Fördermittel: Schritt für Schritt zum Fördergeld

Grundlegender Ablauf eines Förderprogramm: Fördergeld - ein How-To-Guide
Aktualisiert am: 23.03.2017

Wer Fördermittel für geplante Investitionen nutzen möchte, muss verschiedene Dinge beachten, damit er in den Genuss der Fördergelder gelangen kann. Der grundlegende Ablauf wird in diesem Beitrag Schritt für Schritt beschrieben. Er orientiert sich an der KfW-Bank, da deren Programme in kleinen Betrieben häufig genutzt werden. Je nach Förderpartner können Ablauf und erforderliche Unterlagen geringfügig abweichen.

Schritt 1: Investitionsvorhaben beschreiben und Dokumente erstellen

Unabhängig vom gewünschten Förderprogramm müssen Sie als Unternehmer sehr genau beschreiben, für welches Investitionsvorhaben Sie das Geld benötigen. Dazu gehören auch belastbare Aussagen dazu, wie rentabel Ihr Projekt ist und wann es sich voraussichtlich amortisieren wird. Für einen Fördermittelantrag müssen Sie im Kern ähnliche Unterlagen wie bei klassischen Bankkrediten bereitstellen. Dazu gehören insbesondere:

  • Lang- und kurzfristige Planungen (Zeithorizont von 3-5 Jahre), z. B. Beschreibungen von Markt, Kunden, Produkten, Preispolitik, Wettbewerbsumfeld und -vorteilen, Innovationen, Kapitalbedarf, Kapitaldienst- und Tilgungsplanung, Umsatz, Kosten, Gewinn, Liquidität
  • Ergänzend eine detaillierte Vorhabenbeschreibung, z. B. Art der Investition, Ziele, benötigte Mittel, erwartete Gewinne/Einsparungen während der Laufzeit. Meist ist es erforderlich, eine Investitionsrechnung durchzuführen und einen Businessplan zu erstellen.
  • Jahresabschlussunterlagen, z. B. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und/oder aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung, Vermögens- und Verbindlichkeitenübersicht, Summen-/Saldenliste, zentrale Finanzkennzahlen (z. B. Kapitalquoten, Umsatz-, Gesamtkapitalrendite, Cashflow, Schuldentilgungsdauer)
  • Private Steuererklärungen i.d.R. der letzten 3 Jahre und Selbstauskunft über persönliche Vermögensverhältnisse
  • Ggf. Darstellung von Managementerfahrungen, z. B. Lebenslauf, Zeugnissen
  • Ggf. Nachweis eines funktionierenden Rechnungswesens und Controllings
  • Aufstellung verfügbarer banküblicher Sicherheiten, z. B. Gebäude, Betriebsausstattung, Lebensversicherungen, Wertpapiere. Wichtig: Sie sollten nie alle verfügbaren Sicherheiten einbringen, um für eventuell nötige weitere Kredite „Reserven“ zu haben. Ohnehin werden Hausbanken bei Fördermitteln häufig zu großen Teilen von der Haftung befreit. Damit entfällt die Notwendigkeit, Kredite hoch zu besichern. Klären Sie zudem die Beleihungsgrenzen, die von Bank zu Bank variieren können. Faustregel: mit Ausnahme von Grund und Boden müssen Sie Abschläge vom Marktwert von 30 – 60 % hinnehmen.
  • Kopien von Registerauszügen und wichtigen Verträgen, z. B. Grundbuch, Gesellschaftervertrag
  • Abhängig vom Förderkredit verschiedene Anträge und Bescheinigungen (s. Schritt 3)

Achtung: Um die Fördergelder zu erhalten, müssen Sie die Anträge vor Beginn des Vorhabens der Hausbank vorlegen. Für bereits begonnene Projekte werden i.d.R. keine Gelder bewilligt! Daher sollten Sie zwingend lange Vorlaufzeiten einplanen. Faustregel: Mindestens 6-12 Wochen, bei größeren Vorhaben mehr.

Tipp: Fast immer gilt bei Förderkrediten das Hausbankprinzip. Daher ist es sinnvoll, dass Sie sich rechtzeitig vor dem Fördermittela-Antrag mit Ihrer Bank abstimmen, um die Vorgehensweise und Wünsche des Instituts in Erfahrung zu bringen. Die Praxis zeigt, dass es Banken gibt, die die Bearbeitung von Fördermittelanträgen ablehnen, sodass Sie eventuell nach einer „willigen“ Bank suchen müssen. Auch wenn die Bank bereit ist, Sie als Unternehmer zu unterstützen, müssen Sie damit rechnen, dass man versucht, Sie von den Fördertöpfen fernzuhalten. Hier hilft nur Hartnäckigkeit sowie die Bereitschaft, ggf. nach einem anderen Institut zu suchen.

Schritt 2: Förderprogramm auswählen und Hausbank unterstützen

Kleine Betriebe sollten wegen der relativ einfachen, standardisierten Vorgehensweise und weiten Verbreitung Programme die KfW-Bank nutzen. Geeignete Förderprogramme für kleine und mittlere Unternehmen finden Sie in unserem Beitrag Diese KfW-Förderprogramme eignen sich für kleine Unternehmen.  Eine Gesamtübersicht der KfW-Programme finden Sie unter www.kfw.de/kfw.de.html. Dort erhalten Sie detaillierte Informationen zu den einzelnen Förderprogrammen und genaue Informationen über die benötigten Unterlagen, Höhe und Zugang der Förderung sowie weitere wichtige Konditionen (z. B. aktuelle Zinssätze, Tilgung etc.).

Der Aufwand für Ihre Bank für die Beantragung der KfW-Fördergelder ist relativ groß, der Verdienst eher gering. Daher sollten Sie prüfen, ob und wie Sie Ihre Hausbank unterstützen können, z. B., indem Sie Unterlagen der KfW selbst ausfüllen. Die KfW verlangt von Ihnen i.d.R. diese Dokumente:

  • Antragsvordruck des Programms
  • Risikoanlagen A (Selbstauskunft) und C (Stellungnahme Hausbank)
  • Planungsunterlagen wie unter Schritt 1 beschrieben für mindestens 2 Jahre
  • Lebenslauf (des Antragstellers) mit beruflichem Werdegang
  • De-Minimis-Erklärungen (Geringfügige „De-Minmis-Zuwendungen“ führen meist nicht zu nachhaltigen Vorteilen gegenüber anderen Betrieben; mit der Erklärung soll sichergestellt werden, dass Antragsteller nicht schon  mehrere kleine Hilfen erhalten, die doch zu einem Wettbewerbsvorteil führen.)
  • Besitz-/Eigentumsverhältnisse bei mehreren Eigentümern/Antragstellern
  • Risikoanlage B bei Festigungsmaßnahmen, Übernahmen und Beteiligungen
  • Jahresabschlüsse / Einnahmen-Überschuss-Rechnungen der letzten 2 Geschäftsjahre und aktuelle BWA, wenn der letzte Abschluss älter als 6 Monate ist
  • Einwilligung für Auskunftei-Anfragen (z. B. Schufa, Creditreform)
  • Erklärung zur Einhaltung der Grenzen für kleine Unternehmen gemäß EU-Definition
  • Selbsterklärung bei Franchiseprojekten

Welche Dokumente Sie konkret liefern müssen, hängt vom Programm ab. In den Merkblättern der Programme sind die geforderten Unterlagen aufgelistet. Die Merkblätter mit Checklisten, Ausfüllhilfen und Antragsformularen finden Sie unter www.kfw.de/KfW-Konzern/Service/Download-Center/Förderprogramme-(Inlandsf.)-(D-EN)/.

Achtung: Fragen Sie Ihre Bank, ob sie Ihre Unterstützung wünscht. Viele Institute haben interne Abläufe, die Sie u.U. stören. Dann ist es besser, wenn Sie nur bei Bedarf oder Nachfrage zuarbeiten.

Schritt 3: Hausbank kontrollieren und Fördermittelantrag stellen

Auch wenn die Bank keine Unterstützung wünscht, müssen Sie sich über alle notwendigen Unterlagen und die Anforderungen an die Datenqualität informieren. Denn Sie müssen in jedem Fall Ihren Banksachbearbeiter von Ihrem Vorhaben überzeugen, v.a. mit Ihrer Projekt- und Unternehmensplanung. Gelingt Ihnen das nicht, wird er den Antrag nicht weiterreichen bzw. er wird von der KfW z. B. auf Grund von Fehlern oder unzureichenden Angaben abgelehnt. Dann müssen Sie Teile der Arbeit noch einmal erledigen oder auf die Fördergelder verzichten. Die Fragenliste hilft Ihnen, sich optimal auf das Bankgespräch vorzubereiten:

Frage/Prüfpunkt
Frage/Prüfpunkt Erledigt Ja Erledigt Nein Was muss bis wann getan werden?
Haben Sie Ihr Vorhaben genau beschrieben, und alle Anforderungen der Bank berücksichtigt?
Lassen sich Ihre Annahmen und Planungen soweit möglich belegen, z. B. durch Studien, Umfragen?
Liegt ein belastbarer Businessplan vor?
Haben Sie alle Checklisten der KfW (oder einer anderen Förderbank) abgearbeitet?
Haben Sie alle sonstigen geforderten Unterlagen für die Bank zusammengestellt?
Haben Sie alle Unterlagen für die Förderbank zusammengestellt bzw. der Hausbank die notwendigen Informationen zukommen lassen?
Haben Sie alle vorhandenen Sicherheiten zusammengestellt und mit Beleihungsgrenzen versehen?
Haben Sie entschieden, welche Sicherheiten Sie Ihrer Bank anbieten wollen?
Haben Sie Ausweichmöglichkeiten, wenn Ihre Hausbank ablehnend reagiert? Haben Sie die Möglichkeit, sich bei befreundeten Unternehmern zu erkundigen und ggf. unterstützen zu lassen?

Haben Sie alle Unterlagen eingereicht und die Hausbank hat diese weitergeleitet, beginnt für Sie die Zeit des Wartens. Denn Sie dürfen mit Ihrem Vorhaben im Normalfall nicht beginnen, bevor die offizielle Zustimmung der Förderbank vorliegt. Ansonsten riskieren Sie, dass Sie keine Fördergelder erhalten und gehen ein unkalkulierbares Risiko ein. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Förderbank Ihrem Vorhaben zustimmt, wenn es zuvor die Hausbank getan hat, groß. Aber in der Praxis kommt es häufiger zu Rückfragen oder dazu, dass Nachbesserungen notwendig sind. Auch Ablehnungen sind zumindest grundsätzlich möglich, dann müssen Sie ggf. auf ein anderes Programm ausweichen mit der Folge, dass Sie einen Großteil der Arbeit noch einmal erledigen müssen. Und auch in diesem Fall gilt: Mit dem Vorhaben dürfen Sie noch nicht begonnen haben, ansonsten ist die Förderung gefährdet.

Fazit: Fördermittel sind eine günstige, aber manchmal aufwendige Alternative zum Bankkredit

Wer Fördermittel erhalten möchte, muss fast immer das Hausbankprinzip beachten; ein Antrag darf nicht direkt bei einer Förderbank gestellt werden. Und mit dem Vorhaben darf nicht begonnen werden, bevor eine Zusage der Förderbank vorliegt, da sonst die Förderung nicht bewilligt wird. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Vorbereitung und Zusammenstellung notwendiger Unterlagen in der gewünschten Qualität. Im Kern werden die gleichen Unterlagen benötigt wie für einen klassischen Bankkredit, zuzüglich ggf. spezieller Dokumente für die Förderbank, z. B. De-Minimis-Erklärungen. Antragsteller sollten daher einen ausreichenden Vorlauf von mindestens 6 Wochen einplanen und sich von Beginn an mit seiner Hausbank abstimmen, um keine Verzögerungen oder Fehler zu riskieren. Unternehmer sollten prüfen, ob sie der Hausbank Arbeit abnehmen können und sich hierüber mit dem Bearbeiter abstimmen. Sind alle Unterlagen vollständig und richtig ausgefüllt, muss auf die Zusage der Förderbank gewartet werden. Auch hier gilt: Man sollte mit dem Vorhaben nicht starten, bevor die offizielle Zusage vorliegt, da sonst auch hier die Förderung in Frage steht. Unternehmer, die diese Punkte beherzigen und den manchmal zu leistenden Mehraufwand im Vergleich zum „normalen“ Bankkredit nicht scheuen, haben gute Chancen, kostengünstige Fördermittel mit langen Laufzeiten zu erhalten.

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