Mehrwertsteuer-Paket: Das ändert sich für Unternehmer

Keine deutsche Umsatzsteuer bei der Erbringung von elektronischen Dienstleistungen im EU-Ausland: Mehrwertsteuer-Paket
Aktualisiert am: 13.08.2015

Mit dem EU-Mehrwertsteuerpaket kommen ab 1.1.2015 erneut einige Änderungen auf die Unternehmen zu. Der wichtigste Punkt: Unternehmen, die in den Bereichen Telekommunikation, Rundfunk und elektronische Dienstleistungen im EU-Ausland tätig sind, dürfen ihren EU-Privatkunden ab 2015 keine deutsche Umsatzsteuer mehr berechnen. Stattdessen müssen sie dann den Umsatzsteuersatz des jeweiligen EU-Landes in Rechnung stellen. Lichtblick ist das sogenannte MOSS (Mini One Stop Shop)-Verfahren, das den Prozess vereinfachen soll.

Anlass für die Änderungen beim Ort der umsatzsteuerlichen Erfassung elektronischer Dienstleistungen ist die Umsetzung der EU-Mehrwertsteuersystemrichtlinie. Diese verlangt unter anderem, dass der deutsche Gesetzgeber bis zum 1.1.2015 das Umsatzsteuergesetz wie erwähnt anpasst. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird bereits im BMF vorbereitet und wohl spätestens mit dem zu erwartenden Jahressteuergesetz 2015 umgesetzt werden.

Welche Unternehmen sind betroffen?

In Bezug auf Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen ist die Zahl der betroffenen Unternehmen sicher überschaubar. Anders sieht es bei den elektronischen Dienstleistungen aus. Diese umfassen eine große Bandbreite von Leistungen und Branchen. Umsatzsteuerrechtlich betroffen sind inländische Unternehmen, die in folgenden Bereichen Leistungen an Privatpersonen erbringen:

  • Webhosting, Fernwartung und Software-Dienstleistungen (SaaS) aller Art
  • Digitaler Content (Fotos, Bilder, Musik, E-Books, Online-Zeitschriften etc.)
  • Datenbanken
  • Digitale Weiterbildungs- und Informationsplattformen (Online-Seminare etc.)
  • Online-Marktplätze und -Verkaufsportale sowie alle Arten von Internet- Service-Paketen, die mehr umfassen als den reinen Internet-Zugang (Spielforen, Chatlines, Reiseportale, etc.)

Helfen Sie uns, noch besser zu werden, indem Sie folgende Frage anonym beantworten: Tätigt Ihr Unternehmen Umsätze im EU-Ausland in den Bereichen Telekommunikation, Rundfunk oder elektronische Dienstleistungen?

Ja
Nein

So funktioniert das MOSS-Verfahren

Auf Basis dieser Regelung müssten sich die betroffenen Unternehmen theoretisch in allen EU-Ländern, in denen ihre Privatkunden ansässig sind, umsatzsteuerlich registrieren und dort lokale Umsatzsteuererklärungen abgeben. Um den Prozess zu vereinfachen, ist jedoch vorgesehen, dass der Unternehmer sich nur in seinem Heimatstaat für das sogenannte MOSS-Verfahren registrieren muss. Laut dem Leitfaden der Europäischen Kommission ist vorgesehen, die Registrierung über ein eigens entwickeltes Webportal – ausschließlich elektronisch und unter Angabe der lokalen Steuernummer – abzuwickeln. Über dieses Portal müssen Unternehmen dann – zusätzlich zu Umsatzsteuervoranmeldung und ggfs. Zusammenfassender Meldung – vierteljährliche Erklärungen über die erzielten Umsätze abgeben.

Was müssen betroffene Unternehmer tun?


Zunächst sollten Sie feststellen, ob Ihr Unternehmen Leistungen erbringt, die von der Neuregelung betroffen sind. Dann müssen diese Leistungen von anderen Leistungen abgegrenzt werden, sofern dies nicht bereits aus anderen Gründen erfolgt. Denn während beispielsweise bei Leistungen an Unternehmer (innerhalb der EU) das Reverse-Charge-Verfahren greift, muss sich bei den oben genannten Leistungen an Privatpersonen der Unternehmer darum kümmern, dass die Besteuerung im Wohnsitzstaat des Empfängers sichergestellt ist.

Außerdem sollten sich Unternehmen überlegen, ob sie das angebotene MOSS-Verfahren nutzen wollen. Das bietet sich vor allem für Unternehmen an, die nicht ohnehin bereits in den meisten der für sie relevanten EU-Länder umsatzsteuerlich registriert sind. Die Registrierung soll ab 1.10.2014 möglich sein. Als nationale Behörde wird in Deutschland vermutlich das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zuständig sein.

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