Finanzierung: So steigern kleine Unternehmen ihre Bonität

So sichern Sie sich als Kleinunternehmer eine günstige Finanzierung bei Ihrer Bank
Aktualisiert am: 02.09.2015

Mit der Bonität steht und fällt die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Wer seine Hausbank von der eigenen Finanzkraft überzeugt, kann Investitionen leichter stemmen. Neben Eigenkapital, Rentabilität und Strategie ist auch die Liquidität wichtig, um eine günstige Finanzierung zu erreichen. Grundlage für die Einschätzung der Bonität ist das Rating.

Ratings sind standardisierte Verfahren zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage und der zukünftigen Zahlungsfähigkeit oder Bonität eines Unternehmens. Es gibt interne und externe Ratings. Das interne Rating erstellen Banken oder Sparkassen selbst. Es ist entscheidend für die Kreditvergabe der Hausbank an ein Unternehmen. Die Ratingverfahren der Kreditinstitute sind nicht alle gleich. Deshalb kann ein Unternehmen bei unterschiedlichen Kreditinstituten unterschiedliche Beurteilungen erhalten, was sich direkt auf die Kreditkonditionen auswirkt. Das externe Rating erstellen Ratingagenturen, die sich ausschließlich mit Großunternehmen beschäftigen.

Aufbau eines Ratings: Beispiel Sparkassen

Über das Rating erhalten die Sparkassen zu ihren Firmenkunden eine Bonitätsaussage in Form einer Rating-Note. Sie zeigt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Kunden ihre Kredite zurückzahlen werden. Erhält ein Unternehmen die Rating-Note 1 (Ausfallwahrscheinlichkeit 0,08 Prozent), bedeutet dies: Von 10.000 Kreditnehmern aus dieser Gruppe werden in den nächsten 12 Monaten nach Rating-Erstellung voraussichtlich 8 Kunden zahlungsunfähig. Die Rating-Note 2 bedeutet eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 0,12 Prozent. Das steigert sich bis zur Rating-Note 18, bei der die Bank von der Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers ausgeht. In die Rating-Note für eine Finanzierung fließen folgende Faktoren ein:

  • Quantitative Faktoren:  Eigenkapital(-quote), Verschuldungsgrad, Rentabilität, Cashflow, Liquidität;
  • Qualitative Faktoren: Unternehmensstrategie, Management-/Mitarbeiterqualifikation, Nachfolgeregelung, Informationspolitik, Marktstellung, Unternehmensplanung/Controlling;
  • Warnsignale/Warnindikatoren: Pfändungen, nicht gezahlte Darlehensraten, Scheck- oder Lastschriftrückgaben.

Wirtschaftliche Kennzahlen sind zwar nicht die einzigen Faktoren für die Beurteilung der Bonität – aber die wichtigsten.

So verbessern Unternehmen ihre Bonität

Banken und Sparkassen achten besonders auf folgende Finanzkennzahlen:

  • Finanzlage
  • Ertragslage
  • Vermögenslage

Besonders wichtig ist es zu wissen, wie diese Kennzahlen interpretiert werden. Denn in allen Bereichen können Unternehmen auch zu einer besseren Beurteilung kommen und damit eine günstigere Finanzierung sicherstellen.

Kennzahlen zur Finanzlage: Wo Unternehmen ansetzen können

  • Cashflow. Der Cashflow bezeichnet die Summe aus Betriebsergebnis, Abschreibungen und Veränderungen der langfristigen Rückstellungen. Er misst die Fähigkeit des Unternehmens, sein kurzfristiges Fremdkapital, also etwa den Kontokorrentkredit oder Verbindlichkeiten, gegenüber Lieferanten oder dem Finanzamt aus dem Zahlungsmittelüberschuss abzudecken. Banken und Sparkassen raten ihren Firmenkunden, den Cashflow aktiv zu managen. Umsatzsteigerungen und Kostensenkungen, fristgerechte Finanzierungen oder Cash Management können den Cashflow verbessern und das Rating positiv beeinflussen.
  • Kreditorenlaufzeit. Diese Kennzahl gibt an, nach wie vielen Tagen im Durchschnitt ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen begleicht. Unternehmen mit einem besonders hohen Wert haben statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko. Um diesen Wert zu minimieren, nutzen Sie Skonti, optimieren Sie die Warenwirtschaft und Lagerhaltung und verbessern Sie die Finanzierungsstruktur.

Kennzahlen zur Ertragslage

  • Kapitalrentabilität. Sie zeigt, welche Rendite nach Abzug der Fremdkapitalzinsen im Verhältnis zur Bilanzsumme übrig bleibt. Je höher der Wert, desto besser ist die Bonität – und damit das Rating. Eine Steigerung der Erträge und eine Verringerung der Kosten erhöhen die Kapitalrentabilität. Diese Ziele lassen sich nicht immer einfach erreichen. Ein pragmatischer Weg besteht darin, die Bilanzsumme zu kürzen, etwa durch den Verkauf nicht benötigter Aktiva. Auch lassen sich Forderungen verkaufen (Factoring).
  • Zinsaufwandsquote. Sie gibt das Verhältnis der Zinsaufwendungen zur Gesamtleistung des Unternehmens an. Eine niedrige Quote wirkt sich positiv auf das Rating aus. Erhöhung des Eigenkapitalanteils, Verringerung der Außenstände und bessere Fremdkapitalstruktur durch fristgerechte Finanzierung tragen dazu bei.
  • Mietaufwandsquote. Sie zeigt Miet- und Leasingaufwendungen im Verhältnis zur erwirtschafteten Gesamtleistung. Unternehmer sollten nach Möglichkeit den Mietaufwand reduzieren. Kann sich das Unternehmen von nicht ausgelasteten Miet-Immobilien trennen oder kann es die Mietfläche verringern, ohne die Unternehmensentwicklung zu behindern?

Kennzahlen zur Vermögenslage

  • Eigenkapital. Die Ausstattung mit Eigenkapital beeinflusst stark das Rating eines Unternehmens. Auf das Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital richten Kreditinstitute auch bei Kleinunternehmen besonderes Augenmerk, um die Kreditwürdigkeit und die Kreditkonditionen zu bestimmen. So gestalten Sie das Verhältnis von Eigen- zu Gesamtkapital positiv: Gewinne einbehalten, Forderungsausfall reduzieren (durch gezieltes Forderungsmanagement, verbessertes Mahnwesen oder Verkauf von Forderungen).

Achtung: Bei Einzelunternehmen werden auch Bewegungen auf den Privatkonten betrachtet, wenn es um die Bewertung des vorhandenen Eigenkapitals einer Firma geht.

Warnsignale: Wann Banken hellhörig werden

Manche Ereignisse lassen bei jeder Bank die Alarmglocken läuten und beeinflussen unmittelbar das Rating. Gerade bei Kleinunternehmen achten Kreditinstitute verstärkt auf sogenannte Warnsignale. Hierzu zählen:

  • Lastschriftrückgaben,
  • Pfändungen,
  • schlechtes Zahlungsverhalten,
  • Kontoüberziehungen, die nicht abgesprochen waren.

Wer einen Kredit braucht, sollte negative Signale tunlichst vermeiden. Ist das nicht möglich, informieren Sie Ihren Bankberater frühzeitig über eine negative Entwicklung und erklären die Ursachen. So vermeiden Sie am besten negative Konsequenzen.

Liquidität richtig planen

Liquidität bezeichnet die Ausstattung mit Zahlungsmitteln, die für Investitionen, Konsum und zur Befriedigung von Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung steht. Beim Liquiditätsmanagement sehen viele Banken für ihre Firmenkunden noch erheblich Luft nach oben. Immer wieder drängende Themen sind der Zahlungsverzug und der Zahlungsausfall von Kunden.

Mit optimiertem Forderungsmanagement erreichen Unternehmen eine bessere Bonität. Betriebsinhaber sollten deshalb:

  • einen Verantwortlichen für das Forderungsmanagement ernennen,
  • Rechnungen zeitnah und korrekt stellen,
  • Zahlungseingänge regelmäßig prüfen,
  • Buchungen zeitnah registrieren und Debitorenlisten aktualisieren,
  • ein Mahnwesen und feste Mahntermine einrichten.

Finanzierung: Bankgespräche vorbereiten

Eine sorgfältige Vorbereitung auf das Bankgespräch ist Pflicht. Schließlich möchte die Bank ihre Risiken kennen. Entsprechend genau prüft sie die Angaben von Unternehmen. Am besten fragen Sie vor dem Termin bei der Hausbank, welche Unterlagen sie genau benötigt. 

Zu den häufig angeforderten Unterlagen gehören:

  • Jahresabschlüsse bzw. Einnahmen-Überschuss-Rechnungen,
  • eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) mit Summen- und Saldenliste,
  • Debitoren- und Kreditorenliste,
  • Aufstellung über das Auftragsvolumen,
  • Liquiditätsplan für die nächsten 2 bis 3 Monate,
  • Planrechnung für das laufende und das nächste Geschäftsjahr,
  • strategische Aussagen zu Konzept, Investitionsrechnung und Businessplan.
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