Die ersten Schritte bei der Gründung: Wer hilft Ihnen weiter?

Diese Partner unterstützen Sie bei der Gründung
Aktualisiert am: 01.09.2015

Falsche Hilfe ist schlechter als keine Hilfe. Darum gehört es zu einer der ersten Aufgaben des Existenzgründers, seine externen Helfer sorgfältig auszuwählen. Dieser Beitrag zeigt, welche Partner Ihnen in welcher Form bei Ihrem Gründungsvorhaben helfen können.

Der Existenzgründer ist ein Experte auf seinem Fachgebiet, sonst würde er den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen. Doch nicht jeder Fachmann ist auch gleichzeitig ein Experte für Unternehmensgründungen und für die Führung eines Unternehmens. Wer über ausreichende wirtschaftliche Kenntnisse verfügt, kann es alleine wagen. Alle anderen benötigen professionelle Hilfe.

Prüfen Sie also Ihre kaufmännischen Fähigkeiten äußerst gewissenhaft. Um als Unternehmer bestehen zu können, müssen Sie zumindest Grundkenntnisse haben. Sie müssen aber keine detaillierten Kenntnisse zur Unternehmensgründung und zur Buchhaltung nachweisen. Fehlen Ihnen Kenntnisse in diesen Bereichen, sollten Sie allerdings auf externe Hilfe zurückgreifen und die Kosten dafür von Anfang an einplanen.

Lesen Sie zudem auch unseren Beitrag Businessplan erstellen: So überzeugen Sie Ihren Banker.

Die Gründungsberater

Die Gründungswelle der letzten Jahre hat dazu geführt, dass eine große Nachfrage nach spezieller Hilfe in der Gründungsphase entstanden ist. Darum haben sich nicht wenige Unternehmensberater auf Kunden spezialisiert, die sich selbstständig machen wollen.

Gründungsberater sind stark spezialisiert auf die Unterstützung in jeder Phase der Unternehmensgründung, von der ersten Idee bis hin zur Eröffnung und darüber hinaus. Manche helfen sogar bei der Ideenfindung. Für Gründungsberater typisch sind die folgenden Aufgaben:

  • Prüfung der Qualifikation des Existenzgründers,
  • Prüfung der Geschäftsidee,
  • Analyse der grundsätzlichen Machbarkeit,
  • Aufstellen des Businessplans,
  • Planen und Umsetzen der Gründungsfinanzierung (inkl. Fördermittel),
  • Beratung in Fragen der Rechtsform/des Standorts,
  • Unterstützung bei der Anmeldung bei Behörden,
  • Aufstellen des Marketingplans,
  • Planung der Eröffnung.

Bei der Entscheidung, ob Sie einen Gründungsberater hinzuziehen wollen, geht es einzig und allein um die Frage: Welchen Vorteil bringt mir das? Die Frage, ob Expertenhilfe sinnvoll oder sogar nötig ist, lässt sich also nur über die Nutzenanalyse beantworten.

Der Steuerberater

Mindestens einen Berater werden Sie auch nach der Gründung noch in Anspruch nehmen: den Steuerberater. Der Steuerberater ist auf Steuerthemen spezialisiert. Viele Steuerberater haben aber auch die Beratung kleiner Unternehmen in wirtschaftlichen Fragen in ihr Angebot aufgenommen. Viele haben so auch Erfahrungen mit Existenzgründungen gesammelt, die genutzt werden können. Da eine Beratung in Steuerfragen und auch in wirtschaftlichen Angelegenheiten in der Zukunft notwendig sein wird, spricht alles für den Einsatz eines Steuerberaters auch während der Gründungsphase.

Die Aufgabe des Steuerberaters muss den Phasen der Gründung und des normalen Geschäftes zugeordnet werden.

  • Während der Gründungsphase hat die Beratung die gleichen Inhalte wie die eines reinen Gründungsberaters. Dass die Sichtweise auf die steuerliche Optimierung gerichtet ist, sollte nicht wirklich stören.
  • Nach der Gründung (also im späteren, normalen Geschäftsverlauf) unterstützt Sie der Steuerberater bei allen Steuerangelegenheiten, von den monatlichen Umsatzsteueranmeldungen über die Lohnsteuerzahlungen bis hin zur Steuererklärung des Unternehmens.
  • Zudem werden nach der Gründung wirtschaftlich komplexe Fragen vom Unternehmer gestellt werden. Auch sie kann der Steuerberater klären.
  • Als Dienstleistung kann der Steuerberater auch die Buchhaltung des jungen Unternehmens übernehmen. Wenn der Umfang noch nicht sehr groß ist und wenn die finanziellen Ergebnisse nicht umgehend benötigt werden, kann die fehlende Kenntnis des Existenzgründers in Fragen der Buchhaltung auf diese Weise flexibel und preiswert ausgeglichen werden.
  • Das gilt auch für die Durchführung der Gehaltsabrechnung für eventuelle Mitarbeiter des neuen Unternehmens, die der Steuerberater gerne übernimmt. So spart sich das neue Unternehmen den Einkauf von Kenntnissen eines Mitarbeiters im Bereich der Lohn- und Gehaltsabrechnung.

Da die Verbindung mit dem Steuerberater möglichst lange halten soll, muss die Auswahl  mit großer Sorgfalt durchgeführt werden. Dabei gibt es Folgendes zu beachten:

  • Der Steuerberater sollte Erfahrungen mit Unternehmen der gleichen Branche und einer ähnlichen Unternehmensgröße haben.
  • Private Erfahrungen, die der Existenzgründer mit dem Steuerberater macht, spielen eine wichtige Rolle: Stimmt die Chemie? Ist die Zusammenarbeit fruchtbar? Prüfen Sie zudem, ob Ihr Steuerberater wirklich Erfahrungen in der Beratung von Unternehmen hat. Hat er sich bisher vorwiegend um Privatkunden gekümmert, fehlt ihm in der Regel die Routine, um Unternehmen schnell und optimal zu beraten.
  • Mit der Zeit werden sie seltener, aber es gibt sie noch: persönliche Kontakte zwischen dem Steuerberater und dem Mandanten. Um den Aufwand möglichst zu reduzieren, sollten Steuerberater und Unternehmen nicht zu weit voneinander entfernt sein. Die räumliche Nähe sorgt auch dafür, dass der Berater Entwicklungen am Standort (in der Gemeinde) mit in seine Beratung einbeziehen kann. Zudem sind die Kosten ein wichtiger Parameter bei der Wahl des Steuerberaters. Deshalb machen Sie von vornherein klar, welche Leistungen er Ihrem Unternehmen in Zukunft verkaufen kann. Je größer das Auftragsvolumen ist, desto eher wird Ihr Steuerberater zu Preiszugeständnissen bei der Gründungsberatung bereit sein.
  • Steuerberater sind gehalten, ihre Leistungen nach der jeweils gültigen Gebührentabelle abzurechnen. In der Praxis ist es jedoch üblich, mit dem Steuerberater individuelle Preisvereinbarungen für unterschiedliche Leistungen (z. B. den Steuerabschluss inkl. Steuererklärung, die Buchhaltung und/oder die Personalabrechnung) zu treffen. Die reine Gründungsberatung wird meistens über Tagessätze abgerechnet, die unter denen der Gründungsberater liegen. Für die spätere Betreuung in wirtschaftlichen Fragen kann eine pauschale Zahlung (z. B. pro Monat) vereinbart werden. Dabei sollte aber der Umfang der damit bezahlten Aktivitäten beschrieben werden. Sonst gibt es in der Zukunft immer Konfliktpotenzial.
Weitere Anlaufstellen

Existenzgründer sind die Hoffnung vieler Politiker im Bund, in den Ländern und in den Gemeinden. Darum haben die Politiker dafür gesorgt, dass umfangreiche Hilfen an vielen Stellen geboten werden. Dadurch ist ein unübersichtlicher Wust von Hilfsangeboten entstanden, die alle sicherlich gut gemeint sind. Oft sind diese Angebote leider gut versteckt und nur zufällig zu finden. Eine Auswahl finden Sie hier:

  • Die Industrie- und Handelskammern bieten umfangreiche Hilfen an (u. a. Gründungsseminare, Vermittlung von Beratern, Informationsmaterialien). Ihre zuständige IHK finden Sie auf der Website des Deutschen Industrie- und Handelskammertages: www.dihk.de
  • Die Handwerkskammern sind Ansprechpartner für Handwerker, die sich selbstständig machen möchten. Neben der Meisterausbildung bieten auch sie umfangreiche Hilfestellungen für Existenzgründer. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks vermittelt die Adressen der zuständigen Handwerkskammer: www.zdh.de
  • Unternehmensverbände und die Verbände für freie Berufe bieten ebenfalls Unterstützung an.
  • Die KfW-Mittelstandsbank unterhält bundesweit drei Beratungszentren und hält Beratungssprechtage an ca. 50 Standorten in ganz Deutschland ab. Informationen finden Sie unter www.kfw-mittelstandsbank.de
  • In vielen Städten, Gemeinden und Kreisen gibt es Gründungszentren, Gründerstammtische und andere Zusammenschlüsse, die Hilfe leisten und in denen Informationen ausgetauscht werden.
  • Für spezielle Aufgaben können spezielle Partner gefunden werden. Die Gestaltung des Marktauftritts übernimmt eine Marketingagentur, die Geschäftseinrichtung plant ein Innenarchitekt, die IT-Planung wird von IT-Dienstleistern gerne übernommen.
  • Vergessen Sie nicht Ihre Familie und Ihre Freunde. Sie können Ihnen zumindest moralische Unterstützung bieten. Oft finden sich in der Familie und unter den Freunden auch Experten für so manche Aufgabe, die sich in der Gründungsphase ergibt und die Sie gerne von jemandem erledigen lassen würden.

Auszug aus dem Fachbuch "Erfolgreiche Existenzgründung" , Reinhard Bleiber, 3. Aufl. 2013, Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, 34,95 EUR, ISBN: 978-3-648-03795-9, Bestell-Nr.: E00248

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