Gründung: Diese Besonderheiten gelten für die Handwerks-GmbH

Existenzgründung im Handwerk: So geht's
Aktualisiert am: 10.10.2017

Für immer mehr Handwerksbetriebe ist die Rechtsform einer GmbH interessant, da die GmbH zahlreiche rechtliche und wirtschaftliche Vorteile hat, die andere Rechtsformen nicht bieten. Bei der Gründung einer Handwerks-GmbH müssen allerdings zahlreiche Vorschriften beachtet werden. Gerade für Handwerker, die keinen Meister haben, kann aber die Gründung einer Handwerks-GmbH die Lösung ihrer handwerksrechtlichen Probleme sein. Dieser Beitrag zeigt die Voraussetzungen für die Gründung einer Handwerks-GmbH.

In Deutschland ist jede Ausübung eines Gewerbes oder einer selbstständigen unternehmerischen Tätigkeit an Vorschriften und Genehmigungen geknüpft. Das Handwerk nimmt eine Sonderstellung ein und unterliegt der Handwerksordnung (HandwO), die ein eigenes Gesetz ist.

Produkttipp: Lexware handwerk
Hier finden Sie unser Lexware-Produktangebot speziell für Handwerksunternehmen. Informieren Sie sich auf unseren Shopseiten über die nützlichen Software-Allrounder.

Die Voraussetzungen für die Gründung einer Handwerks-GmbH

1. Eintragung in die Handwerksrolle

Voraussetzung für den selbstständigen Betrieb eines Handwerks ist die Eintragung in die Handwerksrolle. Die Handwerksrolle wird von der für einen bestimmten Bezirk zuständigen Handwerkskammer geführt. Die Eintragung ist also eine spezielle gewerbliche Erlaubnis, ohne die nicht gearbeitet werden darf.

In die Handwerksrolle werden nur Handwerksmeister eingetragen. Sie müssen die Meisterprüfung in dem zu betreibenden Handwerk oder einem verwandten Handwerk abgelegt haben. Ingenieure, Techniker und Industriemeister haben eine Ausbildung, die der Meisterprüfung gleichgestellt ist.

Für welche Handwerksberufe die Eintragung in die Handwerksrolle notwendig ist, können Sie der Anlage A zur Handwerksordnung entnehmen. In dieser Anlage sind die Handwerke aufgelistet, die eine Meisterprüfung bzw. einen Handwerksrolleneintrag erfordern, also so genannte zulassungspflichtige Handwerke sind.

2. Eintragung in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke oder der handwerksähnlichen Gewerbe

Ein Handwerksbetrieb besteht auch dann, wenn ein Handwerk ausgeübt wird, das in der Anlage B zur Handwerksordnung aufgeführt ist. Für diese Tätigkeit braucht ein Handwerker seit 2003 keine Meisterprüfung mehr. Er ist nur verpflichtet, den Betrieb des Handwerks bei der Handwerkskammer anzuzeigen. Nach der Anzeige trägt die Handwerkskammer den Betrieb in das Verzeichnis der zulassungsfreien oder handwerksähnlichen Gewerbe ein.

Sie sollten deshalb in verwandten Handwerken zusätzlich eine Handwerksrolleneintragung bzw. die Eintragung in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke beantragen. Sie können so Ihr Geschäftsfeld entscheidend erweitern ("Alles aus einer Hand").

3. Die Handwerks-GmbH braucht einen Betriebsleiter

Da eine GmbH als juristische Person nicht selbst eine Meisterprüfung ablegen oder handwerkliche Qualifikationen bzw. Kenntnisse erwerben kann, muss die GmbH einen Betriebsleiter berufen, der die handwerksrechtlichen Qualifikationen besitzt.

Eine GmbH wird dann in die Handwerksrolle eingetragen, wenn der Betrieb in fachlicher und technischer Hinsicht von einem Betriebsleiter geleitet wird, der persönlich die Qualifikationen für die Eintragung in die Handwerksrolle erfüllt. Der Betriebsleiter einer Handwerks-GmbH muss nicht der Geschäftsführer sein. Sie können also auch Dritte als Betriebsleiter Ihrer Handwerks-GmbH anstellen, damit der Betrieb in die Handwerksrolle eingetragen werden kann. Als Mehrheitsgesellschafter oder Geschäftsführer einer GmbH können, ja müssen Sie also nicht selbst Meister sein.

Der Betriebsleitervertrag ist für die Handwerkskammer das entscheidende Kriterium, um die Qualität und den Umfang der zu leistenden Betriebsleitertätigkeit zu prüfen.

Anforderungen der Handwerkskammer an einen korrekten Betriebsleitervertrag

  • Vergütung: Nur Betriebsleiterverträge, in denen ein angemessener Stunden- oder Monatsarbeitslohn vereinbart wird, werden daher als ernstlich gemeinte Anstellungsverträge von der Handwerkskammer eingestuft.
  • Formalia: Die Handwerkskammern verlangen immer die Vorlage schriftlicher Arbeitsverträge. Bei sozialversicherungspflichtigen Personen wird auch die Vorlage der Meldung zur Sozialversicherung verlangt.
  • Dem Betriebsleiter müssen Weisungsrechte gegenüber dem handwerklichen Personal eingeräumt werden. Außerdem muss die Einflussnahme Dritter, wie Gesellschaftern oder dem Geschäftsführer, auf die handwerkliche bzw. fachlich-technische Betriebsleitung ausgeschlossen werden.
  • Ein Betriebsleiter muss während der gesamten Unternehmenstätigkeit eines Handwerksbetriebs beschäftigt werden. Kündigt der Betriebsleiter oder steht er aus sonstigen Gründen dem Betrieb nicht mehr zur Verfügung, muss der Geschäftsführer einen neuen Betriebsleiter einstellen.

Beachten Sie: Die Übernahme einer handwerklichen Betriebsleitung ist für den Betriebsleiter nicht ohne rechtliche Risiken.

4. Der Gesellschaftsvertrag

Es muss ein notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag geschlossen werden. Dafür gibt es 2 Alternativen:

  • Das vereinfachte Verfahren in Standard-Fällen mit einem Musterprotokoll für einen Gesellschaftsvertrag, das dem GmbH-Gesetz als Anhang beigefügt ist.
  • Im „normalen“ Verfahren, bei dem ein individuell gestalteter Gesellschaftsvertrag notariell beurkundet wird.

5. Das Stammkapital

Das Stammkapital muss eingezahlt werden.

6. Die Eintragung ins Handelsregister

Mit der Anmeldung zur Eintragung ins Handelsregister wird die Gründung der GmbH endgültig vollzogen. Ab jetzt kann die Geschäftstätigkeit ohne Haftungsrisiken ausgeübt werden. Die Handelsregisteranmeldung erfolgt durch den Geschäftsführer der GmbH beim Registergericht. Bei mehreren Geschäftsführern muss die Anmeldung durch alle erfolgen. Außerdem müssen die Geschäftsführer bei der Handelsregisteranmeldung die nach den Vorschriften des GmbH-Gesetzes notwendigen Erklärungen abgeben. Die zur Überprüfung der Handelsregistereintragung notwendigen Unterlagen sind beizufügen.

7. Die Gewerbeanmeldung

Zwingend notwendig ist die Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Gewerbebehörde, meist Gemeinde oder Stadt, durch Vorlage einer Handwerkskarte, die bei der Handwerkskammer erhältlich ist. Über die Gewerbeanmeldung werden automatisch andere Behörden über den neuen Betrieb unterrichtet. Das Finanzamt vergibt eine Steuer- und Umsatzsteueridentifikationsnummer, die Sie auf den Rechnungen der Handwerks-GmbH aufdrucken müssen.

8. Geschäftsräume und Arbeitsschutz

Das Gewerbeaufsichtsamt prüft, ob Ihre Geschäftsräume für den Handwerksbetrieb geeignet sind. Ebenso wird vom Gewerbeaufsichtsamt geprüft, ob die Voraussetzungen der Arbeitstättenverordnung erfüllt sind, wenn Mitarbeiter vorhanden sind oder eingestellt werden sollen.

Jetzt für den Gratis-Newsletter anmelden!
Alles Wichtige zu Buchhaltung & Finanzen, Mitarbeiter & Gehalt, Marketing & Vertrieb u.v.m.

Gratis-Newsletter für Ihren Business-Erfolg!

Aktuelle Beiträge, Praxis-Tipps und Werkzeuge zu kaufmännischen Themen


War dieser Beitrag hilfreich?
Bitte tragen Sie einen Kommentar ein.