Corona-Überbrückungshilfen: Das müssen Unternehmer jetzt tun/fileadmin/_processed_/f/b/csm_corona-ueberbrueckungshilfen_800x400px_ba350fada6.jpg 2020-08-26 Lexware

Corona-Überbrückungshilfen: Das müssen Unternehmer jetzt tun

Von Jörgen Erichsen
Aktualisiert am: 26.08.2020

Die Bundesregierung hat Anfang Juli beschlossen, kleinen und mittelständischen Betrieben sowie Selbstständigen weitere Überbrückungshilfen zu zahlen. Diese Hilfen sollen dazu dienen, Unternehmen unter die Arme zu greifen, die besonders von der Corona-Krise betroffen sind. Ob Sie Anspruch auf Überbrückungshilfen haben und wie Sie diese richtig beantragen, erfahren Sie in diesem Artikel.

1. Was sind die neuen Überbrückungshilfen?

Die Überbrückungshilfen dienen dazu, besonders von der Corona-Krise betroffenen Firmen eine weitere Liquiditätshilfe zukommen zu lassen. Damit sollen u. a. Betriebe Geld erhalten, die in den Bereichen Veranstaltungslogistik, Catering, Gastronomie, Hotellerie und Kultur arbeiten. Zweck der Überbrückungshilfen ist es, ihre Fixkosten für den Zeitraum von Juni bis August 2020 decken zu können. Dieser Zeitraum soll noch einem Beschluss der Spitzen der Großen Koalition am 25.8.2020 nun bis Ende des Jahres verlängert werden.

In diesen und anderen Segmenten ist es trotz inzwischen weitgehender allgemeiner Lockerungen oft noch nicht möglich, ausreichend Umsätze zu generieren, um die laufenden Kosten der nächsten Monate zu decken.

Unterschied zu bestehenden Soforthilfen

Anders als die Soforthilfen der ersten Krisenmonate müssen Unternehmer und Selbstständige detailliert nachweisen, dass sie die Hilfe tatsächlich benötigen. Das soll u. a. dadurch sichergestellt werden, dass die Beantragung nicht selbst, sondern von einem akkreditierten Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder vereidigtem Buchprüfer vorgenommen werden muss. Zudem muss nach Programmende belegt werden, dass und in welchem Umfang die Hilfen benötigt wurden.

Im Kern unterscheiden sich Überbrückungs- und Soforthilfen darin, dass meist mehr Geld gezahlt wird, und die Anforderungen bei Antragsstellung und der späteren Abrechnung höher sind. Beispielsweise müssen ein Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder vereidigter Buchprüfer gemeldete Umsatzausfälle und Höhe der Fixkosten bestätigen, was für Antragsteller i. d. R. mit Zusatzkosten verbunden ist. Berater oder Prüfer können sich hier registrieren.

Hinweis: Die Überbrückungshilfen müssen bei den Steuervorauszahlungen für 2020 nicht berücksichtigt werden. Allerdings sind sie als steuerbare Betriebseinnahme bei der Einkommen- oder Körperschaftsteuererklärung zu erfassen. Zudem sind die Überbrückungshilfen nicht umsatzsteuerbar, es fällt also keine Umsatzsteuer an.

Themenseite Corona-Krise: Hilfestellungen für Unternehmer und Selbstständige

Weitere Fachartikel, Online-Schulungen und Arbeitshilfen mit wichtigen Informationen und Hilfestellungen für Unternehmer rund um die Corona-Krise finden Sie auf unserer Themenseite.

2. Antragsberechtigte, Voraussetzungen und Förderhöhe

Antragsberechtigt sind alle Unternehmen, Soloselbstständige und selbstständige Angehörige freier Berufe im Haupterwerb aller Branchen, die sich nicht für den Wirtschaftsstabilisierungsfonds qualifiziert haben. Auch gemeinnützige Unternehmen und Organisationen können die Mittel beantragen. Eine Zahlung der Zuschüsse an Unternehmen, die Insolvenz angemeldet oder ihren Geschäftsbetrieb eingestellt haben, ist nicht möglich.

Voraussetzungen für den Erhalt der Überbrückungshilfen

Voraussetzung für den Erhalt der Überbrückungshilfen ist eine durch die Corona-Krise vollständige oder zu wesentlichen Teilen Einstellung der Geschäftstätigkeit. Das wird angenommen, wenn die Umsatzsumme der Monate April und Mai 2020 um mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist.

Bei Unternehmen, die nach April 2019 gegründet wurden, werden die Monate November und Dezember 2019 zum Vergleich herangezogen. Außerdem darf sich das antragstellende Unternehmen am 31. Dezember 2019 gemäß EU-Definition nicht in Schwierigkeiten befunden haben.

Förderhöhe

Die Förderung wird für die Monate Juni bis August 2020 bezahlt und muss bei Einhaltung der Voraussetzungen nicht zurückgezahlt werden. Dieser Zeitraum soll nach dem Beschluss vom 25.8.2020 bis Ende des Jahres verlängert werden.

Der Zuschuss ist wie folgt gestaffelt:

  • 80 Prozent der Fixkosten bei mehr als 70 Prozent Umsatzeinbruch
  • 50 Prozent bei Einbruch zwischen 50 und 70 Prozent
  • 40 Prozent bei Einbruch zwischen 40 und unter 50 Prozent

Beläuft sich der Umsatz in einem Fördermonat auf mindestens 60 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats, entfällt die Überbrückungshilfe anteilig für den jeweiligen Fördermonat.

Die Förderhöhe je Unternehmen insgesamt ist wie folgt gedeckelt:

  • Unternehmen bis 5 Beschäftigte erhalten maximal 9.000 Euro für drei Monate.
  • Unternehmen bis 10 Beschäftigte erhalten maximal 15.000 Euro für drei Monate.
  • Die maximale Förderung bei Unternehmen mit mehr Beschäftigten beträgt 150.000 Euro für drei Monate (3 x 50.000 Euro).

Bei Kleinunternehmen mit sehr hohen Fixkosten, z. B. Dienstleister, können die Höchstbeträge auf Antrag angehoben werden.

Verbundene Unternehmen oder solche, die unter dem Einfluss derselben Person oder desselben Unternehmens stehen, können Hilfen insgesamt bis zu einer Höhe von 150.000 Euro für drei Monate beantragen. Ausnahmen gelten nur bei gemeinnützig geführten Unternehmen, z. B. Jugendherbergen oder der Behindertenhilfe.

Förderfähige Kosten

Förderfähig sind u. a.:

  • Mieten und Pachten
  • Zinsen für Darlehen
  • der Kostenanteil von Leasingraten
  • Ausgaben für notwendige Instandhaltung und Wartung
  • Energiekosten
  • Grundsteuern
  • betriebliche Lizenzgebühren
  • Versicherungen
  • Kosten für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Beratung zu Corona-Überbrückungshilfen
  • Kosten für Azubis
  • Personalaufwendungen (soweit nicht vom Kurzarbeitergeld erfasst)

Zusätzlich bei Reisebüros: Provisionen, die Inhaber von Reisebüros Veranstaltern auf Grund coronabedingter Stornierungen zurückgezahlt haben.

Private Lebenshaltungskosten oder Unternehmerlohn sind grundsätzlich nicht förderungsfähig. Allerdings gibt es Ausnahmen in einzelnen Bundesländern.

Praxistipp: Kostenlose Unterstützungsangebote der IHK nutzen

Da die Beantragung der Überbrückungshilfen aufwändiger ist als bei den vorangegangenen Soforthilfen und die Unterstützung durch Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer mit Kosten verbunden ist, sollten Unternehmer im Vorfeld selbst prüfen, ob sie überhaupt antragsberechtigt sind.

Die IHK unterstützen dabei mit einem neuen Online-Service. In drei Schritten können Hilfesuchende prüfen, ob sie Anspruch auf Überbrückungshilfen haben. Es müssen u. a. folgende Angaben gemacht werden:

  • zum Umsatzrückgang gegenüber 2019,
  • zu den erwarteten Umsätzen Juni – August 2020 und
  • zur Anzahl der Mitarbeiter und Fixkosten im Förderzeitraum.

Den Online-Service der IHK finden Sie unter: https://www.ihk.de/ueberbrueckungshilfe

3. Beantragung der Überbrückungshilfen

Die Überbrückungshilfen werden online in einem zweistufigen Verfahren durch den beauftragten Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer beantragt.

Stufe 1

In Stufe 1 müssen die Antragsvoraussetzungen sowie die Höhe der erstattungsfähigen Fixkosten glaubhaft gemacht werden. Hierfür müssen die Unternehmen bei Antragsstellung ihren Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 angeben und eine Prognose für die Umsätze des beantragten Förderzeitraums (i. d. R. Juni – August 2020) angeben.

Außerdem sind konkrete Angaben zu den Fixkosten zu tätigen, die erstattet werden sollen. Da die Antragsstellung vom Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer online an die Bewilligungsstellen der Bundesländer erfolgt, müssen sich Unternehmer hierum nicht im Detail kümmern. Es empfiehlt sich aber, die aktuellen Zahlen für die entsprechenden Monate von 2019 herauszusuchen, etwa die betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) für April und Mai 2019 bzw. bei späteren Gründungen die BWA für November und Dezember 2019, um die Antragsstellung zügig vornehmen zu können.

Darüber hinaus sollten Unternehmer sich Gedanken zu den Umsätzen Juni – August 2020 machen und auch hier die Höhe der Fixkosten planen bzw. verlässlich abschätzen.

Wichtig: Die Antragsfrist läuft bis zum 30. September 2020.

Stufe 2

In Stufe 2 wird nach Programmende ein Plan- und Istvergleich bei Umsätzen und Fixkosten vorgenommen. Bei Abweichungen zu den Zahlen in Stufe 1 müssen zu viel gezahlte Zuschüsse zurückgezahlt werden. Es sind auch Aufstockungen möglich, wenn z. B. die Umsatzrückgänge höher ausfallen als bei Antragsstellung geplant.

Auch hier erfolgt die Plausibilisierung und Datenübertragung durch den Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Liegt der Umsatzeinbruch unter 60 Prozent, müssen die Zuschüsse zurückgezahlt werden. Das gilt auch, wenn ein Unternehmen nicht bis August 2020 fortgeführt wird.

4. Beispiele länderspezifischer Besonderheiten

Für die Durchführung der Antragsstellung sind die Bundesländer zuständig. Die Grundlagen sind in allen Ländern gleich; es gibt aber in einzelnen Punkten unter Umständen Abweichungen.

So will beispielsweise NRW eine „Überbrückungshilfe Plus“ von 1.000 Euro pro Monat für maximal 3 Monate zahlen, um einen Teil des entgangenen Unternehmerlohns auszugleichen. Auch Baden-Württemberg plant, die Überbrückungshilfe um einen fiktiven Unternehmerlohn aufzustocken. Daher sollten sich Interessenten vorab über die Modalitäten in ihrem Bundesland informieren.

Eine Übersicht aller Bewilligungsstellen finden Sie hier.

Ihr Lexware Newsletter

  • Topaktuell: Unternehmerwissen zu Buchhaltung & Finanzen, Mitarbeitern & Gehalt etc.
  • Praxisnah: Online-Schulungen, Werkzeuge und eBooks
  • Unterstützend: Tipps & Tricks rund um Ihr Lexware Programm

Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
74.615