Musterprozess: Veräußerungskosten beim Verkauf von GmbH-Anteilen /fileadmin/_processed_/0/f/csm_Veraeusserungskosten_beim_Verkauf_von_GmbH-Anteilen_c124dbeeee.jpg 2015-08-14 Lexware

Musterprozess: Veräußerungskosten beim Verkauf von GmbH-Anteilen

Tipps zur Vorgehensweise beim Verkauf von GmbH-Anteilen
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 14.08.2015

Veräußert eine GmbH Anteile an einer anderen Kapitalgesellschaft, ist der Veräußerungsgewinn nach § 8b Abs. 2 KStG vom Einkommen der GmbH wieder abzuziehen. Lediglich 5% des Veräußerungsgewinns sind dem Einkommen der GmbH als nichtabziehbare Betriebsausgaben wieder hinzuzurechnen. Zum Problemfall können die tatsächlichen Veräußerungskosten werden.

In einem Streitfall vor dem Finanzgericht Köln wird deutlich, welche Probleme bezüglich der tatsächlichen Veräußerungskosten entstehen können.

Darum ging es in dem Urteilsfall:

In dem Urteilsfall ging es um eine GmbH, eine Holdinggesellschaft, die sich auf den Verkauf von Vorratsgesellschaften spezialisiert hat. Der Prüfer des Finanzamts ging davon aus, dass sämtliche Kosten der GmbH – also auch die laufenden Kosten – Veräußerungskosten nach § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG darstellen. Doch das Finanzgericht Köln bremste den übereifrigen Finanzamts-Prüfer aus. Nur konkret im Zusammenhang mit einer Anteilsveräußerung angefallene Kosten stellen Veräußerungskosten nach § 8b Abs. 2 KStG dar. Eine anteilige Einbeziehung der laufenden Kosten als Veräußerungskosten in die Ermittlung des Veräußerungsgewinns scheidet daher aus (FG Köln, Urteil v. 1.10.2014, Az. 10 K 3593/12).

Beispiel:

Der Geschäftszweck der XY-Holding GmbH ist der An- und Verkauf von GmbH-Anteilen. Die laufenden Kosten dieser GmbH betragen 200.000 Euro. Die Einnahmen aus der Veräußerung der Anteile betragen 400.000 Euro. Diesen Einnahmen stehen die Buchwerte der veräußerten GmbH-Anteile in Höhe von 20.000 Euro gegenüber.

Auswirkung der Anteilsverkäufe auf das Einkommen der XY-Holding-GmbH

So rechnet das Finanzamt So rechnen Sie
Veräußerungspreis 400.000 EUR 400.000 EUR
- Buchwerte für verkaufte Anteile - 20.000 EUR -20.000 EUR
- Veräußerungskosten - 200.000 EUR - 0 EUR
= Minderung des zu versteuernden Einkommens - 180.000 EUR - 380.000 EUR
+ Nichtabziehbare Betriebsausgaben + 9.000 EUR + 19.000 EUR
= Auswirkung der Anteilsveräußerungen auf das zu versteuernde Einkommen der XY-Holding GmbH - 171.000 EUR - 361.000 EUR

Nach Ihrer Berechnung mindert sich das zu versteuernde Einkommen der GmbH also deutlich höher als nach der Ermittlungsmethode des Finanzamts zum Veräußerungsgewinn bei Anteilsveräußerungen.

Was sind typische Veräußerungskosten?

Nach Ansicht der Richter des Finanzgerichts Köln sind bei Ermittlung des Veräußerungsgewinns nach § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG nur konkret im Zusammenhang mit dem Verkauf entstandene Kosten (= Veräußerungskosten) einzubeziehen. Allgemeine und laufende Kosten ohne konkreten Zusammenhang mit dem Verkauf bleiben außen vor.

Kosten, die bei Ermittlung des Veräußerungsgewinns nach § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG einzubeziehen sind, sind typischerweise folgende Kosten:

  • Gutachten des Steuerberaters über die steuerliche Behandlung der Anteilsveräußerungen.
  • Kosten für die Wertermittlung der verkauften GmbH-Anteile (Due-Diligence-Kosten).
  • Vermittlungsprovisionen für die Vermittlung von Käufern der GmbH-Anteile

Praxis-Tipp: Unterstellt das Finanzamt für bestimmte Kostenarten, dass es sich um Veräußerungskosten nach § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG handelt, ist das Finanzamt in der Beweislast. Wehren Sie sich gegen die Einbeziehung laufender Kosten, wenn diese auch ohne den konkreten Anlass mit der Veräußerung angefallen wären oder versuchen Sie mit dem Finanzamt einen Kompromiss zu finden.

Weitere Vorgehensweise angesichts des Urteils

Das Urteil des Finanzgerichts Köln wird von den Finanzämtern leider noch nicht umgesetzt. Hintergrund ist, dass die Kölner Richter wegen grundsätzlicher Bedeutung die Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen haben. Bezieht das Finanzamt Kosten in die Ermittlung des Veräußerungsgewinns nach § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG ein und Sie sind damit nicht einverstanden, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Legen Sie Einspruch gegen nachteilige Steuerbescheide zur Körperschaftsteuer ein.
  • Beantragen Sie mit Hinweis auf das Revisionsverfahren beim Bundesfinanzhof das Ruhen Ihres Einspruchsverfahrens.

Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5
Inhalte des Artikels


Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5