Pensionszusage: Gefahren und Lösungsmöglichkeiten

Gefahren und Lösungsmöglichkeiten beim Altersvorsorgesystem Pensionszusage
Aktualisiert am: 17.08.2015

Für den GmbH-Geschäftsführer ist die Pensionszusage, mit der allgemeine Risiken abgedeckt, die Rente aufgebessert oder überhaupt eine Altersversorgung begründet wird, neben dem Gehalt eine interessante Zusatzleistung. Tritt dann aber der Versorgungsfall ein, kann es zu einem bösen Erwachen kommen, wenn nämlich die GmbH sich nicht ausreichend rückabgesichert hat und nun mit eigenem Vermögen für die Zusage einstehen muss. Der folgende Beitrag beleuchtet die möglichen Probleme und zeigt Lösungen.

Unser Grundlagenbeitrag zum Thema Pensionszusage:

>> Pensionszusage: Die optimale Alterversorgung für GmbH-Geschäftsführer 

Mit einer Pensionszusage verpflichtet sich die GmbH, ihrem Geschäftsführer auch über dessen Ausscheiden als aktiver Mitarbeiter hinaus eine Vergütung zu zahlen.Welche Form der Pensionszusage Sie wählen, wie diese konkret beim Geschäftsführer und bei der GmbH steuerlich wirkt und wie Sie die Verträge am besten gestalten, muss im Einzelfall genau geprüft werden. Dazu brauchen Sie fachkundige Berater (Fachanwalt für Gesellschaftsrecht, Steuerberater, Versicherungsberater).

Nachteile der Pensionszusage für die GmbH

Bei finanziellen Schwierigkeiten oder wenn eine Überschuldung vorliegt oder doch zumindest im Raum steht, wirkt sich der Bestand einer Pensionszusage, auch wenn hieraus noch keine Leistungen erbracht werden müssen, nachteilig aus. Denn damit ist die Gesellschaft mit der Verpflichtung belegt, für den Fall, dass einer der Zusagefälle eintritt (Altersgrenze wird erreicht, Invalidität tritt ein oder Witwen- und Waisenversorgung ist durchzuführen).

Diese Fallen lauern bei Pensionszusagen

1. Dem Bewerber wird eine Zusage erteilt, die nicht ordnungsgemäß durchkalkuliert ist

Der gröbste Fehler ist sicherlich die blind erteilte Zusage einer Rente und Hinterbliebenversorgung. Im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses wird dann die Rückstellung für die Zusage errechnet und passiviert. Da die Rückstellung behandelt wird, wie eine Verbindlichkeit, die schon feststeht, kann dies zu einer Überschuldung der GmbH und damit zur Insolvenzreife führen.

Praxis-Tipp: Wichtig ist es daher vor (!) der verbindlichen Zusage konkret zu berechnen, wie hoch die Rückstellung für die anvisierte Zusage sein wird.

2. Die Zusage wird nicht durch eine entsprechende Absicherung rückgedeckt

Auch dann wenn kalkuliert wurde, wie hoch die Rückstellung für die zu erteilende Zusage ist und diese vom Unternehmen getragen werden kann, kann sich ein erhebliches finanzielles Risiko darin verbergen, dass die Liquidität zum Zeitpunkt des Eintritts des Versorgungsfalls nicht ausreicht. Dem kann – und sollte – durch eine entsprechende Absicherung entgegengewirkt werden.

Praxis-Tipp: Die GmbH sollte für eine Pensionszusage oder eine Hinterbliebenenversorgung daher eine entsprechende Versicherung abschließen. Tritt der Versicherungsfall ein, ist zwar formal die GmbH gegenüber dem Geschäftsführer leistungspflichtig, tatsächlich kann sie sich aber durch die entsprechende Versicherungsleistung hier unbeschadet halten.

3. Die Zusage wird erteilt, bevor (!) für den individuellen Bewerber geklärt wird, welche Aufwendungen erforderlich sind, eine Rückdeckungsversicherung abzuschließen

In der Bewerbungsphase wird entweder der Bewerber oder die GmbH auf das Thema von „Sonderleistungen“ wie Pensionszusagen oder Hinterbliebenenversorgung oder Übernahme von Krankenversicherungskosten kommen.

In der Regel sind zu diesem Zeitpunkt aber die tatsächlich aufzuwendenden Kosten, die durch den Abschluss einer entsprechenden Versicherung oder sonstigen Rückabsicherung aufzuwenden sind, nicht bekannt, da eine maßgebliche Größe die individuellen Risiken des jeweiligen Geschäftsführers sind. Das sind z.B. das Alter oder der Gesundheitszustand des Geschäftsführers.

Praxis-Tipp: Um zu verhindern, dass die GmbH eine Zusage gibt, die aufgrund der individuellen Risiken des Geschäftsführers Kosten verursacht, die so nicht kalkuliert wurden, nicht tragbar sind oder eine Rückdeckung überhaupt nicht gefunden wird, muss vor (!) Erteilung der rechtsverbindlichen Zusage geklärt werden, welche Kosten auf Seiten der GmbH durch eine entsprechende Rückdeckung entstehen.

Achtung: Probleme beim Verkauf oder Nachfolge

Auch ein eventueller Käufer der GmbH hat regelmäßig kein Interesse daran, aus dem laufenden Geschäft Aufwendungen zu tragen, um Geschäftsführer oder deren Hinterbliebene finanziell zu unterstützen, die nicht mehr aktiv für die GmbH tätig sind. Diese Folge geht sogar so weit, dass nicht über eine Preis­reduzierung für den Anteil zu sprechen ist, sondern so weit, dass der Anteil schlicht unverkäuflich wird und dann andere Modelle für die Übertragung des Unternehmens, wie beispielsweise der Verkauf der einzelnen Wirtschaftsgüter, nur noch im Raum stehen. Auf Grund der ungewissen Höhe und Laufzeit der Versorgungsverpflichtungen ist es schwierig einen Käufer zu finden. Ähnliche Probleme können sich auch bei der Nachfolgeregelung ergeben.

Lösungsmöglichkeiten

Alternativen anbieten:

Im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens um einen GF, in dem die Gesellschaft als "Lockmittel" die Zusage einer betrieblichen Absicherung in die Waagschale werfen möchte, könnte statt einer konkreten Versorgungszusage im Rahmen des Bewerbungsgesprächs auch ein monatlicher Investitionsbetrag in eine bestimmte Versicherung vereinbart werden. Diesen  stellt die Gesellschaft zur Finanzierung der Risiken zu Verfügung, die nach individueller Risikoprüfung rückdeckfähig sind.

Aufhebungsmöglichkeiten der Pensionszusage:

Oft tritt die Frage auf, ob die GmbH Pensionsverpflichtungen aufheben kann. Folgende Aufhebungsmöglichkeiten können in einer Pensionszusage vereinbart werden:

  • Verzicht ohne Abfindungsregelung,
  • Verzicht mit Abfindungsregelung,
  • Widerruf der Pensionszusage,
  • Übertragung der Versorgungsverpflichtung auf einen Pensionsfonds,
  • Übertragung der Versorgungsverpflichtung auf eine Unterstützungskasse,
  • Übertragung der Versorgungsansprüche auf eine neu gegründete Gesellschaft

Praxis-Tipp: Welche Lösung bzw. Alternative am geeignetsten ist, können Sie nur mit fachkundigen Beratern herausfinden, denn die rechtlichen und steuerlichen Auswirkungen dieser Konstruktionen sind weitreichend und äußerst kompliziert. 

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