitszeit und dem Jahresurlaub gesetzt. Interessant ist, dass die Gehälter im Bereich Buchhaltung im Vergleich zu der BVBC-Auswertung 2014 zwar um drei Prozent gesunken sind, sich die Einkommen der Führungskräfte in diesem Bereich aber um 6,1 Prozent erhöhten. Insgesamt ist das Gehalt von Frauen in der Buchhaltung mehr gesunken (-6 Prozent) als das von Männern (-2 Prozent). Die größten Einbußen (-29 Prozent) musste die Gruppe „Internationaler Bilanzbuchhalter“ hinnehmen.

Die Verlierer der Einkommensentwicklung sind insgesamt eindeutig die Controller, die zum Teil Einbußen von mehr als 10 Prozent zu verzeichnen hatten (leitende Angestellte -9,9 Prozent, mittleres Management -14,5 Prozent). Dabei haben Männer größere Einkommenseinbußen (-6,3 Prozent) als Frauen (3,7 Prozent). Die anderen Parameter haben sich im Vergleich zu 2014 faktisch nicht verändert.

Ergebnisse der Buchhalter Gehaltsstudie: Controller verdienen am meisten

Obwohl die Gehälter insgesamt rückläufig sind, verdienen Controller rund 10.000 Euro/Jahr mehr als Mitarbeiter im Bereich Buchhaltung. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt im Bereich Controlling liegt für Junior-Controller derzeit bei 35.909 Euro und macht dann einen Sprung um 15.810 Euro zur nächsten Stufe als „Controller“ (siehe Tabelle). Der Spitzenverdienst als „Leiter Controlling“ liegt bei 74.634 Euro, 2014 waren es noch 78.059 Euro. Damit verdienen „Leiter Controlling“ 18.000 Euro mehr als „Leiter Buchhaltung“ und rund 9.000 Euro mehr als „Leiter Rechnungswesen“. Das liegt meist daran, dass das Controlling normalerweise eine Stabstelle im Unternehmen darstellt und allein deshalb höher dotiert wird. Auch setzen Arbeitgeber im Bereich Controlling heutzutage oftmals ein Hochschulstudium voraus, das sich ebenfalls positiv auf das Gehalt auswirkt.

Allerdings scheinen sich die beiden Bereiche „Buchhaltung“ und „Controlling“ hinsichtlich des Einkommens langsam anzunähern, da die Differenz in 2014 noch höher lag (12.200 Euro/Jahr). Dies kann aber auch dem Umstand geschuldet sein, dass bei dieser Studie 2016 alle Mitarbeiter des Rechnungswesens erfasst werden, d.h. auch die Mitarbeiter mit geringerer Qualifikation, d.h. ohne Abschluss als „Geprüfter Bilanzbuchhalter“. Daher bleibt abzuwarten, ob sich die Bereiche tatsächlich künftig angleichen.

Funktion und Einkommen Controlling 2014:

Funktion
Funktion Anzahl Durchschnittliches Einkommen
Junior Controller 43.975 46.815
Controller 28 28
Senior Controller 40 41
Leitender Controller 43 41
Controlling, andere Position 212 69.481
Gesamtergebnis 937 62.681

Funktion und Einkommen Controlling 2016:

Funktion
Funktion Anzahl Durchschnittliches Einkommen
Junior Controller 49.505 51.157
Controller 29 28
Senior Controller 41 39
Leitender Controller 44 43
Controlling, andere Position k.A. k.A.
Gesamtergebnis 173 59.494

Buchhalter Gehaltsstudie: Bilanzbuchhalter international gut entlohnt

Zwischen der Entlohnung von „gewöhnlichen“ Bilanzbuchhaltern und solchen, die als internationaler Bilanzbuchhalter oder Konzernbilanzbuchhalter tätig sind, gibt es einen deutlichen Gehaltsunterschied von fast 15.000 Euro. Damit setzt sich bisherige Entwicklung fort. Zwar ist das Gehalt auch von der Unternehmensgröße abhängig, dennoch wird die Qualifikation zum „Bilanzbuchhalter International“ von den Unternehmen deutlich honoriert. Sehr hohe Einkommen werden als Konzernbilanzbuchhalter erzielt, deren Einkommen sogar noch rund 3.300 Euro über dem Einkommen der Leiter Buchhaltung in kleinen oder mittleren Unternehmen liegt. Die höchsten Einnahmen erzielen Leiter Rechnungswesen mit 65.443 Euro und den größten Gehaltssprung machten die Anlagenbuchhalter, deren Durchschnittsgehalt um rund 7 Prozent stieg.

Die Tabelle zeigt, dass sich Qualifikationen lohnen, da z.B. die Funktionen „Sachbearbeiter Buchhaltung“, „Kreditoren-/Debitorenbuchhalter“, „Lohn- und Gehaltsbuchhalter“ und „Finanzbuchhalter“ durchschnittlich 15-20 Prozent schlechter als „Bilanzbuchhalter“ bezahlt werden. Interessant ist auch, dass die Gehaltsdifferenz zwischen Steuerfachwirten und Bilanzbuchhaltern bei 11.000 Euro liegt. Das bedeutet, dass Mitarbeiter in privaten Steuerkanzleien im Verhältnis zur freien Wirtschaft schlechter bezahlt werden. Selbst mit einer Qualifikation als Steuerfachwirt, die dem Bilanzbuchhalter gleichzusetzen ist, wird das Gehaltsniveau eines Finanzbuchhalters oder Lohn- und Gehaltsbuchhalters in der freien Wirtschaft nicht erreicht.

Buchhalter Gehaltsstudie: Frauen weiter benachteiligt

Obwohl Frauen den Bereich Buchhaltung dominieren, verdient laut Studie eine vollzeitbeschäftigte Frau im Bereich Buchhaltung 10.368 Euro (19 Prozent) weniger als ein männlicher Kollege. Damit ist die Einkommensdifferenz im Vergleich zur Auswertung in 2014 sogar um 4,5 Prozent gestiegen. Ein Grund dafür könnte sein, dass ein wesentlich höherer Anteil an Männern in höheren, besser bezahlten Positionen tätig ist.

Im Controlling sind deutlich mehr Männer als Frauen beschäftigt. Auch hier zeigt sich, dass Controllerinnen 9412 Euro (15 Prozent) weniger als Controller verdienen. Verglichen mit der Auswertung in 2014 haben sich die Werte zwar leicht angenähert (um zwei Prozent), doch auch hier ist das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern beachtlich.

Die Benachteiligung von Frauen zieht sich durch alle Einkommensstufen und bestätigt damit die weiter anhaltende gesellschaftliche Diskussion um die Einkommensverteilung in Verbindung mit dem Geschlecht. Die Schere zwischen Männern und Frauen klafft nach wie vor weit auseinander, wobei der Gehaltsunterschied in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren „nur“ rund 7 Prozent beträgt. Er vergrößert sich mit zunehmendem Alter deutlich (auf 22 Prozent). Die Gründe sind hier auch in der noch ungenügenden Vereinbarung zwischen Beruf und Familie zu sehen. Wer beispielsweise in Elternzeit geht, nimmt meist nicht mehr an den üblichen Gehaltsrunden und -steigerungen teil. Auch fehlt es oft an Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Darüber hinaus existieren laut der Studie in vielen Unternehmen noch immer eingefahrene, konservative Strukturen, die eine umfassende Unterstützung, Akzeptanz und passgenaue Personalentwicklung vermissen lassen.

Buchhalter Gehaltsstudie: Mit dem Alter steigt das Gehalt

Wie erwartet ergab die diesjährige Gehaltsanalyse auch wieder eine enge Korrelation zwischen dem Alter und dem Einkommen, d.h. im Alter zwischen 31 und 40 Jahren sind bei allen Berufsgruppen deutliche Gehaltssteigerungen zu verzeichnen (Buchhaltung +11.847 Euro, Controlling +12.568 Euro, übrige Leitungsfunktionen +14.576 Euro). Die nächste (größere) Gehaltssteigerung erfolgt in der Altersstufe zwischen 41-50 Jahren. Hier erhöht sich das Gehalt in der Buchhaltung um weitere 8.442 Euro, im Controlling um 14.467 Euro und bei den übrigen Leitungsfunktionen um 12.704 Euro. In der darüber liegenden Altersstufe 51 bis 60 Jahre steigt das Gehalt in der Buchhaltung geringfügig (+4.443 Euro) und sinkt leicht in den beiden anderen untersuchten Gruppen. Ab der Altersklasse über 60 Jahre ist jedoch noch einmal ein Sprung nach oben erkennbar.

Funktion und Einkommen Buchhaltung:

Funktion
Funktion Anzahl 2016 Einkommen 2016 Anzahl 2014 Einkommen 2014
Steuerfachangestellter 59 29.195 k.A. k.A.
Sachbearbeiter Buchhaltung 45 31.556 64 30.625
Kreditoren-/Debitorenbuchhalter 32 35.703 77 34.481
Lohn-/Gehaltsbuchhalter 13 35.769 16 36.719
Finanzbuchhalter 98 36.505 152 36.069
Buchhaltung, andere Bereiche k.A. k.A. 86 49.157
Steuerfachwirt 26 32.115 k.A. k.A.
Bilanzbuchhalter 293 43.114 471 45.159
Anlagenbuchhalter 20 54.375 54 50.741
Leiter Buchhaltung 106 56.722 375 60.068
Konzernbilanzbuchhalter 19 60.000 11 63.093
Internationaler Bilanzbuchhalter 17 60.147 37 73.636
Leiter Rechnungswesen 158 65.443 k.A. k.A.
Gesamt 886 46.724 1343 48.857

Buchhalter Gehaltsstudie: Gehaltsbestimmende Faktoren

Fach- und Führungskräfte im Finanz- und Rechnungswesen sowie Controlling (78 Prozent Männer und 66 Prozent Frauen) verfügen überwiegend über mindestens einen weiteren Abschluss; viele haben sogar drei weitere Qualifikationen. Damit setzt sich die Entwicklung zu immer mehr Qualifikationen fort. Der klassische Weg einer kaufmännischen Ausbildung reicht nicht mehr aus, um sich im Berufsleben eine adäquate Position zu sichern. Das haben die Berufsgruppen erkannt. Oft werden die praktischen Kenntnisse über ein zusätzliches betriebswirtschaftliches Studium an einer Berufsakademie, der IHK oder der VWA untermauert. Auch eine Weiterbildung zum „Geprüften Bilanzbuchhalter“ oder „Bilanzbuchhalter International“ wird häufig absolviert. Dieser Trend spiegelt sich auch in den Anforderungs- und Stellenprofilen der Unternehmen wider, die ein Studium oft voraussetzen. Mit einem Bachelor-, Diplom- oder Master-Abschluss können Bewerber punkten. Doch damit nicht genug: Mehrheitlich haben die Befragten vor oder nach dem Studium noch mindestens eine weitere praxisorientierte Weiterbildung absolviert. An erster Stelle steht hier die klassische Qualifikation zum „Geprüften Bilanzbuchhalter“, die als besonders praxisorientiert gilt.

Wichtig: Weiterbildung sichert Job

Wie die Analyse zeigt, ist lebenslanges Lernen im Finanz- und Rechnungswesen sowie Controlling unerlässlich, wenn es darum geht, seinen Marktwert und seine Karrierechancen zu erhöhen. Erarbeiten Sie sich daher eine persönliche Karrierestrategie.

Buchhalter Gehaltsstudie: Generalist oder Spezialist?

Der Studie zufolge wird im Controlling von kleineren Unternehmen bis 150 Mitarbeitern gerne ein „Biltroller“ beschäftigt, d.h. ein Controller mit fundiertem Bilanzwissen oder ein Bilanzbuchhalter mit einem tiefen Verständnis für Planzahlen, Reportings und Kostenrechnung, der die Aufgaben des Rechnungswesens und Controllings in einer Person vereint. Dagegen fehlt es nach Aussagen weiterer Studien offenbar an Experten mit Spezial- oder Nischenwissen in größeren Unternehmen. Fach- und Führungskräfte im Finanz- und Rechnungswesen und Controlling sollten sich daher frühzeitig damit auseinandersetzen, ob sie sich eher als Generalist bzw. Biltroller oder als Spezialist sehen. Dementsprechend können sie sich eine Strategie zur Karriereplanung zurechtlegen, Weichen stellen und Qualifikationen aufbauen, die ihnen den Job und ein höheres Gehalt sichern.

Buchhalter Gehaltsstudie: Berufserfahrung wichtigster Faktor

Die Berufserfahrung ist nach Ansicht der Befragten der Faktor mit dem größten Einfluss auf das Gehalt, dicht gefolgt von der Ü̈bernahme von Führungsaufgaben. Dies spiegelt sich auch in der Studie wider, wonach Controller bereits nach zwei Jahren Berufserfahrung eine deutliche Gehaltserhöhung erhalten, und auch im Bereich Buchhaltung steigt das Gehalt kontinuierlich mit der Berufserfahrung an, wobei davon auszugehen ist, dass sich die Befragten weitere Qualifikationen angeeignet haben, wofür eine gewisse Berufspraxis Voraussetzung ist.

Ähnlich wie in der Studie 2014 besteht ein deutlicher Unterschied in der Bewertung des Faktors „Weiterbildung“. Für die befragten Buchhaltung hat die Weiterbildung eine wesentlich höhere Bedeutung als für die befragten Controller oder die Gruppe „andere übergreifende Leitungsfunktion“. Das liegt auch daran, dass Buchhalter schon allein wegen der permanenten Gesetzesänderungen und -anpassungen dazu gezwungen sind, ihr Wissen up to date zu halten. Ähnlich sehen dies auch die Befragten der Gruppe „andere übergreifende Leitungsfunktionen“, für die das Thema Weiterbildung besonders relevant ist. Für diese Gruppe und auch für die Controller spielen allerdings auch die Softskills eine vergleichsweise große Rolle.

Buchhalter Gehaltsstudie: Branche beeinflusst Gehalt

In den Steuerberater- und Wirtschaftsprüfungskanzleien sowie Unternehmensberatungen erhalten Buchhalter ein vergleichsweise geringes Einkommen. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass ein adäquates Einkommen in dieser Branche nur dann zu erzielen ist, wenn eine Qualifikation als Steuerberater und/oder Wirtschaftsprüfer vorgewiesen werden kann. Weiteres Schlusslicht in allen drei Berufsgruppen bildet die Branche „Öffentlicher Dienst/Verbände“. Controller verdienen hier mit Abstand am wenigsten. Die höchsten Gehälter in der Buchhaltung werden in der Lebensmittelindustrie und der Konsum-/Investitionsgüterbranche erzielt. In diesen Branchen liegen die Einkommen deutlich über 60.000 Euro. Ähnlich sieht es in diesen Branchen für Controller aus, gefolgt von den Branchen „Versorger“ (Strom, Gas, Wasser, Öl), „Telekommunikation“ und „Banken/Versicherungen“. Kleinere Unternehmen mit einem Umsatz unterhalb 10 Millionen Euro weisen wie bisher die geringeren Einkommen auf. Oft handelt es sich hierbei um Dienstleistungsunternehmen und Steuerberatungen, Wirtschaftsprüfungen und Unternehmensberatungen. Buchhalter und Controller verdienen hier wesentlich weniger (rund 12.300 Euro), wobei die Einkommensunterschiede bei Controllern nicht so gravierend ausfallen. Ähnlich sieht es in der Gruppe „andere übergreifende Leitungsfunktionen“ aus.

Buchhalter Gehaltsstudie: kaum digitale Weiterbildung

E-Paper, Newsletter und E-Books haben die Print-Medien nicht weiter verdrängt. Ganz im Gegenteil: Print-Produkte werden von den untersuchten Berufsgruppen trotz zunehmender Digitalisierung wieder stärker nachgefragt. 57 Prozent der Controller, 60 Prozent der Gruppe „andere ü̈bergreifende Leitungsfunktionen“ und 67 Prozent der (Bilanz-)Buchhalter nutzen bevorzugt Print-Medien, um sich fachlich aktuell zu halten. Interessant ist hierbei auch, dass die Altersgruppe zwischen 31 und 50 Jahren mit rund 31 Prozent die höchste Affinität zu den elektronischen Medien besitzt.

Weiterbildungsmaßnahmen stehen bei allen drei Berufsgruppen hoch im Kurs. Nach einer Mitgliederumfrage des BVBC im Jahr 2015 besucht knapp die Hälfte der Befragten drei oder mehr Seminare oder Workshops pro Jahr. Häufig werden diese auch vom Arbeitgeber bezuschusst und gefördert. Für alle drei Berufsgruppen spielt das E-Learning eine untergeordnete Rolle, denn mehr als 90 Prozent der Befragten bevorzugen nach wie vor eine persönliche Teilnahme an einem Seminar, einem Vortrag oder Workshop. Offenbar geht es darum, konkrete eigene Fragestellungen persönlich mit Referenten und Kollegen besprechen und austauschen zu können.

Buchhalter Gehaltsstudie: Persönlicher Austausch wichtig

Soziale (Berufs-)Netzwerke, wie Xing oder Facebook, spielen für den (fachlichen) Austausch der untersuchten Berufsgruppen untereinander kaum eine Rolle. Die Mehrzahl (Buchhaltung 70 Prozent, Controlling 66 Prozent, Steuer/Finanzen 69 Prozent) bevorzugt nach wie vor den persönlichen Kontakt und Austausch. Dennoch stehen die meisten Befragten Online-Netzwerken aufgeschlossen gegenüber.

Englische Berufsbezeichnungen abschreckend

Die Studie ist interessanterweise auch zu dem Ergebnis gekommen, dass sich nur knapp ein Drittel der Befragten auf eine Stelle bewerben würde, die als „Accountant“ ausgeschrieben ist, obgleich dies im englischen Sprachraum die klassische Bezeichnung für einen (Bilanz-)Buchhalter ist und somit die meisten Befragten hätte ansprechen müssen. Ähnliche Ergebnisse liefert die Studie hinsichtlich der Stellenbezeichnung „Chief Financial Officer (CFO)“. Dem CFO entspricht etwa der kaufmännische GmbH-Geschäftsführer oder auch der AG-Finanzvorstand. Die englischen Funktionsbezeichnungen scheinen die Befragten von einer Bewerbung abzuhalten.

Noch deutlicher wird dies bei Bezeichnungen, wie „Investor-Relations-Manager“, obwohl nicht wenige Personen mit demselben Qualifikationshintergrund wie die befragten Berufsgruppen in den abgefragten Positionen arbeiten. Ähnlich verhält es sich mit Ausschreibungen, in denen ein wirtschaftswissenschaftliches Studium gefordert wird. Die Studie zeigt, dass sich ein Großteil qualifizierter Finanzspezialisten gar nicht auf diese Positionen bewerben, obgleich sie mit ihrer kaufmännischen Ausbildung samt Weiterbildung und Praxiserfahrung ebenso gute Chancen auf die Stelle hätten, wie jemand mit Studienabschluss. Das bedeutet, dass Unternehmen, die immer häufiger auf englischsprachige Bezeichnungen setzen, eine Vielzahl an Bewerbern gar nicht erreichen.

Praxis-Tipp: Nicht verwirren lassen

Als Finanzfachkraft sollten Sie sich nicht von angelsächsischen Begriffen abschrecken oder verwirren lassen und Beschreibungen von Stellenangeboten genau lesen. Denn gerade als Geprüfter Bilanzbuchhalter oder Controller ergeben sich mit der richtigen Erfahrung und Weiterbildung vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Finanz- und Rechnungswesen.

Buchhalter Gehaltsstudie zeigt: Fortbildung unerlässlich

Fortbildungen sind in den untersuchten Berufsgruppen unerlässlich, schon allein wegen der sich ständig ändernden Rechtslage. Doch auch darüber hinaus heißt es: Jede Weiterbildung, jeder Abschluss und weitere Qualifikation zahlt sich aus. Besonders finanziell attraktiv scheint im Buchhaltungsbereich die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter International zu sein. Controller können im Gehaltsgespräch hingegen mit fundierten (Spezial-)Fachkenntnissen sowie mit Abschlusssicherheit nach HGB und IFRS punkten. Erarbeiten Sie sich eine persönliche Karrierestrategie und bleiben Sie cool bei englischen Bezeichnungen. Spezialisten und Generalisten sind immer gefragt. Und wer seinen persönlichen Karriereplan gezielt verfolgt, sichert sich nicht nur seinen Job, sondern wird auch beim Gehalt punkten.


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