Qualifizierungschancengesetz 2019: So profitieren kleine Unternehmen

Aktualisiert am: 01.02.2019

Neue Technologien verändern unsere Arbeitswelt und die Anforderungen an Arbeitnehmer. Berufliche Weiterbildung ist unerlässlich, auch in kleinen Betrieben, im Handwerk, in der Industrie und im Dienstleistungsbereich. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und mit dem Qualifizierungschancengesetz die Förderung der Weiterbildung zugesagt.

Neben der Weiterbildungsförderung regelt das neue Gesetz u. a. auch die Senkung des Beitragssatzes in der Arbeitslosenversicherung und die maximal erlaubte Beschäftigungsdauer für kurzfristig Beschäftigte.

Das Qualifizierungschancengesetz ist eine gesetzliche Weiterbildungsstrategie

Das Gesetz soll dafür sorgen, dass dem Arbeitsmarkt zukünftig ausreichend passend ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Dazu wurden bestehende, auf bestimmte Personengruppen begrenzte Weiterbildungsinstrumente, gebündelt und ausgebaut. Verantwortlich für eine zukunftsfähige berufliche Weiterbildung sind nach wie vor Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Neu ist, dass

  • die Weiterbildungsberatung der Bundesagentur für Arbeit auch Beschäftigten und Arbeitgebern zur Verfügung steht und
  • Arbeitgeber Zuschüsse zu den Weiterbildungs- und Lohnfortzahlungskosten fast aller Arbeitnehmer erhalten.

 

Berufliche Weiterbildung soll fit machen für den Strukturwandel

Bisher war die Förderung der Weiterbildung auf Geringqualifizierte, Arbeitslose und ältere beschäftigte Arbeitnehmer beschränkt. Jetzt wird nahezu jeder Arbeitnehmer unterstützt. Als Arbeitgeber erhalten Sie Zuschüsse zu den Lehrgangskosten und zum fortgezahlten Arbeitsentgelt. Zielgerichtete berufliche Weiterbildung der Arbeitnehmer soll

  • der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt Rechnung tragen und
  • das Bestehen auf dem Arbeitsmarkt sichern.

Beispiel: Neue Technologien

Technische Neuerungen können Arbeitserleichterungen schaffen. Allerdings müssen sie von den Arbeitnehmern auch beherrscht werden. Ein Beispiel dafür sind die immer erschwinglicher werdenden Drohnen. Mit diesen können sich z. B. Dachdecker einen schnellen Überblick über den Zustand eines Dachs verschaffen. Auch in der Land- oder Forstwirtschaft werden Drohnen mittlerweile eingesetzt.

Vom Qualifizierungschancengesetz profitieren vor allem kleinere Unternehmen

Die Weiterbildungsoffensive soll insbesondere die Weiterbildung von Arbeitnehmern in kleinen Betrieben fördern. Bisher gab es z. B. nur Weiterbildungsförderung, wenn der Arbeitnehmer freigestellt wurde, um einen Berufsabschluss zu erreichen. Jetzt werden auch bei längeren, nicht nur arbeitsplatzbezogenen Weiterqualifizierungen Zuschüsse gezahlt.

Grundsätzlich setzt das Qualifizierungschancengesetz eine angemessene Beteiligung des Arbeitgebers an den Weiterbildungskosten voraus. Die Ausnahme sind ganz kleine Betriebe. Die Höhe des Zuschusses ergibt sich aus der Betriebsgröße, d.h. der Anzahl der Mitarbeiter.

Weiterbildungsförderung: Je kleiner das Unternehmen, desto höher der Zuschuss

Nach dem Qualifizierungschancengesetz übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Weiterbildungskosten wie folgt:

  • Bei weniger als 10 Arbeitnehmern: bis zu 100% der Lehrgangskosten und 75% der Lohnfortzahlungskosten.
  • Bei mindestens 10 und weniger als 250 Arbeitnehmern: bis zu je 50% der Lehrgangs- und der Lohnfortzahlungskosten.
  • Bei mindestens 250 und weniger als 2500 Arbeitnehmern: bis zu je 25% der Lehrgangs- und der Lohnfortzahlungskosten.
  • Noch größere Unternehmen erhalten nur bis zu 15% der Lehrgangskosten und 25% der Lohnfortzahlungskosten erstattet. Die Erstattung der Lehrgangskosten kann hier bis zu 25% betragen, wenn besondere Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge bestehen.

Sonderregelungen bestehen für Mitarbeiter über 45 Jahren und Schwerbehinderte. Für sie werden in allen Unternehmen unter 250 Mitarbeitern bis zu 100% der Weiterbildungskosten übernommen.

Das Qualifizierungschancengesetz verlangt einen bestimmten Weiterbildungsgrund

Der Zuschuss wird für die berufliche Weiterbildung solcher Arbeitnehmer gezahlt,

  • deren Tätigkeit durch Technologien ersetzt werden kann,
  • die in sonstiger Weise vom Strukturwandel betroffen sind oder
  • die sich in sogenannten Engpassberufen qualifizieren möchten

Sie sollen ihre Fähigkeiten nach den neuen Anforderungen weiterentwickeln können.

Tipp: Ab 2021 weiterer Vorteil für kleinere Unternehmen

In Betrieben mit weniger als 250 Beschäftigten entfällt ab 2021 die Vorgabe „bestimmter Weiterbildungsgrund“, wenn der Mitarbeiter über 45 Jahre alt oder schwerbehindert ist.

Weiterbildungsförderung gibt es nur unter diesen Bedingungen

Das Qualifizierungschancengesetz macht die Förderung der Weiterbildung von 5 Voraussetzungen abhängig:

  1. Die Kenntnisse und Fertigkeiten, die vermittelt werden, sind mehr als arbeitsplatzbezogene kurzfristige Anpassungsfortbildungen.
  2. Der Abschluss in einem anerkannten Beruf liegt in der Regel mindestens 4 Jahre zurück.
  3. Der Arbeitnehmer hat in den letzten 4 Jahren vor Antragstellung nicht bereits an einer solchen geförderten beruflichen Weiterbildung teilgenommen.
  4. Die Maßnahme wird außerbetrieblich oder von einem zugelassenen Träger im Betrieb durchgeführt und dauert mehr als 160 Stunden.
  5. Die Maßnahme und ihr Träger sind für diese Förderung zugelassen.

Der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit berät ausführlich darüber, welche geförderten Maßnahmen für Ihren Arbeitnehmer möglich und sinnvoll sind und welche Anbieter zertifiziert sind. Die Förderung erfolgt nur auf Antrag.

Das Qualifizierungschancengesetz nutzt jedem Arbeitnehmer

Neu ist, dass auch

  • in einem Arbeitsverhältnis stehende Arbeitnehmer Anspruch darauf haben, von der Bundesagentur für Arbeit zu möglichen beruflichen Weiterbildungen beraten zu werden.
  • Weiterbildungen außerhalb des angestammten Berufs gefördert werden.

Die Entscheidung über eine Förderung der Weiterbildung liegt im Ermessen der zuständigen Agentur für Arbeit. Der Betriebsrat hat ein Initiativrecht zur Ermittlung des Bildungsbedarfs. Hat sich der Arbeitgeber für bestimmte Weiterbildungsmaßnahmen entschieden, bestimmt er bei der zeitlichen und inhaltlichen Ausgestaltung mit.

Achtung: Kein Rechtsanspruch auf Freistellung

Der Arbeitnehmer hat weder einen Anspruch auf Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit, noch darauf, vom Arbeitgeber für eine berufliche Weiterbildung freigestellt zu werden.

Was Sie im Qualifizierungschancengesetz nicht suchen würden

Neben der Förderung der Weiterbildung enthält das Gesetz z. B. auch folgende Regelungen:

  • Kurzfristige Beschäftigungen: Die ursprünglich nur bis Ende 2018 erlaubte, maximale Beschäftigungsdauer von 70 Tagen oder 3 Monaten gilt jetzt dauerhaft.
  • Bezug von Arbeitslosengeld: Die sogenannte Rahmenfrist wird erweitert. D. h. ab 2020 besteht bereits ein Anspruch, wenn in den letzten 2,5 Jahren (bis dahin 2 Jahren) mindestens 12 Monate versicherungspflichtig gearbeitet wurde.
  • Die neue und zukünftige Höhe des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung.

Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung wurde mit Wirkung zum 1.1.2019 von 3 % auf 2,5 % gesenkt. Dabei ist zu beachten: Das Qualifizierungschancengesetz enthält nur eine Senkung um 0,4 %. Die weitere Senkung um 0,1% erfolgte durch eine Rechtsverordnung und ist befristet bis Ende 2022. Ab dem 01.01.2023 wird der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung also bei 2,6 Prozent liegen.

Beispiel aus der Praxis

Ein Arbeitgeber will wissen, ob er von seinem Mitarbeiter verlangen kann, eine berufliche Weiterbildung zu absolvieren.

Antwort: Nein, Sie können Ihren Mitarbeiter nicht dazu zwingen, an einer beruflichen Weiterbildung teilzunehmen. Ausnahme: Eine Betriebsvereinbarung sieht eine Verpflichtung zur Weiterbildung vor. Sträubt er sich, fragen Sie ihn, warum er nicht will und versuchen Sie, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Traut er sich z. B. die Weiterbildung nicht zu, hilft es ihm vielleicht, wenn er von Kollegen beim Lernen unterstützt wird.

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