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Darauf sollten Geschäftsführer bei Risikogeschäften achten

Geschäftsführer-Haftung und verdeckte Gewinnausschüttung bei Risikogeschäften vermeiden
Von Karl Birgel
Aktualisiert am: 13.08.2015

Geschäftsführer müssen oft risikobehaftete Geschäfte eingehen, um die GmbH erfolgreich zu führen. Das geschieht zum Teil auch unter dem Druck, den maximalen Gewinn für das Unternehmen und die GmbH-Gesellschafter zu erwirtschaften. Worauf sollten Geschäftsführer bei Risikogeschäften achten, damit weder die Geschäftsführer-Haftung noch eine verdeckte Gewinnausschüttung drohen?

Das Thema von Verlusten aus sog. Risikogeschäften hat immer wieder die Finanzgerichte beschäftigt. Während die Finanzverwaltung die Übernahme von Verlusten durch die GmbH häufig als verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) ansah, bleibt es nach gefestigter Rechtsprechung grundsätzlich unbenommen, Risikogeschäfte vorzunehmen.

Nach der Auffassung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist dabei nicht maßgebend, ob das jeweilige Geschäft nach Art und Umfang für die Geschäftstätigkeit unüblich oder mit einem hohen Risiko verbunden ist. Ausschlaggebend für die Beurteilung dürfte vielmehr sein, dass die GmbH im Interesse des eigenen Gewinnstrebens eine Gewinnchance wahrgenommen hat.

Achtung: Werden letztlich doch Verluste realisiert, so können sie nur in Ausnahmefällen zu einer verdeckten Gewinnausschüttung führen, nämlich dann, wenn die Geschäfte überwiegend oder sogar ausschließlich im privaten Interesse ihrer Gesellschafter durchgeführt wurden.

Für die betriebliche Anerkennung von Verlusten ist es sogar unerheblich, dass zwischen dem entsprechenden Geschäft und dem eigentlichen Unternehmensgegenstand kein oder allenfalls ein entfernter Zusammenhang besteht, z. B. bei der Anlage betrieblicher Gelder in spekulative Anlagen.

Praxis-Tipp: Als Geschäftsführer sollten Sie darauf achten, dass Geschäfte, die neben Chancen auch ein Risikopotenzial enthalten, von vornherein nachweisbar im Namen der GmbH abgeschlossen sind. Wenngleich für viele Verträge Formfreiheit gilt, sollten solche Verträge grundsätzlich schriftlich geschlossen werden.

Insbesondere bei Wertpapiergeschäften hat die Anerkennung von Verlusten als Betriebsausgaben immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten mit den Finanzämtern geführt. Auch wenn die Rechtsprechung des BFH eindeutig ist, so hat die Finanzverwaltung hierauf regelmäßig mit Nichtanwendungserlassen reagiert. Das heißt, das jeweilige Urteil darf über den konkreten Einzelfall hinaus nicht angewendet werden.

Die Anerkennung von Verlusten aus Risikogeschäften als Betriebsausgaben einer GmbH ist natürlich kein Freibrief für den Geschäftsführer. Überwacht der Geschäftsführer Risikogeschäfte nicht ausreichend (Aktiengesellschaften müssen aufgrund gesetzlicher Vorschriften sogar ein umfassendes Risikofrüherkennungssystem einrichten und betreiben), so kann sich daraus eine Haftungsfolge für den Geschäftsführer ergeben, denn trotz steuerlicher Abzugsfähigkeit ist ja für die GmbH ein Schaden entstanden. Entscheidend ist dabei auch der Umfang getätigter Risikogeschäfte, z. B. im Verhältnis zum Betriebsvermögen.

Haftung des Geschäftsführers

Der Geschäftsführer sollte insbesondere im Fall von Geschäften mit Risikopotenzial eine ausreichende Dokumentation anlegen. Dazu gehören neben den Entscheidungsgründen für das jeweilige Geschäft, sofern vorhanden, Ausschnitte aus Fachzeitschriften, schriftliche Empfehlungen von Banken oder sonstigen Finanzdienstleistern, Renditeberechnungen, Stellungnahme des Steuerberaters. Außerdem sollten Sie das Risiko beschreiben und überlegen, ob es zu vermeiden oder zu mindern ist.

Fazit: Eine Haftung scheidet aus, wenn der Geschäftsführer annehmen durfte, auf der Grundlage angemessener Informationen zum Wohle der Gesellschaft zu handeln. Nur wenn Sie unüberschaubare Risiken eingehen, die die Existenz des Unternehmens gefährden, ist die rote Linie zur Untreue und Strafbarkeit überschritten. BGH, Urteil vom 28.5.2013, 5 StR551/11

Achtung: In strafrechtlicher Hinsicht führt ein pflichtwidrig eingegangenes Risikogeschäft regelmäßig zum Vorwurf der Untreue zu Lasten des Unternehmens.

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