Midijob: Einkommensobergrenze in der Gleitzone steigt

Midijob: Einkommensobergrenze in der Gleitzone steigt
Aktualisiert am: 10.12.2018

Ab dem 1. Juli 2019 steigt die Einkommensobergrenze für Mitarbeiter in der Gleitzone (Midijob) auf 1.300 EUR an. Dadurch fallen nun deutlich mehr Mitarbeiter als zuvor in den Gleitzonenbereich. Eine weitere Neuerung: Midijobber erwerben ab nächstem Jahr ebenfalls die vollen Rentenansprüche. Die Gleitzone wird so zu einem sozialversicherungsrechtlichen Übergangsbereich.

Was ist ein Midijob?

Arbeitnehmer, die mit ihrem Gehalt über der Minijob-Gehaltsgrenze von 450 EUR liegen, aber maximal 850 EUR verdienen, liegen in der sogenannten „Gleitzone“. Diese Zone wird auch gerne als Midijob bezeichnet. Der Unterschied zum Minijob liegt darin, dass Arbeitnehmer in der Gleitzone sozialversicherungspflichtig sind. Ihr Anteil zur gesetzlichen Sozialversicherung ist allerdings vom Bruttoarbeitsentgelt abhängig.

Die Arbeitnehmerbeiträge werden für diese Mitarbeiter nach einer reduzierten Beitragsbemessungsgrundlage berechnet. Je weniger der Arbeitnehmer verdient, desto größer ist die Entlastung beim Sozialversicherungsbeitrag. Im Gegensatz dazu ist der Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung bei einem Midijob konstant. Er liegt bei der Hälfte des Gesamtbeitragssatzes.

Ab Juli 2019 wird die Obergrenze für den Midijob auf 1.300 EUR angehoben. Dadurch werden künftig deutlich mehr Geringverdiener entlastet, denn Arbeitnehmer müssen erst mit einem Monatseinkommen ab 1.300 EUR die vollen Sozialabgaben zahlen. Darüber hinaus ändert sich auch die Begrifflichkeit: Im Gesetzentwurf ist von einem „Übergangsbereich“ die Rede, der den Begriff der Gleitzone ablösen soll.

Bestimmte Mitarbeitergruppen sind von der Anwendung der Gleitzone von vornherein ausgenommen. Das gilt beispielsweise für Auszubildende und Praktikanten. Dabei wird es auch nach der Ausweitung des Midijobbereichs bleiben.

Gleitzone: Wer zahlt was?

Berechnung der Arbeitgeberbeiträge

Für die Ermittlung der Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen gibt es bei Mitarbeitern in der Gleitzone bzw. im Übergangsbereich keine Besonderheiten. Der Arbeitgeber berechnet die Beiträge, wie bei allen anderen Mitarbeitern auch, aus dem vollen Arbeitsentgelt.

Berechnung der Arbeitnehmerbeiträge

Um Midijobber als Geringverdiener zu entlasten, resultieren die Arbeitnehmeranteile hier aus einer reduzierten Bemessungsgrundlage. Diese berechnet der Arbeitgeber anhand einer Formel, die jedes Jahr zum 1.1. aktualisiert wird. Aufgrund der Gesetzesänderung zum 1. Juli 2019 erfolgt die Aktualisierung der Formel im Jahr 2019 zweimal:

Ab 1.1.2019 lautet die Formel für die Berechnung der Beitragsbemessungsgrundlage für die Arbeitnehmeranteile (= fiktive beitragspflichtige Einnahme):

  • Bemessungsgrundlage für die Arbeitnehmerbeiträge = F x 450 + ([850/(850-450)] - [450/(850-450)] x F) x (Arbeitsentgelt - 450)
  • oder vereinfacht: 1,273825 x Arbeitsentgelt - 232,75125

Aufgrund der Ausweitung der Gleitzone ab dem 1.7.2019 muss auch die Formel nochmals geändert werden:

  • Bemessungsgrundlage für die Arbeitnehmerbeiträge = F x 450 + ([1300/(1300-450)] - [450/(1300-450)] x F) x (Arbeitsentgelt - 450)
  • oder vereinfacht: 1,1288588 x Arbeitsentgelt - 167,51647

F ist hierbei ein Faktor, der jedes Jahr neu festgelegt wird. 2019 hat er den Wert 0,7566 (sowohl zum 1.1.2019 als auch zum 1.7.2019).

Die mit Hilfe dieser Gleitzonenformel berechnete fiktive reduzierte Einnahme des Arbeitnehmers ist zugleich die Bemessungsgrundlage für die Sozialabgaben. Durch die neue Formel werden Arbeitnehmer im Midijob künftig noch weiter entlastet.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit Kindern verdient 600 EUR monatlich in seinem Midijob. Bei Anwendung der Gleitzonenformel gilt für die Arbeitnehmerbeiträge ab 1.7.2019 eine fiktive beitragspflichtige Einnahme von 509,80 EUR (von 1.1.2019 bis 30.6.2019: 531,54 EUR).

Keine Rentennachteile mehr beim Midijob

Derzeit erwirbt ein Beschäftigter in der Gleitzone aufgrund der reduzierten Beitragsbemessungsgrundlage nur reduzierte Rentenanwartschaften. Dies kann der Minijobber derzeit nur vermeiden, indem er in der Rentenversicherung auf die Anwendung der Gleitzonenregelung verzichtet. In diesem Fall werden seine Rentenversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber aus dem vollen Arbeitsentgelt errechnet (statt aus der mittels Gleitzonenformel berechneten Bemessungsgrundlage).

Das neue Gesetz über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung beseitigt das Problem verringerter Rentenansprüche von Arbeitnehmern im Midijob. Die Entgeltpunkte für Beitragszeiten aus einer Beschäftigung im Übergangsbereich sollen ab dem 1. Juli 2019 generell aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt ermittelt werden. Die verminderte Beitragsbemessungsgrundlage spielt dann für die Entgeltpunkte in der Rentenversicherung keine Rolle mehr.

Damit entfällt auch die Notwendigkeit für Arbeitnehmer im Midijob, auf die Anwendung der Gleitzone in der Rentenversicherung zu verzichten, um Rentennachteile zu vermeiden. Die Neuregelungen in der ab dem 1. Juli 2019 gültigen Fassung finden auf alle Versicherten Anwendung, also auch auf diejenigen, die zuvor eine Verzichterklärung abgegeben haben. Die bisher erteilten Erklärungen sind ab Juli 2019 nicht mehr gültig.

Wichtig: Derzeit ist ein Verzicht aber noch notwendig, wenn ein Beschäftigter in einem Midijob die Nachteile der reduzierten Beitragsbemessungsgrundlage in der Rentenversicherung vermeiden will. Stellt ein Unternehmen Teilzeitkräfte in der Gleitzone neu ein, ist auch der Hinweis auf die Verzichtsmöglichkeit momentan noch vorgeschrieben.

Änderung bei den Entgeltmeldungen

Geplant ist eine Änderung der Meldepflicht für den Midijob. In sämtlichen Entgeltmeldungen, in denen die beitragspflichtige Einnahme nach den Regelungen der Gleitzone bzw. im Übergangsbereich berechnet wird, soll ab Juli 2019 voraussichtlich zusätzlich das tatsächliche Arbeitsentgelt angegeben werden. Dadurch erhält jeder Arbeitnehmer im Übergangsbereich automatisch für seine Rente höhere Entgeltpunkte.

Schwankendes Entgelt: Es bleibt wohl bei der bisherigen Regelung

Bei Mitarbeitern, deren Entgelt stark schwankt, liegt das Entgelt unter Umständen in einigen Monaten unterhalb oder oberhalb der Gleitzone, obwohl die Beschäftigten insgesamt gesehen im Übergangsbereich bleiben.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer verdient in einigen Monaten 400 EUR, in anderen 1.400 EUR und in einigen 800 EUR. Ab 1.7.2019 liegt er mit seinem regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt grundsätzlich im Übergangsbereich. In den Monaten, in denen der Mitarbeiter mit seinem Entgelt unterhalb oder oberhalb der Midijob-Zone liegt, kann die Beitragsbemessungsgrundlage für die Arbeitnehmerbeiträge aber nicht nach der Formel für die Gleitzone berechnet werden.

Hier gilt vielmehr Folgendes:

1. Fall: Das Entgelt liegt unter 450,01 EUR
Der Arbeitgeber berechnet die beitragspflichtige Einnahme (für die Berechnung der Arbeitnehmerbeiträge), indem er das tatsächliche Arbeitsentgelt mit dem Faktor F multipliziert. Dieser Faktor beträgt ab dem 1.1.2019: 0,7566.


2. Fall: Das Entgelt übersteigt 850 EUR (bzw. ab 1.7.2019 1.300 EUR)

In Monaten, in denen das Entgelt die obere Grenze von 850 EUR bzw. 1.300 EUR überschreitet, müssen sowohl die Arbeitnehmer- als auch die Arbeitgeberbeiträge nach dem tatsächlichen Arbeitsentgelt berechnet werden.

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