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Corona-Ausbildungsprämie: Das müssen Sie wissen

Von Birgit Bohnert
Aktualisiert am: 05.08.2020

Die Corona-Krise stellt auch ausbildende Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die in vielen Betrieben angespannte wirtschaftliche Lage könnte zahlreiche Ausbildungsplätze gefährden. Um das gewohnte Ausbildungsniveau zu halten und ausbildende Unternehmen finanziell zu unterstützen, hat die Bundesregierung das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ aufgelegt. Welche Unternehmen Ausbildungsprämien erhalten und wie hoch diese ausfallen, lesen Sie hier.

In welchen Fällen gibt es Prämien?

Um den Fachkräftenachwuchs für die kommenden Jahre zu sichern, sollen Ausbildungsplätze auch in Pandemiezeiten in gewohntem Umfang angeboten und erhalten werden können. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bekommen deshalb nun Ausbildungsprämien, wenn sie

  • das bisherige Ausbildungsangebot erhalten (Prämie zum Erhalt des Ausbildungsangebots).
  • die Ausbildungsleistung erhöhen (Prämie zur Erhöhung des Ausbildungsangebots).
  • die Ausbildung trotz Kurzarbeit weiterführen (Prämie zur Vermeidung von Kurzarbeit).
  • Auszubildende anderer, insolventer KMU fertig ausbilden (Übernahmeprämie).
  • die Ausbildung für andere Betriebe zeitweise fortsetzen (Prämie für Auftrags- und Verbundausbildung).

Welche Unternehmen erhalten Ausbildungsprämien?

Gefördert werden KMU mit bis zu 249 Beschäftigten, die in anerkannten Ausbildungsberufen ausbilden oder bundes- oder landesrechtlich geregelte praxisintegrierte Ausbildungen im Gesundheits- und Sozialwesen durchführen. Stichtag für die Beschäftigtenzahl ist der 29. Februar 2020. Teilzeitbeschäftigte zählen anteilig. Ferner gilt:

  • Pro Ausbildung erfolgt nur eine Prämienzahlung.
  • Praktika werden nicht gefördert.
  • Diese „Ausbildungsprämie“ schließt jede andere Bundes- oder Länderleistung mit gleichem Ziel und Inhalt aus.

Unter diesen Voraussetzungen erhalten KMU die Ausbildungsprämien

Prämie zum Erhalt des Ausbildungsangebots

Antragsberechtigt sind KMU, die - im Vergleich mit den drei Vorjahren – im Ausbildungsjahr 2020 gleich viele Ausbildungsverträge abschließen. Das KMU muss in erheblichem Umfang von der Corona-Krise betroffen sein. Das wird angenommen, wenn

  • im ersten Halbjahr 2020 mindestens einen Monat kurzgearbeitet wurde oder
  • der Umsatz im April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent niedriger als im April und Mai 2019 war. Bei später gegründeten Unternehmen sind November und Dezember 2019 als Vergleich heranzuziehen.

Diese KMU bekommen für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag einmalig 2.000 EUR. Gezahlt wird erst nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit. Die Probezeit beträgt im Ausbildungsverhältnis mindestens einen und höchstens vier Monate.

Prämie zur Erhöhung des Ausbildungsangebots

Diese Prämie erhalten KMU, die ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zu den drei Vorjahren erhöhen. Auch diese KMU müssen in erheblichem Ausmaß von der Corona-Pandemie betroffen sein. Die Voraussetzungen hierfür sind dieselben wie bei der Prämie zum Erhalt des Ausbildungsangebots. Diese KMU können für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 zusätzlich geschlossenen Ausbildungsvertrag eine Einmal-Prämie von 3.000 EUR beantragen. Gezahlt wird ebenfalls erst nach erfolgreichem Abschluss der Probezeit.

Prämie zur Vermeidung von Kurzarbeit

Mit dieser Prämie soll die Ausbildung in KMU gefördert werden, in denen kurzgearbeitet wird. Antragsberechtigt sind KMU, wenn sie einen coronabedingten Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent im gesamten Betrieb haben und die Ausbilder und Auszubildende trotzdem nicht in Kurzarbeit schicken.

Die Prämie beträgt 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung für jeden Monat, in dem die Ausbildung trotz des erheblichen Arbeitsausfalls fortgeführt wird. Die Förderung ist bis zum 31. Dezember 2020 befristet.

Voraussetzung für den Erhalt der Übernahmeprämie

Auch KMU, die Auszubildende aus einem insolventen Unternehmen fertig ausbilden, erhalten eine Prämie. Diese Übernahmeprämie wir dann ausgezahlt, wenn die Insolvenz des anderen Unternehmens durch die Corona-Krise ausgelöst wurde und der/die Auszubildende(n) bis zum 31. Dezember 2020 für die restliche Ausbildungszeit übernommen wird.

Die Prämie beträgt pro übernommenen Auszubildenden 3000 EUR. Die Förderung läuft bis zum 30. Juni 2021.

Die Auftrags- und Verbundausbildung

Mit der Förderung der Auftrags- und Verbundausbildung soll die Ausbildung in KMU gesichert werden, die aufgrund der Corona-Pandemie vollständig oder in wesentlichen Teilen von der Schließung bedroht sind. Gefördert werden KMU mit Ausbildereignung, überbetriebliche Ausbildungsstätten und etablierte Ausbildungsdienstleister, die Auszubildende solcher KMU im Rahmen einer „Auftrags- oder Verbundausbildung“ befristet, für mindestens sechs Monate übernehmen. Die Förderung ist bis 30. Juni 2021 befristet.

Die Details der Auftrags- und Verbundausbildung werden noch erarbeitet. Eingebunden ist die „Allianz für Aus- und Weiterbildung“, die aus Vertretern der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit, der Länder, von Wirtschaftsverbänden und Vertretern der Gewerkschaften besteht.

Die Antragstellung

Gefördert werden alle Ausbildungen, die frühestens am 1. August 2020 begannen. Wann der Ausbildungsvertrag geschlossen wurde, spielt keine Rolle. Zuständig für die Abwicklung ist die Bundesanstalt für Arbeit. Sie stellt auf ihrer Website Antrags- und Bestätigungsformulare zur Verfügung. Für jede Förderung sind bestimmte Bescheinigungen einzureichen, z. B . der IHK bzw. Handwerkskammer über die Eintragung des Ausbildungsvertrags ins Berufsausbildungsverzeichnis.

Die Verfahrensrichtlinie für die „Prämie für Auftrags- und Verbundausbildung“ wird getrennt erstellt und steht bis dato noch aus.

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