Erbschaftsteuerreform 2016: Das sollten Unternehmer wissen /fileadmin/_processed_/d/6/csm_Erbschaftsteuerreform_2016_936d83837a.jpg 2016-10-10 Lexware

Erbschaftsteuerreform 2016: Das sollten Unternehmer wissen

Von Christoph Wenhardt
Aktualisiert am: 10.10.2016

Die Erbschaftsteuerreform 2016 steht. Nach der Einigung im Vermittlungsausschuss haben nun auch Bundestag und Bundesrat dem neuen Erbschaftsteuergesetz zugestimmt. Das neue Gesetz tritt rückwirkend zum 1.07.2016 in Kraft. Damit ist auch die vom Verfassungsgericht ausgelöste, monatelange Hängepartie um die Erbschaftsteuerreform beendet. Die wichtigsten Änderungen für Unternehmer finden Sie hier.

Erbschaftsteuerreform 2016: Vergünstigungen für Betriebsvermögen - der Verschonungsabschlag

Bei einer Unternehmensnachfolge entlastet der Staat Unternehmer durch den sogenannten Verschonungsabschlag. Der Verschonungsabschlag ist die Summe des Unternehmenswerts, die Sie nicht versteuern müssen. Für den restlichen Unternehmenswert müssen Sie Steuern an das Finanzamt abführen.

Das frisch beschlossene Erbschaftsteuergesetz bietet folgende Möglichkeiten, bei Unternehmensübertragungen Steuern zu sparen:

Möglichkeit 1: Verschonungsabschlag 85%

Werden die Voraussetzungen für den Verschonungsabschlag akzeptiert, kann der Unternehmenswert steuerlich verringert werden. Der persönliche Freibetrag von 400.000 EUR senkt die Steuerlast weiter. Folgendes Beispiel zeigt, wie Sie mit dem Verschonungsabschlag von 85% Steuern bei der Unternehmensübergabe sparen: Herr Meier schenkt seinem Sohn sein Unternehmen. Der Wert des Unternehmens beträgt 4.200.000 EUR.

Beispiel für Möglichkeit 1:
Beispiel für Möglichkeit 1:
Unternehmenswert 4.200.000 EUR
Verschonungsabschlag 85 % von 4.200.000 EUR ./. 3.570.000 EUR
Abzugsbetrag ./. 0 EUR
Steuerpflichtiges Betriebsvermögen 630.000 EUR
Persönlicher Freibetrag ./. 400.000 EUR
Steuerpflichtiger Erwerb 230.000 EUR

Da der Sohn von Herrn Meier das Unternehmen geschenkt bekommt, muss er den gesetzlich festgelegten Anteil der Schenkungsteuer an den Staat bezahlen. Aktuell liegt der Anteil bei 11 % von der Summe des steuerpflichtigen Erwerbs. In unserem Beispiel sind das 230.000 EUR. 11 % davon sind 25.300 EUR. Der Sohn von Herrn Maier muss also 25.300 EUR Schenkungsteuer an den Staat zahlen. Der Abzugsbetrag oder die Stundungsregeln werden in diesem Fall nicht berücksichtigt, da der Sohn den Betrieb geschenkt bekommt und nicht geerbt hat.

Möglichkeit 2: Verschonungsabschlag 100 %

Herr Maier verschenkt sein Unternehmen an seinen Sohn, möchte aber von dem 100%igen Verschonungsabschlag profitieren. So muss sein Sohn keine Schenkungsteuer an das Finanzamt zahlen. Lesen Sie hier, wie der Verschonungsabschlag von 100 % in der Praxis angewendet wird. Sie müssen beachten, dass das begünstigungsfähige Vermögen nicht zu mehr als 20% Verwaltungsvermögen bestehen darf: 

Beispiel für Möglichkeit 2:
Beispiel für Möglichkeit 2:
Unternehmenswert 4.200.000 EUR
Verschonungsabschlag 100 % von 4.200.000 EUR ./. 4.200.000 EUR
Steuerpflichtiges Betriebsvermögen 0 EUR

Der Sohn von Herrn Maier muss also keine Schenkungsteuer an das Finanzamt überweisen, wenn er die Voraussetzungen für einen 100%igen Verschonungsabschlag erfüllt. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Freibetrag von 400.000 EUR nicht verbraucht wird und für zukünftige Vermögensübertragungen verwendet werden kann.

Möglichkeit 3: Entlastungsbetrag

Die Voraussetzung für diese Option: Sind Sie als Erbe von Betriebsvermögen in die Steuerklassen II oder III eingetragen, wird Ihnen automatisch der reguläre Erbschaftsteuersatz abgezogen. Als Steuererleichterung wird ein Entlastungsbetrag angerechnet. Durch den Entlastungsbetrag wird das vererbte Betriebsvermögen in der Steuerklasse I besteuert. Dieser wird individuell unter anderem auf Basis des Vermögens und des tariflichen Steuersatzes bestimmt.

Möglichkeit 4: Siebenjähirge Stundungsregelung

Die siebenjährige Stundungsregelung kann angewendet werden, wenn Sie ein Erbe antreten, das Ihnen wegen eines Todesfalls zusteht. Ab dem zweiten Jahr müssen Sie Zinsen für die Stundung zahlen. Um die Stundungsregelung anwenden zu dürfen, muss diese beantragt werden.

Voraussetzungen für den Verschonungsabschlag – Erbschaftsteuerreform 2016

Um mithilfe des Verschonungsabschlags Steuern zu sparen, müssen die folgenden Voraussetzungen zwingend erfüllt sein:

Einhaltung einer Lohnsummenregelung

Die Lohnsumme entspricht der Summe aller Löhne, Gehälter und Boni, die Sie an Ihre Mitarbeiter zahlen. Die Lohnsumme wird bei der Unternehmensübergabe ermittelt. Wenn Ihr Betrieb weniger als 5 Mitarbeiter hat, profitieren Sie in jedem Fall von dem Verschonungsabschlag von 85 %. In diesem Fall wird die Lohnsummenregelung nicht angewendet. Für den Verschonungsabschlag von 100 % gelten die gleichen Voraussetzungen.

Weiterführung des Betriebs

Um den Verschonungsabschlag von 85 % ausnutzen zu können, müssen Sie nach der Schenkung bzw. dem Erbe des Unternehmens den Betrieb mindestens 5 Jahre fortführen. Für den Abschlag von 100 % müssen Sie den Unternehmensbetrieb mindestens 7 Jahre weiterführen. Hat Ihr Betrieb weniger als 5 Mitarbeiter, müssen Sie die Lohnsummenregelung nicht beachten. Geben Sie das Unternehmen vor der festgesetzten Frist auf, wird das Finanzamt die Differenz der Vergünstigungen zurückfordern.

Verwaltungsvermögen im Unternehmen

Ihr Unternehmen darf nicht ausschließlich aus Verwaltungsvermögen bestehen, um von dem Verschonungsabschlag von 85 oder 100 % zu profitieren. Die relevante Grenze für das Finanzamt ist 90 %. Zum Verwaltungsvermögen gehören beispielsweise verpachtete Grundstücke, Wertpapiere, Geschäftsguthaben und Geldforderungen. Ebenso sind Oldtimer, Yachten, Segelflugzeuge und sonstige typischerweise der privaten Lebensführung dienende Gegenstände Teil der Verwaltungsvermögens. 

Erbschaftsteuerreform 2016 – Was ändert sich noch und was bleibt bestehen?

Eine weitere Änderung könnte für Unternehmer mit einem Kapital von mehr als 26 Mio EUR interessant werden. Hier gibt es neue Regeln für den Verschonungsabschlag. Die Höhe der Freibeträge und die geltenden Steuersätze bleiben auch nach der Steuerreform unverändert. Für Ehepartner gilt der Freibetrag von 500.000 EUR und für Kinder 400.000 EUR. Der persönliche Steuersatz wird wie bisher in Abhängigkeit von der Höhe Ihres steuerpflichtigen Erwerbs bestimmt.


Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5