Jahresabschluss 2017: Pflichten, Fristen und effektive Steuerspartipps

Die wichtigsten Infos rund um das Thema Jahresabschluss 2017
Aktualisiert am: 15.03.2018

Der Jahresabschluss steht wie jedes Jahr vor der Tür. Für Unternehmer bedeutet das, viele verschiedene Unterlagen zusammen zu suchen, um sie dem Finanzamt vorzulegen, sei es direkt oder durch ihren Steuerberater. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie Ihren Gewinn anhand der Einnahmen-Überschussrechnung oder mittels einer Bilanz ermitteln. Als Unternehmer müssen Sie bestimmte steuerliche Pflichten und Fristen beachten. Doch es gibt bei der Gewinnermittlung auch eine Kür, bei der Sie Ihren steuerlichen Gewinn mit gezielten Steuerspartipps kleinrechnen können. Hier die wichtigsten Infos rund um das Thema Jahresabschluss 2017.

Der Jahresabschluss ist der rechnerische Abschluss eines kaufmännischen Geschäftsjahres. Er hat verschiedene Funktionen. So stellt er die finanzielle Lage und den Erfolg eines Unternehmens fest. Außerdem beinhaltet er den Abschluss der Buchhaltung, die Zusammenstellung von Dokumenten zur Rechnungslegung sowie deren Prüfung, Bestätigung und Veröffentlichung.

Spricht man steuerlich vom Jahresabschluss 2017, ist damit nicht nur die Bilanz zum 31.12.2017 zu verstehen, sondern auch die Gewinnermittlung 2017 im Rahmen der Einnahmen-Überschussrechnung.

Papier ist tabu beim Jahresabschluss 2017

Als Unternehmer erzielen Sie Gewinneinkünfte und müssen infolge dessen Ihre Steuererklärungen samt Einnahmen-Überschussrechnung oder Bilanz in elektronischer Form ans Finanzamt übermitteln. Papiererklärungen sind grundsätzlich tabu. Für Kleinstunternehmer ohne PC und Internetanschluss gibt es jedoch eine Härtefallregelung. Sind die Einnahmen sehr niedrig, kann der Kleinunternehmer beim Finanzamt nach § 150 Abs. 8 Abgabenordnung beantragen, dass er von der elektronischen Übermittlungspflicht befreit wird.

Zeitfenster für die Erstellung des Jahresabschlusses

Die Finanzämter verknüpfen die Frist zur Erstellung des Jahresabschlusses mit der Abgabeverpflichtung der Steuererklärung. Ohne Fristverlängerung erwarten die Finanzämter die elektronische Übermittlung der Steuererklärungen 2017 inklusive Jahresabschluss 2017 bis spätestens 31. Mai 2018. Wer das zeitlich nicht schafft, sollte eine Fristverlängerung beantragen. Lassen Sie die Steuererklärung 2017 von einem Steuerberater erstellen, haben Sie gar keinen Stress. Denn hier gilt eine automatische Fristverlängerung bis Ende 2018.

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Abgabe der Umsatzsteuerjahreserklärung 2017 vorziehen

Trotz Fristverlängerung kann es gute Gründe dafür geben, zumindest die Umsatzsteuerjahreserklärung 2017 bis spätestens 31. Mai ans Finanzamt zu übermitteln. Hintergrund: Wird ein Gegenstand mindestens zu 10% unternehmerisch genutzt und ertragsteuerlich als Privatvermögen behandelt, können Sie diesen Gegenstand trotzdem Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen und eine Vorsteuererstattung beantragen. Und genau diese Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen im Jahr 2017 muss dem Finanzamt bis spätestens 31. Mai 2018 mitgeteilt werden. Wer diese Zuordnungsfrist verschläft, verschenkt den Vorsteuerabzug.

Beispiel:

Sie kauften 2017 privat einen Pkw, den Sie 2017 zu 12% für Ihr Unternehmen genutzt haben. In der Gewinnermittlung taucht der Pkw nicht auf. Sie ordnen den Pkw allerdings Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zu. In den Voranmeldungen 2017 haben Sie bislang noch keine Vorsteuererstattung beantragt, weil nicht klar war, ob der Pkw mindestens 10% unternehmerisch genutzt würde. Folge: Mit der Vorsteuererstattung aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Pkw-Kosten 2017 klappt es nur, wenn Sie dem Finanzamt die Zuordnung dieses Pkws zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen durch Abgabe einer Umsatzsteuerjahreserklärung 2017 bis spätestens 31. Mai 2018 unmissverständlich mitteilen.

Schaffen Sie es nicht, die Umsatzsteuerjahreserklärung 2017 bis zum 31. Mai 2018 beim Finanzamt einzureichen, können Sie dem Finanzamt die Zuordnung von mindestens 10% unternehmerisch genutzter Privatgegenstände zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen auch mit einem formlosen Schreiben mitteilen.

Praxis-Tipp: Die Finanzämter dürften wie in den Vorjahren auch für die Steuererklärungen 2017 eine automatische Fristverlängerung zur Abgabe bis Ende Juli 2018 ausrufen, wenn die Steuererklärungen per ELSTER ans Finanzamt übermittelt werden. Doch trotz dieser automatischen Fristverlängerung muss die Zuordnung von Gegenständen zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen dem Finanzamt bis Ende Mai 2018 angezeigt werden.

Kein Privatanteil für Transporter

Eigentlich müssen Sie als Unternehmer für Ihre Firmenwagen stets einen Privatnutzungsanteil versteuern. Doch handelt es sich bei dem einzigen Firmenwagen um einen Transporter ohne Rücksitze und mit verblechten Fenstern im hinteren Bereich und können Sie dem Finanzamt nachweisen, dass Sie für private Zwecke ein Privatauto nutzen, müssen Sie dem Gewinn ausnahmsweise keinen Privatanteil zuschlagen. Winkt das Finanzamt ab, weisen Sie dezent auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs hin, der genau diese Ausnahme bestätigt (BFH, Urteil v. 17.2.2016, Az. X R 32/11).

Jahresabschluss 2017 – erstmaliger Wechsel zur Bilanzierung

Haben Sie 2017 erstmals eine Bilanz aufgestellt, weil Sie das Finanzamt wegen Überschreitung der Buchführungsgrenzen zum Wechsel von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung aufgefordert hat? Dann müssen Sie durch diesen Wechsel 2017 in aller Regel noch einen Übergangsgewinn versteuern. Dieser ergibt sich wegen der systembedingten Unterschiede zwischen der Einnahmen-Überschussrechnung und der Bilanzierung. Sie können beim Finanzamt allerdings einen Antrag stellen, dass dieser Übergangsgewinn verteilt auf drei Jahre versteuert wird. Sie bekommen also eine zinslose Steuerstundung und sparen sich durch niedrigere Steuersätze meist noch einen Teil der Steuerzahlungen.

Jahresabschluss 2017 – Steuerrisiko Leasingsonderzahlung

Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung und haben in den Vorjahren eine Leasing-Sonderzahlung beim Kauf eines Firmenwagens geleistet, durften Sie diese Leasing-Sonderzahlung im Jahr der Zahlung in voller Höhe als Betriebsausgaben vom Gewinn abziehen. Achten Sie unbedingt darauf, dass die betriebliche Nutzung für diesen Firmenwagen niemals unter 10% rutscht. Andernfalls kann das Finanzamt rückwirkend für einen Teil der Leasing-Sonderzahlung den Betriebsausgabenabzug kippen. Dieser Sonderfall, den kaum jemand auf dem Schirm haben wird, kann einer Kurzinfo der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen vom 1.9.2016 entnommen werden.

Beispiel:

Sie haben im Dezember 2015 einen Firmenwagen gekauft und dafür eine Leasing-Sonderzahlung von 15.000 Euro im Rahmen der Einnahmen-Überschussrechnung 2015 als Betriebsausgabe erfasst (Leasingdauer 48 Monate). Das Finanzamt stellt fest, dass die Nutzung des Firmenwagens ab Januar 2017 nur noch 9% betragen hat. Folge: Ab 2017 handelt es sich bei diesem Pkw um Privatvermögen. Das Finanzamt wird den Steuerbescheid 2015 ändern und von der Leasing-Sonderzahlung 10.937 Euro nicht mehr als Betriebsausgabe zum Abzug zulassen (15.000 Euro x 35/48).

Interne Aufstellung des Jahresabschlusses 2017 empfehlenswert

Selbst wenn der Jahresabschluss nicht sofort am 1.1.2018 beim Finanzamt liegen muss, sollten Sie frühzeitig mit der Aufstellung des Jahresabschlusses 2017 beginnen bzw. den Gewinn für 2017 ermitteln. Das hat folgende Vorteile:

  • Sie können beim Finanzamt bei gesunkenen Gewinnen 2017 und bei einem zu erwartenden gleichbleibenden Gewinn 2018 für 2018 die Herabsetzung von Einkommen- und Körperschaftsteuervorauszahlungen ab dem 10.3.2018 beantragen.
  • Sie sehen sofort durch Gegenüberstellung mit dem Jahresabschluss, welche Kosten aus dem Ruder gelaufen sind und welche Einnahmen weggebrochen sind. Hier können Sie 2018 frühzeitig gegensteuern.
  • Brauchen Sie dringend Fremdmittel von der Bank, müssen Sie den Jahresabschluss 2017 parat haben. Ohne diesen wird es entweder keinen Kredit geben oder die Bank verlangt neben Sicherheiten sehr hohe Zinsen.
  • Sie sind sofort nach Abschluss des Jahres 2017 im Bilde darüber, ob Sie Steuernachzahlungen für 2017 leisten und dafür Rücklagen bilden müssen oder ob Steuererstattungen winken, die für betriebliche Investitionen eingeplant werden können. 

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