Firmenwagen: Kein Werbungskostenabzug bei Barlohnumwandlung

Aktualisiert am: 21.06.2016

Nutzt der Geschäftsführer einer GmbH einen Dienstwagen und vereinbart mit der GmbH, dass die dies gegen Gehaltsverzicht erfolgt, hat das Auswirkungen auf den Werbungskostenabzug für die dienstlichen Fahrten des Geschäftsführers. Denn das Finanzamt lässt bei einer Barlohnumwandlung keine Werbungskosten für diese Fahrten zu. Für Geschäftsführer mit einem Dienstwagen der GmbH empfiehlt sich hier jedoch Gegenwehr.

Die Gestellung eines Dienstwagens der GmbH an den GmbH-Geschäftsführer gegen Barlohnumwandlung ist keine Seltenheit. Der Vorteil für den Geschäftsführer: Least oder kauft die GmbH den Dienstwagen, sind die Leasingraten bzw. die Finanzierungskosten meist deutlich niedriger als wenn der Geschäftsführer sich privat ein Auto leasen oder kaufen würde.

Dienstwagen & GmbH: Gehaltsumwandlung zulässig

Dass bei Gestellung eines Dienstwagens durch die GmbH eine Gehaltsumwandlung steuerlich zulässig ist, hat der Bundesfinanzhof bereits vor vielen Jahren entschieden (BFH, Urteil v. 20.8.1997, Az. VI B 83/97). Auch die Sozialversicherungsträger akzeptieren es seit 2011, dass durch die Gehaltskürzung zugunsten eines Dienstwagens weniger Sozialversicherungsbeiträge fällig werden.

Praxis-Tipp:

Einzige Voraussetzung für die steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Anerkennung einer Gehaltsumwandlung wegen eines Dienstwagens beim Geschäftsführer der GmbH ist die Änderung seines Arbeitsvertrags. Ohne Änderung der Gehaltsvereinbarung gibt es auch keine Gehaltsumwandlung.

Keine Werbungskosten für Fahrten mit dem Dienstwagen für die GmbH

Least eine GmbH einen Dienstwagen und kürzt das Gehalt des Geschäftsführers um die Leasingraten und um die Benzinkosten, kann der Geschäftsführer für die mit diesem Dienstwagen durchgeführten dienstlichen Fahrten für die GmbH keine weiteren Werbungskosten in seiner Einkommensteuererklärung geltend machen (FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 11.2.2016, Az. 9 K 9317/13).

Zur Begründung führen die Richter des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg aus, dass die Voraussetzungen für den Werbungskostenbegriff nach § 9 EStG nicht erfüllt sind. Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen und bei der Einkunftsart, bei der sie entstanden sind. Verzichtet ein Arbeitnehmer bei der Gestellung eines Dienstwagens durch die GmbH auf Gehalt, handelt es sich hierbei nicht um Aufwendungen und damit auch nicht um Werbungskosten. Daran ändert sich auch nichts, wenn die GmbH für die private Pkw-Nutzung einen geldwerten Vorteil ermittelt und dem steuerpflichtigen Arbeitslohn des Geschäftsführers zurechnet.

Praxis-Tipp:

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hat wegen grundsätzlicher Bedeutung die Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen. Gut möglich, dass die Richter des Bundesfinanzhof bei der Gestellung eines Dienstwagens der GmbH an ihren Geschäftsführer gegen Gehaltsumwandlung doch noch Werbungskosten für die dienstlichen Fahrten zulassen. Um diese Chance zu wahren, muss der Geschäftsführer in vergleichbarer Situation folgendermaßen vorgehen:

  • In seiner Einkommensteuererklärung muss der Geschäftsführer für die dienstlichen Fahrten mit dem Dienstwagen der GmbH Werbungskosten beantragen.
  • Lehnt das Finanzamt den Werbungskostenabzug ab, weil die Gestellung des Dienstwagens der GmbH gegen Barlohnumwandlung erfolgte, muss gegen den Einkommensteuerbescheid Einspruch eingelegt werden.
  • Bis zur Entscheidung durch den Bundesfinanzhof empfiehlt es sich, beim Finanzamt das Ruhen des Einspruchsverfahrens zu beantragen.

Dienstwagen & GmbH: Geldwerter Vorteil trotz Gehaltsumwandlung

Nun könnte man auf die Idee kommen, dass der Geschäftsführer für die Nutzung seines Dienstwagens gar keinen geldwerten Vorteil für die Privatnutzung sowie für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte versteuern muss. Denn hat der Geschäftsführer für den Dienstwagen der GmbH durch Gehaltsverzicht praktisch alle Kosten des Dienstwagens getragen, wo soll dann sein erhaltener Vorteil liegen?

Dieser Überlegung hat das Finanzgericht Niedersachsen leider eine Absage erteilt. Die Richter stellten klar, dass selbst bei einer Vollkostenerstattung des Geschäftsführers im Rahmen einer Gehaltsumwandlung stets ein geldwerter Vorteil nach der 1%-Regelung oder nach der Fahrtenbuchmethode ermittelt und versteuert werden muss (FG Niedersachsen, Urteil v. 12.11.2015, Az. 7 K 94/13).

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