Finanzierung: Diese Alternativen zum Bankkredit haben Sie

Diese Finanzierungsoptionen stehen Ihnen auch ohne Bankkredit zur Verfügung
Aktualisiert am: 07.08.2015

Besonders für Kleinunternehmen ist der Bankkredit das wichtigste Finanzierungsinstrument. Doch es gibt Alternativen, die häufig zu einer geringeren Abhängigkeit von der Hausbank führen und auch noch günstiger sind. Hier lesen Sie, welche Möglichkeiten zur Finanzierung Ihnen zur Verfügung stehen und welche Vor- und Nachteile diese haben.

Für viele kleine Unternehmen ist Leasing die interessanteste Alternative zum klassischen Bankkredit. Unter Leasing versteht man die Vermietung von Anlagegegenständen. Im Gegensatz zum normalen Mietvertrag ist zwischen dem Hersteller und dem Nutzer einer Ware eine Leasinggesellschaft als Käufer und Vermieter zwischengeschaltet. Als Leasingobjekte kommen alle Formen mobiler Gegenstände und Maschinen sowie Immobilien in Betracht, die für den längeren Verbleib im Unternehmen vorgesehen sind. Wirtschaftsgüter, die zum kurzfristigen Verbrauch oder Verkauf bestimmt sind, eignen sind dagegen nicht als Leasinggüter.

Leasing

So vergleichen Sie Leasingangebote:

Um unterschiedliche Leasingangebote sinnvoll vergleichen zu können, benötigen Sie neben den Vertragsdaten noch Angaben zur Anzahl und Höhe der Leasingraten und zu den möglichen Leasingsonderzahlungen. Multiplizieren Sie die Anzahl der Leasingraten mit der Höhe der Leasingraten. Addieren Sie zu diesem Wert die zu leistenden Leasingsonderzahlungen. Das günstigste Leasingangebot ziehen Sie zu weiteren Vergleichszwecken heran (s. Tab.1).

Berechnungsschema
Monatliche Leasingrate 200 EUR
Laufzeit 36 Monate
Belastung aus Leasingraten 36 x 200 EUR = 7.200 EUR
Leasingsonderzahlung 5.000 EUR
Gesamtbelastung 12.200 EUR

Tab. 1: So berechnen Sie die Belastung aus einem Leasingvertrag

Vorteile:

Bei einem Kauf verschlechtert sich die Liquidität des Unternehmens durch die Ausgaben. Erfolgt die Investition dagegen durch Leasing, bleiben Liquiditätsstatus und Kreditrahmen der Banken unverändert. Leasing stellt damit oftmals eine interessante objektbezogene Finanzierungsalternative dar.

Nachteile:

  • Leasing geht oft einher mit langfristigen Vertragsbindungen, sodass Sie sich über einen längeren Zeitraum an einen bestimmten Vertragspartner binden müssen.
  • Das geleaste Objekt gehört nicht zu Ihrem Anlagevermögen. Bei eventuellen Streitigkeiten mit dem Leasingunternehmen ziehen Sie somit schnell den Kürzeren, wenn der Leasinggeber mit dem Entzug des für Sie betriebsnotwendigen Leasingobjekts droht.

Interessante und weitere Informationen zum Thema Leasing finden Sie unter www.leasing-verband.de.

Kundenanzahlung und Lieferantenkredit

Bei der Finanzierungsart Kundenanzahlung tritt der Abnehmer als Kreditgeber auf: Bereits im Voraus, d. h. vor Lieferung der Ware, zahlt er einen Teil- oder sogar den Gesamtbetrag. Kundenanzahlungen sind vor allem in der Auftragsfertigung üblich, wie sie im Handwerk vorkommt. Die Anzahlungen stellen für das produzierende Unternehmen eine Finanzierungshilfe dar. Mit diesem Geld kann es die für die Produktion benötigten Waren und Dienstleistungen bezahlen.

Vorteile:

  • Das Risiko der Nichtabnahme der bestellten Ware ist gleich Null.
  • Der Auftraggeber stellt dem Unternehmen das Geld meist zinslos zur Verfügung.

Nachteile:

  • Eine Kundenanzahlung führt unter Umständen zu einer größeren Unzufriedenheit der Kunden und kann daher nicht immer durchgesetzt werden.

Ein Lieferantenkredit ist ein Kredit, den der Verkäufer/Lieferant dem Käufer einer Ware im Zusammenhang mit dem Warenabsatz gewährt. Man spricht dabei auch von Buch- oder Wechselkredit. Daneben existieren auch sogenannte Einrichtungs- und Ausstattungskredite, die der Lieferant seinem Abnehmer gewährt. In der Praxis findet man solche Einrichtungs- und Ausstattungskredite beispielsweise in der Gastronomie. Da für Lieferantenkredite meist keine zusätzlichen Sicherheiten benötigt werden, besitzen sie vor allem in kleinen Betrieben große Bedeutung.

Vorteile:

  • Der Lieferantenkredit hilft, den Zeitraum zwischen der Beschaffung der Ware, bis der Umsatz aus dem Wiederverkauf hereinkommt, zu überbrücken.
  • Der Lieferantenkredit ist eine schnelle Finanzierung, da auf Kreditwürdigkeitsprüfungen meist verzichtet wird.

Nachteil:

  • Der Lieferantenkredit ist meist sehr teuer.

Finanzierung mit Factoring

Beim Factoring kauft ein Finanzierungs- oder Kreditinstitut, Factor genannt, die Kundenforderungen eines Unternehmens an. Damit übernimmt der Factor bestimmte Servicefunktionen und das Ausfallrisiko der Forderungen. In bestimmten Fällen kann der Verkäufer der Forderungen dem Factor sogar die gesamte Debitorenbuchhaltung, also das Inkasso- und Mahnwesen übertragen.

Für diese Dienste berechnet der Factor neben den banküblichen Zinsen auch Dienstleistungsgebühren (ca. 1 bis 2,5 % der Rechnungsbeträge). Trägt der Factor vertragsgemäß auch das Risiko des Ausfalls, so werden zusätzliche Gebühren von 0,2 bis 0,5 % fällig. Die Höhe der Gebühr ist unter anderem abhängig von der Bonität der Schuldner, der Beurteilung des Kunden und dessen Gesamtgeschäftsumfang.

Vorteile:

  • Mit Factoring gewinnt ein Unternehmen sehr schnell an Liquidität.
  • Factoring erspart Zeit und Arbeit. Kleine Unternehmen brauchen dann keine kostenintensive Debitorenbuchhaltung. Für Unternehmen, die weitgehend bar oder mit sehr kurzen Zahlungszielen verkaufen, eignet sich Factoring dagegen kaum.

Nachteile:

  • Es entstehen hohe Kosten durch den Abschlag zum vollen Rechnungsbetrag an den Factor.
  • Unter Umständen wird die Zusammenarbeit mit wichtigen Kunden beeinträchtigt, da Factoring-Unternehmen Standardverfahren beim Eintreiben von Forderungen anwenden.

Selbst- und Beteiligungsfinanzierung

Die beste Finanzierung ist immer noch die eigene. Wenn Ihr Unternehmen eine geplante Investition aus den eigenen Gewinnen finanziert, spricht man von einer Selbst- oder Eigenfinanzierung. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand:

  • Bei der Selbstfinanzierung treten keine zusätzlichen Kreditgeber oder Eigentümer auf, die im Unternehmen ein Mitspracherecht haben wollen. Die Unabhängigkeit Ihres Unternehmens bleibt erhalten.
  • Außerdem entsteht keine Zins- oder Tilgungsbelastung.
  • Die Eigenkapitalbasis steht auf stabileren Füßen. Das wirkt sich bei einer eventuell ergänzenden Kreditfinanzierung positiv auf das Rating und die Kreditkonditionen aus.

Die Selbstfinanzierung ist grundsätzlich für alle Branchen und Unternehmensgrößen interessant und kommt infrage, wenn Sie die Investition aus dem operativen Geschäft oder den Rücklagen stemmen können.

Falls Ihre Gewinne eine Finanzierung nicht zulassen, bleibt Ihnen immer noch die Möglichkeit, das Eigenkapital Ihrer Firma durch eine Eigenkapitalspritze von außen zu erhöhen (Beteiligungsfinanzierung). In Frage kommen dafür neben dem Unternehmer selbst folgende weitere Varianten:  

  • Als weitere Möglichkeit bietet sich die Aufnahme eines stillen Gesellschafters an. Bei einer stillen Teilhaberschaft muss die Rechtsform des Unternehmens nicht geändert werden. Die Einlage des stillen Gesellschafters geht direkt in das Vermögen des Unternehmens ein. Als Gegenleistung erhält er eine angemessene Beteiligung am Gewinn. Am Verlust nimmt er nur bis zur Höhe seiner Einlage teil.
  • Bei einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) können die bestehenden Gesellschafter ihre Einlagen erhöhen. Auch die Aufnahme neuer Gesellschafter kann frisches Geld in die GmbH bringen.
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