Fördermittel für Gründer: So erhalten Sie Starthilfe vom Staat

Starthilfe vom Staat: Fördermittelangebote für Gründer
Aktualisiert am: 18.08.2015

Die meisten Existenzgründer haben Schwierigkeiten, eine solide Finanzierung auf die Beine zu stellen. Fördermittel sind neben dem eingebrachten Eigenkapital und Fremdkapital von Banken ein wichtiges Standbein. Aber der Weg zu den staatlichen Fördertöpfen ist lang und aufwendig. Der Gründer muss sich gerade während anstrengender Zeiten intensiv mit dem Thema Fördermittel auseinandersetzen. Dieser Beitrag zeigt die Möglichkeiten und Wege zu Gründungsförderungen auf.

Fördermittelangebote gibt es auf allen staatlichen Ebenen. Die Kommunen und Kreise beschränken sich bei der Förderung von Existenzgründungen vor allem auf die Vermittlung von Räumen und Grundstücken, die teilweise unter Marktpreis angeboten werden. Die Bundesländer vergeben Fördermittel über landeseigene Förderstellen. Für die Förderung der Existenzgründung liegt ein Schwerpunkt auf der Bereitstellung von Beteiligungskapital oder der Übernahme von Bürgschaften. Dadurch können Jungunternehmer ihre Eigenkapitaldecke stärken.

Die Bundesrepublik Deutschland hat einige spezielle Förderprogramme aufgelegt, die sich direkt an Existenzgründer wenden. Kosten werden bezuschusst, Kreditzinsen subventioniert. Die Europäische Union beteiligt sich an vielen Bundesprogrammen oder an den Länderförderungen. Es gibt einige Förderprogramme der EU, die sich direkt an spezielle Branchen wenden. Eine wichtige Förderstelle in Deutschland ist zudem die Agentur für Arbeit. Auch wenn die Mittel beschnitten wurden, können Existenzgründer mit Anspruch auf Arbeitslosengeld Unterstützung beantragen.

Das kann der Gründer erwarten

Ähnlich wie bei Fördermitteln für vorhandene Unternehmen gibt es grundsätzlich 3 Möglichkeiten der Förderung:

  • Zinsgünstige Kredite für Investitionen und die Finanzierung von Betriebsmitteln
  • Um die Eigenkapitalbasis junger Unternehmen zu verbessern, kann die Förderung auch in zusätzlichem Eigenkapital bestehen. Die fördernde Stelle beteiligt sich an dem Unternehmen. 
  • Mit einer Förderung durch nicht rückzahlbare Zuschüsse beteiligt sich der Staat an bestimmten Kosten. Das trifft für Gründer vor allem bei der Beratung vor und nach der Gründung zu.

Diesen Weg muss der Gründer gehen

Der Weg zu den Fördermitteln gestaltet sich je nach Programm unterschiedlich. Die meisten Fördermittel werden nur in Zusammenarbeit mit der Hausbank vergeben. Das betrifft alle Kredite mit subventioniertem Zins und fast alle Beteiligungsprogramme. Die Bank übernimmt gegenüber der Förderstelle die Abwicklung der Kredite und sorgt auch für ausreichende Sicherheiten. Da meist eine Beteiligung der Bank am Risiko verlangt wird, muss der Gründer also neben der Förderstelle auch die eigene Bank von dem Vorhaben überzeugen. Einige Zuschüsse (z. B. für Gründungsberatung) können auch ohne die Beteiligung der Banken direkt bei der Förderstelle beantragt werden. Dabei verzichtet der Gründer jedoch auf die Kompetenz der Bank. Diese kann ihm Informationen liefern und Arbeit abnehmen.

Die Bedingungen und Voraussetzungen für die verschiedenen Förderprogramme sind unterschiedlich, die einzuhaltenden Wege auch. Es gibt jedoch eine Folge von logischen Schritten, die bei jedem Förderprogramm gleich ist:

  • Vorhaben intern prüfen (z. B. Investition, Beratung etc.)
  • Geeignete Fördermittel suchen
  • Förderorganisation einschalten, in der Regel über die Bank
  • Unterlagen erstellen
  • Antrag stellen
  • Fördermittel abrufen

Tipp: Verlassen Sie sich nicht nur auf die Banken!
Auch wenn Banken als Mittler eine wichtige Rolle für die Gründungsförderung spielen und entsprechende Informationen liefern, sollte sich der Gründer nicht auf diese Stellen verlassen. Die Banken haben eigene Interessen und wollen ihre eigenen Mittel verkaufen. Oder sie scheuen den Aufwand für die Beantragung der Mittel, da sie nur eine kleine Marge für ihre Arbeit erhalten. Darum müssen Sie sich als Existenzgründer unbedingt auch selbst informieren.

Fördermittel für die Gründungsberatung

Kein Existenzgründer ist in der Lage, wirklich alle Facetten einer Unternehmensgründung oder -übernahme selbst zu beurteilen. Externe Beratung ist wichtig, vor allem für Menschen, die kleine Unternehmen gründen wollen. Externe Beratung ist aber teuer. Um dennoch die Informationen für Gründer verfügbar zu machen, fördert der Staat die Existenzgründungsberatung sowohl vor der Gründung als auch danach.

Viele Bundesländer fördern die Beratung des künftigen Unternehmers vor der Gründung. Umfang der Förderung und Bedingungen sind sehr unterschiedlich. Auch nach dem Start in die Selbstständigkeit haben die jungen Unternehmen Beratungsbedarf. Für Unternehmen, die älter als 1 Jahr sind, bietet der Bund die Möglichkeit zur Beratungsförderung. Maximal werden hier 6.000 EUR ausgezahlt.

Unternehmen, die noch keine 5 Jahre existieren, können für bestimmte Beratungsinhalte einen Zuschuss bekommen. Gedacht ist an eine über einen maximalen Zeitraum von 6 Monaten dauernde Begleitung des Unternehmens durch einen Berater, der somit als Coach arbeitet. Der Coach kann mit dem Unternehmer Finanzierungsgespräche vorbereiten, Marketingstrategien entwickeln oder Marktstudien erledigen.

Die genauen Bedingungen der Förderung kennen die Berater, da sie diese Fördermöglichkeit als Verkaufsargument nutzen. Eine Liste von infragekommenden Beratern finden Sie z. B. unter http://www.lexware.de/existenzgruendung/adressen.

Eigenkapital durch Land und Bund

Das Eigenkapital eines Unternehmens dient den Banken als Sicherheit für die Firmenkredite. Damit ist das Eigenkapital ein Multiplikator für die Beschaffung von Fremdkapital. Fördert der Staat die Bildung von Kapital für neue Unternehmen, fördert er gleich doppelt. Denn das Unternehmen wird dadurch in die Lage versetzt, über das zusätzliche Eigenkapital hinaus weitere Fremdmittel aufzunehmen. Die Bundesrepublik Deutschland hat zur Eigenkapitalstärkung von Gründungen ein Förderprogramm aufgelegt. Mit dem “Unternehmerkapital – ERP-Kapital für Gründung” können neue kleine und mittelständische Unternehmen subventionierte Nachrangdarlehen erhalten. Die Darlehen haften unbeschränkt und haben damit die Funktion von Eigenkapital.

Der Mikrokredit

Die meisten Existenzgründungen beginnen sehr klein. Der Bedarf an finanziellen Mitteln für kleine Gründungen ist oft sehr gering. Dennoch scheitern viele Kleingründungen genau daran: an fehlendem Kapital. Solche Gründungen sind die Zielgruppe der Mikrokredite. Gefördert werden kleine und junge Unternehmen, die von der Hausbank keinen Kredit erhalten. Darüber hinaus werden Gründungen von Frauen und Gründern mit Migrationshintergrund besonders positiv beurteilt.

Trotz dieser  bevorzugten Gruppen können und sollen sich alle anderen infrage kommenden Unternehmen ebenfalls bewerben. Die Chance ist groß, dass eine Zusage erteilt wird.

Mikrokredite starten mit kleinen Beträgen zwischen 2.000 und 5.000 EUR. Bei positiver Erfahrung mit dem Kreditnehmer können die Beträge auf bis zu 20.000 EUR steigen. Die Rückzahlung erfolgt in monatlichen Raten oder am Ende der Laufzeit, die von wenigen Monaten bis zu 3 Jahren reicht. Für viele Gründer ist der Mikrokredit interessant, weil als Sicherheiten vor allem Bürgschaften von Personen aus dem Umfeld des Gründers gern gesehen sind. Auch der Gründer selbst muss persönlich in die Haftung einsteigen.

Die Vergabe der Fördermittel, die von der Bundesrepublik Deutschland und der EU stammen, erfolgt durch die GLS Bank, die sich bestimmter Institute bedient, um die Kredite zu beantragen und die Gründung zu begleiten. Eine Liste der Mikrofinanzinstitute finden Sie hier.

Kredite der KfW-Bankengruppe

Über die KfW-Bankengruppe werden Fördermittel der Bundesrepublik als zinssubventionierte Kredite vergeben. Eine Haftungsfreistellung durch die KfW kann die Kreditvergabe erleichtern. Für neue Unternehmen sind die Gründerkredite, aber auch der Unternehmerkredit interessant:

  • Das Programm “KfW-Gründerkredit – StartGeld” unterstützt natürliche Personen bei der Gründung eines kleinen Unternehmens oder einer freiberuflichen Existenz. Es werden höchstens 100.000 EUR auf maximal 10 Jahre verliehen. Die ersten 2 Jahre sind tilgungsfrei.
  • Das Programm “KfW-Gründerkredit – Universell” unterstützt natürliche Personen sowie kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 10 Mio. EUR. Die Laufzeit beträgt bis zu 20 Jahre mit maximal 3 tilgungsfreien Jahren.
  • Grundsätzlich können die Existenzgründer alle Kreditprogramme der KfW in Anspruch nehmen. Bei einigen, z. B. dem “KfW-Unternehmerkredit”, gibt es jedoch Voraussetzungen über das Mindestalter des Unternehmens.
Gründungsförderung aus der Arbeitslosigkeit

Dass arbeitslose Existenzgründer besonders gefördert werden müssen, hat auch die Arbeitsagentur erkannt. Daher besteht die Möglichkeit, in der ersten Zeit der Selbstständigkeit von der Arbeitsagentur weiterhin gefördert zu werden. Für Personen mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld I (mindestens noch 150 Tage) zahlt die Arbeitsagentur einen Gründungszuschuss

Der Gründungszuschuss besteht in den ersten 6 Monaten aus der Zahlung des monatlichen Arbeitslosengeldes und einem Zuschuss von 300 EUR pro Monat für die Sozialversicherungen. Danach können noch maximal 9 Monate lang jeweils 300 EUR Zuschuss gezahlt werden. Für Personen, die Arbeitslosengeld II beziehen, bietet die Arbeitsagentur eine Förderung in Form des Einstiegsgeldes an. Der Zuschuss wird maximal für 24 Monate gezahlt. Die Höhe des Zuschusses wird anhand der Dauer der vorhergehenden Arbeitslosigkeit und der Anzahl der Personen in der Bedarfsgemeinschaft vom Sachbearbeiter der Agentur festgelegt.

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