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Dienstwagen-Überlassung: Geschäftsführer oder Gesellschafter ist hier die Frage

Umsatzsteuerberechnung: Anknüpfungspunkt Gesellschafter oder Geschäftsführer?
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 14.08.2015

Stellt die GmbH ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer einen Dienstwagen zur Verfügung, der neben betrieblichen Fahrten auch privat und zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit genutzt werden darf, muss die GmbH zum einen Lohnsteuer für diesen geldwerten Vorteil ermitteln. Zum anderen wird Umsatzsteuer fällig. Doch wie hoch die Umsatzsteuer ausfällt, hängt entscheidend davon ab, ob die GmbH den Dienstwagen dem „Geschäftsführer“ zur Verfügung gestellt hat oder dem „Gesellschafter“.

Überlassung des Dienstwagens an den Gesellschafter

Wird der Dienstwagen dagegen nicht an Geschäftsführer überlassen, sondern an den Gesellschafter, sieht die Berechnung der Umsatzsteuer völlig anders aus. Denn dann erbringt der Gesellschafter keine Gegenleistung. Es liegt vielmehr eine unentgeltliche Wertabgabe vor ((§ 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG). Als Bemessungsgrundlage sind die Pkw-Kosten heranzuzuziehen. Besonderheit aufgrund des BFH-Urteils vom 5.6.2014: Der geldwerte Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb wird nicht in die Bemessungsgrundlage zur Ermittlung der Umsatzsteuer einbezogen und es darf ein 20%iger Abschlag für nicht vorsteuerbelastete Pkw-Kosten vorgenommen werden.

Aus Vereinfachungsgründen kann anstatt der Pkw-Kosten der geldwerte Vorteil nach lohnsteuerlichen Kriterien herangezogen werden.

Beispiel: GmbH-Geschäftsführerin Maier aus unserem Ausgangsbeispiel darf laut Arbeitsvertrag einen Mittelklassewagen als Dienstwagen nutzen. Da bei einem Bruttolistenpreis von 60.000 EUR jedoch kein Mittelklassewagen mehr unterstellt werden kann, geht das Finanzamt von einer Gestellung des Dienstwagens an den Gesellschafter aus.

Ermittlung des geldwerten Vorteils
Geldwerter Vorteil für Privatnutzung (60.000 EUR x 1% x 12 Monate) 7.200 EUR
- Abschlag von 20% für nicht vorsteuerbelastete Pkw-Kosten - 1.440 EUR
= Gesamter geldwerter Vorteil = Bemessungsgrundlage für Umsatzsteuer 5.760 EUR
x 19 % Umsatzsteuer 1.094,40 EUR

Fazit: Die umsatzsteuerliche Unterscheidung zwischen Gestellung an einen Geschäftsführer bzw. an einen Gesellschafter ist nun durch das BFH-Urteil klar geregelt. Es fehlen für die Praxis jedoch weitergehende Detailinfos, die wohl das Bundesfinanzministerium in einem Infoschreiben nachliefern wird. Folgende Fragen bleiben unbeantwortet:

  • Unter welchen weiteren Voraussetzungen liegt eine Dienstwagengestellung an den Gesellschafter der GmbH noch vor?
  • Wie ist der Sachverhalt ertragsteuerlich zu behandeln, wenn die Dienstwagengestellung im Arbeitsvertrag zwischen GmbH und Gesellschafter-Geschäftsführer vereinbart ist, statt eines Mittelklassewagens aber ein Luxusauto gefahren wird (verdeckte Gewinnausschüttung?)?

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Dass unterschieden werden muss, ob ein GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer einen Dienstwagen in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer oder in seiner Eigenschaft als Gesellschafter zur Verfügung gestellt bekommen hat, hat der Bundesfinanzhof aktuell klargestellt (BFH, Urteil v. 5.6.2014, Az. XI R 2/12; veröffentlicht am 8.10.2014).

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Überlassung des Dienstwagens an den Geschäftsführer

Wird der Dienstwagen von der GmbH dem Geschäftsführer zur Verfügung gestellt, liegt aus umsatzsteuerlicher Sicht ein tauschähnlicher Umsatz vor (§ 3 Abs. 12 Satz 2 UStG). Als Gegenleistung für die Dienstwagengestellung erbringt der Geschäftsführer seine Arbeitsleistung. Bei einem tauschähnlichen Umsatz gilt der Wert eines jeden Umsatzes als Entgelt für den anderen Umsatz (§ 10 Abs. 2 Satz 2 UStG). Als Bemessungsgrundlage kommt hier nicht nur der geldwerte Vorteil für die Privatfahrten in Betracht, sondern auch der geldwerte Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte.

Beispiel: GmbH-Geschäftsführerin Maier erhält von ihrer GmbH einen Dienstwagen mit einem Bruttolistenpreis von 60.000 EUR zur Verfügung gestellt. Sie nutzt diesen Dienstwagen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit (einfache Entfernung 25 km) und für Privatfahrten. Ein Fahrtenbuch wird nicht geführt. Das Finanzamt geht davon aus, dass die Gestellung des Dienstwagens an den Geschäftsführer gewährt wird.

Ermittlung des geldwerten Vorteils
Geldwerter Vorteil für Privatnutzung (60.000 EUR x 1 % x 12 Monate) 7.200 EUR
- Geldwerter Vorteil für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit (0,03 % von 60.000 EUR x 25 km x 12 Monate) 5.400 EUR
= Gesamter geldwerter Vorteil = Bemessungsgrundlage für Umsatzsteuer 12.600 EUR
x 19 % Umsatzsteuer 2.394 EUR

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