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Coronavirus: So können Unternehmen finanziellen Risiken vorbeugen

Von Jörgen Erichsen
Aktualisiert am: 06.03.2020

Das Coronavirus ist allgegenwärtig und es ist noch nicht wirklich absehbar, welche Auswirkungen es letztendlich auf Wirtschaft und Betriebe haben wird. In Europa sind erste Regionen abgeriegelt, Messen wurden abgesagt, Kunden stornieren oder verschieben Aufträge und es sind weitere Folgen zu befürchten. Welche wirtschaftlichen Risiken Unternehmen durch das Coronavirus drohen und was sie dagegen tun können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wie sind Unternehmen vom Coronavirus betroffen?

Das Coronavirus (Covid-19) hält derzeit ganz Deutschland und die Welt in Atem. Seine Auswirkungen sind in unterschiedlichen Branchen bereits zu spüren – positiv wie negativ. Der Lebensmittelhandel, Hersteller von Produkten des täglichen Bedarfs sowie Logistiker in diesem Sektor sind die klaren Gewinner. Händler sprechen von rund 30 % höheren Umsätzen als sonst zu dieser Zeit.

Andere Unternehmen, etwa Messeveranstalter, Hoteliers oder Gastronomen, verzeichnen Stornierungen und damit Umsatz- und Gewinnrückgänge sowie Liquiditätsengpässe. Hier sind die Konsequenzen besonders gravierend, da man verlorene Buchungen o. Ä. nicht nachholen kann. Anders in Produktions- oder Handwerksbetrieben: Hier besteht zumindest die Möglichkeit, Aufträge zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können.

Zu den Risiken auf der Umsatzseite kann hinzukommen, dass Mitarbeiter oder Unternehmer wegen dem Virus ausfallen oder in der Folge im schlimmsten Fall sogar der Betrieb auf behördliche Anweisung hin geschlossen werden muss. Auch wenn es durch das Virus zu Verzögerungen beim Materialeinkauf kommt, drohen Umsatz- und Gewinneinbußen.

Wichtig: Wenn es zu behördlich angeordneten Betriebsschließungen kommt, haben Mitarbeiter i. d. R. ein Recht auf Weiterzahlung des Entgelts. Und sie müssen Ausfallzeiten nicht nachholen. Unternehmer können sich die Kosten unter Umständen von der Behörde zurückholen, die die Schließung angeordnet hat. Falls das nicht möglich ist, hilft nur eine Betriebsschließungs- oder Epidemie-Versicherung.

Wie können sich Unternehmen wappnen und mögliche Folgen begrenzen?

Zunächst muss gesagt werden, dass es unmöglich ist, sich zu 100 % abzusichern. Und es kann kurzfristig dazu kommen, dass sich die Situation unvorhersehbar weiter verschlechtert. Aber jeder Betrieb kann vorbeugen und die Folgen, die durch das Coronavirus entstehen können, abmildern.

Bestandsaufnahme: Welche Risiken drohen?

Der erste Schritt sollte darin bestehen, sich zu fragen, wodurch der eigene Betrieb besonders gefährdet werden kann – oder bereits ist - und welche finanziellen Konsequenzen drohen. Die Beantwortung z. B. folgender Fragen hilft dabei:

  • Gibt es bereits Auftragsstornos oder –verschiebungen?
  • Welche Umsätze sind schon verloren / können in den nächsten 1-2 Monaten verloren gehen?
  • Gibt es bereits Lieferengpässe bei Materialien, Waren o. Ä.?
  • Was lässt sich dagegen tun, z. B. Ausweichen auf andere Stoffe oder Lagerware?
  • Können so Engpässe vermieden werden bzw. wie weit verschieben sie sich in die Zukunft?
  • Kann es zu Produktions- oder anderen Engpässen kommen, wenn einzelne Mitarbeiter ausfallen? Bestehen Vertreterregelungen?

Welche Möglichkeiten haben Betriebe, selbst vorzubeugen und sich abzusichern?

Hat man sich einen Überblick über mögliche Risiken gemacht, sollte geprüft werden, was man tun kann um die Gefährdungen, soweit es geht, zu reduzieren. Hier einige Vorschläge für konkrete Maßnahmen:

Mitarbeitersensibilisierung und Hinweise auf Risiken mit geänderten Verhaltensregeln aussprechen:

  • Regelmäßig Hände waschen
  • Geschäftspartner nicht mehr mit Handschlag begrüßen (Verhalten erklären, damit es nicht als Unhöflichkeit ausgelegt wird)
  • Husten und Niesen nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge
  • Hände aus dem Gesicht, nicht die Schleimhäute berühren
  • Abstand zu anderen Personen von 1-2 Metern halten
  • Wo möglich: Andere Kommunikationsformen als persönlichen Kontakt nutzen: z. B. Telefon, Mail, WhatsApp
  • Ggf. (wenn verfügbar) Reinigungs- / Desinfektionsmittel stellen

Übersicht über Aufträge verschaffen:

  • Welche Aufträge laufen aktuell, wie hoch sind die Erträge?
  • Welche Aufträge könnten bedroht sein? Wie hoch ist deren Volumen?
  • Welche Aufträge wurden bereits storniert? Wie hoch ist deren Volumen?
  • Können Aufträge nachgeholt werden? Wann? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit?
  • Können durch diese Ausfälle evtl. an anderer Stelle Aufträge erledigt werden, die man ggf. zuvor wegen hoher Auslastung ablehnen musste?
  • Lassen sich mit Nachverhandlungen bei Kunden Aufträge noch retten (evtl. trotz Nachteilen mit Rabatten)? In einer Krise sind geringere Erträge, die man kurzfristig erhält, oft günstiger als mögliche mittelfristige Nachteile, etwa wenn sich herumspricht, dass man Rabatte gewährt.
  • Können Vorbereitungen für Aufträge, bei denen ein Ausfallrisiko besteht, gestoppt bzw. später erledigt und dafür andere Aufträge vorgezogen werden?

Kostensenkungen prüfen:

  • Auf welche Anschaffungen / Käufe kann verzichtet werden?
  • Was lässt sich verschieben, z. B. Ersatzinvestitionen?
  • Wodurch entstehen unnötige Kosten, z. B. Aufbau von Lagerbeständen bei Verbrauchsmaterial?
  • Welche Kosten lassen sich reduzieren, z. B. Kündigung von Wartungsverträgen oder Umstellungen bei Versicherungen?
  • Kann Kurzarbeitergeld bei der Arbeitsagentur beantragt werden?

Liquidität sichern:

  • Welche Auszahlungen fallen in den nächsten 2-3 Monaten an?
  • Welches Bankguthaben ist vorhanden? Wie lange reicht es?
  • Welche Forderungen stehen aus? Wann sind sie fällig?
  • Drohen Verzögerungen oder Ausfälle?
  • Werden Kunden konsequent, aber mit Fingerspitzengefühl gemahnt, um weitere Engpässen zu vermeiden?
  • Werden alle Rechnungen immer sofort nach Leistungserbringung erstellt?
  • Lassen sich bei neuen Aufträgen die Zahlungsmodalitäten ändern – etwa mehr Bar- oder höhere Anzahlungen, mehr (Firmen-)Lastschriften?
  • Lassen sich mit Lieferanten längere Zahlungsziele / Skonto vereinbaren?
  • Besteht die Möglichkeit, Dienstleister zur Vorfinanzierung zu nutzen: Factoring bei Forderungen oder im Einkauf: Finetrading, Vorfinanzierung von Wareneinkäufen mit Zahlungszielen bis 180 Tage? Mehr Informationen, Anbieterauswahl etc. unter https://finetrading-anbieter.de/
  • Kann man ggf. beim Finanzamt eine Herabsetzung der Steuervorauszahlungen oder Stundungen beantragen (Vorgehen mit Steuerberater absprechen)?
  • Unternehmer können vorübergehend auf Teile des Gehalts verzichten.
  • Auch Einlagen durch Inhaber entlasten finanziell angespannte Situationen.

Betriebe, die noch keine Probleme haben, sollten versuchen, einen Liquiditätsstock aufzubauen, indem sie z. B. vom Umsatz jedes Auftrags 5-10 % zurücklegen. Faustregel: Es sollte Liquidität aufgebaut werden, um 1-2 Monate ohne neue Order überstehen zu können. Firmen, die mit Liquiditätsproblemen rechnen, sollten mit der Bank sprechen, um z. B. zu prüfen, ob die Kreditlinie aufgestockt werden kann oder sich KfW-Gelder beantragen lassen.

Weitere Maßnahmen:

  • Wenn die Möglichkeit besteht, Mitarbeiter von zu Hause arbeiten zu lassen, sollte man hiervon (temporär) Gebrauch machen. So reduzieren sich persönliche Kontakte und Ansteckungsrisiken.
  • Auslandsreisen, v. a. in kritische Regionen, sollten verschoben oder Alternativen geprüft werden, z. B. Videokonferenzen.
  • Außerdem sollte kurzfristig ein Vertretungskonzept entwickelt werden für den Fall, dass Beschäftigte ausfallen.

Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld und weitere Maßnahmen

Die Spitzen von CDU, CSU und SPD haben am 9. März beschlossen, die Auszahlung von Kurzarbeitergeld zu erleichtern. Künftig sollen Betriebe schon Kurzarbeitergeld beantragen können, wenn 10 Prozent der Beschäftigten von Arbeitsausfall betroffen sind. Bisher lag diese Grenze bei einem Drittel der Belegschaft. Außerdem werden den Arbeitgebern künftig die vollen Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden erstattet.

Der Koalitionsbeschluss sieht darüber hinaus Liquiditätshilfen, Bürgschaften und Steuerstundungen für besonders betroffene Unternehmen vor.

Wie kommt man als Unternehmer an staatliche Hilfen?

Der Staat hat angekündigt, Unternehmen in der Krise auch finanziell zu helfen. Noch gibt es keine flächendeckenden Programme, aber in vielen Bundesländern sind Anlaufstellen eingerichtet. Beispielsweise können Kredite häufig schon über Landesbürgschaftsprogramme und Bürgschaftsbanken abgesichert werden.

Die Bundesregierung und andere Institutionen stellen Informationen für Unternehmen bereit, inkl. aktueller FAQ-Listen und Reisehinweisen zu betroffenen Ländern. Eine Hotline ist Montag bis Freitag erreichbar: 030-186151515.

Weitere Informationen gibt es z. B. auf diesen Seiten:

Auch die einzelnen IHK-Stellen bietet Informationen, Risikobewertungen, FAQ-Listen. Hinweise der IHK Köln finden sich unter: https://www.ihk-koeln.de/coronavirus. „Seine“ Kammer findet man mit dem IHK-Finder: https://www.ihk.de/. Angebote gibt es auch von den Handwerkskammern unter https://www.handwerkskammer.de/.

Fazit

Das Coronavirus hält Wirtschaft und Unternehmen in Atem und birgt zahlreiche Risiken, z. B. Umsatzausfälle und Liquiditätsengpässe. Doch es gibt Möglichkeiten für Betriebe vorzubeugen um die Auswirkungen zu begrenzen. Voraussetzung ist, dass Unternehmen sofort aktiv werden, eine Bestandsaufnahme durchführen und dann gezielt Maßnahmen umsetzen.

Die Krise kann auch genutzt werden, um einmal grundsätzlich zu prüfen, wie man sich künftig besser aufstellen kann, etwa indem man sich stärker um Liquiditätssicherung kümmert, Prozesse verbessert oder Lieferketten prüft und sich wo möglich einen Plan B erstellt. Dann hat die Krise sogar ihre „gute“ Seite und man kann die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit und grundlegende Krisenresistenz steigern.


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