Tipps für einen erfolgreichen Neustart nach den Corona-Lockerungen/fileadmin/_processed_/d/a/csm_corona-neustart-800x400_bec1b7ab0b.jpg 2020-08-20 Lexware

Tipps für einen erfolgreichen Neustart nach den Corona-Lockerungen

Von Jörgen Erichsen
Aktualisiert am: 20.08.2020

Nach dem sogenannten „Lockdown“ aufgrund der Corona-Pandemie sind nun erste Lockerungen in Kraft getreten. Einige Geschäfte konnten bereits wieder öffnen, andere Unternehmen und Selbstständige bereiten sich auf den Neustart vor. Dabei sollten einige Dinge bedacht werden, um zum einen keine neue Schließung zu riskieren und zum anderen das Geschäft unter den neuen Umständen schnellstmöglich wieder anzukurbeln.

1. Arbeitsschutzmaßnahmen für die Mitarbeiter umsetzen

Die Lockerungen für die Wirtschaft werden nur unter dem Vorbehalt gewährt, dass sich die Infektionszahlen in Zukunft nicht nennenswert erhöhen. Das bedeutet für Unternehmer, dass sie alles tun müssen, um zu verhindern, dass sich ihre Mitarbeiter mit dem Virus anstecken.

Das kann z. B. dadurch geschehen, dass Masken, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel bereitgestellt und organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, um direkte Kontakte zu vermeiden oder zu minimieren. Außerdem sollten weitere Hygienemaßnahmen umgesetzt werden, z. B. Reinigung von gemeinsam genutzten Räumen, Fahrzeugen oder anderen Arbeitsmitteln in kurzen Abständen. Wo möglich, sollten jedem Arbeitnehmer seine „eigenen“ Arbeitsmittel oder Fahrzeuge gestellt werden.

Das Arbeitsministerium hat dazu auch neue Arbeitsschutzregeln erlassen. Welche das sind, erfahren Sie im Fachartikel „Corona-Lockerungen: Diese neuen Arbeitsschutzregeln gelten jetzt“.

Praxis-Tipp

Erstellen Sie eine Checkliste oder Arbeitsanweisung für alle Mitarbeiter, damit diese immer über alle Maßnahmen und Regelungen informiert sind und es nicht zu Missverständnissen, z. B. in Sachen Desinfektion, kommen kann. Außerdem ist es sinnvoll, konkret Mitarbeiter zu benennen, die damit beauftragt sind, die Einhaltung der Maßnahmen zu überwachen und auch z. B. Desinfektionsmittel nachzufüllen.

Besonders wichtig: Dokumentieren Sie möglichst alle Maßnahmen, die Sie umgesetzt haben. Das dient nicht nur dazu, dass Sie selbst den Überblick behalten. Sollte sich die Situation wieder verschlechtern, kann es hilfreich sein, darstellen zu können, was Sie getan haben, um Ansteckungen zu vermeiden. So lässt sich unter Umständen eine erneute Schließung vermeiden.

2. Aktiver Schutz der Kunden

Auch die Kunden müssen aktiv geschützt werden. Für sie sollten ebenfalls Desinfektionsmittel und Masken bereitgestellt werden. Wo möglich, sollte man versuchen, feste Termine zu vereinbaren, um den Andrang z. B. im Laden oder lange Warteschlangen und -zeiten zu vermeiden. An Kassen oder Info-Terminals sollten z. B. Abtrennungen installiert und Möglichkeiten für kontaktloses Bezahlen angeboten werden. Kontaktloses Zahlen sollte auch mobil möglich sein, etwa durch Anschaffung entsprechender Geräte.

Zu den organisatorischen Maßnahmen können z. B. auch „Einbahnstraßenregelungen“, eine Verbreiterung von Gängen oder Flächen sowie gut ausgewiesene, separate Abholplätze oder -bereiche für vorbestellte Ware eingerichtet werden. Hier müssen Unternehmer prüfen, welche Maßnahmen in ihrem Fall geeignet sind, um das Infektionsrisiko zu verringern oder möglichst ganz auszuschließen.

Kunden, Lieferanten und andere Geschäftspartner sollten per Flyer oder Aushang über die getroffenen Maßnahmen informiert werden. Je nach Struktur kommen auch andere Wege in Betracht – etwa über E-Mail, Aufträge, Geschäftspapiere, die Homepage oder soziale Medien.

3. Eigene Positionierung überprüfen und ggf. verändern

Gleichzeitig muss sich jeder Unternehmer zum Neustart fragen, ob es notwendig ist, die eigenen Ziele zu ändern und ggf. auch die Positionierung des Unternehmens und des Angebots anzupassen.

Da stellt sich zum einen die wichtigste Frage: Sind noch genügend Kunden vorhanden, um noch in diesem Jahr in dem Maß Umsätze zu erzielen, die zumindest genügen, um die laufenden Kosten zu decken und evtl. noch einen kleinen Gewinn zu erzielen? Faustregel hierbei: Man sollte im zweiten Halbjahr etwa 30 – 40 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes erreichen können.

Gibt es nicht mehr ausreichend Kunden oder ist der Markt mehr oder weniger zusammengebrochen, kann es notwendig sein, das Geschäftsmodell entsprechend anzupassen. Hier einige Beispiele:

Catering-Unternehmen, die bisher vor allem große gewerbliche Kunden wie Messen oder Veranstalter beliefert haben, werden in diesem Jahr – und wohl auch zu Beginn des kommenden Jahres – sicher keine größeren Aufträge mehr erhalten. Einen so langen Zeitraum ohne nennenswerte Einnahmen zu überstehen, ist in der Regel nur sehr schwer möglich, auch wenn es Finanzhilfen gibt. Hier sollte kurzfristig geprüft werden, ob man statt Messen und Veranstaltungen nicht auch private Kunden oder z. B. solche Unternehmen beliefern kann, die ihre Kantine schließen mussten, aber trotzdem Mitarbeiter mit Präsenzpflicht beschäftigen. Eine andere Möglichkeit, den Weiterbestand zu ermöglichen, ist es, den Betrieb zu verkleinern.

Bei Schreinereien, Elektrikern oder Malerbetrieben scheint die Antwort einfacher zu sein, da man i. d. R. das Kernangebot nicht zu verändern braucht. Allerdings stellen viele Handwerker, die im Innenbereich bei Kunden arbeiten müssen, aktuell fest, dass die Bereitschaft, Dritte in die Wohnung zu lassen, wenig ausgeprägt ist. In solchen oder ähnlichen Fällen müssen unbedingt organisatorische und vertrauensbildende Maßnahmen realisiert werden, um im restlichen Jahr noch nennenswerte Erträge erzielen zu können. Bei Handwerkern können das unter Umständen auch drastische Hygieneregeln sein, die bei Kunden eingehalten werden müssen – etwa Arbeiten mit Maske oder Desinfizieren von Flächen beim Kunden. Diese verschärften Hygieneregelungen sollten dann auch entsprechend an die Kunden kommuniziert werden.

Auch kleine Einzelhändler, z. B. Modeboutiquen oder Buchläden, müssen organisatorische oder bauliche Veränderungen vornehmen, wollen sie Kunden in einer Anzahl erreichen, die notwendig ist, um dauerhaft wieder „auskömmliche“ Erträge zu erreichen. Da immer noch viele Kunden lieber online bestellen als sich im Geschäft dem Risiko einer Infektion oder einer längeren Wartezeit auszusetzen, sollten Einzelhändler zudem prüfen, ob es sich lohnt, einen Liefer- oder Abholservice für die Ware anzubieten.

Dies gilt auch für Restaurants, Bäckereien, Metzgereien, Hofläden und Getränkemärkte – sofern sie noch keinen derartigen Service umgesetzt haben. Eine weitere Möglichkeit könnte sein, bestimmte Produkte auch auf regionalen Wochenmärkten oder mobilen Ständen anzubieten. Eventuell lassen sich auf diese Weise sogar neue Kundengruppen erschließen, die auch nach der Krise weiter den Service in Anspruch nehmen möchten.

4. Werbung, Kundenansprache und Produktportfolio prüfen und ggf. anpassen

Essentiell für die Öffnung des Geschäfts ist auch, dass man vom ersten Tag an versucht, seine Kunden noch gezielter und besser anzusprechen als vor der Schließung. Das heißt, dass man sich (noch) mehr Gedanken als bisher darum machen muss, wen man wie anspricht, um erfolgreich verkaufen zu können. Dabei hilft es, u. a. folgende Fragen schlüssig zu beantworten:

  • Hat man während der Schließung die Möglichkeiten des Online-Verkaufs oder der Lieferung nutzen können?
  • Welche Erfahrungen hat man dabei gemacht?
  • Welche Kunden sind so dem Betrieb treu geblieben?
  • Was haben sie gekauft bzw. welche Artikel wurden insgesamt am besten verkauft?
  • Lag der Fokus auf bisher gut verkauften Produkten? Oder haben sich die Gewohnheiten während der Schließungszeit geändert?
  • Gibt es Produkte, die gerade jetzt sehr gefragt sind? Wenn ja, rentiert es sich möglicherweise, gezielt Werbung dafür zu machen.
  • Welche Kunden sind neu hinzugekommen?
  • Welche Wünsche und Rückmeldungen hat es gegeben, die wichtig sind für die bessere Positionierung nach der Öffnung?
  • War es möglich, während der Schließung die Preise zu halten oder gar zu erhöhen?
  • Wie soll mit dem Online- oder Lieferangebot künftig verfahren werden? Lohnt es sich beispielsweise, es sukzessive zu intensivieren? Das wäre auch mit Blick auf mögliche weitere Schließungen unter Umständen überlebenswichtig.
  • Muss oder soll das Produktangebot verändert werden, z. B. mehr auf regionale Produkte oder Artikel, die nicht in Übersee hergestellt worden sind? Dabei sollte auch geprüft werden, ob sich die Versorgungssicherheit verbessern lässt, wenn man überwiegend auf „heimische“ Lieferanten setzt, die auch noch liefern können, wenn es länderübergreifende Beschränkungen gibt.
  • Welche Werbemaßnahmen haben sich in den letzten Wochen bewährt: Online, Radio, Print? Lohnt es sich, diese eventuell noch zu intensivieren?

Aus der Beantwortung dieser Fragen lassen sich hilfreiche Strategien und Maßnahmen für die erfolgreiche Führung Ihres Unternehmens ableiten – sowohl kurzfristig als auch langfristig.

Themenseite Corona-Krise: Hilfestellungen für Unternehmer und Selbstständige

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5. Kunden umfassend über die Wiedereröffnung informieren

Die meisten Menschen dürften zwar aus den Medien erfahren haben, dass Lockerungen geplant oder bereits umgesetzt sind. Da es aber wegen der vielen unterschiedlichen Regeln in den einzelnen Bundesländern zu Beginn oft Unsicherheiten gibt, sollte man versuchen, so viele Kunden wie möglich direkt und persönlich darüber zu informieren, dass man wieder normal erreichbar ist.

Die Informationen können z. B. über E-Mail, Flyer, Telefon (bei guten Kunden) oder soziale Medien verbreitet und ggf. mit einem „Wiedereröffnungsangebot“, etwa einem Bonus oder kleinen Geschenk, versehen werden. Zur Kommunikation gehört auch, dass die Homepage zeitnah auf den aktuellen Stand gebracht und auch die telefonische Erreichbarkeit für die Beantwortung von Fragen sichergestellt wird.

Die Mitarbeiter sollten Kunden bei direkten Kontakten von sich aus darüber informieren, welche Sicherheitsmaßnahmen man im Betrieb umgesetzt hat, um allen ein risikoarmes Kauferlebnis zu ermöglichen. Auch über den Aufbau und die Pflege einer FAQ-Liste, in der regelmäßig wiederkehrende Fragen beantwortet werden, kann man Kunden dazu motivieren, wieder regelmäßig zu kommen und zu kaufen.

6. Erst öffnen, wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind

Um alle Vorbereitungen und die Positionierung besser abschließen zu können, sollte auch überlegt werden, ob es nicht günstiger ist, noch ein paar Tage mit der Wiedereröffnung zu warten, um dann richtig vorbereitet und mit klarer Positionierung schneller wieder zu Verkäufen und Umsätzen zu gelangen. Sicher fällt das schwer und kostet auch weitere dringend nötige Umsätze. Aber auch große Unternehmen wie IKEA und viele kleinere Unternehmen haben sich entschlossen, sich zuerst um eine größtmögliche Sicherheit für alle Beteiligten zu kümmern.

Schließlich müssen häufig organisatorische Maßnahmen in Ruhe geplant, auf Tauglichkeit geprüft und umgesetzt werden. Und nicht zuletzt muss auch sichergestellt werden, dass die Versorgung z. B. mit Masken und Desinfektionsmitteln auch über längere Zeit sichergestellt werden kann und die Materialen nicht schon nach ein paar Tagen aufgebraucht sind. Wenn es im Betrieb viele Eltern gibt, die keine Kita-Plätze haben, müssen auch hierfür Regelungen gefunden werden, z. B. Schichtdienste oder Vertretungsregelungen.

Und natürlich muss auch daran gedacht werden, wie man reagieren will, wenn es auf Grund der Lockerungen wieder zu steigenden Infektionszahlen und damit erneut zu Schließungen kommt:

  • Was hat man während der aktuellen Phase gelernt?
  • Wie kann man mit möglichen weiteren Schließungen doch noch zu höheren Erlösen kommen?
  • Wie lassen sich z. B. Online-Verkäufe oder andere bisher getroffene Maßnahmen weiter ausbauen?

So sind Sie im Fall der Fälle vorbereitet und können die negativen finanziellen Folgen einer erneuten Schließung möglicherweise etwas abmildern. Welche Maßnahmen Sie zur Steigerung Ihrer Liquidität treffen können, erfahren Sie im Fachartikel „Liquidität sichern: So bleiben Sie zahlungsfähig“.

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