Geschäftsführer-Gehalt: Verdeckte Gewinnausschüttung verhindern oder minimieren

So vermeiden Sie eine verdeckte Gewinnausschüttung bei der Vergütung für den Geschäftsfüher
Aktualisiert am: 21.08.2015

Findet bei einer GmbH eine Betriebsprüfung statt, gilt ein strenger Blick stets der Vergütung, die die GmbH ihrem Gesellschafter-Geschäftsführer überweist. Ist das Geschäftsführergehalt der Höhe nach angemessen oder liegt vielleicht eine verdeckte Gewinnausschüttung vor? Oftmals beantworten die Finanzbeamten diese Fragen anhand von Gehaltsstudien. Doch ist das immer zulässig?

Verdient ein GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer beispielsweise 300.000 Euro pro Jahr und eine Gehaltsstudie weist für ihn ein maximales Geschäftsführergehalt von 250.000 Euro aus, würde das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 50.000 Euro unterstellen. Folge: Der unangemessene Teil des Geschäftsführergehalts würde dem Einkommen der GmbH wieder zugerechnet werden und der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer müsste die 50.000 Euro im Rahmen einer Einkommensteuererklärung als Kapitalertrag erfassen.

Genügt eine Gehaltsstudie aus, um eine verdeckte Gewinnausschüttung zu unterstellen?

Die Gehaltsstudien zu Geschäftsführergehältern sind ein Indiz bei der Überprüfung der Angemessenheit der Vergütungen an den GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer. Mehr aber auch nicht! Mit anderen Worten: Wehren  Sie sich mit plausiblen Gründen gegen das vom Finanzamt herangezogene „angemessene“  Geschäftsführergehalt, muss der Finanzbeamte wohl von seinen Vorstellungen zur Höhe der verdeckten Gewinnausschüttung nach unten abweichen. Kontern Sie mit folgenden Argumenten, könnten Sie einen Kompromiss erzielen:

Argument 1: Der Sachbearbeiter bzw. der Prüfer des Finanzamts soll schriftlich erläutern, warum das Gehalt der Studie 1:1 auf die Vergütung Ihrer GmbH an Sie anzuwenden sein soll. Schon beim Schreiben könnten dem Finanzbeamten selbst erste Zweifel kommen und er könnte die Höhe der verdeckten Gewinnausschüttung mindern.

Argument 2: Präsentieren Sie dem Prüfer des Finanzamts Vergleichszahlen, die in keiner Studie zu finden sind, sondern Geschäftsführergehälter, die in vergleichbaren Firmen in der Praxis bezahlt werden. Empfehlenswert sind hier folgende Nachweise:

  • Schriftliche Ausführung Ihres Branchenverbands, welche Gehälter in vergleichbaren Firmen an GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer bezahlt werden.
  • Interner Vergleich mit dem Gehalt eines in der GmbH angestellten Geschäftsführers, der nicht an der GmbH beteiligt ist und keine nahestehende Person eines GmbH-Gesellschafters ist.
  • Ausführungen eines Unternehmensberaters, der sich intensiv mit der Tätigkeiten des Gesellschafter-Geschäftsführers in der GmbH auseinandergesetzt hat und diesen Tätigkeiten ein angemessenes Gehalt zugerechnet hat.

Argument 3: Zählen Sie dem Sachbearbeiter bzw. dem Prüfer des Finanzamts besondere Fähigkeiten auf, die dazu führen, dass Sie in kein gängiges Raster für Gehaltzahlungen passen. Fordern Sie den Finanzbeamten zu einer detaillierten Stellungnahme auf, wie seine Sicht der Dinge zu diesem Argument ist. Oftmals wird der Beamte hier von sich aus einen Kompromiss vorschlagen, sprich die Höhe der verdeckten Gewinnausschüttung mindern, um in einem späteren Klageverfahren keine ermessensfehlerhafte Schätzung des angemessenen Geschäftsführergehalts vorgehalten zu bekommen.

Argument 4: Lässt sich der Sachbearbeiter bzw. der Prüfer des Finanzamts auf keinen Kompromiss ein, signalisieren Sie, dass Sie durch alle Instanzen gegen die Festsetzung einer Ihrer Meinung nach zu hohen verdeckten Gewinnausschüttung gehen werden. Da das auch den Finanzbeamten viel Zeit kostet (Stellungnahmen, Bearbeitung von Einsprüchen, Telefonate, Bericht neu schreiben, etc.), wird er möglicherweise doch einem Kompromiss zustimmen und die Höhe der verdeckten Gewinnausschüttung nach unten korrigieren.

Praxis-Tipp: In der Praxis empfiehlt es sich also für Gesellschafter-Geschäftsführer, sich von bloßen Gehaltsstudien zu Geschäftsführergehältern nicht beeindrucken zu lassen. Die Gehaltsstudien sind nur ein Indiz, aber kein Maßstab, an den Sie oder das Finanzamt gebunden sind. Deshalb sollten Sie – am besten zusammen mit Ihrem Steuerberater – mit Entschiedenheit gegen die Feststellung einer verdeckten Gewinnausschüttung vorgehen. In aller Regel lässt sich dadurch meist ein für beide Seiten akzeptabler Kompromiss in Sachen verdeckte Gewinnausschüttung erzielen.

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