Nachwuchs sichern: Azubis finden und Lehrstellen besetzen

Ausbilder mit Auszubildenden zum Elektriker
Aktualisiert am: 06.06.2016

Kennen Sie das? Sie schreiben einen Ausbildungsplatz aus, dann flattern entweder wenig bis keine Bewerbungen ins Haus, oder beim Studieren der Mappen stolpern Sie über Rechtschreibfehler, schlechte Schulnoten und rekordverdächtig viele Fehltage. Gerade für kleine Unternehmen ist es heute nicht leicht, passende Azubis zu finden und Lehrstellen adäquat zu besetzen. Wir haben die besten Tipps zum Thema Azubis finden und Lehrstellen besetzen für Sie zusammengefasst.

Einige Berufe werden also stärker nachgefragt als angeboten. Und andere Berufe (wie z.B. Bankkaufmann/-frau oder Kaufmann im Groß- und Außenhandel) tauchen nicht mehr unter den 10 beliebtesten Berufen auf. Das heißt für Sie als Unternehmen: machen Sie als Ausbildungsbetrieb auf sich aufmerksam. Einige Jugendlichen brauchen vielleicht die Alternative zum Wunschberuf oder Ideen und Angebote für einen „Plan B“.

Vielleicht denken Sie jetzt „Wieso soll ich als Unternehmen mich anpreisen und für die Azubis den roten Teppich ausrollen?“ Schließlich sollten doch die Jugendlichen das Interesse an der Ausbildung haben und froh sein, wenn sie einen Ausbildungsplatz bekommen. Ja das stimmt. Auf diesem Standpunkt können sie stehen. Nur kann es dann sein, dass dann die jungen Menschen auf der Suche nach einem attraktiven Ausbildungsbetrieb an Ihrer Tür vorbei gehen.

Einer meiner Ausbilder hat immer so schön gesagt: „Entweder Du hast gute Begründungen oder Du hast gute Ergebnisse.“ Und für potenzielle Leistungsträger von morgen lohnt es sich vielleicht, alte Standpunkte aufzugeben. Nun heißt es umdenken, Neues wagen. In dieser Serie lade ich Sie ein, Ihre Strategie zum Thema „Ausbildung“ kritisch unter die Lupe zu nehmen. Und vielleicht ist bei den Tipps und Ideen etwas für Sie dabei.

Überprüfen Sie Ihr Ausbildungskonzept

Wenn ich Unternehmen zu Ihren Ausbildungskonzepten berate, stelle ich immer wieder fest: Wichtig ist, dass das was Sie nach außen anpreisen auch wirklich der Realität entspricht. Ein Schwindel fliegt schnell auf. Geben Sie der Berufsausbildung einen hohen Stellenwert im Unternehmen. Investieren Sie Zeit und Geld, damit der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel Ihnen nicht die Zukunft verbaut.

Ist Ihr Betrieb für Auszubildende attraktiv? Überprüfen Sie Ihr Ausbildungskonzept, denn gute Ausbildung spricht sich herum. Was sind Ihre Stärken: Womit dürfen die potenziellen Azubis bei Ihnen rechnen? Und was sind Bereiche, in denen Sie noch besser werden können. Ein Online-Test gibt Hilfestellung!

Ausbildungs-Check online machen

Mit einem Zeitaufwand von 15 Minuten können Arbeitgeber jetzt überprüfen, wie sie auf potenzielle Bewerber um einen Ausbildungsplatz wirken. Möglich macht dies der Online-Ausbildungs-Check des Niedersächsischen Industrie-und Handelskammertages (NIHK). Wer 52 Fragen rund um sein Unternehmen beantwortet, erhält auf Knopfdruck eine Kurzanalyse mit den jeweiligen Stärken und Schwächen, mit Hinweisen zum Handlungsbedarf und Verbesserungsvorschlägen.

NIHK-Ausbildungscheck: http://www.ausbildung-check-ihk.de

Fragen wir doch mal die, um die es geht!

Meine Frage an die Jugendlichen lautet: „Was könnten Unternehmen tun, um junge Azubis oder Mitarbeiter/innen zu finden“?

Alec, 17 Jahre: „Also meiner Meinung nach sollten die Unternehmen Schautage für Schüler machen. So dass die Schüler einfach mal den jeweiligen Betrieb besichtigen können und den Mitarbeitern über die Schultern schauen können. Die Unternehmen haben außerdem die Möglichkeit sich auf Messen präsentieren und um Auszubildende werben. 

Marie, 19 Jahre: „Ich könnte mir vorstellen, dass Ausbildungs-Flyer mit Bildern aus dem Betrieb, beispielsweise, für Bewerber interessant sein könnten. Danach könnte ein Probearbeiten oder speziell ein „Tag der offenen Tür“ für Bewerber veranstaltet werden.“

Yvonne, 21 Jahre: Ich z. B. habe mich für die Ausbildung bei dieser Firma entschieden, weil uns hier sehr viel geboten wird (Studienfahrten; Kennenlernen anderer Abteilungen, die nicht zur eigentlichen Ausbildung gehören; Weiterbildungsmöglichkeiten wie Englischkurse; sämtliche Seminare; Vergünstigungen (Fitnesscenter); etc.).  Vielleicht könnte man auch mit passablen Arbeitszeiten und genügend Urlaub werben.

Unternehmen sollten meiner Meinung nach mit den oben genannten Punkten werben. Besonders das Kennenlernen anderer Abteilungen macht die Ausbildung interessant und abwechslungsreich.

Azubis finden: Verfeinern Sie das Auswahlverfahren

Lassen Sie sich nicht von schlechten Schulnoten abschrecken. Setzen Sie zum Beispiel Einstellungstests ein mit denen Sie die Fähigkeiten testen können über die Jugendlichen in Ihrer Branche verfügen sollten. Vielleicht geht Ihnen sonst ein Rohdiamant durch die Lappen, den sie auf den ersten Blick als Kieselstein bewerten. Die Testzentale bietet verschiedene Tests an. So zum Beispiel auch speziell für den Ausbildungsbereich. Stichwort: AZUBI – TH. Dieser Test hilft bei der Personalauswahl für technische und handwerkliche Berufe, insbesondere zur Auswahl von Auszubildenden und dient als Unterstützung bei der Übernahmeentscheidung von Auszubildenden in ein Angestelltenverhältnis.

Laden Sie die Bewerber nicht nur zu einem Vorstellungsgespräch sondern auch zu einem Probearbeiten ein. Oder bauen Sie in das Bewerbungsgespräch eine praktische Aufgabenstellung ein. Das kann ein Geschicklichkeitstest sein oder auch die Aufgabe, eine Präsentation vorzubereiten, mit der sich der Jugendliche vorstellt. Überlegen Sie sich ganz genau, welche Fähigkeiten und Eigenschaften der oder die zukünftige Auszubildende mitbringen sollte. Dann passen Sie Ihr Auswahlverfahren so an, dass Sie genau diese Kompetenzen unter die Lupe nehmen können. Ein kleiner Beurteilungsbogen hilft, Ihren Eindruck von den Bewerbern festzuhalten und zu dokumentieren.

Gute Ausbildung durch gute Ausbilder


Um das alles zu stemmen, benötigen Sie jemanden in den eigenen Reihen, der für das Thema Ausbildung verantwortlich ist. Und zwar nicht, weil es ja jemand machen muss. Sondern weil es Ihnen als Unternehmer oder Geschäftsführung wichtig ist, und Sie genau das auch immer wieder gegenüber der Belegschaft kommunizieren. Wenn Sie dann Ausbildungsverantwortliche haben die Spaß daran haben, junge Menschen zu begleiteten und wirklich für die Sache brennen, dann kann das was werden. Geben Sie den Ausbildern Zeit. Zeit dafür, sich mit den Auszubildenden zu beschäftigen. Zeit dafür, mal in anderen Unternehmen zu schauen, wie dort ausgebildet wird. Vielleicht kann man sich die ein oder andere gute Idee abschauen. Zeit, sich selbst weiterzuentwickeln.

Zum Beispiel bei der IAM Akademie für innovatives Ausbildungsmanagement. Gerald Deutmeyer, Geschäftsführer der Akademie: "Die Akademie für innovatives Ausbildungsmanagement steht für Kompetenz in der Gestaltung betrieblicher Berufsausbildung. Wir sind Ansprechpartner für Personalleiter, Ausbildungsleiter und Ausbildungsverantwortliche in Unternehmen, Verbänden sowie öffentlichen Einrichtungen. Mit einem breit gefächerten Seminarangebot unterstützen wir Sie in der Konzeption zeitgemäßer Ausbildungsarbeit und -projekte. Darüber hinaus vermitteln unsere Seminare wertvolle Anregungen zur Weiterentwicklung Ihrer persönlichen Methoden- und Führungskompetenz."

Aber es gibt auch reine Informationsforen für Ausbilder. Hier finden Sie aktuelle Informationen, Online-Seminare und Lernbausteine z. B. zu den Handlungsfeldern der AEVO und weiteren zentralen Themen der Ausbildungspraxis, Diskussionen in den Foren sowie Links und Hinweise zu wichtigen Materialien und Quellen für Ausbilderinnen und Ausbilder.

Die Ausbilder/innen sind für die Auszubildenden in der Regel die wichtigsten Ansprechpartner im Betrieb. Und dabei geht es nicht immer nur um rein berufliche Fragen. Genauso gut wird vielleicht auch mal ein Problem zu Hause, in der Berufsschule oder im Freundeskreis thematisiert. Damit nehmen die Ausbilder/innen eine ganz wichtige Rolle ein und geben der Ausbildung bei Ihnen im Haus ein persönliches Gesicht.

Steigern Sie Ihre Attraktivität als Ausbildungsbetrieb

Was können Sie nun tun? Jetzt heißt es Werbung machen, und zwar für Ihr Unternehmen als Ausbildungsbetrieb. Sorgen Sie dafür, dass es sich rum spricht, dass man als Jugendlicher bei Ihnen etwas geboten bekommt. Was das sein kann?

  • Kollegen, die den Azbis auf Augenhöhe begegnen.
  • Persönliche Förderung und Weiterentwicklung, gemäß dem Motto „Stärken Stärken“. Und das bereits während der Ausbildung.
  • Kollegen, die bei der Prüfungsvorbereitung helfen.Betriebliche Zusatzleistungen. Zum Beispiel Fahrtkostenzuschüsse für die Fahrt zur Berufsschule.
  • Eine richtig gute fachliche Ausbildung, in der die Auszubildenden nach einer Einarbeitung eigenverantwortlich Aufgaben ausführen.
  • Ein Betriebsklima, in dem die Auszubildenden ihre Ideen, Kritik oder Anregungen einbringen dürfen und damit ernst genommen werden.
  • Perspektiven, für die Zeit nach der Ausbildung. Auf Übernahme oder berufliche Weiterbildung. 

Tun Sie Gutes und sprechen Sie darüber!

Vermarkten Sie sich mit Ihrem Betrieb in Ihrer Region als Ausbildungsbetrieb. Dafür können Sie zum Beispiel auf Berufsmessen mit einem Informationsstand über Ihren Betrieb gehen. Am besten besetzten Sie diesen Infostand mit Ihren Azubis oder mit jungen Mitarbeitern. Diese finden den Kontakt zu Schülern und potenziellen Bewerbern auf Augenhöhe. Diese Messen werden oft von berufsbildenden Schulen organisiert und kosten Sie als Aussteller in der Regel keine Standgebühren.

Und wie sieht es mit der Möglichkeit aus, ein Praktikum bei Ihnen zu absolvieren? Das ist für viele Schüler interessant und Sie haben die Möglichkeit, einen persönlichen Eindruck von dem jungen Menschen zu bekommen.

Damit die Schüler von der Möglichkeit einer Ausbildung oder eines Praktikums in Ihrem Unternehmen erfahren, laden Sie Schulklassen zu einer Betriebsbesichtigung ein. Die Lehrkräfte sind immer dankbar, wenn Unternehmen diese Möglichkeit bieten.

Azubis finden: Vernetzen Sie sich!

Vernetzen Sie sich: Sowieso, der Kontakt zu Schulen und Lehrern und Lehrerinnen kann Gold wert sein.

Nehmen Sie regelmäßige an Ausbilderarbeitskreisen zwischen Schule und Betrieb teil. Wenn diese noch nicht bestehen, ergreifen Sie die Initiative. Man wird es Ihnen danken. Die Lehrer kennen ihre Schüler gut und nehmen nicht wenig Einfluss bei der Berufswahl. Genauso die Berufsberater der Agentur für Arbeit. Sie sprechen mit den Jugendlichen in der Berufsberatung. Wenn dann jemand begeistert von Ihrem Betrieb erzählt und empfiehlt, sich bei Ihnen zu bewerben, steigen Ihre Chancen.

Und die Berater und Vermittler der Arbeitsagentur helfen Ihnen gerne bei der Besetzung von Ausbildungsstellen, der Auswahl bzw. Gewinnung geeigneter Auszubildender und informieren Sie über eventuelle Fördermöglichkeiten. Die Ausbildungsberater der zuständigen Stelle (Kammern und Verbände) vor Ort unterstützen Sie umfassend bei der Durchführung der Ausbildung und informieren Sie über die rechtlichen Voraussetzungen.

Und natürlich, last but not least, sind die Eltern der Jugendlichen bei der Berufswahl involviert. Auch hier können Sie ansetzen. Viele Unternehmen versuchen die Eltern in den Ausbildungsvertragsabschluss oder in der Zeit bis zum Ausbildungsbeginn konkret einzubinden, indem sie z.B. feierliche Vertragsunterzeichnungen organisieren oder den Betrieb auch den Eltern vorstellen.

Oder kommt die Mehr-Generationen-Belegschaft für Sie in Frage? Viele Ihre Mitarbeiterinnen haben vielleicht Kinder, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Hier können Sie einen ziemlich direkten Draht nutzen, in dem sie schon früh Kontakt zu den MIKIs (Mitarbeiterkindern) aufnehmen. Das geht über Ferienprogramm in den Sommerferien, oder Teilnahme am „Girlsday“ oder „Boysday“.

Ausbildungsmarketing: Werben Sie!

Wie im klassischen Marketing gilt es sich Gedanken über die Zielgruppe zu machen. Sie wollen Jugendliche Berufsabgänger ansprechen. Wie ticken die eigentlich?

Die Jugendlichen von heute definieren sich eher über Gruppenzugehörigkeiten (Cliquen, Communities), nicht über Individualität. Individualthemen wie z.B. die Berufswahl fallen ihnen eher schwer. Bei diesen Entscheidungen sind „Helfer“ gerne gesehen. Die Jugendlichen wägen außerdem stark nach dem voraussichtlichen Nutzen ab. Dabei wollen sie wie Erwachsenen angesprochen werden. Es reicht nicht mehr Fakten und Argumente aufzuzählen. Die Darstellung von Emotionen, Stimmungen, Events und Mitmachaktionen spielen eine wichtige Rolle. 

Ausbildungsmarketing umfasst alle Aktivitäten, die sie als Unternehmen ergreifen, um diese Zielgruppe anzusprechen. Um so die angebotenen Ausbildungsplätze mit geeignetem Nachwuchs zu besetzen. Wenn Sie die Instrumente gezielt einsetzen, kann es Ihnen gelingen, den Aufwand für die Besetzung der freien Stellen zu reduzieren und bei der Auswahl der Persönlichkeiten, richtig zu liegen. 

Testimonials sind glaubwürdiger als Personaler:

Lassen Sie Azubis aus ihrem Arbeitsalltag berichten, z. B. durch einen Azubi-Blog. Die meisten Jugendlichen machen eine Ausbildung in ihrer Heimatregion. Denken auch Sie regional: Unterstützen Sie die Schulen in der Region z.B. durch eigene kleine Bewerbungstrainings, initiierte Berufsorientierungstage oder ähnlichen Aktionen. 

Klar ist, bei diesem Thema kommen Sie um die neuen Medien und die sozialen Netzwerke nicht herum: youtube, facebook, Online-Stellenbörsen, Social Medial eben.

Hier einige Beispiele, wie Unternehmen mit einem „Selfmade- Film“ auf sich aufmerksam machen:

Für das Medium Internet gilt: Authentizität und Glaubwürdigkeit sind die Erfolgsfaktoren im Web 2.0. Egal, ob Sie einen Film online stellen, eine eigene Karriereseite auf Ihrer Website einrichten oder einen Blog initiieren (Beispiel: www.ausbildungsblog.de).

Werbung in gedruckten Medien

Beim Thema Print-Stellenanzeigen sind die Kosten höher als im Online Bereich. Umso wichtiger, dass Ihre Anzeigen auffallen und ankommen.

  • Werben Sie mit einem „coolen“ Slogan, keine pseudojugendliche Rhetorik
  • Große Anzeigen wirken besser, Farbe erregt Aufmerksamkeit
  • Wechseln Sie nicht zu häufig das Motiv.
  • Weniger ist mehr, d.h. die Anzeige nicht mit Informationen überfrachten. Lieber auf die Website verweisen. 

Wählen Sie die für Sie geeigneten Ausbildungsmarketing-Instrumente aus: 

  • Werbung: Image- oder Stellenanzeigen in Lokalpresse oder Schülerzeitschriften. Flyer mit Ausbildungsinfos, Poster, eigenen Internetauftritt, Internetpräsenz auf anderen Azubi-Plattformen.
  • Messe/Betriebsbesichtigungen: Präsenz auf Berufsbildungsmessen, Tag der offenen Tür, „Unternehmensralley“ im Unternehmen.
  • Kooperation: Schul- oder Klassenpatenschaften, Lernpatenschaften, Projektarbeiten mit Schulklassen, Unterrichtsstunden an Schulen.
  • Praktische Angebote: Praktika im Unternehmen, Facharbeiten, Schnuppertage, Probearbeiten im Betrieb.
  • Multiplikatoren: Schulen, Arbeitsagenturen, Kammern, Bildungsträger, eigenen Azubis, Eltern, eigenen Mitarbeiter.

Weitere Informationen und Idee gibt es in diesem Blog: http://www.ausbildungsmarketing.com/index.php/category/ausbildungsmarketing/ 

Für alle Maßnahmen gilt: Geben Sie sich Zeit. Es braucht etwas, bis Sie sich einen guten Ruf aufgebaut haben. Auch wenn das bedeutet, dass Sie evtl. mal ein oder zwei Jahre ohne Azubi auskommen müssen.

Investieren Sie in die Auszubildenden

Die guten Berufsabgänger mit den guten Zeugnissen und einem interessanten Lebenslauf ohne Ecken und Kanten – sie haben die Wahl, sie können sich den Ausbildungsbetrieb oft aussuchen, haben mehrere Angebote für einen Ausbildungsplatz. Diese Bewerber werden immer weniger und sind von den Betrieben heiß begehrt.

Mein persönlicher Eindruck aus der Praxis ist auch: das Qualifizierungsniveau der Bewerber lässt insgesamt nach. Wer nun dafür verantwortlich ist, die Schulen, die Lehrer, die Eltern. Letztlich Egal. Es ist wie es ist.

Konrad Adenauer hat mal gesagt: 
„Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind. Andere gibt es nicht. Die Menschen leben alle unter dem gleichen Himmel, aber nicht alle haben den gleichen Horizont.“

Für Sie als Unternehmer heißt das: Ausbildung ist kein Selbstläufer mehr. Die Azubis benötigen vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit und Förderung. Aber ich habe oft genug erlebt, wie ein junger Mensch sich in drei Jahren Berufsausbildung stark weiterentwickelt hat. Gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen, sicher besser ausdrücken kann und im persönlichen Auftreten gegenüber Kunden und Kollegen immer sicherer wird. Aber wie gesagt: eine solche Entwicklung fällt nicht vom Himmel. Das ist Ihre Investition in die Zukunft.

Denn wenn sich der Auszubildende bei Ihnen im Betrieb wohl fühlt und gute Arbeit abliefert steigt die Wahrscheinlichkeit auf Übernahme. Und Sie können dann evtl. dem ausgelernten „Frischling“ einen erfahrenen Kollegen als Paten zur Seite stellen so dass dieser sein Fachwissen und seine Erfahrung weiter geben kann und dann zwei, drei Jahre später in den wohlverdienten Ruhestand geht. Das Know-How haben Sie dann im Betrieb gehalten.

Hilfe bietet das Bundesinstitut für Berufsbildung, das BIBB. Dort gibt es unter anderem eine Datenbank. Diese Datenbank dient der Unterstützung der praktischen Arbeit mit Jugendlichen. Sie finden dort Arbeitshilfen, Lernmedien, Unterrichtsmaterialien und vieles mehr: http://www.good-practice.de

Es gibt Branchen, die dieses Engagement gezielt belohnen. Niedersachsen Metall fördert bewusst die Einstellung von Hauptschülern mit einem einmaligen Zuschuss von 5.000 EUR. Die Initiative startete im Jahr 2011 und wurde aufgrund der erfolgreichen Resonanz in 2012 weitergeführt.

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Die potenziellen Leistungsträger von morgen

Immer wieder höre ich Führungskräfte und Unternehmer, die über die Situation Ausbildung unzufrieden und frustriert sind. Selten höre ich: „Wir haben diese Jahr wieder problemlos alle Ausbildungsplätzen mit unseren Wunschkandidaten besetzt. Unsere Azubis sind einfach spitze! Wie die sich reinhängen und fleißig am Ball sind…“

Die Gewinnung von Auszubildenden wird immer schwieriger. Der demographische Wandel macht sich immer deutlicher bemerkbar. Immer mehr Betriebe können ihre angebotenen Ausbildungsstellen nicht besetzen, vor allem im Osten Deutschlands. Wie der BIBB-Report zeigt, kehren sich die „Machtverhältnisse“ auf dem Ausbildungsmarkt langsam um: Die Nachfrageseite bekommt zunehmend mehr Gewicht. Die größten Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen haben

  • Handwerksbetriebe und generell kleinere Betriebe
  • Betriebe in den neuen Bundesländern
  • Betriebe mit einem Ausbildungsstellenangebot in Berufen, die von Jugendlichen weniger nachgefragt werden
  • Betriebe in Regionen, in denen sich die Ausbildungsmarktverhältnisses bereits zunehmend entspannen
  • Betriebe in Regionen, in denen die Anteile der Schulabgänger mit höheren Abschlüssen zunehmen.“

Ein weiterer Aspekt: Einige Berufe sind für die jugendlichen Berufsanfänger unattraktiv. Zum Beispiel wegen der unattraktiven Arbeitszeitmodelle: frühes Aufstehen, samstags arbeiten, Schichtdienste etc. Andere Berufsbilder sind selten und damit auch unbekannt. Mittlerweile gibt es 345 anerkannte Ausbildungsberufe, bei einigen ändert sich noch alle paar Jahre der Name. Gar nicht so einfach, den Durchblick zu behalten. Hier die beliebtesten 10 Berufe bei den Bewerber:

Beruf
Beruf Anzahl Anteil in %
Kaufmann/-frau im Einzelhandel 40.477 7,2
Bürokaufmann/-frau 36.865 6,6
Verkäufer/in 35.753 6,4
Medizinische/r Fachangestellte/r 23.999 4,3
Industriekaufmann/-frau 21.177 3,8
Kfz.mechatroniker – PKW-Technik 20.281 3,6
Industriemechaniker/in 15.642 2,8
Friseur/in 12.705 2,3
Tischler/in 10.111 1,8
Koch/Köchin 10.066 1,8
übrige Berufe 332.801 59,4
Tab. 1: Seit Beginn des Berichtsjahrs gemeldete Bewerber
Beruf
Beruf Anzahl Anteil in %
Kaufmann/-frau im Einzelhandel 28.074 5,4
Verkäufer/in 22.976 4,4
Bürokaufmann/-frau 17.667 3,4
Industriekaufmann/-frau 15.956 3,1
Koch/Köchin 15.631 3,0
Kaufmann – Groß-/Außenhandel – Großh. 13.021 2,5
Industriemechaniker/in 12.916 2,5
Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r 11.817 2,3
Bankkaufmann/-frau 11.690 2,3
Hotelfachmann/-frau 11.405 2,2
übrige Berufe 355.933 68,8
Tab. 2: Seit Beginn des Berichtsjahres gemeldete Beraufsausbildungsstellen

Quelle: Statistik Arbeitsagentur, Deutschland Berichtsjahr: 2011/2012, Stand September 2012.  


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