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GWG-Rechner: So nutzen Sie die Sofort- und Sammelabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter

GWG-Rechner: Sofort- und Sammelabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter bestmöglich nutzen
Von Jörgen Erichsen
Aktualisiert am: 22.05.2018

Als geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG), wird ein selbstständig nutzbarer, beweglicher und abnutzbarer Gegenstand des Anlagevermögens mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 250,01 bis 800 Euro netto ohne Umsatzsteuer verstanden. Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellkosten bis 250 Euro können Sie immer sofort als Kosten absetzen, die Ihren Gewinn mindern.

Diese Möglichkeiten gibt es zur Abschreibung von GWG

Für GWG gibt es zwei Möglichkeiten der Abschreibung für Sie: Sie können für das GWG die Sofortabschreibung oder die Abschreibung des GWG im Sammelposten wählen.

Sofortabschreibung

    bedeutet, dass Sie ein Anlagegut mit einem Anschaffungspreis von z.B. 600 Euro im laufenden Jahr vollständig als Kosten berücksichtigen dürfen. Damit wird Ihr Gewinn sofort und in vollem Umfang um diesen Betrag reduziert.

Sammelposten

    heißt, dass Wirtschaftsgüter, die Netto bis 1.000 Euro kosten, immer über fünf Jahre abgeschrieben werden. Und das unabhängig von der im Steuergesetz tatsächlich vorgegebenen Abschreibungsdauer. Wenn Sie das Wirtschaftsgut mit 600 Euro Anschaffungspreis also im Sammelposten abschreiben, wird Ihr Gewinn nur um 120 Euro pro Jahr reduziert (600 Euro / fünf Jahre).

Alle Wirtschaftsgüter mit höheren Anschaffungs- oder Herstellungskosten müssen entsprechend der steuerlichen Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Typische GWG sind kleinere Büromöbel, Schreibtischlampen, Telefone oder Kaffeemaschinen.

Grundsätzlich haben Sie noch die Möglichkeit, ein geringwertiges Wirtschaftsgut über die tatsächliche Laufzeit abzuschreiben. Allerdings ist diese Variante für Sie als Unternehmer eher von geringem Nutzen.

Wenn Sie beispielsweise einen Schreibtisch mit einer steuerlichen Nutzungsdauer von 13 Jahren für 520 Euro netto kaufen, dürfen Sie pro Jahr nur 40 Euro Abschreibungen ansetzen. Diese Variante bleibt im weiteren Verlauf daher unberücksichtigt.

Berechnung der Anschaffungskosten von GWG

Im Normalfall ist die Berechnung der Anschaffungskosten eines geringwertigen Wirtschaftsguts einfach: Sie ziehen vom Kaufpreis die Umsatzsteuer ab und erhalten die Anschaffungskosten. Allerdings können auch Nachlässe oder andere Positionen den Nettopreis mindern. Die Netto-Anschaffungskosten von GWG errechnen Sie dann wie folgt:

    Preis des Wirtschaftsguts inkl. Umsatzsteuer
    - Umsatzsteuer (19 / 7%)
    - Rabatte, Skonto o.ä.
    - Zuschüsse
    - Rücklage für Ersatzbeschaffung
    - Investitionsabzugsbetrag
    = Netto-Anschaffungspreis

Beispiel: Ein Wirtschaftsgut kostet 1.300 Euro netto. Der Verkäufer gewährt einen Rabatt von 5%. Der Unternehmer hat schon im Vorjahr geplant, das Wirtschaftsgut anzuschaffen und daher vom Nettowert bereits einen Investitionsabzugsbetrag von 40% = 520 Euro abgezogen. Der Netto-Anschaffungswert beträgt damit abzüglich Rabatt also 715 Euro, die der Unternehmer als GWG ansetzen kann.

Tipp: Einfache Umsetzung mit gutem Excel-GWG-Rechner

Sie möchten als Unternehmer oder Selbstständiger schnell und einfach prüfen, wie sich die Sofort- oder Sammelabschreibung als geringwertiges Wirtschaftsgut auf Ihren Gewinn auswirkt? Das können Sie gut mit einem Excel-GWG-Rechner umsetzen.

Sie müssen lediglich für alle angeschafften GWG die Netto-Anschaffungskosten eintragen und erhalten sofort die Höhe der Abschreibungsbeträge für die Sofortabschreibung bzw. die den Sammelposten ausgewiesen. Und das sowohl für alle Wirtschaftsgüter zusammen als auch für jedes einzelne Anlagegut separat. Weitere Angaben müssen Sie regelmäßig nicht machen.

Besonderheit der Berechnung der Anschaffungskosten bei Einlage in das Betriebsvermögen

Wollen Sie ein Wirtschaftsgut aus dem Privatbereich in Ihren Betrieb übernehmen (z.B. eine Lampe oder einen Stuhl, den Sie bisher privat genutzt haben), wird bei der Prüfung auf Abschreibung GWG nicht vom ursprünglichen bezahlten Kaufpreis ausgegangen. Für Sie ist dann der so genannte Einlagewert maßgeblich. Der Einlagewert wird berechnet, wenn die Anschaffung bis zu drei Jahre zurückliegt. Dann gilt: Anschaffungspreis brutto minus fiktive Abschreibung = Restwert bzw. „Anschaffungspreis“ zum Zeitpunkt Ihrer Einlage.

Die Abschreibung müssen Sie auch abziehen, wenn Sie sie nicht steuerlich geltend gemacht haben. Man spricht dann von fiktiver Abschreibung: Liegt die Anschaffung mehr als drei Jahre zurück, können Sie den Einlage- bzw. Restwert schätzen.

Praxis-Tipp

Gerade der Investitionsabzugsbetrag kann von Ihnen gezielt eingesetzt werden, um einen höheren Netto-Anschaffungsbetrag von bis zu etwa 1.330 auf 800 Euro zu reduzieren. Damit können Sie auch Wirtschaftsgüter als GWG ansetzen, die die Kernbedingung (Nettoanschaffungspreis 800 Euro) nicht erfüllen. Sie erreichen so eine größtmögliche Gewinnreduzierung.

GWG-Rechner für die günstigste Methode

Mit dem GWG-Rechner ermitteln Sie einfach und schnell, ob die Sofort- oder Sammelabschreibung von GWG für Sie günstiger ist.

Besonderheit bei Einrichtung des Sammelpostens

Wenn Sie sich für den GWG-Sammelposten statt der direkten Abschreibung als geringwertiges Wirtschaftsgut entscheiden, müssen Sie bedenken, dass Sie für das gesamte betreffende Jahr, z.B. 2018, alle Wirtschaftsgüter zwischen 250,01 Euro und 800 Euro netto in den Sammelposten einbringen und über fünf Jahre abschreiben müssen. Eine Einzelfallentscheidung, einen Vermögensgegenstand einmal in den Sammelposten einzulegen und für den nächsten eine Abschreibung als GWG vorzunehmen, besteht dann im laufenden Jahr nicht mehr! Daher ist es so wichtig, dass Sie sich vorher einen Überblick darüber zu verschaffen, wie sich Kosten und Gewinn verändern. Prüfen Sie mittels GWG-Rechner, was für Sie günstiger ist, bevor Sie sich zwischen Sofort- und Sammelabschreibung entscheiden.

Grundsätzliche Handlungsempfehlungen

Als Unternehmer haben Sie in der Regel das Ziel, einen möglichst geringen Gewinn auszuweisen. Daher ist meist die Sofortabschreibung als GWG für Sie günstiger. Es kann aber sein, dass Sie in einem Jahr ohnehin nur einen geringen Gewinn erzielen und erst in den kommenden Jahren wieder mehr Erlöse erreichen werden. Dann ist es ggf. besser, wenn Sie das laufende Jahr den Sammelposten nutzen. Damit generieren Sie auch für die nächsten vier Jahre Abschreibungen und können hier zusätzlich wieder die GWG Sofortabschreibungen nutzen.

Praxis-Tipp

Für eine Einordnung als GWG ist u.a. die selbstständige Nutzbarkeit entscheidend. Hier kommt es in der Praxis immer wieder zu Problemen, z.B. im Fall einer Betriebsprüfung. Beispielsweise ist ein Drucker kein GWG, ein Multifunktionsgerät mit Kopiermöglichkeit dagegen schon.

Auch bei Computerprogrammen kann es zu Abgrenzungsproblemen kommen. Sogenannte Trivialprogramme werden von der Finanzverwaltung normalerweise als GWG anerkannt. Hierbei handelt es sich um eher günstige Programme, die für die Allgemeinheit käuflich zu erwerben sind. Aufwändig programmierte Programme, die nur einem kleinen Nutzerkreis zur Verfügung stehen, werden meist als GWG anerkannt, wenn sie nicht mehr als 1.000 Euro kosten. Das gilt auch dann, wenn die beiden weiteren Voraussetzungen für den Ansatz als geringwertiges Wirtschaftsgut, die Beweglichkeit und Abnutzbarkeit, nicht gegeben sind.

In Zweifelsfällen sollten Sie sich vorher mit Ihrem Steuerberater abstimmen, um Klarheit zu erhalten.

Aufzeichnungspflichten für GWG ab 250 Euro beachten

Für alle geringwertigen Wirtschaftsgüter, deren Wert 250 Euro netto übersteigt, gelten besondere Aufzeichnungspflichten. Solche GWG müssen Sie zu Dokumentationszwecken in einem separaten Verzeichnis erfassen. Sie müssen folgende Angaben tätigen: Bezeichnung des Wirtschaftsguts, Tag der Anschaffung, Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Auf das Verzeichnis können Sie verzichten, wenn die Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind. Für GWG bis 250 Euro netto gelten die Aufzeichnungspflichten nicht.

Sonderfall Kleinunternehmer

Alle Wertgrenzen sind immer netto zu verstehen, das gilt auch wenn Sie Kleinunternehmer oder Selbstständiger sind, und nicht zum Abzug der Vorsteuer berechtigt sind.

Beispiel: Ein Kleinunternehmer erwirbt einen Bürostuhl zu einem Preis von brutto 900 Euro. Er darf ihn als GWG abschreiben, da sich der Nettopreis auf 756,30 Euro beläuft, auch wenn der Stuhl dann mit 900 Euro in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung auftaucht.

Abschreibungsbeträge für GWGs einfach berechnen

Sofort- oder Sammelabschreibung der geringwertigen Wirtschaftsgüter? Mit dem Excel-GWG-Rechner entscheiden Sie, was sich für Sie mehr lohnt!


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