Machen Sie den "Ernstfall-Test" bei der Besetzung von Schlüsselpositionen

So finden Sie raus, ob Bewerber und Firma zusammenpassen
Aktualisiert am: 06.06.2017

Bei der Besetzung von Schlüsselpositionen im Unternehmen kann der "Ernstfall-Test" Aufschluss darüber geben, ob Firma und Bewerber zusammenpassen - damit die Reißleine gezogen werden kann, bevor es zu spät ist.

Führungskräfte in Schlüsselpositionen: Risiko minimieren

Braucht das Unternehmen einen neuen oder einen zusätzlichen Geschäftsführer oder einen wichtigen Ressortleiter (z.B. einen neuen Vertriebs-Chef), lassen sich viele der Bewerber nicht mehr auf eine Probezeit ein. Sie pochen auf sofortige Einstellung, eventuell mit einer Befristung mit Verlängerungsoption. Passen Unternehmen und der Neue nicht zusammen, bleibt das Risiko einseitig beim Unternehmen. Was tun?

In der Praxis bewährt hat sich der „Praxis-Testfall“. Grund für die Test-Idee war die (mehrmalige) Erfahrung eines Senior-Geschäftsführers, dass es bei noch so sorgfältiger Vorauswahl durch den Personalberater immer wieder dazu kam, dass der neu einzustellende Geschäftsführer oder Leitende Angestellter doch nicht ins Unternehmen oder ins Team passt.

Schlüsselposition besetzen: Härtefall-Simulation

Dabei geht es um eine Härtefall-Simulation. Als letzten Test muss die/der Bewerber mit auf eine mehrtägige Geschäftsreise des Chefs. Unter Normal-Bedingungen zu einem wichtigen Kunden oder zu einem ausländischen Standort. Sehr beliebt: Die Geschäftsreise zum chinesischen Kunden. Erfahrungsgemäß passieren auf solchen Geschäftsreisen immer auch außergewöhnliche Situationen. Hier kann der Neue zeigen, was er kann: Ist er belastbar? Kann er analysieren? Kann er die richtigen Entscheidungen treffen?

Klingt plausibel, dass sich die neuen Geschäftspartner in dieser Situation bestens kennen lernen. Die Zusatzkosten sind kein Problem. Diese Investition lohnt allemal. So hat es schon den Fall gegeben, dass der neue Vertriebsleiter alleine mit dem Flugzeug zurückfliegen musste und man anschließend getrennte Wege ging. Auflösungsvertrag, Abfindung und ein gestörtes Betriebsklima wären dann auf jeden Fall deutlich teurer geworden.

Praxis-Tipp: Weg vom Schreibtisch – mitten rein in die Praxis

Bei der Besetzung einer so wichtigen Stelle im Unternehmen muss nicht nur die Chemie stimmen. Genau so wichtig ist der faktische Arbeitsstil des Neuen (Belastbarkeit, Kommunikation, auch: Small Talk), analytisches Vermögen, Leistungsbereitschaft, Entscheidungssicherheit – alles Eigenschaften, die sich im Ernst-Testfall bestens überprüfen lassen. Das gilt natürlich auch für Sie, wenn Sie sich auf eine neue Stelle bewerben. Auch Sie wissen dann, auf was Sie sich einlassen. Sie können eine solche „Geschäftsreise unter Härtebedingungen“ im Bewerbungsverfahren von sich aus anbieten.

Für die Auswahl von Führungskräften insbesondere Geschäftsführern werden im Allgemeinen die folgenden Kriterien für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Bewerber herangezogen (z.B. McKinsey):

  • Unternehmerisches Potenzial (Eigeninitiative, Durchsetzungsvermögen),
  • Fachwissen (Branchenwissen, Ressortwissen, methodische Kompetenz),
  • Geschäft (Ergebnisorientierung, Teamentwicklung, Projekt-Management),
  • Führungsqualität (Motivieren, Vertrauen, Fördern)
  • Geschäftsentwicklung (strategisches Vermögen).
Checkliste für das Bewerbungsverfahren auf eine Geschäftsführer-Position
  • Versuchen Sie herauszufinden, in welcher Beziehung die Personen des Bestell-Gremiums untereinander stehen, ob es Konflikte gibt, ob es Themen gibt, die nicht offen angesprochen werden, welche Bedeutung das Unternehmen für die Beteiligten hat.
  • Lassen Sie sich in keiner Phase des Bewerbungsverfahrens zu Aussagen, Zielerreichungsgraden und Erfolgsversprechungen verleiten, die Sie später nicht einhalten können.
  • Stellen Sie fest, zu welchen Themen sich die Gesellschafter/Geschäftsführer regelmäßig beraten lassen, wer die Berater sind und versuchen Sie bereits in dieser Phase Kontakt zu den Beratern herzustellen (Anwalt, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Unternehmensberater).
  • Signalisieren Sie im Bewerbungsgespräch die Bereitschaft, sich mit allen Personen des Bestell-Gremiums auszutauschen, zu arrangieren und sich persönlich einzubringen.
  • Stellen Sie sich darauf ein, dass der Entscheidungsprozess länger dauert als erwartet, nicht immer geradlinig verläuft und das Bestell-Gremium nicht nur mit Ihnen, sondern mit mehreren Kandidaten zugleich über eine längere Zeit hinweg Beziehungen aufbaut.

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