Fremdkapital: Warum auch Kleinunternehmer sich nicht nur auf eine Bank verlassen sollten

Bankfinanzierung und die Alternativen: System der doppelten Lieferanten bei Fremdkapital
Aktualisiert am: 25.04.2017

Die Versorgung des Unternehmens mit der notwendigen Liquidität ist eine wichtige Aufgabe. Für den Unternehmer ist es dabei besonders entscheidend, die Geldmittel pünktlich zur Verfügung zu haben. Außerdem sollte die Kapitalbeschaffung möglichst wirtschaftlich erfolgen. Trotz aller Berichte über alternative Möglichkeiten der Fremdfinanzierung ist die klassische Bankfinanzierung noch immer die wichtigste Quelle für Kleinunternehmer, die sich dabei allerdings häufig auf nur einen Partner verlassen. Das ist zwar bequem, aber nicht immer wirtschaftlich. Die Zusammenarbeit mit mehreren Banken verbessert die Versorgung mit Fremdkapital und macht sie wirtschaftlicher. „Bezahlt“ wird diese Flexibilität mit einigen zusätzlichen Aufgaben im Rechnungswesen.

Fremdkapital: Diese Gründe sprechen für mehrere Partner

Das System der doppelten Lieferanten hat sich bei Rohstoffen und anderen Einkäufen bewährt. Für die „Belieferung“ des Unternehmens mit Fremdkapital gelten ähnliche Gründe:

  • Konkurrenz belebt das Geschäft. Diese Weisheit gilt auch für den Umgang mit Banken. Wenn mehrere Banken bei der Sicherstellung der Fremdfinanzierung beteiligt werden, sind in der Praxis immer wieder auch Angebote zu günstigeren Konditionen möglich.

Achtung: Da das Volumen des Fremdkapitals auf mehrere Banken verteilt wird, sinkt gleichzeitig die Wichtigkeit des Unternehmens bei der einzelnen Bank. Dadurch können sich Konditionen auch verschlechtern. Diese zweite Seite der Medaille bei der Nutzung mehrerer Banken darf nicht vernachlässigt werden.

  • Durch die erzwungene Konkurrenz wird sich die einzelne Bank mit individuelleren Lösungen in den Angeboten hervortun. Die Nutzung von Fördermitteln oder besondere Programme der einzelnen Banken reduzieren die Kosten des Fremdkapitals. Der Bankberater wird hoffen, durch seine Ideen das Unternehmen als Kunden ausbauen zu können.
  • Preiswertere Fremdfinanzierung und die Umsetzung kreativer Finanzierungsmodelle sorgen dafür, dass die Fremdfinanzierung durch Banken optimal an den Bedürfnissen des Unternehmens ausgerichtet werden kann.
  • Durch die Verringerung des Engagements bei der einzelnen Bank wird häufig die Entscheidungsgrenze der örtlichen Filiale wieder unterschritten. Dadurch werden Kreditentscheidungen von den bekannten Bankmitarbeitern getroffen, nicht von anonymen Gremien in der Zentrale.
  • Der wichtigste Grund für die Zusammenarbeit mit mehreren Banken ist die Verhinderung einer Abhängigkeit von einem einzelnen Partner. Von individuellen Bankentscheidungen zuungunsten des Unternehmens ist dann nicht mehr die gesamte Finanzierung betroffen sondern nur noch ein Teil. Außerdem stehen dann andere Partner schnell bereit, um die Lücke zu füllen. Damit ist die Versorgung mit Fremdmitteln tendenziell sicherer.

Selbst dann, wenn die Verteilung des Finanzierungsvolumens auf mehrere Banken nicht zu einer Kostenersparnis führt, ist das Fremdkapital in diesen Fällen oft flexibler auf die Unternehmen zugeschnitten und vor allem sicherer.

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Die Schattenseiten der Zusammenarbeit mit mehreren Banken

Die Vorteile der Zusammenarbeit mit mehreren Banken bei der Beschaffung von Fremdkapital sind nicht umsonst zu haben. Vor allem der Verwaltungsaufwand steigt. Wie hoch der Aufwand individuell zu bewerten ist, hängt von der Situation des Unternehmens ab.

  • Durch die Verteilung des Fremdkapitalvolumens auf mehrere Banken sinkt der jeweilige Kreditbetrag für den einzelnen Kapitalgeber. Dadurch sinkt auch die Verhandlungsmacht, die das Unternehmen gegenüber der einzelnen Bank hat. Die erzielbaren Konditionen können sich verschlechtern. Dies muss als Gegengewicht zu dem Vorteil der durch Konkurrenz verbesserten Angebote der Banken berücksichtigt werden.
  • Die Aufteilung des Finanzierungsvolumens auf mehrere Banken muss zwar nicht gerecht aber doch sinnvoll sein. Es ist nicht immer einfach, eine Verteilung zu finden, die bei den einzelnen Banken das Interesse an der Zusammenarbeit aufrecht erhält und gleichzeitig das Optimum für das Unternehmen darstellt.
  • Der Aufwand bei der Beschaffung des Fremdkapitals ist höher, wenn mehrere Banken beteiligt sind. Es müssen mehr Angebote eingeholt und mehr Gespräche geführt werden. Die Auswahl des besten Angebots und einzelne Nachverhandlungen kosten ebenfalls Zeit.
  • Banken verlangen für ihr Engagement nicht nur Zinsen und Gebühren, sondern auch laufende Informationen. Es ist üblich, Jahresabschlüsse, Budgets sowie Monats- oder Quartalsberichte an die Kreditgeber zu geben. Das ist bei einer Bank einfach, aber der Aufwand vervielfacht sich, wenn mehrere Banken informiert werden müssen.
  • Kein Kredit wird ohne Sicherheiten vergeben. Banken versuchen, möglichst viele Sicherheiten für ihr Kreditengagement zu bekommen. Das geht meist über die Sicherung durch den finanzierten Vermögenswert hinaus. Auch Forderungen und Vorräte werden häufig als Sicherheiten einbezogen. Ist nur eine Bank beteiligt, gibt es nur Diskussionen über die absolute Höhe der vergebenen Sicherheit. Sind mehrere Banken involviert, muss der Gesichtspunkt der Gleichbehandlung berücksichtigt werden. Das ist konfliktbehaftet.

Achtung: Übersicherung wird zum Problem. Da Banken sich tendenziell übersichern, kommt es bei der Arbeit mit mehreren Kreditgebern schnell dazu, dass Sicherheiten fehlen. Die Summe aller gewünschten Übersicherungen mehrerer Banken ist höher als die Übersicherung nur einer Bank. Ist nicht genug Eigenkapital im Unternehmen, kann das zu Problemen führen.

So teilen Sie Ihren Bedarf an Fremdkapital sinnvoll auf

Die Zahl der Banken, die an der Fremdfinanzierung beteiligt sind, muss überschaubar bleiben. In kleinen und mittleren Unternehmen sind 2 Geldhäuser ausreichend. Die Praxis zeigt, dass dann auch der beschriebene Mehraufwand in einem vernünftigen Verhältnis zu den Vorteilen steht. Ein wichtiger Grundsatz der Zusammenarbeit mit den Banken ist die Ehrlichkeit. Die Zusammenarbeit mit anderen Banken darf nicht verschwiegen werden. Spätestens die Informationen aus der Bilanz lassen den Kreditgeber ohnehin erkennen, dass auch dessen Konkurrenten erfolgreich eine Finanzierung verkaufen konnten. Außerdem melden Banken Kredite an Unternehmen ab einer bestimmten Summe über eine Zentrale. Diese meldet die Engagements anderer Geldhäuser auch wieder zurück. Die Bank hat ein Recht darauf, die finanzielle Situation des Unternehmens richtig einschätzen zu können.

Die zuverlässige Versorgung des Unternehmens mit Fremdkapital ist lebensnotwendig. Änderungen der aktuellen Situation dürfen nur sehr vorsichtig und ohne unbeherrschbares Risiko vorgenommen werden. Die Umstellung der Zusammenarbeit von einer Bank auf mehrere sollte daher verantwortungsbewusst erfolgen und gut vorbereitet sein:

  • Aus der mittel- und langfristigen Liquiditätsplanung lässt sich der Bedarf an Fremdkapital in den nächsten Jahren erkennen. Mit diesen Daten kann die Unternehmensführung einen wachsenden Anteil der Fremdfinanzierung bei einer zweiten Bank einplanen.
  • Die Rückführung des Anteils der bisher einzigen Bank muss langsam geschehen. Auch diese Bank benötigt Neugeschäft mit dem Unternehmen, um das Interesse nicht zu verlieren.
  • Die Vergabe neuer Fremdfinanzierung an eine zweite Bank sollte anlassbezogen erfolgen. Wenn Fremdkapital benötigt wird, werden zusätzliche Angebote geprüft. Das ist der Fall, wenn neue Investitionen finanziert werden müssen oder ein auslaufender Kredit erneuert wird. Eine aktive Umschuldung ohne speziellen Anlass macht nur selten Sinn.
  • Die Auswahl der Banken, die gemeinsam die Fremdfinanzierung des Unternehmens garantieren sollen, sollte überlegt und sorgfältig geschehen. Häufig bietet sich beispielsweise die Chance, die Vorteile regional tätiger Geldhäuser (Sparkassen, Genossenschaftsbanken) mit denen großer Geschäftsbanken (Deutsche Bank, UBS etc.) zu kombinieren. Die lokale Bank als einer der Partner berücksichtigt die Bedeutung des Unternehmens am Standort, die Geschäftsbank als ein weiterer Partner sorgt für den Zugang zu internationalen Geldmärkten.
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