GmbH-Bewertung: Risiken des vereinfachten Ertragswertverfahrens /fileadmin/_processed_/4/c/csm_iStock_000003134056XSmall_ebde72d343.jpg 2015-07-28 Lexware

GmbH-Bewertung: Risiken des vereinfachten Ertragswertverfahrens

Risiko eine Überbewertung einer GmbH durch Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens
Von Lothar Volkelt
Aktualisiert am: 28.07.2015

Nach einer aktuellen Studie der Valnes Corporate Finance GmbH führt die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens zu einer „eklatanten“ Überbewertung einer GmbH. Folge: Ist dieses Verfahren im Gesellschaftsvertrag zur Bewertung des GmbH-Anteils vorgeschrieben, kommt es zu einem, in der Regel unerwünschten Abfluss von Kapital. Umgekehrt profitiert der ausscheidenswillige Gesellschafter von der Bewertung, er erhält mehr Geld für seinen GmbH-Anteil.

Das vereinfachte Ertragswertverfahren wurde 2009 vom Gesetzgeber eingeführt. Ziel war es u. a., das in der Praxis verbreitete und in vielen Gesellschaftsverträgen verwendete Stuttgarter Verfahren (das eigentlich zur Ermittlung des steuerlichen Wertes bei Erbschaft dient) zu ersetzen. In der Praxis führte das Stuttgarter Verfahren zu einer latenten Unterbewertung von GmbHs. Das war zwar durchaus im Sinne der übertragenden Gesellschafter, führte aber (bei Anwendung im Verkaufs- oder Einzugsfall) zu einer Benachteiligung des ausscheidenden Gesellschafters.

Das vereinfachte Ertragswertverfahren kapitalisiert den durchschnittlichen vergangenheitsbezogenen Jahresertrag mit einem bestimmten Kapitalisierungsfaktor. Hauptkritik: Die Bewertung bezieht sich auf die Vergangenheit und nicht nach realistischen, zukunftsbezogenen Marktbewertungen. Es kommt auf die Ergebnisse der letzten drei Geschäftsjahre an. Das ist dann ein Problem, wenn die drei vorangegangenen Jahre außerordentlich erfolgreich waren. Die neue Valnes-Studie (Update 2013) zeigt nun anhand praktischer Fälle, dass das vereinfachte Ertragswertverfahren in der Praxis oft zu unerwünschten Abweichungen in die gegenläufige Richtung führt, die den Bestand der GmbH gefährden.

Praxis-Tipp: GmbH-Gesellschafter, die im Gesellschaftsvertrag das vereinfachte Ertragswertverfahren zur Ermittlung des Wertes eines GmbH-Anteils vereinbart haben, sollten nach diesen Erkenntnissen aus der Praxis prüfen, ob diese Regelung noch mit ihren Intentionen übereinstimmt.

Prüfen Sie zusammen mit Ihrem Steuerberater, welche alternativen Bewertungsmethoden für Ihre GmbH geeignet sind (z. B. das ausführliche Ertragswertverfahren, Substanzwertverfahren, Umsatzverfahren, Bewertungsverfahren nach Investitionsrechnung).

Zur Änderung des Gesellschaftsvertrags müssen in der Regel (sofern nicht anders vereinbart) alle Gesellschafter zustimmen (ordentliche Beschlussfassung). Insbesondere in mittelständischen Familien-GmbHs mit vielen Gesellschaftern und damit oft gegenläufigen Interessenlagen, sollte das GmbH-Vermögen im Vordergrund stehen und die Ausscheidensregel entsprechend nachgebessert werden.

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