Mobile Payment: 5 Lösungen für Kleinunternehmen

Diese Mobile-Payment-Varianten eignen sich für Ihr Kleinunternehmen
Aktualisiert am: 18.08.2015

Mobile Payment – also das Bezahlen unter Einbeziehung eines mobilen Endgeräts – kann für Kleinunternehmen neues Geschäft generieren. Jedes zweite in Deutschland genutzte Telefon ist ein internetfähiges Smartphone, Tendenz steigend. Damit ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann sich neben dem „klassischen“ E-Commerce auch der M-Commerce (Mobile Commerce) branchenübergreifend etabliert. Nicht nur für Online-Händler, sondern auch für lokale Anbieter eröffnet dies neue Möglichkeiten. Welche Mobile-Payment-Varianten es prinzipiell gibt, welche davon sich für Kleinunternehmen eignen und worauf Sie bei deren Einsatz achten sollten, lesen Sie in diesem Beitrag.

Mobile Kartenleser

Mobile Kartenleser für Kredit- und EC-Karten sind eine Entwicklung, von der Kleinunternehmen aktuell am stärksten profitieren können. Das mobile Endgerät kommt hier nicht beim Kunden, sondern beim Verkäufer zum Einsatz.

Das Prinzip: Als Verkäufer legen Sie sich ein Nutzerkonto an und verbinden Ihr Tablet oder Smartphone mit dem mobilen Kartenleser – je nach Lösung über den Kopfhörereingang oder via Bluetooth. Dann starten Sie eine Applikation des Anbieters und beginnen den Verkauf. Die Kredit- oder EC-Karte des Kunden wird durch das Lesegerät gezogen, der Kunde authentifiziert die Transaktion, indem er auf dem Display Ihres Smartphones oder Tablets unterschreibt oder seinen PIN eingibt. Neben der einfachen Handhabung und der Mobilität sind die im Vergleich zu klassischen Terminals erheblich geringeren Kosten ein großer Vorteil für Verkäufer:  Mindestumsätze gibt es in der Regel nicht, die Transaktions-Gebühren bewegen sich meist zwischen 2 und 3 %. Die Anschaffungskosten für den Kartenleser liegen zwischen 0 und 99 EUR. Für weniger als 100 EUR monatlich vermieten manche Anbieter bereits komplette mobile Kassensysteme samt Tablet-PC, Halterung, Kassenlade und Belegdrucker.

Praxistauglichkeit: Aufgrund der geringen Kosten sind mobile Kartenleser sehr gut für fahrende Händler, Marktstände, temporäre Gastronomie oder kleine Einzelhändler geeignet.

Auf dem deutschen Markt aktive Anbieter finden Sie hier:

Tipp: Vergleichen Sie bei mobilen Kartenlesern nicht nur die Standardkosten; auch die Sonderfälle sind wichtig. So können zum Beispiel bei Rücklastschriften Kosten für die Rückbuchung entstehen, auch bei Widerruf einer Abbuchung kann das Händlerkonto belastet werden. Einige Anbieter nutzen ein sogenanntes Factoring und übernehmen manche Forderungen.

Abrechnung via Mobilfunkbetreiber

Eine der ersten Mobile-Payment-Möglichkeiten war das Bezahlen via Mobilfunkrechnung. Noch heute ist diese Bezahlart für bestimmte Produkte und Dienstleistungen geeignet. Insbesondere telekommunikationsnahe digitale Güter lassen sich auf diese Weise bequem abrechnen. Über sogenannte Premium-SMS können beispielsweise Klingeltöne oder Handy-Logos bezahlt werden.

Das Prinzip: Der Nutzer schickt eine SMS mit einem bestimmten Inhalt an eine kostenpflichtige Empfängernummer. Um die Einschränkung auf digitale Güter zu erweitern, haben Telekom, Vodafone und O2 mit „Mpass" gemeinsam ein umfassendes Bezahlsystem entwickelt. Die Besonderheit: Jeder Bezahlvorgang wird über das Mobilfunknetz und nicht via Internet bestätigt. Das funktioniert so: Um in einem Online-Shop zu bezahlen, müssen Kunden ihre Handynummer und ihre Mpass-PIN eingeben. Anschließend wird die benötigte TAN per SMS versendet. Mit Eingabe der TAN schließt der Kunde die Bezahlung ab. Mpass nutzt die hinterlegte Bankverbindung seiner teilnehmenden Mobilfunkkunden, um die Kaufbeträge vom jeweiligen Referenzkonto abzubuchen. Auch Pre-Paid-Telefonierer können auf diese Weise bezahlen. Die Gebühren für Händler sind den Anbietern zufolge „marktüblich“.

Praxistauglichkeit: Mpass ist für kleine Unternehmen kein „Must have“. Einer hohen Sicherheit steht eine vergleichsweise umständliche Bedienung durch den Käufer entgegen. Seit Kurzem bietet O2 die Möglichkeit, mit Mpass auch im stationären Ladengeschäft zu bezahlen (siehe NFC). Das könnte dieser Lösung zum Durchbruch verhelfen.

Paypal Express Mobile

Paypal ist ein bei Internetnutzern sehr verbreitetes und beliebtes Zahlverfahren, weil es unter anderem einen umfassenden Käuferschutz bietet. Das Prinzip: Via Paypal können Kunden Online-Käufe bezahlen, indem sie beim Bezahlvorgang ihre E-Mail-Adresse und ein Passwort eingeben – auch mit mobilen Endgeräten ist dies möglich, der Mobile-Payment-Dienst heißt Paypal Express Mobile.

Das Prinzip: Als Händler müssen Sie ein Paypal-Konto eröffnen. Anschließend wählen Sie die passende Lösung. Für Verkäufe in einem für mobile Endgeräte optimierten Online-Shop wählen Sie Paypal Express Mobile. Der Vorteil: Kunden kaufen mit nur 2 Klicks. Die Eingabe der E-Mail-Adresse und des Passworts reichen und die Bezahlseiten sind bereits für Mobile optimiert. Die Bankdaten der Kunden sind bei Paypal hinterlegt. Die Kosten: Für den Empfang einer Zahlung erhebt Paypal eine Gebühr von 1,9 % + 0,35 EUR. Ab einem monatlichen Verkaufsvolumen von mehr als 5.000 EUR sind individuelle Händlerkonditionen möglich. Attraktiv ist dabei der Verkäuferschutz. Er greift beispielsweise, wenn eine Zahlung des Kunden nicht eintrifft, weil dessen Kontostand nicht gedeckt ist oder ein Kunde eine Lieferung grundlos bemängelt.

Praxistauglichkeit: Die Lösung ist für kleine Unternehmen mit Online-Vertrieb gut geeignet, da die Kosten sehr transparent sind. Außerdem ist die Nutzerakzeptanz des Dienstes sehr hoch und es besteht durch den Verkäuferschutz ein gewisser Schutz vor Zahlungsausfällen oder unberechtigten Reklamationen.

Klassische Online-Bezahlmöglichkeiten für Mobile

Im mobilen Internet werden sich jene Bezahl-Lösungen durchsetzen, die bereits im klassischen Internet etabliert sind – das prognostizieren zumindest die Experten. Der Grund: Das Internet ist das Gleiche, nur das zugreifende Gerät ist ein anderes. Allgemeine Tipps zum Verkauf via Online-Shop finden Sie in unserem Beitrag Online-Shop: So machen Sie mehr Umsatz im Netz.

Das Prinzip: Wer seinen klassischen Online-Shop für den Zugriff mobiler Endgeräte optimiert, sollte auf jeden Fall bestehende Bezahlmöglichkeiten wie Vorkasse, Rechnung etc. auch für den mobilen Webshop anbieten. Die Herausforderung besteht darin, die Darstellung insgesamt und die der Bezahlseiten im Besonderen für den mobilen Zugriff zu optimieren. Manche Lösungen bieten eigens dafür optimierte Bezahlvorgänge an (siehe Paypal).

Praxistauglichkeit: Für kleine Händler, die ihren Webshop mobil zugänglich machen, gehören die klassischen Online-Zahlverfahren zum Pflichtprogramm. Tipp: Einige Online-Zahlungsanbieter bieten sogar verkürzte Check-out-Prozesse und optimierte Darstellungen für mobile Endgeräte an.

Near Field Communication (NFC)

In der sogenannten Near Field Communication (NFC) sehen viele Experten die Zukunft für Bezahlvorgänge im stationären Handel, denn diese Technologie ermöglicht den drahtlosen Austausch von Bezahl-Informationen auf Nah-Distanz. Als Sender fungiert das Mobiltelefon, Empfänger ist ein Lesegerät im Ladengeschäft. Voraussetzung auf Kundenseite ist ein Sticker mit NFC-Chip, den der Kunde auf seinem Mobiltelefon aufklebt, oder ein NFC-fähiges Smartphone sowie eine NFC-fähige SIM-Karte. Händler benötigen ein Lesegerät. In den USA können Mobilfunknutzer bereits seit einiger Zeit mit „Google Wallet“ bargeldlos im Ladengeschäft bezahlen. Hierzulande gehört O2 mit „O2 Wallet“ zu den ersten Anbietern.

Das Prinzip: Zum Bezahlen hält der Kunde sein Telefon an ein Zahlungsterminal. Bei Beträgen unter 25 EUR erfolgt die Zahlung sofort, bei höheren muss er seine PIN eingeben. Der Nutzer kann die Beträge per Lastschrift vom Girokonto abbuchen lassen oder sich auf das bei der Anmeldung eröffnete Mpass-Konto ein Guthaben überweisen.

Praxistauglichkeit: Noch stecken NFC-Lösungen in den Kinderschuhen. Es gibt kaum NFC-fähige Endgeräte und die Anbieter versuchen zunächst, große Ketten für ihre Lösungen zu gewinnen. Für kleine Händler besteht noch kein Handlungsbedarf. Allerdings sollten Sie die weitere Entwicklung genau beobachten.

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