Führung: Besser klarkommen mit dem Betriebsrat /fileadmin/_processed_/e/b/csm_Betriebsrat_9c9d9e8ed4.jpg 2015-08-05 Lexware

Führung: Besser klarkommen mit dem Betriebsrat

Geschäftsführerin im Dialog mit dem Betriebsrats während einer Betriebsratsversammlung
Von Lothar Volkelt
Aktualisiert am: 05.08.2015

In vielen Firmen läuft die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat gut. Das ist aber nicht immer so. Je größer die Entfernung der Geschäftsführung zu den Mitarbeitern, je mehr Beschäftigte im Unternehmen und je stärker externer Einfluss (Gewerkschaft) auf die Mitarbeiter ausgeübt wird, umso problematischer sehen viele Geschäftsführer das Verhältnis zu den Arbeitnehmer-Vertretungen.

Kleine Typologie des Betriebsrats

In der betrieblichen Praxis haben sich folgende 4 Typen von Betriebsräten herauskristallisiert:

  • der sanfte,
  • der ideologisierte,
  • der starke und
  • der partnerschaftliche.

Der „sanfte“ Betriebsrat: Der sanfte Betriebsrat scheint auf den ersten Blick der ideale Partner für den personalverantwortlichen Geschäftsführer zu sein. Er zeigt sich in der Regel unternehmensloyal, er empfindet seine Aufgabe oft nur als Ehrenamt und sieht seine berufliche Verantwortung und das Betriebsratsmandat nicht selten als Belastung. Ein Betriebsrat, der sich nach der Wahl als schwach und konturlos herausstellt, wird aber häufig in der Belegschaft nicht akzeptiert. Folge: Abstimmungen mit dem Betriebsrat gestalten sich oft problematisch und langwierig, da ein sanfter Betriebsrat seine Leute oft nicht im Griff hat. Jede Strömung innerhalb dieses Betriebsrats kommt zu Wort und führt zu einer sehr heterogenen Zusammensetzung dieses Mitbestimmungsorgans. Unter Umständen ändert der Betriebsrat sogar über Nacht - aus für Sie nicht nachvollziehbaren Gründen - seine Meinung. Geben Sie daher einem sanften Betriebsrat immer ausreichend Argumente an die Hand, damit er seine Position gegenüber Dritten überzeugend vertreten kann.

Der „ideologisierte“ Betriebsrat: Dieser Typ steht den gewerkschaftlichen Ideen sehr nahe. Bei Verhandlungen ist ihm häufig seine eigene oder die Ideologie der Gewerkschaft wichtiger als das Wohl Ihres Unternehmens. Natürlich wird dieser Betriebsratstyp nie seine wahren Absichten zugeben. Betriebsräte dieser Art neigen dazu, ihre Erfolge groß zu feiern. Dass dabei unter Umständen Mitarbeiterinteressen auf der Strecke bleiben, stört nicht weiter. Der Grund: Für ihn steht die Politik im Vordergrund, andere Interessen haben sich dieser unterzuordnen. Da dieser Betriebsratstyp immer wieder versuchen wird, Sie in Grundsatzdiskussionen zu verwickeln, sollten Sie sich nicht auf lange Auseinandersetzungen einlassen.

Der „starke“ Betriebsrat: Ein starker Betriebsrat weiß genau, was er will. Er verfügt über einen starken Rückhalt in Ihrer Belegschaft. Er ist immer bestens auf Verhandlungen vorbereitet. Stimmungsmache und plumpe Agitation sind ihm fremd. In den einschlägigen Gesetzen kennt er sich gut aus. Ihr Vorteil bei der Zusammenarbeit mit einem starken Betriebsratsvorsitzenden ist seine Berechenbarkeit. Er arbeitet häufig nach bestimmten Verhaltens- und Vorgehensmustern. Auf der anderen Seite erwartet ein starker Betriebsrat auch einen starken Verhandlungspartner.

Der „partnerschaftliche“ Betriebsrat: Der echte Partner unter den Betriebsräten ist leider immer noch die große Ausnahme. Dieser Typ von Betriebsrat ist vernünftig und setzt das, was im Betriebsverfassungsgesetz gefordert wird - die "vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohl der Mitarbeiter und des Unternehmens" - tagtäglich in der Praxis um. Mit den Gewerkschaften hat dieser Typ des Betriebsrats meist wenig oder nur distanziert zu tun. Stattdessen denkt er sich in die betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten hinein und macht sie den Mitarbeitern transparent. Trotz seiner partnerschaftlichen Grundeinstellung folgt er aber nicht blindlings den Vorgaben und Entscheidungen der Geschäftsführung. Er sieht sich vielmehr als einen kritisch-konstruktiven Partner, der die Mitarbeiterinteressen vertritt und deutlich macht. Auch die Zusammenarbeit mit einem partnerschaftlichen Betriebsrat klappt nicht automatisch. Als personalverantwortlicher Geschäftsführer sind Sie gefordert, diesen Ideal-Zustand zu pflegen und vor allem die Rechte des Betriebsrates zu berücksichtigen. Ihr Ziel sollte es sein, dass Sie trotz unterschiedlicher Interessenlagen immer ausgewogene Lösungen suchen und finden. Signalisieren Sie ihm zudem, dass Sie die Interessen der Belegschaft ernst nehmen.

Tipps für eine bessere Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat

Hier einige Hinweise wie Sie sich das Leben mit dem Betriebsrat leichter machen:

  • Kommunikation: Suchen Sie bewusst das 4-Augen-Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden. Steigen Sie dabei am besten mit einem privaten Thema ein. Es wird für Ihren Gesprächspartner nach diesem Einstieg schwierig, wieder auf seinen dogmatischen Weg zurückzufinden. Je persönlicher Sie auf die Person „Betriebsrat“ eingehen, desto größer ist Ihre Chance, dass er von seinem klassischen Feindbild abweicht. Geben Sie ihm aber auch Einblicke in betriebliche Belange. Geben Sie ihm das Gefühl eines Informationsvorsprungs (Geschäftsanbahnungen, Brancheninformationen).
  • Zeit zum Verhandeln: Stellen Sie sich auf möglicherweise langwierige Verhandlungen ein und kalkulieren Sie dies unbedingt beim Zeitplan für Ihre Maßnahmen ein. Es schwächt Ihre Verhandlungsposition als Arbeitgeber ungemein, wenn Sie unter Zeitdruck Verhandlungen zu Ende bringen müssen. Drängen Sie nicht auf eine bestimmte Zeitvorgabe. Lassen Sie Ihren Gegenüber spüren, dass für Sie bei den Verhandlungen die Zeit keine Rolle spielt – auch, wenn Ihnen das schwer fällt.
  • Kompetenz statt Ideologie: Viele motivierte und leistungsorientierte Mitarbeiter scheuen oft davor zurück, ein Betriebsratsamt zu übernehmen. Sie fürchten einen Karriereknick und Nachteile für ihre berufliche Entwicklung. Als personalverantwortlicher Geschäftsführer sollten Sie eine solche Situation als Chance sehen: Sie verlieren zwar einen guten Mitarbeiter, Ihr Unternehmen gewinnt dadurch aber unter Umständen einen loyalen und kompetenten Betriebsrat, der die Betriebsbelange besser versteht.
  • Regel und Ausnahme: Vorläufige Personaleinstellungen in Eilfällen sollten Sie als Vorgesetzter auf keinen Fall überstrapazieren. Ein dauernder Missbrauch kann zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung führen.
  • Wochenend-Politik: Kalendertage statt Arbeitstage. Das Gesetz stellt auf Kalendertage ab. Daher ist besondere Eile geboten, wenn Sie die Mitteilung des Betriebsrates an einem Freitag erhalten, z.B. Widerspruch gegen Mehrarbeit. In diesem Fall ist nämlich der folgende Montag bereits der letzte Tag, um den Antrag auf Mehrarbeit beim Arbeitsgericht wirksam stellen zu können. Nehmen Sie solche Wochenend-Überraschungen unbedingt noch am Freitag zur Kenntnis, damit Sie u.U. noch über das Wochenende mit Ihrem Anwalt in der Sache Kontakt aufnehmen können.

Praxis-Tipp: Wertvolle Hilfe kann der Betriebsrat für die Geschäftsleitung übernehmen, wenn es zu Konflikten zwischen einzelnen Mitarbeitern kommt, etwa wenn ein Vorgesetzter mit untergeordneten Mitarbeitern nicht klar kommt oder wenn Projektmitarbeiter gegeneinander statt miteinander funktionieren. Sie brauchen dann nicht mehr bei jeder Angelegenheit eingreifen und behalten sich dennoch die letzte Entscheidung vor, wenn der als Mediator eingesetzte Betriebsrat keine Konfliktlösung durchsetzen kann.

Jetzt Newsletter abonnieren
Jetzt Newsletter abonnieren


Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5