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Urteil: Geburtstagsfeier kann als Werbungskosten geltend gemacht werden

Trendwende-Urteil: Feierlichkeiten des Gesellschafter-Geschäftsfüger als Werbungskosten abziehbar
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 19.01.2016

Sind Sie Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH, dürfen Sie sämtliche Ausgaben, die Ihnen im Zusammenhang mit der Anstellung bei der GmbH entstehen, als Werbungskosten aus nicht selbständiger Arbeit steuersparend geltend machen. Nach einem Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz rechnen zu den Werbungskosten neuerdings auch Ausgaben für eine Geburtstagsfeier.

Machten Arbeitnehmer bislang Werbungskosten für eine Geburtstagsfeier in der Arbeit beim Finanzamt geltend, wurden diese Werbungskosten mit 99%iger Wahrscheinlichkeit nicht zum Abzug zugelassen. Das immer wieder genannte Argument: Ein Geburtstag ist ein privates Ereignis und damit sind auch die Ausgaben mit der Geburtstagsfeier privat veranlasst und steuerlich deshalb tabu.

Doch ein Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz könnte nun eine Trendwende bringen und dazu führen, dass die Sachbearbeiter in den Finanzämtern bei Vorliegen einiger Voraussetzungen eher dazu bereit sind, Werbungskosten für die Geburtstagsfeier in der Arbeit zum Abzug zuzulassen. Kann ein Arbeitnehmer das Finanzamt davon überzeugen, dass die Feier rein beruflich motiviert war, ist ein Werbungskostenabzug denkbar (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 12.11.2015, Az. 6 K 1868/13).

Mit diesen Nachweisen kann ein Gesellschafter-Geschäftsführer Werbungskosten abziehen

Wichtig zu wissen: Möchten Sie für berufliche Ausgaben den Abzug von Werbungskosten beim Finanzamt durchsetzen, sind Sie in einer mehrfachen Beweislast. Sie müssen dem Finanzamt nachweisen, dass die Feierlichkeit beruflich motiviert war und Sie müssen die Höhe der Werbungskosten unstreitig durch Rechnungen nachweisen.

Ein Werbungskostenabzug für die Feier des Geburtstags in der Arbeit ist denkbar, wenn Sie sich an die folgenden Voraussetzungen halten:

  • Herkunft der Gäste: Feiern Sie in der Arbeit Ihren Geburtstag, dürfen an der Feier nur Arbeitskollegen, Mitarbeiter und Kunden teilnehmen.
  • Privatgäste: Private Gäste wie Familienmitglieder, Freunde und Bekannte sind bei einer beruflichen Einladung tabu.
  • Gästeliste: Erstellen Sie eine Gästeliste und bewahren Sie diese auf, um sie im Zweifel dem Finanzamt vorlegen zu können.
  • Beweisfotos: Schießen Sie Fotos von der beruflichen Geburtstagsfeier und zeigen Sie diese dem Finanzamt im Zweifel. Sind keine Privatgäste auf den Fotos, ist das der erste Schritt zum Werbungskostenabzug.
  • Privatparty: Weisen Sie anhand von Rechnungen nach, dass Sie neben der beruflichen Geburtstagsfeier auch zu einer separaten Privatfeier geladen haben.
  • Räumlichkeiten: Ein Indiz dafür, dass die Geburtstagsfeier rein beruflich veranlasst war, ist, dass die Feier in Räumlichkeiten des Arbeitgebers stattgefunden hat.
  • Vergleichskosten: Sind die Ausgaben je Teilnehmer für die berufliche Feier niedriger als die Kosten für die Privatfeier, spricht das für eine berufliche Veranlassung der Feier in der Arbeit und damit für den Abzug von Werbungskosten.

Beispiel: Ein angestellter Gesellschafter-Geschäftsführer feiert seinen 65. Geburtstag. Die Feier findet in Räumlichkeiten der GmbH statt. Zur Feier werden 80 Arbeitskollegen, Mitarbeiter und Geschäftspartner eingeladen. Für seine privaten Gäste (Familienangehörige, Freunde, Bekannte) veranstaltet der Jubilar ein eigenes Fest. Die Ausgaben für die Geburtstagsfeier in der Arbeit betragen 3.000 Euro (Kosten je Teilnehmer 37,50 Euro). Bei der Privatfeier langte er tiefer in Tasche und konnte Kosten je Teilnehmer von 75 Euro nachweisen.

Folge: Da die Voraussetzungen für den Nachweis der beruflichen Veranlassung der Feier nach den Grundsätzen des Urteils des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 12.11.2015 erfüllt sind, steht dem Abzug von Werbungskosten in Höhe von 3.000 Euro nichts im Weg.

Praxis-Tipp:

Lädt ein Gesellschafter-Geschäftsführer alle Gäste – also Kollegen und private Gäste – zu einer einzigen Geburtstagsfeier ein, ist ein Werbungskosten auch denkbar. Unlängst hat der Bundesfinanzhof nämlich entschieden, dass die Ausgaben für eine gemischte Feier in nicht abziehbare Privatausgaben und in abziehbare Werbungskosten aufgeteilt werden dürfen (BFH, Urteil v. 8.7.2015, Az. VI R 46/14). Steuerlich auf der sicheren Seite stehen Sie als Gesellschafter-Geschäftsführer beim Abzug von Werbungskosten für eine Geburtstagsfeier in der Arbeit aber nur, wenn Sie zweimal feiern und Arbeitskollegen und private Gäste strikt trennen. 

 

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