Gewerbesteuer der GmbH: Keine Betriebsausgabe, aber Rettung für Investitionsabzugsbetrag/fileadmin/_processed_/9/0/csm_Gewerbesteuer_ist_keine_abzugsfaehige_Betriebsausgabe_f7937de5f2.jpg 2015-08-14 Lexware

Gewerbesteuer der GmbH: Keine Betriebsausgabe, aber Rettung für Investitionsabzugsbetrag

Urteil des BFH: Kapitalgesellschaften dürfen Gewerbesteuerzahlungen nicht als Betriebsausgaben verbuchen, Gewerbesteuerrückstellungen dennoch Pflicht
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 14.08.2015

Für Gewerbesteuerzahlungen ab dem Jahr 2008 dürfen Kapitalgesellschaften keine Betriebsausgabe mehr verbuchen. Das bestätigte nun der Bundesfinanzhof und stufte dieses Abzugsverbot als verfassungskonform ein. Doch eine GmbH muss weiterhin eine Gewerbesteuerrückstellung bilden und außerbilanzmäßig korrigieren. Dieses Nullsummenspiel zur Gewerbesteuer kann bei einer GmbH jedoch den Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG retten.

Dasselbe gilt auch für Verspätungszuschläge und Säumniszuschläge zur Gewerbesteuer, die eine GmbH bezahlen muss. Der Bundesfinanzhof stellt aktuell klar, dass dieses Abzugsverbot ab 2008 nicht verfassungswidrig ist (BFH, Urteil v. 16.1.2014, Az. I R 21/12).

Rückstellung für Gewerbesteuer ist bei GmbH dennoch Pflicht
Trotz dieses BFH-Urteils muss eine GmbH zwingend eine Gewerbesteuerrückstellung in ihrer Bilanz ausweisen. In Höhe der Rückstellung kommt es bei der Einkommensermittlung zu einer außerbilanzmäßigen Korrektur – hier Hinzurechnung. Diese Vorgehensweise, selbst wenn sich die Gewerbesteuer steuerlich seit 2008 nicht mehr auswirken darf, hat bereits die Oberfinanzdirektion Rheinland vor Jahren klargestellt (Verfügung v. 24.4.2009, Az. S 2137 – 2009/0006 – St 141).

Praxis-Tipp: Diese unsinnige Mehrarbeit – erst Bildung einer Rückstellung und die anschließende Korrektur der Gewerbesteuer – kann sich jedoch auch positiv auswirken. Und zwar immer dann, wenn eine GmbH für geplante Investitionen einen Investitionsabzugsbetrag abziehen möchte und der Wert des Betriebsvermögens knapp über 235.000 EUR liegt. Damit es mit dem Investitionsabzugsbetrag klappt, darf der Wert des Betriebsvermögens nämlich nicht mehr als 235.000 EUR betragen.

Hierzu ein Beispiel:

Die XY-GmbH muss für 2013 noch 40.000 EUR Gewerbesteuer an die Gemeinde bezahlen. Es ist geplant, im Jahr 2016 einen neuen Lkw für 60.000 EUR anzuschaffen. Der Wert des Betriebsvermögens zum 31.12.2013 beträgt ohne Gewerbesteuerrückstellung 260.000 EUR.

Folge: Ohne Bildung der Gewerbesteuer-Rückstellung kann die GmbH vom Gewinn keinen Investitionsabzugsbetrag abziehen, weil der Wert des Betriebsvermögens über 235.000 EUR liegt.

Bildet die GmbH jedoch die Gewerbesteuer-Rückstellung, hat das steuerlich folgende Konsequenzen:

  • Der Wert des Betriebsvermögens beträgt  wegen der Gewerbesteuer-Rückstellung nur noch 230.000 EUR. Der Abzug eines Investitionsabzugsbetrags ist also möglich.
  • Vom Gewinn 2013 darf ein Investitionsabzugsbetrag von 24.000 EUR abgezogen werden (voraussichtliche Anschaffungskosten des Lkw 60.000 EUR x 40 %).
  • Der Gewerbesteueraufwand durch die Rückstellungsbildung mindert das zu versteuernde Einkommen der GmbH nicht, weil die Gewerbesteuer außerbilanzmäßig wieder hinzugerechnet werden muss.

Lesen Sie dazu folgenden Beitrag:

-> Steuertipp: So nutzen Sie das Steuersparmodell "Investitionsabzugsbetrag"

Praxisbeispiel

Eine GmbH muss nach einer Betriebsprüfung des Finanzamts Nachzahlungen zur Gewerbesteuer für die Jahre 2006 bis 2010 leisten. Diese Gewerbesteuer-Nachzahlungen wirken sich auf das zu versteuernde Einkommen der GmbH folgendermaßen aus:

Gewerbesteuer für das Jahr
Gewerbesteuer für das JahrSteuerliche Behandlung der Gewerbesteuer-Nachzahlungen
2006 abziehbar
2007 abziehbar
2008 nicht abziehbar
2009 nicht abziehbar

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