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Gewinnausschüttung: So profitieren Sie vom Teileinkünfteverfahren

Versteuerung mit Abgeltungssteuer oder persönlichem Steuersatz: Teileinkünfteverfahren
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 03.11.2015

Erhalten Gesellschafter eines im Privatvermögen gehaltenen GmbH-Anteils Gewinnausschüttungen, unterliegen diese Gewinnausschüttungen grundsätzlich der 25%igen Abgeltungsteuer. Doch bei Erfüllung einiger Voraussetzungen kann der Gesellschafter in seiner Einkommensteuererklärung beantragen, dass die Gewinnausschüttungen mit seinem persönlichen Steuersatz besteuert werden sollen.

Im Fachjargon spricht man vom sog. Teileinkünfteverfahren. Der Bundesfinanzhof hat nun zu einer wichtigen Frage des Teileinkünfteverfahrens ein Urteil gefällt. 

Fraglich war nämlich, zu welchem Zeitpunkt die Beantragung des Teileinkünfteverfahren nach § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG dem Finanzamt vorliegen muss. Muss der Antrag tatsächlich wie gesetzlich vorgeschrieben bereits mit Eingang der Einkommensteuererklärung gestellt sein oder kann der Gesellschafter das Teileinkünfteverfahren auch noch im Einspruchsverfahren nachschieben?

Die Antwort des Bundesfinanzhofs ist eindeutig. Die Besteuerung von Gewinnausschüttungen nach dem Teileinkünfteverfahren setzt voraus, dass der Antrag mit Eingang der Einkommensteuererklärung gestellt wird. Ein späterer Antrag ist unzulässig (BFH, Urteil v. 12.5.2015, Az. VIII R 14/13; veröffentlicht am 2.9.2015). 

Beispiel:

GmbH-Gesellschafterin Huber reicht ihre Einkommensteuererklärung 2014 am 9. November 2015 beim Finanzamt ein (Eingangsstempel). Am 10. November schickt sie ein Schreiben ans Finanzamt und bittet darum, die Gewinnausschüttungen aus ihrer GmbH-Beteiligung nach dem Teileinkünfteverfahren zu besteuern.

Folge: Das Finanzamt wird ablehnen, denn zum Zeitpunkt des Eingangs der Einkommensteuererklärung (Eingangsstempel maßgeblich) fehlte der Antrag. 

Variante:

GmbH-Gesellschafterin Huber wirft ihre Einkommensteuererklärung 2014 am 9. November 2015 in den Briefkasten des Finanzamts. Zu Hause bemerkt sie, dass sie das Teileinkünfteverfahren für ihre Gewinnausschüttungen nicht beantragt hat. Sie fährt am gleichen Tag noch zum Finanzamt und wirft eine geänderte Einkommensteuererklärung mit Beantragung des Teileinkünfteverfahrens in den Briefkasten. Folge: In diesem Fall dürfte das Teileinkünfteverfahren anzuwenden sein. Denn beide Erklärungen tragen denselben Posteingangsstempel und der Antrag lag zumindest einmal vor. 

Steuervorteile des Teileinkünfteverfahrens

Warum das Teileinkünfteverfahren bei GmbH-Gesellschaftern so beliebt ist, liegt daran, dass ein Teil der Werbungskosten im Zusammenhang mit der Beteiligung an der GmbH abgezogen werden darf. Bei Besteuerung von Kapitalerträgen, die mit der Abgeltungssteuer besteuert werden, sind Werbungskosten dagegen nicht abziehbar. Das Finanzamt besteuert Gewinnausschüttungen beim Teileinkünfteverfahren nach Abzug der Werbungskosten zu 60% mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz des Gesellschafters. 

Beispiel:

GmbH-Gesellschafter Müller (verheiratet, ohne Religionszugehörigkeit) erhält von seiner GmbH eine Gewinnausschüttung in Höhe von 100.000 Euro. Da er den Kauf des GmbH-Anteils fremd finanziert hat, entstehen ihm jährlich Schuldzinsen an die Bank in Höhe von 7.000 Euro. Sein persönlicher Einkommenssteuersatz beträgt 42%.

Folge: Da Müller die Voraussetzungen für das Teileinkünfteverfahren erfüllt, hat er die Qual der Wahl bei der Besteuerung seiner Gewinnausschüttung.

Besteuerung
Besteuerung Teileinkünfteverfahren Abgeltungsteuer
Gewinnausschüttung 100.000 EUR 100.000 EUR
Werbungskosten -7.000 EUR 0 EUR
Zu versteuernde Gewinnausschüttung als Kapitalertrag 55.800 Euro (93.000 Euro x 60%) 100.000 EUR
Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag 24.725 Euro 26.375 Euro
Steuerersparnis durch Teileinkünfteverfahren -1.650 Euro

Fazit: Je geringer der persönliche Einkommenssteuersatz eines Gesellschafters ist, desto höher ist die Steuerersparnis des Teileinkünfteverfahrens im Vergleich zur Abgeltungssteuer.

Verhaltensknigge für GmbH-Gesellschafter zum Teileinkünfteverfahren

Damit Sie von den Steuervorteilen des Teileinkünfteverfahrens profitieren können, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: 

  • Schritt 1: Führen Sie eine Vergleichsrechnung zwischen Teileinkünfteverfahren und Abgeltungsteuer durch.
  • Schritt 2: Führt das Teileinkünfteverfahren zum steuerlich günstigeren Ergebnis, beantragen Sie diese Besteuerungsform in der Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung. 

 

 Zur Beantragung des Teileinkünfteverfahrens müssen Sie in Anlage KAP in Zeile 23 „ja“ ankreuzen und in Zeile 24 Angaben zum Namen der GmbH und zur Höhe der Gewinnausschüttung machen.

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