Die Bedeutung der Finanzplanung für Existenzgründer und Bank

Schaffung einer Vetrauensbeziehung zwischen Existenzgründer und Bank
Aktualisiert am: 18.08.2015

Das Verhältnis zwischen Existenzgründer und Hausbank beruht auf Vertrauen, das erworben werden will. Banken wissen heute sehr genau, dass sie austauschbar sind. Die Beziehung zwischen Existenzgründer und Bank sollte jedoch nicht allein von den Konditionen abhängig gemacht werden, sondern auch von dem erkennbaren Bemühen einer Bank, den Existenzgründer gut zu beraten, und von der Bereitschaft, ihm gerade in der Gründungsphase das notwendige Vertrauen entgegenzubringen. Der Existenzgründer hat andererseits die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich zwischen ihm und der Hausbank Vertrauen entwickeln kann.

Entscheidende Bedeutung kommt diesbezüglich dem Businessplan des Existenzgründers zu. Mit dem Businessplan muss der Gründer der Bank sein Geschäftsmodell und damit auch die Finanzplanung überzeugend darlegen. Letztendlich geht es darum, der Bank durch umfassende, gründliche Analysen und Planungen den erwarteten finanziellen Erfolg zu begründen. Eine nicht ausreichende oder falsche Finanzierung – und damit verbunden existenzgefährdende Liquiditätsprobleme – sind der häufigste Grund, warum Existenzgründungen bereits in einer frühen Phase scheitern. Daher kommt bei einer Existenzgründung der gründlichen Finanzplanung eine besondere Bedeutung zu. Die Finanzplanung sollte für einen Zeitraum von 3 Jahren umfassend darlegen, welche Finanzmittel nach Art und Höhe benötigt werden, um eine ausreichende Liquidität des jungen Unternehmens zu gewährleisten.

Die Finanzplanung sollte den Gesamtkapitalbedarf unter Einbeziehung eines angemessenen Eigenkapitals detailliert aufzeigen. Dabei ist sorgfältig zu planen, in welcher Höhe lang-, mittel- und kurzfristige Finanzmittel zur Finanzierung von Investitionen in das Anlage- und Umlaufvermögen und zur Finanzierung der Anlaufkosten (und gegebenenfalls auch der Anfangsverluste) benötigt werden. Die einzelnen Finanzmittel im Überblick:

  • Eigenkapital
    Die Höhe des Eigenkapitals sollte nicht weniger als 20 Prozent des Gesamtkapitalbedarfs betragen. Hierauf legen Banken großen Wert. Der Grund: Es ist nicht im Interesse der Bank, eine „Mitunternehmerrolle“ zu spielen. Ebenso wenig aber auch im Interesse des Existenzgründers. Zum Eigenkapital zählen die vorhandenen Ersparnisse. Bei einer Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit lassen sich die eigenen Ersparnisse durch einen Gründungszuschuss der Bundesanstalt für Arbeit ergänzen. Weitere Bausteine des Eigenkapitals sind: Darlehen von Verwandten (sofern diese zinsgünstig und langfristig zur Verfügung gestellt werden können), Sacheinlagen (beispielsweise aus Grundstücken, Maschinen, Fahrzeugen, Betriebsausstattungen usw.), Mittel aus Beteiligungen eines Partners oder Teilhabers, Mittel aus öffentlich geförderten Programmen zur Stärkung des Eigenkapitals (z. B. ERP-Kapital für die Gründung von Unternehmen). Grundsätzlich  muss das Eigenkapital dem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen und zu einem angemessenen Teil die langfristig kapitalbindenden Investitionen in das Anlagevermögen finanzieren.

  • Langfristige Finanzierungsmittel (Laufzeit länger als 4 Jahre)
    Langfristige Finanzierungsmittel werden grundsätzlich als Darlehen von der Hausbank  zur Verfügung gestellt. Zur Optimierung der Finanzierung sollten Sie auch zinsgünstige Mittel aus öffentlichen Förderprogrammen, z. B. von der KfW, in Betracht ziehen. Bei der Beschaffung solcher Mittel zeigt sich auch die Beratungskompetenz der Hausbank, die diese Darlehen vermittelt. In der Finanzplanung ist zu berücksichtigen, dass mit den langfristigen Finanzierungsmitteln und dem Eigenkapital mindestens die Investitionen in das Anlagevermögen (Grundstücke, Maschinen, Fahrzeuge etc.) finanziert werden. Unter Liquiditäts- und Rentabilitätsgesichtspunkten ist es wünschenswert, auch Teile des Umlaufvermögens (z. B. in Höhe der ständig notwendigen Lagerbestände) langfristig zu finanzieren. Ferner ist bei der Finanzplanung darauf zu achten, dass die Laufzeit von Darlehen der Nutzungsdauer der Investitionen entspricht und während der Anlaufphase Tilgungsfreijahre (in der Regel 2 Jahre) vereinbart werden.

  • Mittel- und kurzfristige Finanzierungsmittel (Laufzeit bis 4 Jahre)
    Hierzu zählen wiederum Darlehen sowie Kontokorrentkredite der Hausbank. Diese Kreditmittel sollten in größtmöglichem Umfang durch zinsgünstige Darlehen aus öffentlichen Förderprogrammen ergänzt werden. Mittelfristig werden sinnvollerweise Anlaufkosten – gegebenenfalls auch Anlaufverluste – vor allem jedoch das Umlaufvermögen sowie Betriebsmittel finanziert. Zur Vorfinanzierung von Kundenforderungen, die sich im laufenden Geschäftsbetrieb aus Lieferungen und Leistungen ergeben, eignet sich insbesondere der Kontokorrentkredit. Auch um Schwankungen des übrigen Betriebsmittelbedarfs zu finanzieren, muss auf eine ausreichend hohe Kontokorrentlinie zurückgegriffen werden können. Zur Verringerung des Kontokorrentkreditbedarfs eignen sich auch Lieferantenkredite. Dabei übernimmt der Lieferant gewissermaßen die Rolle einer Bank. Die Vereinbarungen mit den Lieferanten über längere Zahlungsziele sollten verbindlich getroffen werden; sie sollten auf keinen Fall nur auf mündlichen Zusagen beruhen.

Das Bankgespräch über die Finanzplanung

Es ist empfehlenswert, Gespräche mit der Hausbank über die Finanzplanung erst nach rechtzeitiger Vorlage der notwendigen Unterlagen zu führen. Sie sollten diese Gespräche gut vorbereiten und selbstsicher führen. Vor allem sollten Sie in der Lage sein, Ihre Planung vorzustellen und zu begründen. Es ist aber durchaus empfehlenswert, einen Berater zum Gespräch hinzuzuziehen. Allerdings sollte die Bank rechtzeitig über die Begleitung durch einen Berater informiert werden.

Software kann die Erstellung eines umfassenden Businessplans – und damit auch des Finanzplans – erleichtern. Bei der Erstellung des Businessplans und insbesondere der Finanzplanung stehen als Kooperationspartner der Firma Haufe-Lexware kompetente KfW-Gründungsberater zur Verfügung.

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