Häusliches Arbeitszimmer: Wie es mit dem Betriebsausgabenabzug trotzdem klappt

BFH-Urteil bestätigt strenges Abzusverbot für die Arbeitsecke
Aktualisiert am: 28.06.2016

Hat ein Unternehmer Büro- oder Praxisräume angemietet und macht in seiner Gewinnermittlung gleichzeitig Betriebsausgaben für sein häusliches Arbeitszimmer geltend, zückt der Sachbearbeiter im Finanzamt meist den Rotstift. Denn ist ein „anderer“ Arbeitsplatz vorhanden, ist der Betriebsausgabenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer ausgeschlossen. Doch die Richter des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt bewiesen mehr Weitblick und ließen unter ganz bestimmten Voraussetzungen trotzdem den Betriebsausgabenabzug zu.

Betriebsausgaben: Wann das häusliche Arbeitszimmer abziehbar ist

Ist ein Unternehmer in seinen Büroräumen tätig oder beim Kunden vor Ort, ist der Betriebsausgabenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG grundsätzlich ausgeschlossen. Doch kann der Unternehmer überzeugend nachweisen, dass die Büroräume nicht dazu geeignet sind, Büroarbeiten und andere für den Betrieb notwendige Arbeiten zu erledigen, kommt tatsächlich ein Betriebsausgabenabzug für das häusliche Arbeitszimmer in Betracht (FG Sachsen-Anhalt, Urteil v. 1.3.2016, Az. 4 K 362/15). Abziehbar sind in diesem Fall Ausgaben für das Arbeitszimmer zu Hause in Höhe von maximal 1.250 Euro pro Jahr.

Betriebsausgaben trotz anderem Arbeitsplatz: So funktioniert es

In dem Urteilsfall vor dem Finanzgericht Sachsen-Anhalt konnte der Unternehmer seinen Betriebsausgabenabzug trotz eines vorhandenen anderen Arbeitsplatzes mit folgenden Argumenten durchsetzen:

  • In den angemieteten Räumlichkeiten (Praxisräume als Logopäde) standen zwar drei Schreibtische. Doch diese Schreibtische waren während der Öffnungszeiten von drei Mitarbeitern belegt.
  • In den Räumlichkeiten war kein Platz für Schränke, um sensible Unternehmensdaten vor den Mitarbeitern wegsperren zu können.
  • Während der Behandlungen bestand nicht die Möglichkeit, die Büroarbeiten nebenbei zu erledigen.
  • Die Entfernung zwischen der Wohnung und diesen angemieteten Räumlichkeiten betrug einfach 47 km. Der Unternehmer hätte beispielsweise am Wochenende nur zur Erledigung seiner Büroarbeiten mit allen Unterlagen diesen weiten Weg zurücklegen müssen.

 

Praxis-Tipp:

Gleich vorab eine wichtige Voraussetzung, die für den Abzug der Betriebsausgaben für das häusliche Arbeitszimmer elementar ist: Die Ausgaben für das Arbeitszimmer müssen getrennt von den übrigen Betriebsausgaben aufgezeichnet und verbucht werden (§ 4 Abs. 7 EStG). Wer die Arbeitszimmerkosten als „sonstige Betriebsausgaben“ aufzeichnet, verliert seinen Betriebsausgabenabzug.

Diese Argumente überzeugten die Richter des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt davon, dass die angemieteten Räumlichkeiten (= anderer Arbeitsplatz) nicht für alle Arbeiten geeignet waren. Für diese Arbeiten – insbesondere für Schreib- und Büroarbeiten – war das Arbeitszimmer zu Hause als dringend notwendig. Folge: Der Unternehmer durfte für sein häusliches Arbeitszimmer Betriebsausgaben von bis zu 1.250 Euro pro Jahr von seinem Gewinn abziehen.

Praxis-Tipp:

Nun hat der Bundesfinanzhof in einem Revisionsverfahren in dieser Angelegenheit das letzte Wort. Beziehen Sie sich bei der Beantragung von Betriebsausgaben für ein häusliches Arbeitszimmer auf das Urteil des Finanzgerichts Sachsen-Anhalt und der Sachbearbeiter im Finanzamt streicht Ihnen trotzdem den Betriebsausgabenabzug, sollten Sie sich mit einem Einspruch wehren und abwarten, wie der Bundesfinanzhof entscheidet.

Pro Arbeitszimmer: Begehung des anderen Arbeitsplatzes vorschlagen

Lässt sich das Finanzamt nicht davon überzeugen, dass sich der andere Arbeitsplatz nicht für alle anfallenden Arbeiten in Ihrem Betrieb eignet, sollten Sie aktiv werden und dem Finanzamt Fotos von Ihren Räumlichkeiten zusenden. Überzeugen diese Fotos auch nicht, gibt es noch eine weitere Chance. Bieten Sie dem Finanzamt eine Besichtigung der Räumlichkeiten vor Ort an. In den meisten Finanzämtern gibt es eine Stelle, in der Finanzbeamte sitzen, die solche Jobs übernehmen (sogenannte betriebsnahe Veranlagung). Dann dürfte schnell klar sein, ob sich die Räumlichkeiten wirklich nicht für alle anfallenden Arbeiten eignen.

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