Liquidität sichern: So bleiben Sie zahlungsfähig

Liquide Mittel freisetzen und Zahlungsschwirigkeiten vermeiden
Aktualisiert am: 08.05.2017

Wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Liquidität zu befassen, merken viele Unternehmer erst, wenn sie in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Dann wird klar: Ausreichende Liquidität ist für jedes Unternehmen notwendig. Hier finden Sie wertvolle "Überlebenstipps", wie Sie Zahlungsprobleme vermeiden und die Finanzierung Ihres Unternehmens sicherstellen.

Manchmal lassen sich schon innerhalb von rund 14 Tagen in erheblichem Umfang liquide Mittel freisetzen und maßgebliche Kennzahlen nachhaltig verbessern. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei:

1. Rechnungen zeitnah und richtig stellen

Voraussetzung für einen kontinuierlichen Zahlungsmittelzufluss ist, dass Sie Rechnungen zeitnah stellen, in der Regel möglichst einen Tag nach Leistungserbringung. Tun Sie dies auch, wenn es sich um vermeintlich kleine Beträge von 20, 30 oder 50 EUR handelt – das summiert sich. Achten Sie auf die korrekten Rechnungsangaben und den richtigen Empfänger, um Verzögerungen bei der Bearbeitung zu vermeiden.

Tipp: Geben Sie Ihre Bankverbindung immer an - auch für SEPA
Machen Sie es allen Zahlungspflichtigen so einfach wie möglich, Ihre Rechnungen zu bezahlen. Geben Sie immer alle möglichen Bankkonten und -daten an, auf die der Kunde oder Geschäftspartner den fälligen Betrag überweisen kann.

2. Zahlungseingang beschleunigen

Jeder Tag Zahlungsziel, den Sie einem Kunden gewähren, kostet Ihren Betrieb bares Geld. Wenn Sie auf Rechnung verkaufen, gewähren Sie Ihren Kunden kostenlose Kredite. Dieses Geld fehlt in der Kasse. Sie müssen es bis zum Zahlungseingang entweder mit eigenen Mitteln oder durch Ausnutzung der Kreditlinie vorfinanzieren. Das belastet Ihre Liquidität. Deshalb:

  • Versuchen Sie, den Anteil an Bar- oder Kartenzahlungen zu erhöhen.
  • Falls Sie auf Rechnung verkaufen, senken Sie zumindest bei Neukunden das Zahlungsziel, etwa von 30 Tagen auf 20 Tage.
  • Verhandeln Sie mit Ihren Kunden über höhere An- und Teilzahlungen.
  • Motivieren Sie die Kunden durch Gewährung von Skonto zum schnelleren Bezahlen. Berücksichtigen Sie das Skonto aber in Ihrer Preiskalkulation!

3. Forderungen konsequent eintreiben

Machen Sie sich klar, dass jeder Verzug eines Kunden bei Ihnen zu Problemen führen kann- Zumindest kostet er Geld. Mahnen Sie konsequent und zögern Sie nicht, weil Ihnen das unangenehm ist oder Sie der Ansicht sind, dass ein paar Tage Verzug nicht viel ausmachen.

4. Zahlungsausfällen und -verzögerungen vorbeugen

Am besten ist es natürlich, wenn es Ihnen gelingt, das Risiko von Zahlungsproblemen mit Ihren Kunden zu verringern. Prüfen Sie jeden neuen Kunden auf seine Bonität. Auch Ihren größeren Stammkunden sollten Sie jährlich „auf den Zahn fühlen“. Dazu haben Sie mehrere Möglichkeiten:

  • Sie können sich eine Bankauskunft einholen oder bei Auskunfteien wie Creditreform, Bürgel, Hoppenstedt oder Schufa nachfragen. Nachteil: Diese Auskünfte kosten Geld, je Auskunft 5 - 10 EUR.
  • Günstiger ist es, wenn Sie den Kunden um eine Selbstauskunft bitten. Dann muss er sich selbst bei der Bank oder einer Auskunftei aktuelle Informationen besorgen und kann sie Ihnen vorlegen.

Achtung: Keine Garantie für die Zukunft
Auch eine günstige Auskunft bedeutet nicht automatisch, dass der Kunde weiterhin pünktlich und vollständig zahlen wird. Die Auskünfte zeigen im Kern vor allem, wie sich der Kunde bisher verhalten hat. Daraus wird auf die Zukunft geschlossen, aber es besteht immer die Möglichkeit, dass auch ein bisher gut bewertetes Unternehmen Zahlungsprobleme bekommt und sein Verhalten ändert.

5. Zahlungsziele mit Lieferanten neu verhandeln

Was auf der Forderungsseite für Sie ein Problem darstellt, ist beim Einkauf für Sie von Vorteil: Schaffen Sie es, sich mit Ihren Lieferanten auf längere Zahlungsziele zu einigen, schonen Sie Ihre eigene Liquidität, weil Sie später zahlen müssen. Daher sollten Sie regelmäßig mit wichtigen Lieferanten über diese Option verhandeln.

Können Sie keine Verlängerung der Zahlungsfristen erreichen, versuchen Sie, ein Skonto zu vereinbaren oder die Skontokonditionen zu verbessern, etwa von 2 auf 3 % oder eine Verlängerung von 7 auf 10 Tage, wenn ein Lieferant Skonto anbietet.

Beispiel: Wenn Sie 3 % Skonto ziehen dürfen, sparen Sie bei einem Bestellvolumen von 100.000 EUR im Jahr immerhin 3.000 EUR.

Mittel- und langfristige Liquiditätssicherung

Zusätzlich zu den kurzfristigen Maßnahmen sollten Sie überlegen, wie Sie Ihre Liquidität mittel- und langfristig verbessern können. Dafür ist eine mittelfristige Liquiditätsplanung unverzichtbar. Zusätzlich helfen Ihnen die folgenden Tipps:

1. Vorräte und Lagerbestände abbauen

Bei vielen Unternehmen steigen die Bestände an Fertigwaren, Komponenten oder Materialien stetig. Oft lassen sich die Lagerteile nicht mehr in der Produktion verwenden oder zu regulären Preisen an den Märkten verkaufen. Diese Bestände binden Kapital und erhöhen das Risiko von Schwund, Verderb und Diebstahl. Halten Sie die Lagerbestände so gering wie möglich, ohne die Produktion oder den Verkauf zu gefährden.

2. Stille Reserven aufdecken und heben

Stille Reserven entstehen, wenn Sie zum Beispiel Anlagegüter vor einiger Zeit preiswert erworben haben und deren Wert nun gestiegen ist. Oder bei Maschinen, die abgeschrieben sind, mit denen sich am Markt aber noch ein guter Preis erzielen lässt. Sie sollten prüfen, wie Sie hieraus Vorteile erzielen können. Beispielsweise können Sie nicht mehr benötigte Anlagegüter verkaufen.

3. Anlagevermögen vermieten

Wenn Sie nicht alle Vermögensgegenstände immer oder vollständig selbst benötigen, prüfen Sie eine Vermietung. Nutzen Sie zum Beispiel nicht alle Räume oder Lager, können Sie einen Teil der Flächen an andere Gewerbetreibende oder Gründer vermieten. Bei beweglichen Gütern können Sie prüfen, ob Sie sie zusammen mit anderen Firmen nutzen und so die Kosten teilen und die Liquidität schonen. Um Interessenten zu finden, schalten Sie Anzeigen oder sprechen mit der Gemeinde, der Wirtschaftsförderung, der Kammer oder Ihrem Verband.

4. Investitionen hinterfragen

Prüfen Sie bei jeder Anschaffung, ob die Investition oder der Kauf an sich bzw. in der vorgesehenen Höhe notwendig ist. Möglicherweise geht es eine Nummer kleiner, oder die Investition kann verschoben werden auf einen Zeitpunkt, zu dem Sie einen größeren Geldeingang erwarten.

Hinweis: Führen Sie bei jedem Vorhaben, das einen bestimmten Betrag überschreitet, z. B. 5.000 oder 10.000 EUR, eine Wirtschaftlichkeitsrechnung durch. Damit stellen Sie fest, ob sich die Investition für Sie lohnt.

5. Umschuldung vornehmen

Finanzieren Sie auch längere Engpässe bisher überwiegend über den Kontokorrentkredit? Dann prüfen Sie, ob es möglich ist, einen Teil der Schulden über einen regulären, länger laufenden Kredit zu finanzieren. Verhandeln Sie mit der Bank darüber, einen Teil der Kontokorrent- in Darlehensschulden umzuwandeln.

Vorteile:

  • niedrigere Zinsen,
  • daher mehr Liquidität und längere Planbarkeit.

Nachteile: 

  • Sie müssen mit längeren Bankverhandlungen rechnen.
  • Außerdem werden Sie der Bank umfangreiche Unterlagen bereitstellen müssen. Sprechen Sie Ihre Bank an und fragen Sie, was diese konkret verlangt.

Wichtig bei mittelfristigen Maßnahmen: Lassen Sie sich für Vorbereitung und Umsetzung möglichst Zeit. Nur wenn Sie nicht unter Druck entscheiden müssen, können Sie die Vorteile erzielen, die Sie sich versprechen, etwa einen angemessenen Preis für die zu verkaufenden Güter. Auch wenn Sie aktuell keinen Liquiditätsengpass haben, sollten Sie 2 bis 3 Maßnahmen zeitnah umsetzen, um Zahlungsproblemen vorzubeugen und gleichzeitig eine Liquiditätsreserve für schlechte Zeiten aufbauen. Die Regel: Versuchen Sie, sich im Laufe von 1 bis 2 Jahren einen Liquiditätsstock aufzubauen, der ausreicht, um den durchschnittlichen Zahlungsverpflichtungen von 2 Monaten nachzukommen, ohne dass Sie Einzahlungen erhalten. Versuchen Sie dazu, von jedem Verkauf ca. 2 % des Umsatzes oder des Gewinns auf ein Konto einzuzahlen.

Lexware Liquiditätsplaner

Mit dem Lexware Liquiditätsplaner haben sie immer alles im Blick: verschiedene Liquiditätsübersichten, alle Kostenpositionen bequem zusammengefasst, Geldeingänge und -ausgänge grafisch dargestellt.

Jetzt Newsletter abonnieren

Jetzt Newsletter abonnieren


War dieser Beitrag hilfreich?
Bitte tragen Sie einen Kommentar ein.