Geschäftsführer-Haftung für Lohnsteuer im Insolvenzfall /fileadmin/_processed_/6/a/csm_Geschaeftsfuehrer_in_Haftung_6a99b41c7b.jpg 2015-08-17 Lexware

Geschäftsführer-Haftung für Lohnsteuer im Insolvenzfall

GmbH-Geschäftsführer sitzt nachdenklich am Schreibtisch
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 17.08.2015

Ein „Kopfschüttelurteil“ des Finanzgerichts Köln verdeutlicht, wie schnell ein GmbH-Geschäftsführer zum Spielball des Finanzamts wird. Obwohl der Insolvenzverwalter der Abführung der Lohnsteuer ans Finanzamt nicht zustimmte, durfte das Finanzamt den GmbH-Geschäftsführer für die ausgefallene Lohnsteuer im Nachhinein in Haftung nehmen.

Gegenmaßnahmen: So schützen Sie Ihr Privatvermögen

1. Einspruch und Hinweis auf Revisionsverfahren
Betroffene GmbH-Geschäftsführer, die für nicht abgeführte Lohnsteuer im Insolvenzverfahren in Haftung genommen werden, obwohl der Insolvenzverwalter seine Zustimmung zur Abführung der Lohnsteuer verweigert hat, sollten den Haftungsbescheid mit einem Einspruch anfechten. Da zu dem Urteil des Finanzgerichts Köln die Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen wurde, sollte zudem bis zur endgültigen Entscheidung der BFH-Richter ein Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragt werden.

2. Gehaltszahlung von Zustimmung abhängig machen
Um die Haftung des GmbH-Geschäftsführers für Lohnsteuer im Insolvenzfall auszuschließen, sollte der GmbH-Geschäftsführer vor der Gehaltsauszahlung an die Mitarbeiter die Zustimmung zur Lohnsteuerabführung ans Finanzamt vom Insolvenzverwalter anfordern. Verweigert dieser seine Zustimmung, sollte keine Gehaltsauszahlung vorgenommen werden. Ohne Gehaltszahlung kann es auch zu keinem Haftungsbescheid zur Lohnsteuer kommen.

3. Zustimmungsverweigerung schriftlich einholen und aufbewahren
Hat ein GmbH-Geschäftsführer die Gehälter bereits ausbezahlt und der Insolvenzverwalter verweigert im Nachhinein die Abführung der Lohnsteuer, sollte diese Zustimmungsverweigerung stets schriftlich eingeholt werden und dem Finanzamt im Zweifel zur Entlastung vorgelegt werden. Das könnte zu einem Haftungsausschluss führen. In dem Urteilsfall vor dem Finanzgericht Köln hatte der GmbH-Geschäftsführer keine schriftlichen Beweise für die Zustimmungsverweigerung des Insolvenzverwalters vorlegen können.

Praxis-Tipp: Gerade im Insolvenzfall kommt es häufig zu unverständlichen Haftungsbescheiden zu Lasten von GmbH-Geschäftsführern für nicht abgeführte Lohnsteuer. Um stets auf der sicheren Seite zu stehen und die Haftung für Lohnsteuer zu vermeiden, empfiehlt es sich für GmbH-Geschäftsführer, unbedingt einen Steuerberater oder einen Rechtsanwalt in dieser Phase der Unternehmensabwicklung einzuschalten.

Praxis-Beispiel: Lohnsteuerhaftung des Geschäftsführers

In dem Urteilsfall vor dem Finanzgericht Köln ging es um einen Geschäftsführer einer geschäftsleitenden Komplementär-GmbH einer KG. Im Februar beantragte der GmbH-Geschäftsführer die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der KG. Noch am selben Tag bestellte das Insolvenzgericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter mit Zustimmungsvorbehalt. Nach Auszahlung der Januar- und Februar-Gehälter an die KG-Mitarbeiter wollte der GmbH-Geschäftsführer Lohnsteuer & Co beim Finanzamt anmelden und abführen, doch der Insolvenzverwalter verweigerte die Zustimmung. Das Finanzamt forderte die Lohnsteuer deshalb mit Haftungsbescheid vom GmbH-Geschäftsführer nach §§ 34, 69 Abgabenordnung. Und obwohl dem GmbH-Geschäftsführer die Hände gebunden waren, haben die Kölner Finanzrichter dem Finanzamt Recht gegeben und die Zulässigkeit des Haftungsbescheids über die nicht abgeführte Lohnsteuer bestätigt (Urteil v. 25.2.2014, Az. 10 K 2954/10).

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