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Firmenwagen: Keine 1%-Regelung bei ausschließlicher Privatnutzung

Ausschließliche Privatnutzung des Firmenwagens schliesst Bewertung der VGA nach 1%-Regel aus
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 05.08.2015

Nutzt der Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH einen Dienstwagen, ohne dass das arbeitsrechtlich vereinbart ist, unterstellt das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung. Dasselbe gilt, wenn ein Fahrzeug der GmbH von der Ehefrau des Gesellschafter-Geschäftsführers gefahren wird. Wird der Pkw ausschließlich privat genutzt, fällt die verdeckte Gewinnausschüttung besonders hoch aus.

Auf der Ebene der GmbH, also bei Ermittlung des zu versteuernden Einkommens der GmbH, ist es nicht unüblich, dass die verdeckte Gewinnausschüttung anstatt mit dem Betrag nach der 1%-Regelung mit dem gemeinen Wert berücksichtigt wird (u.a. BFH, Urteil v, 22.12.2010, Az. I R 47/10). Mit gemeinem Wert sind die Ausgaben der GmbH für den Pkw gemeint.

Bewertung der verdeckten Gewinnausschüttung auf Gesellschafterebene bisher ungeklärt

Ob die verdeckte Gewinnausschüttung auch auf der Ebene des Gesellschafters nach Fremdvergleichsgrundsätzen bewertet werden muss oder ob die meist günstigere 1%-Regelung angewandt werden darf, wurde bisher höchstrichterlich noch nicht entschieden. Einen ersten Versuch starteten nun die Richter des Finanzgerichts Saarlands (FG Saarland, Beschluss v. 7.1.2015, Az. 1 V 1407/14). Nach Ansicht der Richter gilt für die Höhe der verdeckten Gewinnausschüttung auf Gesellschafterebene Folgendes:

  • Wird ein Pkw der GmbH privat genutzt, ohne dass es hierzu im Anstellungsbetrag eine Vereinbarung gibt, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor.
  • Dieser Grundsatz gilt auch, wenn der Pkw durch eine dem Gesellschafter-Geschäftsführer der GmbH nahestehenden Person genutzt wird.
  • Die Bewertung der verdeckten Gewinnausschüttung nach der 1%-Regelung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 ESG scheidet aus, wenn der Pkw der GmbH nachweislich zu 100% privat genutzt wird.
  • Die verdeckte Gewinnausschüttung, die der Gesellschafter als Kapitalertrag versteuern muss, ist vielmehr nach Fremdvergleichsgrundsätzen mit dem gemeinen Wert nach § 8 Abs. 2 EStG zu ermitteln.
  • Die verdeckte Gewinnausschüttung bemisst sich demnach nach den Ausgaben (inkl. Abschreibung), die in der GmbH für den ausschließlich privat genutzten Pkw angefallen sind.

Beispiel:

GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer Hans Huber überlässt einen Pkw der GmbH seiner getrennt lebenden Ehefrau. Der Pkw wird durch die Ehefrau zu 100% privat genutzt. Der Pkw hat einen Bruttolistenpreis von 30.000 Euro. In der GmbH verursachte dieser Pkw pro Jahr Ausgaben in Höhe von 11.000 Euro. Die verdeckte Gewinnausschüttung der GmbH in der Einkommensteuererklärung von Hans Huber ermittelt sich folgendermaßen:

Firmenwagen
Firmenwagen So rechnet Hans Huber So rechnet das Finanzamt nach dem FG-Urteil
Zu versteuernde Kapitalerträge 3.600 Euro (30.000 Euro x 1% x 12 Monate; 1%-Regelung)) 11.000 Euro (tatsächliche Pkw-Kosten)

Fazit: Ein enormer Unterschied also, der bei der Berechnungsmethode des Finanzamts im Endeffekt zu einer steuerlichen Mehrbelastung von mehreren tausend Euro führt.

Nächste Runde durch Beschwerde beim Bundesfinanzhof eingeläutet

Noch ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Gegen den Beschluss des Finanzgerichts Saarland hat der unterlegene GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer Beschwerde eingelegt. Nun muss der Fall eine Ebene höher nochmals aufgerollt und entschieden werden. In vergleichbaren Fällen können Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH Ihre Chancen auf eine günstigere Ermittlung der verdeckten Gewinnausschüttung durch folgende Vorgehensweisen wahren:

  • Legen Sie gegen den nachteiligen Einkommensteuerbescheid mit der zu hoch angesetzten verdeckten Gewinnausschüttung Einspruch ein.
  • Beantragen Sie mit Hinweis auf die Beschwerde beim Bundesfinanzhof ein  Ruhen des Einspruchsverfahrens.
  • Dann heißt es abwarten, wie die Richter des Bundesfinanzhofs entscheiden.

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