Existenzgründung und die leidige Umsatzsteuer /fileadmin/_processed_/a/8/csm_leidige_umsatzsteuer_a6c9d7ff6b.jpg 2016-06-14 Lexware

Existenzgründung und die leidige Umsatzsteuer

Zwei Existenzgründer beschäftigen sich am Laptop mit dem Thema Umsatzsteuer
Von Lexware-Redaktion
Aktualisiert am: 14.06.2016

Der Weg in die Selbstständigkeit ist besonders am Anfang mit vielen Formalitäten verbunden. Das gilt vor allem für steuerliche Fragen, die bei einer Unternehmensgründung oder einer freiberuflichen Existenzgründung entstehen. Existenzgründer müssen deutlich mehr Steuerarten und -vorschriften beachten als Arbeitnehmer. Und hier ist es vor allem die Umsatzsteuer, die viele Probleme und Fragen aufwirft.

Wofür ist Umsatzsteuer zu zahlen?

Voraussetzung für die Umsatzsteuerpflicht ist die so genannte Unternehmereigenschaft. Nur wer Unternehmer ist, kann Leistungen erbringen, die der Umsatzsteuer unterliegen. Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausübt. Dazu gehören natürliche Personen, Personengesellschaften und juristische Personen. Gewerblich oder beruflich ist jede Tätigkeit, die auf Dauer zur Erzielung von Einnahmen angelegt ist.

Im Grunde unterliegt jeder Umsatz (Lieferung, Leistung) der Umsatzsteuer. Im Einzelnen sind das:

  • Alle Lieferungen (z. B. Verkäufe von Gegenständen) und sonstige Leistungen (z. B. Dienstleistungen)
  • Einfuhr von Gegenständen aus einem Drittland in das Inland
  • Innergemeinschaftlicher Erwerb (Bezug von Waren und Leistungen aus EG-Ländern)

Merke: Wenn Sie in einem Umfang Internethandel betreiben, der ein Gewerbe vermuten lässt, unterliegen Ihre Online-Umsätze der Umsatzsteuer.

Auch als Freiberuflicher (Journalist, Redakteur, Autor, Lektor, Designer, PR-Spezialist. Künstler) müssen Sie Umsatzsteuer entrichten, u.a. für Honorare, Spesen, Zuschüsse von Verwertungsgesellschaften und Preisgelder.

Mit der Zahlung der Umsatzsteuer sind Sie als Unternehmer im Ergebnis wirtschaftlich nicht belastet. Sie wird dem Kunden in Rechnung gestellt. Sie müssen die eingenommene Umsatzsteuer allerdings an das Finanzamt abführen. Dabei dürfen Sie die Ihrem Unternehmen von anderen Unternehmen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen und nur den Differenzbetrag an das Finanzamt überweisen.

Existenzgründung: Wer ist von der Umsatzsteuer befreit?

Das Umsatzsteuergesetz enthält einen Katalog von Lieferungen und Leistungen, für die keine Umsatzsteuer zu zahlen ist. Dazu gehören beispielsweise

  • Lieferungen von Gegenständen an Unternehmer in anderen EU-Mitgliedstaaten,
  • Ausfuhrlieferungen in Länder außerhalb der EU,
  • die Gewährung von Krediten,
  • Umsätze aus der Tätigkeit als Arzt, Zahnarzt oder Heilpraktiker.

Von Bedeutung für Sie als Existenzgründer ist die so genannte Kleinunternehmerregelung. Sie können Sie beantragen, wenn Ihre steuerpflichtigen Einnahmen (zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer) im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 EUR nicht überstiegen haben und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 EUR nicht übersteigen werden. Sie müssen dann keine Umsatzsteuer zahlen. Weil diese Sonderregelung für Sie im Einzelfall auch nachteilig sein kann, können Sie auch die Regelbesteuerung nach den allgemeinen Vorschriften wählen.

Die Steuersätze

Der Regelsteuersatz beträgt 19 % und wird auf den Netto-Rechnungsbetrag berechnet. Außerdem gibt es den ermäßigten Steuersatz von 7 %. Er gilt für die Lieferung, Einfuhr und den innergemeinschaftlichen Erwerb praktisch aller Lebensmittel, für die meisten land- und forstwirtschaftlichen Produkte, Bücher, Kunstgegenstände und eine Reihe weiterer Waren und Dienstleistungen, die in einer Liste der Finanzverwaltung aufgeführt sind.

Der ermäßigte Steuersatz kommt u. a. bei der Erbringung urheberrechtlich geschützter Werke oder Leistungen in Frage (z. B. bei Künstlern und Publizisten). Die Differenzierung zwischen 19 und 7 % ist für den Laien oftmals nicht nachvollziehbar.

Soll- und Ist-Besteuerung

Das Umsatzsteuergesetz sieht als Normalfall die Besteuerung nach vereinbarten Entgelten (Soll-Besteuerung) vor. Das bedeutet: Sie müssen die Umsatzsteuer abführen, sobald Sie die Lieferung oder Leistung erbracht haben, ohne Rücksicht darauf, ob der Kunde die Rechnung sofort oder erst viel später bezahlt. Weil das in Extremfällen zu Liquiditätsengpässen kommen kann, gestattet das Finanzamt unter bestimmten Voraussetzungen, die Steuer von vornherein nach den tatsächlich vereinnahmten Entgelten (sog. Ist-Versteuerung) zu entrichten. Sie brauchen hier die Umsatzsteuer erst dann ans Finanzamt abzuführen, wenn für Ihre Leistung das Entgelt entrichtet wurde.

Merke: Bei Freiberuflern und Kleinunternehmern ist die Ist-Besteuerung ohne weitere Voraussetzungen möglich. Bei den übrigen Gewerbetreibenden kann diese Form der Besteuerung gestattet werden, wenn der voraussichtliche Gesamtumsatz im Jahr der Betriebseröffnung 250.000 EUR nicht überschreitet. Für die nachfolgenden Kalenderjahre ist dann jeweils der Gesamtumsatz des Vorjahres maßgebend.

Verfahrensablauf: Zunächst erfolgt bei der Existenzgründung das Anmeldeverfahren. Existenzgründer, die eine gewerbliche Tätigkeit ausüben wollen, müssen ihr Gewerbe bei der Gemeindeverwaltung derjenigen Gemeinde anmelden, in der der Betrieb eröffnet werden soll. Freiberufler müssen das zuständige Finanzamt informieren. Was die Umsatzsteuer betrifft, so müssen Sie sie bereits während des Jahres anmelden und als Vorauszahlung auf die Jahresschuld an das Finanzamt abführen.

Bei Neugründungsfällen sind in den ersten 2 Jahren monatliche Voranmeldungen (Vorauszahlungen) abzugeben. Ausnahme: Sie beantragen eine Dauerfristverlängerung.

Die Jahressteuererklärung

Nach Ablauf des ersten Geschäftsjahres sind Sie verpflichtet, Umsatzsteuererklärungen abzugeben. Diese müssen spätestens bis zum 31. Mai des Folgejahres beim Finanzamt eingegangen sein. Bei Beauftragung eines Steuerberaters verlängert sich diese Frist automatisch bis zum 31.12. des Folgejahres.

Im Grundsatz sollen Voranmeldung und Steuererklärung auf elektronischem Weg abgegeben werden. Dafür gibt es einen amtlich vorgeschriebenen Vordruck. Ausweis in Rechnungen: Bei umsatzsteuerpflichtigen Lieferungen oder sonstigen Leistungen an andere Unternehmer ist die Umsatzsteuer in der Rechnung gesondert auszuweisen (Achtung: Gilt nicht für Kleinunternehmer). Ihre Rechnung muss bestimmten Formerfordernissen genügen.

Wer kann helfen?

In erster Linie hilft Ihnen als Existenzgründer der Steuerberater. Wenn Sie aus Kostengründen zunächst erst einmal ohne Berater auskommen wollen, können Sie sich für konkrete Auskünfte an Ihr Finanzamt wenden. Weil die Finanzämter aber nicht in Konkurrenz zu Steuerberatern treten dürfen, werden sich die Auskünfte überwiegend auf Fragen zum Verfahrensrecht beschränken.

Da Sie als Gewerbetreibender Pflichtmitglied einer Kammer (Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer sind), können Sie auch hier gewisse steuerliche Auskünfte erhalten.

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