EÜR: Die Vor- und Nachteile im Überblick

Aktualisiert am: 13.06.2016

Grundsätzlich gilt für alle deutschen Unternehmen die Pflicht, Buchhaltung mit doppelter Buchführung zu betreiben. Unter bestimmten Bedingungen, die im Einkommensteuergesetz festgelegt sind, können Unternehmer bzw. Freiberufler ihren Aufzeichnungspflichten gegenüber dem Finanzamt mit einer stark vereinfachten Methode der Gewinnermittlung, der sog. Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) nachkommen. Bei der EÜR stellen Sie mit Hilfe einer Übersicht, in der Einnahmen und Ausgaben getrennt voneinander aufgezeichnet werden, die Übersicht über Ihre Einnahmen- und Ausgabensituation her. Diese Form der Gewinnermittlung ist insbesondere auf Existenzgründer, kleine Unternehmen und Freiberufler zugeschnitten und deutlich weniger aufwändig als das Erstellen einer Bilanz. Aber nicht jeder darf dieses Verfahren anwenden.

Wer darf die EÜR nutzen?

Als Gewebetreibender oder Freiberufler dürfen Sie Ihren Betriebsgewinn per EÜR ermitteln, wenn

  • Sie nicht zur doppelten Buchführung verpflichtet sind, d.h. nicht als Vollkaufmann oder mit einer Firma (z. B. OHG, KG, GmbH, AG) im Handelsregister eingetragen sind.
  • Sie nicht freiwillig Bücher führen.
  • Ihr Jahresumsatz als Nicht-Kaufmann nicht mehr als 500.000 EUR beträgt und Ihr Jahresgewinn unter 50.000 EUR liegt.

Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz gibt allerdings auch Einzelkaufleuten die Möglichkeit, sich der EÜR zu bedienen, wenn ihre Umsatzerlöse und Jahresüberschüsse bestimmte Schwellenwerte nicht überschreiten.

Formularzwang: Seit 2005 gibt es ein Formular des Bundesfinanzministeriums, das für die EÜR gesetzlich vorgeschrieben ist. Ihr Jahresergebnis im Rahmen der EÜR müssen Sie der Finanzverwaltung elektronisch übermitteln, die Abgabe in Papierform ist nur noch in Härtefällen zulässig. Liegen Ihre Betriebseinnahmen unter 17.500 EUR p.a., sind die Verwendung des Formulars und die elektronische Übermittlung nicht verpflichtend.

Betriebseinnahmen und –ausgaben nach EÜR

Durch die EÜR werden Betriebseinnahmen und –ausgaben gegenübergestellt. Um das Verfahren möglichst einfach zu machen, werden nur die Zahlungen aufgezeichnet. Dabei gilt das sog. Zufluss- und Abflussprinzip. Danach sind Einnahmen innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind, und Ausgaben sind für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind. Von diesem Prinzip gibt es eine Reihe von Ausnahmen.

Das Finanzamt begnügt sich nicht mit einem einzigen Posten „Betriebseinnahmen“ und „Betriebsausgaben“ in Ihrer EÜR, sondern verlangt eine Aufgliederung. Sie müssen die Einnahmen und Ausgaben anhand Ihrer Belegsammlung erläutern und glaubhaft machen können.

Folgende Einzelaufzeichnungen sind ergänzend erforderlich:

  • Für umsatzsteuerliche Zwecke müssen Sie Einnahmen und Ausgaben getrennt nach Steuersätzen und steuerfreien Umsätzen aufzeichnen.
  • Nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens müssen Sie in ein Anlagenverzeichnis aufnehmen.
  • Für die Abschreibung von abnutzbaren Anlagegütern (z. B. Betriebsfahrzeug, PC) müssen Sie eine Abschreibungsübersicht erstellen.
  • Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten den Betrag von 150 EUR übersteigen, müssen Sie in ein besonderes Verzeichnis aufnehmen.
  • Nicht oder nur beschränkt abziehbare Aufwendungen (z. B. Bewirtungskosten, Geschenke für Geschäftspartner etc.) müssen Sie einzeln und getrennt von anderen Betriebsausgaben aufzeichnen.

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Vorteile und Nachteile der EÜR

Gegenüber der Erstellung einer Bilanz hat die EÜR eine Reihe von Vorzügen:

  • Der Zeit- und Kostenaufwand ist bedeutend geringer, da lediglich die Betriebsausgaben von dessen Einnahmen abgezogen werden müssen. Besonders schnell geht die EÜR übrigens, wenn Sie unseren EÜR-Rechner benutzen. Mit dem Excel-Tool ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung schnellstmöglich erledigt. Hier mehr erfahren!
  • Das tatsächliche Vermögen sowie eventuelle Verbindlichkeiten und Schulden des Unternehmens müssen nicht erfasst werden.
  • Im Gegensatz zu einer Jahresbilanz muss keine Inventur erstellt werden.
  • Die Zu- und Abflussregelung ermöglicht eine höhere Liquidität.
  • Jahresbezogen muss keine Abgrenzung von Aufwendungen und Erträgen vorgenommen werden.
  • Es müssen keine Kontokorrent- oder Personenkonten geführt werden.

Allerdings hat die EÜR aufgrund ihrer Einfachheit auch Nachteile:

  • Wegen der fehlenden Inventur kann der tatsächliche Wareneinsatz nicht konkret ermittelt werden.
  • Weil das Betriebsvermögen nicht festgestellt wird, fehlt für die Banken die Bewertungsgrundlage für eine Kreditentscheidung.
  • Es können keine Rücklagen gebildet und Teilwertabschreibungen vorgenommen werden.
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