Liquidität: So wehren sich Unternehmer bei Zahlungsverzug

So wehren Sie sich gegen den Zahlungsverzug Ihrer Kunden
Aktualisiert am: 18.08.2015

Zahlungsverzug ist ärgerlich und belastet die Liquidität. Vor allem kleinere Unternehmen haben häufig damit zu kämpfen, dass Rechnungen nur zögerlich beglichen werden. Ursachen dafür gibt es viele. Besonders Großkunden verlassen sich häufig darauf, dass kleinere Lieferanten auf sie als Kunden angewiesen sind. Manchmal fehlt in kleinen Betrieben aber auch das Wissen um die Möglichkeiten, den Zahlungseingang zu beschleunigen. Mit dem „Gesetz zur Bekämpfung des Zahlungsverzugs im Geschäftsverkehr“ können jetzt auch kleinere Betriebe ihre Forderungen einfacher durchsetzen. Und sie können präventiv tätig werden, um den Geldeingang zu beschleunigen.

Liquidität: So wehren sich Unternehmer bei Zahlungsverzug

Unternehmer müssen, wenn sie mit anderen Unternehmen Geschäfte machen, bei der Rechnungsstellung häufig mit langen Zahlungszielen arbeiten. 30 oder sogar 50 Tage sind keine Seltenheit – so lange gewährt man seinen Kunden im Prinzip einen kostenlosen Kredit. Das bedeutet für Unternehmer, dass sie schon bei den Vertragsverhandlungen auf kurzen Zahlungszielen bestehen sollten. Auch Passagen wie „Der Betrag ist sofort nach erbrachter/abgenommener Leistung fällig“ oder „Zahlbar innerhalb von 10 Tagen nach Rechnungsdatum“ sind zulässig. Die Umsetzung solcher Zahlungsbedingungen ist aber vor allem im Umgang mit Großkunden oder öffentlichen Auftraggebern problematisch. Sie bestehen häufig auf längere Zahlungsziele und können diese u.a. aufgrund ihrer Marktmacht meist durchsetzen.

Liquidität: Diese Verbesserungen bringt das Gesetz zur Bekämpfung des Zahlungsverzugs im Geschäftsverkehr

Diese Vorgehensweise müssen Unternehmen seit Juli 2014 nicht mehr hinnehmen. Seitdem gilt das „Gesetz zur Bekämpfung des Zahlungsverzugs im Geschäftsverkehr“ mit eindeutigen Fristen für Geschäftskunden. Bei individuellen Vereinbarungen sind maximal 60 Tage, bei öffentlichen Auftraggebern höchstens 30 Tage Zahlungsziel zulässig. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen sind nur noch bis 30 Tage erlaubt. Längere Zahlungsziele bei individuellen Vereinbarungen sind nur wirksam, wenn man sie ausdrücklich vereinbart hat und sie nicht grob unbillig sind. Für kleinere Firmen bedeutet das zumindest eine gewisse Erleichterung, da sie mit Hinweis auf das Gesetz zumindest über eine Verkürzung von Zahlungszielen verhandeln können.

Achtung: Bei bestehenden Dauerschuldverhältnissen, etwa bei Wartungsverträgen, findet das neue Gesetz erst ab Juli 2016 Anwendung.

Zahlungsverzug: Konsequenzen bei unpünktlicher Zahlung

Die Zahlungsfrist beginnt grundsätzlich bereits mit dem Erhalt der Gegenleistung. Eine Ausnahme gilt, wenn der Kunde belegen kann, dass er die Rechnung später erhalten hat. Zahlt der Kunde nicht pünktlich, gerät er automatisch in Verzug, wenn ein konkretes Zahlungsdatum genannt wurde. Andernfalls muss er gemahnt werden bzw. es müssen nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung 30 Tage vergangen sein. Erst dann ist es möglich, dem Kunden z. B. Zinsen und Kosten in Rechnung zu stellen. Gewerbliche Kunden müssen über diese Regelungen nicht informiert werden, da man davon ausgeht, dass sie die Rechtslage bzw. Regeln im Zahlungsverkehr kennen. Privatkunden hingegen müssen ausdrücklich informiert werden, etwa mit folgendem Passus: „Bei Nichtzahlung der Rechnung geraten Sie ohne Mahnung 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung in Verzug.“

An Verzugszinsen dürfen Privatkunden 5 Prozentpunkte und gewerblichen Kunden 9 Prozentpunkte über dem Basiszins in Rechnung gestellt werden. Der Basiszins kann z. B. unter www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Standardartikel/Bundesbank/Zinssaetze/basiszinssatz.html abgerufen werden. Geschäftskunden kann zudem eine Schadenspauschale von 40 EUR berechnet werden.

Präventionsmaßnahmen zur Reduzierung von Zahlungsverzug bei Auftragsfertigern

Um sich gar nicht erst mit säumigen Kunden herumschlagen zu müssen, können Sie im Vorfeld größerer Aufträge (Faustregel: ab ca. 1.000 EUR) ggf. folgende Maßnahmen prüfen und umsetzen:

  1. Impressum auf der Homepage des Kunden auf Vollständigkeit prüfen. Nur mit Kunden, die ihren Internetauftritt tadellos in Ordnung haben, sollten Geschäfte abgewickelt werden.
  2. Überprüfung, ob ein Kunde im Insolvenzverzeichnis gelistet ist. Betriebe, die hier gelistet sind, sind zahlungsunfähig.
  3. Überprüfung der Kundenbonität, z. B. mithilfe einer Bankauskunft oder Wirtschaftsauskunfteien. Die Auskünfte kosten ca. 10 - 20 EUR. Falls möglich, sollte vom Kunden daher eine kostenlose aktuelle Eigenauskunft verlangt werden. Der Kunde kann diese für sich einmal pro Jahr kostenfrei von Auskunfteien erhalten. Eine weitere Möglichkeit, einen Kunden auf seine Bonität zu prüfen, ist das Einholen von Referenzen. Dazu kann man den Kunden z. B. bitten, dass er 3 Geschäftspartner benennt, mit denen man sich ausführlich ohne seine Anwesenheit unterhalten kann.
  4. Mit Kunden im Rahmen der Vertragsverhandlungen auch über konkrete Zahlungsziele verhandeln. Dabei sollten u.a. folgende Punkte beachtet werden:
    a. Bei Zahlungszielen den genauen Zahlungstermin möglichst im Auftrag (und später auf der Rechnung) festhalten. Auf kurzen Zahlungszielen möglichst unter den gesetzlichen Grenzen bestehen. Dabei auch Zahlung mit Skonto anbieten und den einzusparenden Betrag in Euro und Cent auf der Rechnung ausweisen („Bei Zahlung bis zum xx.xx.xxxx zahlen Sie statt 5.000 EUR 4.850 EUR und sparen 150 EUR.“)
    b. Bei größeren Aufträgen über einen längeren Zeitraum, bei denen man in Vorleistung gehen muss, möglichst hohe Anzahlungen und Abschlags-/ Teilzahlungen mit konkreten Zahlungsterminen einfordern, dabei wie zuvor Zahlungstermine im Auftrag benennen.
    c. Vom Kunden schriftlich Genehmigung zur Lastschrift einholen. Außerdem wird seit SEPA eine Gläubiger-ID und eine Inkassovereinbarung mit der Hausbank benötigt.
  5. Jede Rechnung sollte sofort nach erbrachter Leistung vollständig und korrekt erstellt werden. Mit einer elektronischen Rechnung spart man zusätzlich Zeit und Kosten.

Präventionsmaßnahmen zur Reduzierung von Zahlungsverzug bei Privatkunden

Händler, Handwerker oder Dienstleister, die vor allem für Privatkunden arbeiten, sollten prüfen, ob sie die erbrachten Leistungen bargeldlos unmittelbar vor Ort abrechnen können. Eine Möglichkeit ist die Bezahlung per Girokarte und PIN mittels mobilem Kartenlesegerät. Diese funktionieren ohne Strom- und Telefonanschluss und haben einen integrierten Drucker, um dem Kunden direkt einen Beleg aushändigen zu können. Die Geräte sind z. B. bei der Bank erhältlich und kosten monatlich etwa 10 - 20 EUR. Hinzu kommen umsatzabhängige Transaktionskosten von 0,3 %.

Bargeldlos mit Girokarte zahlen kann man auch, indem man Smartphone oder Tablet nutzt. Um diese Zahlungsweise zu ermöglichen, werden von den Anbietern Zusatzmodule bereitgestellt, die man mit dem Smartphone oder Tablet verbindet. Der Kunde kann dann seine Girokarte durch den Magnetstreifen ziehen und den Betrag bestätigen, ähnlich wie bei den Geräten der Paketzusteller der Post. Anders als beim Kartenleser erhält der Kunde keinen Papierausdruck, sondern bekommt die Rechnung sofort per Mail oder SMS zugeschickt. Es fallen i.d.R. keine festen Gebühren, sondern Transaktionskosten von etwa 2,75 % je Vorgang an. Die genauen Konditionen sollten bei der Hausbank hinterfragt werden; sie sind je nach erwartetem Umsatz ggf. verhandelbar.

Praxis-Tipp: Damit es nicht später zum Streit kommt, sollte schon im Rahmen der Auftragserteilung klar darauf hingewiesen werden, dass man auf sofortiger Zahlung von Ort besteht. Dabei sollten dem Kunden die Möglichkeiten genannt werden, die er für die Zahlung nutzen kann.

Wer auch gegenüber Privatkunden größere Aufträge erledigt, bei denen er in Vorleistung gehen muss, sollte auf einer Anzahlung von mindestens 50 % bestehen. Um dem Kunden hier entgegen zu kommen, kann man ihm bei Vorkasse einen kleinen Bonus oder eine Zusatzleistung anbieten. Wichtig: Sämtliche Nachlässe und Zusatzleistungen müssen auch in der Kalkulation enthalten sein.

Bargeldlos mit Girokarte zahlen kann man auch, indem man Smartphone oder Tablet nutzt. Um diese Zahlungsweise zu ermöglichen, werden von den Anbietern Zusatzmodule bereitgestellt, die man mit dem Smartphone oder Tablet verbindet. Der Kunde kann dann seine Girokarte durch den Magnetstreifen ziehen und den Betrag bestätigen, ähnlich wie bei den Geräten der Paketzusteller der Post. Anders als beim Kartenleser erhält der Kunde keinen Papierausdruck, sondern bekommt die Rechnung sofort per Mail oder SMS zugeschickt. Es fallen i.d.R. keine festen Gebühren, sondern Transaktionskosten von etwa 2,75 % je Vorgang an. Die genauen Konditionen sollten bei der Hausbank hinterfragt werden; sie sind je nach erwartetem Umsatz ggf. verhandelbar.

Praxis-Tipp: Damit es nicht später zum Streit kommt, sollte schon im Rahmen der Auftragserteilung klar darauf hingewiesen werden, dass man auf sofortiger Zahlung von Ort besteht. Dabei sollten dem Kunden die Möglichkeiten genannt werden, die er für die Zahlung nutzen kann.

Wer auch gegenüber Privatkunden größere Aufträge erledigt, bei denen er in Vorleistung gehen muss, sollte auf einer Anzahlung von mindestens 50 % bestehen. Um dem Kunden hier entgegen zu kommen, kann man ihm bei Vorkasse einen kleinen Bonus oder eine Zusatzleistung anbieten. Wichtig: Sämtliche Nachlässe und Zusatzleistungen müssen auch in der Kalkulation enthalten sein.

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