Geschäftsführer-Haftung: Worauf Geschäftsführer bei D&O-Versicherungen achten sollten

Geschäftsführerin sichert persönliche Risiken mit einer D&O-Versicherung ab
Aktualisiert am: 18.08.2015

Die Tätigkeit des GmbH-Geschäftsführers unterliegt erheblichen Haftungsrisiken. Daher ist die Absicherung der persönlichen Risiken von großer Bedeutung. Lesen Sie, worauf Sie bei D&O-Versicherungen achten sollten und lassen Sie Ihre eigene Police auf Schwachstellen überprüfen.

Darauf sollten Sie bei Ihrer D&O-Versicherung achten

Ausreichende Deckungssumme

Die Wahl der richtigen Deckungssumme ist wichtig, wobei die Ermittlung der angemessenen Höhe schwierig ist. Je höher die Deckungssumme, desto höher fällt die Prämie aus. Die Höhe der Deckungssumme bestimmt sich nach den Risiken der Organtätigkeit und kann je nach Branche stark variieren. Unabhängig von der Art der Tätigkeit sollte die Deckungssumme mindestens 2 Mio. EUR betragen.

Nachhaftung und Rückwärtsversicherung

Bei der D&O-Versicherung gilt das sog. Claims-Made-Prinzip. Das bedeutet, zum Zeitpunkt der Anspruchserhebung muss Versicherungsschutz bestehen. Die Anspruchserhebung kann zeitlich deutlich nach der Pflichtverletzung erfolgen, weil beispielsweise die Gesellschafterversammlung erst Jahre später den Verstoß aufdeckt. Besteht zu diesem Zeitpunkt keine D&O-Versicherung mehr, besteht auch kein Versicherungsschutz mehr, selbst wenn zum Zeitpunkt der Pflichtverletzung noch eine D&O-Versicherung bestand. Deshalb ist es wichtig,

  • eine entsprechende Nachhaftung bzw. Nachmeldefrist zu vereinbaren oder,
  • wenn der Versicherer gewechselt wird, beim neuen Versicherer eine Rückwärtsversicherung für solche Risiken abzuschließen.

Praxis-Beispiel: Späte Entdeckung einer Pflichtverletzung: Bestand beispielsweise im Jahre 2007 eine D&O-Police, entdeckt die Gesellschafterversammlung jedoch erst 2010 die Pflichtverletzung, die in 2007 begangen wurde, so bestand zwar in 2007 die D&O-Police, jedoch nicht mehr in 2010, als die Gesellschafterversammlung den Anspruch entdeckt und geltend macht. Ist für diesen Fall keine Nachhaftung vereinbart worden, muss der D&O-Versicherer nicht mehr leisten.

Die Dauer der Fristen für Nachhaftung ist höchst unterschiedlich. Häufig werden 1-3 Jahre, selten ein längerer Zeitraum angeboten.

Wird erstmals ein Versicherungsvertrag abgeschlossen, bieten viele Versicherer ggf. gegen gesonderte Prämie ebenfalls eine Rückwärtsversicherung an. Erfasst werden dann Pflichtverletzungen vor Abschluss des Versicherungsvertrages. Die Rückwärtsversicherung tritt nach den üblichen Bedingungen nur dann ein, wenn die Pflichtverletzung unbekannt ist und auch nicht hätte bekannt sein müssen. In der Regel sind also nur Pflichtverletzungen, die der Geschäftsführer nach Vertragsabschluss begangen hat, versichert. Liegt der Verstoß in der Vergangenheit, wird er aber jetzt erst entdeckt und geltend gemacht, besteht hierfür kein Versicherungsschutz.

Achtung: Claims-Made- und Verstoßprinzip gelten nicht einheitlich. Es gibt eine Kombination von Claims-Made- und Verstoßprinzip, wie es dem Versicherer gerade passt. Sowohl die Pflichtverletzung als auch die Geltendmachung müssen grundsätzlich während der Laufzeit eintreten.

Nachhaftung für ausgeschiedene Geschäftsführer

Von der Beendigung des D&O-Versicherungsvertrages zu unterscheiden ist das Ausscheiden eines GmbH-Geschäftsführers. Ist er noch leitender Angestellter, wäre er weiterhin versicherte Person, ist er jedoch ganz aus den Diensten bzw. aus dem Kreis der versicherten Personen ausgeschieden, z. B. weil er pensioniert wurde oder den Konzern gewechselt hat, so sollte auch hierfür eine Nachmeldefrist vereinbart werden bzw. ausdrücklich geregelt werden, dass auch für ehemalige Organmitglieder und die gegen sie gerichteten Ansprüche Versicherungsschutz nach dem Ausscheiden derselben, z. B. nach der Pensionierung, besteht. Hier gibt es in der Praxis eine Nachhaftung bis zu 5 Jahren nach der Pensionierung bzw. dem Ausscheiden des betreffenden Geschäftsführers.

Verzicht auf Anfechtung und Rücktrittsrechte des Versicherers

Empfehlenswert sind Policen, die vorsehen, dass der Versicherer auf gesetzliche Rücktritts- und Anfechtungsrechte verzichtet. Bei der Antragsaufnahme oder -verlängerung wird eine Reihe von Risikofragen gestellt, etwa nach der Bilanz oder den Umsatzzahlen, oder die Art der Tätigkeit abgefragt. Machen Sie hierbei falsche Angaben, kann der Versicherer unter bestimmten Umständen zurücktreten oder den Vertrag wegen Arglist anfechten. Der Vertrag wird dann zurück abgewickelt, bei der Arglistanfechtung ist er sogar nichtig. Besonders dramatisch ist die Situation dann, wenn nur eine versicherte Person die falsche Angabe getätigt hat, nun aber infolge Nichtigkeit des gesamten Vertrages sämtliche versicherten Personen ohne Versicherungsschutz dastehen.

Tipp: Ein Verzicht auf Anfechtung und Rücktrittsrechte kann äußerst sinnvoll sein. Allerdings ist dann in der Praxis vorgesehen, dass dieser Ausschluss nicht gegenüber der versicherten Person gilt, die die falschen Angaben im Versicherungsantrag oder bei der Verlängerung getätigt hat.

Rechtsschutz bei Aufrechnung

Besonders komfortabel sind Policen, die allerdings in der Praxis noch die seltene Ausnahme bilden, bei denen auch Versicherungsschutz besteht, wenn die Gesellschaft sich durch Aufrechnung beim Geschäftsführer bereits befriedigt hat.

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