Reisekostenrecht: "Erste Tätigkeitstätte" wird brisant für GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer

Möglicher Missbrauch rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten bei der Festlegung der ersten Tätigkeitsstätte
Aktualisiert am: 12.08.2015

Seit dem 1.1.2014 gelten die neuen Regelungen zum Reisekostenrecht. GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer rücken damit besonders ins Visier der Finanzämter. Zündstoff bietet der neue Begriff der "ersten Tätigkeitsstätte". Warum das so ist, lesen Sie hier.

Zur Frage, ob ein Arbeitnehmer eine regelmäßige Arbeitsstätte hat, galt bis Ende 2013 noch der Grundsatz: Der Arbeitnehmer – hierzu gehört auch der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer – hat entweder nur eine einzige oder gar keine regelmäßige Arbeitsstätte. Entscheidend war, wo er seine qualifizierten Arbeiten ausübte.

Seit dem 1.1.2014 wird der Begriff der „regelmäßigen Arbeitsstätte“ durch den neuen Begriff „erste Tätigkeitsstätte“ ersetzt. Diese liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer einer Tätigkeitsstätte dauerhaft zugeordnet ist (§ 9 Abs. 4 Satz 1 EStG). Die dauerhafte Zuordnung des Arbeitnehmers wird durch die dienst- oder arbeitsrechtlichen Festlegungen bestimmt. Nicht mehr entscheidend ist, ob an der vom Arbeitgeber festgelegten Tätigkeitsstätte der (qualitative) Schwerpunkt der Tätigkeit liegt.

Im BMF-Schreiben zum steuerlichen Reisekostenrecht 2014 wird darauf hingewiesen, dass bei Festlegung der ersten Tätigkeitsstätte ein Missbrauch rechtlicher Gestaltungsmöglichkeiten nach § 42 AO gegeben sein kann.Insbesondere bei GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführern, Arbeitnehmer-Ehegatten und bei mitarbeitenden Familienangehörigen soll sichergestellt werden, dass die Festlegung einer ersten Tätigkeitsstätte nicht nur aus Steuerspargründen gewählt wird, obwohl der Arbeitnehmer an dieser Tätigkeitsstätte kaum oder gar nicht aktiv wird.

Beispiel: Die XY-GmbH hat 3 Filialen. Diese sind von der Wohnung des GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführers 10 km, 30 km und 50 km entfernt. Obwohl der Gesellschafter-Geschäftsführer zu 90 % in der 50 km entfernten Filiale sitzt, legt er die 10 km entfernte Filiale als erste Tätigkeitsstätte fest. Dadurch erreicht er, dass er Fahrten zu den beiden weiter entfernten Filialen als Auswärtstätigkeit angeben und mehr Steuervorteile geltend machen kann. Folge: Das Finanzamt wird hier einen Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO unterstellen.

GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer sollten sich also bei Festlegung einer "ersten Tätigkeitsstätte" darauf einstellen, dass diese vom Finanzamt überprüft wird!

Tipp: Im Rahmen des neuen Reisekostenrechts 2014 sind  Sie steuerlich auf der sicheren Seite, wenn Sie umfangreiche Aufzeichnungen über die Aktivitäten an der ersten Tätigkeitsstätte führen und schriftlich festhalten, warum eine bestimmte Einrichtung den Charakter einer ersten Tätigkeitsstätte hat.

Lesen Sie hierzu auch diesen Beitrag Reisekostenreform 2014: Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick.

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