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Erbschaft von GmbH-Anteilen: Keine verdeckte Gewinnausschüttung vermeiden bei Wertermittlung

Erbschaftsteuererklärung  des GmbH-Anteils-Erben: Wertermittlungszuständigkeiten in der Praxis
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 14.01.2018

Verstirbt ein GmbH-Gesellschafter, gehen die GmbH-Anteile auf einen oder mehrere Erben über. Die Erben müssen beim Finanzamt eine Erbschaftsteuererklärung einreichen. Dabei stellt sich in der Praxis folgende Frage: Wer ist zur Wertermittlung der GmbH-Anteile für Zwecke der Erbschaftsteuer verantwortlich? Die GmbH oder der Erbe? Eine Frage, die erhebliche steuerliche Konsequenzen haben kann.

Für die Prüfer des Finanzamts ist die Frage meist schnell beantwortet. Zuständig für die Wertermittlung für die GmbH-Anteile ist nach deren Auffassung der Erbe der GmbH-Anteile. Schließlich geht es ja um die Ermittlung der Erbschaftsteuer für den Erben. Und das hat enorme steuerliche Konsequenzen, wenn die GmbH die Kosten für die Bewertung der GmbH-Anteile übernimmt. Dann würde eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegen, weil bei der GmbH eine Vermögensminderung eingetreten ist, die ihre Veranlassung auf dem Gesellschaftsrecht hat (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG).

So berechnet das Finanzamt die Erbschaftsteuer von GmbH-Anteilen

Übernimmt eine GmbH die Kosten für die Wertermittlung der GmbH-Anteile für Zwecke der Erbschaftsteuer in Höhe von 8.000 EUR, wird das Finanzamt diese 8.000 EUR in aller Regel dem zu versteuernden Einkommen der GmbH als verdeckte Gewinnausschüttung wieder hinzurechnen. Der Erbe als neuer GmbH-Gesellschafter muss diese 8.000 EUR zusätzlich als Einkünfte aus Kapitalvermögen versteuern. Doch gegen diese fehlerhafte Vorgehensweise lohnt sich Gegenwehr. Denn das Finanzministerium Schleswig-Holstein vertritt eine gegenteilige Auffassung, die bundeseinheitlich abgestimmt ist.

Finanzministerium Schleswig-Holstein zur Erbschaftsteuer bei GmbH-Anteilen

Der gemeine Wert von GmbH-Anteilen im Sinn von § 11 Abs. 2 Bewertungsgesetz (BewG) für Zwecke der Erbschaftsteuer ist nach § 151 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BewG gesondert festzustellen. Zur Abgabe der Feststellungserklärung ist nach § 153 Abs. 3 BewG nur die GmbH verpflichtet.

Vor dem Hintergrund, dass für die Abgabe der Feststellungserklärung nach § 153 Abs. 3 BewG nur die GmbH zuständig ist, muss die GmbH auch die Kosten für Wertermittlung der GmbH-Anteile zu Zwecken der Erbschaftsteuer übernehmen. Das bedeutet im Klartext: Es liegt keine verdeckte Gewinnausschüttung zugunsten der Erben der GmbH-Anteile vor (Finanzministerium Schleswig-Holstein, Verfügung v. 3.9.2014, Az. VI 3011 – S 2741 – 104).

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Tipps für die GmbH zur Erbschaftsteuer von GmbH-Anteilen

Fordert das Finanzamt von dem Erben eines GmbH-Anteils im Rahmen der Ermittlung der Erbschaftsteuer Unterlagen zur Höhe des Werts der GmbH-Anteile, hat das steuerlich folgende Konsequenzen:

  • Die GmbH sollte einen Steuerberater oder einen Unternehmensberater mit der Bewertung der GmbH-Anteile zu Zwecken der Erbschaftsteuer beauftragen. 
  • Die Rechnung des Beraters über die Wertermittlung ist durch die GmbH zu begleichen.
  • Unterstellt das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung, muss gegen den Körperschaftsteuerbescheid (Hinzurechnung der Bewertungskosten) und den Einkommensteuerbescheid des Erben (Versteuerung der verdeckten Gewinnausschüttung als Kapitalertrag) mit einem dezenten Hinweis auf die Verfügung des Finanzministeriums Schleswig-Holstein Einspruch eingelegt werden.

Verschonungsregelung für geerbten GmbH-Anteil bei der Erbschaftsteuer


Der Erbe der GmbH-Anteile profitiert aber nicht nur von der Verfügung des Finanzministeriums, die ihm die Versteuerung einer verdeckten Gewinnausschüttung erspart. Auch bei der Ermittlung der Erbschaftsteuer selbst winken Vergünstigungen. Die Rede ist von den Verschonungsregeln des § 13b Abs. 1 Erbschaftsteuergesetz (ErbStG).

Voraussetzung für die Verschonungsregelung ist, dass ein GmbH-Anteil  geerbt wird, der mehr als 25% Beteiligung am Stammkapital ausmacht. Die in der Praxis am häufigsten vorkommende Verschonungsregelung sieht eine Freistellung des geerbten Vermögens in Höhe von 85% vor. Darüber hinaus wird die Übertragung von weiterem Vermögens bis zu einem Übertragungswert von insgesamt 150.000 EUR von der Erbschaftsteuer freigestellt. Die 85%ige Verschonung tritt in Kraft, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Die maßgebliche Lohnsumme der GmbH am Ende eines siebenjährigen Betrachtungszeitraums darf nicht unter 650% der Ausgangslohnsumme als Durchschnittsbetrag der letzten fünf Jahre vor dem Besteuerungszeitpunkt sinken.

Tipp: Da die Verschonungsregelungen jedoch an bestimmte Voraussetzungen gebunden sind, die teilweise über die nächsten sieben Jahre nach dem Erbe der GmbH-Anteile jährlich zu überwachen sind (Behaltensfristen/Lohnsummenregel), ist von einem steuerlichen Alleingang des Erben abzuraten. Das optimale Ergebnis bei der Erbschaftsteuer bei Erbe von GmbH-Anteilen lässt sich nur in Zusammenarbeit mit einem versierten Steuerberater erzielen, der die Einhaltung der Voraussetzungen zu den Verschonungsregeln in der vorgeschriebenen Zeit überwacht.

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