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Sozialversicherung: Das sollten Sie als Unternehmer und Arbeitgeber wissen

Die Sozialversicherung sichert wie ein Schirm Risiken ab.
Von Birgit Bohnert
Aktualisiert am: 06.05.2020

Als Arbeitgeber müssen Sie bei der Entgeltabrechnung Sozialversicherungsbeiträge für Ihre Mitarbeiter berechnen, einbehalten und abführen. Auch Sie selbst als Unternehmer können verpflichtet sein, an der gesetzlichen Sozialversicherung teilzunehmen. Die Grundregeln erfahren Sie hier.

5 Versicherungsarten, die zur gesetzlichen Sozialversicherung gehören

Die Sozialversicherung ist ein gesetzliches System, über das gewisse Lebensrisiken „versichert“ sind. Sie besteht aus der

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Unfallversicherung

Krankenversicherung und Pflegeversicherung

Die Sozialversicherung finanziert sich durch Pflichtbeiträge. Arbeitnehmer und Auszubildende sind grundsätzlich verpflichtet, Beiträge zu allen Versicherungszweigen zu zahlen. Ihr Mitarbeiter muss z. B. Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sein. Seine Krankenversicherungspflicht entfällt nur, wenn sein Bruttoeinkommen die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze übersteigt. Dann darf er sich auch bei einer privaten Kranken- und Pflegeversicherung versichern. Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, sind automatisch Mitglied der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Achtung: Bei manchen Arbeitnehmern müssen Sie aufpassen
Besondere Regeln gelten z. B. bei Minijobbern, Praktikanten und Studenten, die neben dem Studium arbeiten.

Arbeitslosenversicherung

In der Arbeitslosenversicherung sind grundsätzlich alle Arbeitnehmer und Auszubildenden pflichtversichert. Ausnahmen gelten z. B. für  

  • Minijobber
  • Studenten
  • Rentner, die eine Altersrente beziehen

Über die Arbeitslosenversicherung wird u.a. die Zahlung von Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld und Insolvenzgeld finanziert.

Rentenversicherung

Die Rentenversicherung betrifft jeden Mitarbeiter. Mit den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung werden Altersrenten, Erwerbsminderungsrenten, Hinterbliebenenrenten und Rehabilitations-Leistungen finanziert.
Pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung sind z. B.  

  • Arbeitnehmer und Auszubildende
  • Bezieher von Arbeitslosengeld und Krankengeld
  • bestimmte Selbstständige  

Unfallversicherung

Arbeitnehmer und Auszubildende sind in der gesetzlichen Unfallkasse versichert. Träger der gesetzlichen Unfallkasse sind z. B. die nach Branchen gegliederten Berufsgenossenschaften. Sie leisten bei Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten. Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, Ihren Betrieb bei der zuständigen Unfallversicherung anzumelden.

Sonstige Sozialabgaben

Zu den Sozialabgaben gehören auch die sogenannten Umlagen (abgekürzt als U1, U2, U3). Damit werden bestimmte Leistungen an die Arbeitgeber finanziert.
Das sind:  

  • U1 für die Erstattung von Entgeltfortzahlungskosten
  • U2 für die Erstattung von Mutterschutzaufwendungen
  • U3 zur Zahlung des Insolvenzgeldes

Sozialversicherung: Wer zahlt welche Beiträge?

Grundsätzlich tragen Mitarbeiter und Arbeitgeber die Beiträge zur Sozialversicherung je zur Hälfte, mit einigen Ausnahmen:  

  • Gesetzliche Krankenkasse: Den allgemeinen Beitrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Seit 2019 ist auch der Zusatzbeitrag je zur Hälfte zu tragen.
  • Pflegeversicherung: Den allgemeinen Beitrag zur Pflegeversicherung tragen Arbeitgeber je zur Hälfte. Ausnahme: In Sachsen zahlt der Arbeitnehmer mehr als sein Arbeitgeber. Den Zuschlag für Kinderlose trägt der Mitarbeiter überall allein.
  • Umlagen U1, U2, U3: Sie sind in voller Höhe vom Arbeitgeber zu tragen.
  • Unfallkassen: Den Beitrag zur Berufsgenossenschaft zahlt der Arbeitgeber alleine.

Der Arbeitgeber berechnet die Sozialversicherungsbeiträge bei der Entgeltabrechnung

Er führt den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil an die Krankenkasse des jeweiligen Mitarbeiters ab. Ausnahmen: Sozialversicherungsbeiträge für Minijobber gehen an die Minijob-Zentrale. Bei privat Krankenversicherten sind die Beiträge an die letzte gesetzliche Krankenkasse abzuführen, bei der der Mitarbeiter versichert war. Die Beiträge errechnen sich in Prozent vom jeweiligen Bruttoentgelt Ihres Mitarbeiters.

Die Sozialversicherungsbeiträge sind gedeckelt durch die sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen, d. h, was ein Mitarbeiter darüber hinaus verdient, bleibt bei der Berechnung außen vor.

Den Beitrag zur Berufsgenossenschaft trägt der Arbeitgeber

Der anfallende Beitrag für Ihre Mitarbeiter wird Ihnen von der Berufsgenossenschaft jeweils nach Ablauf des Jahres mitgeteilt. In die Berechnung fließen folgende Faktoren ein:

  • das an Ihre Mitarbeiter gezahlte Bruttoentgelt
  • das in Betrieben Ihres Unternehmenszweigs bestehende Unfallrisiko
  • die bei der Berufsgenossenschaft angefallenen Ausgaben

Sozialversicherung: Was Sie als Selbstständiger wissen sollten

Als Selbstständiger können Sie in der Unfallversicherung pflichtversichert sein

Einige Selbstständige, z. B. Physiotherapeuten und andere im Gesundheitsdiensttätige oder Landwirte, müssen in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert sein. Andere haben die Möglichkeit, sich freiwillig zu versichern. Ob Sie als Unternehmer pflichtversichert sind und mit welchem Beitrag Sie bei einer freiwilligen Versicherung rechnen müssen, erfahren Sie bei der für Ihren Betrieb zuständigen Berufsgenossenschaft.

Krankenversicherung bei Selbstständigen

Jeder Selbstständige muss eine Krankenversicherung haben. Sie können eine gesetzliche oder eine private Krankenkasse wählen. Die gesetzliche Krankenkasse berechnet die Beiträge der freiwilligen Mitglieder aus deren Einkommen bzw. einem festgelegten Mindesteinkommen und dem aktuellen Beitragssatz. Als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind Sie automatisch auch Mitglied der gesetzlichen Pflegekasse. Bei den privaten Krankenkassen hängt die Höhe des Beitrags z. B. vom Alter, Umfang des Versicherungsschutzes und eventuellen Vorerkrankungen ab.

Existenzgründer und Arbeitslosenversicherung

Existenzgründer, die vorher pflichtversichert waren, können sich unter bestimmten Voraussetzungen freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versichern.

Für bestimmte Berufsgruppen ist die gesetzliche Rentenversicherung Pflicht

Manche Selbstständige sind in der Rentenversicherung pflichtversichert, z. B.:  

  • Handwerker
  • Publizisten
  • Selbstständige Erzieher und Pflegekräfte
  • Selbstständige, die dauerhaft und überwiegend nur für einen Auftraggeber arbeiten und keine eigenen Angestellten haben (Scheinselbstständige)

Andere Selbstständige können sich freiwillig in der gesetzlichen Rentenkasse versichern. Selbstständige können - innerhalb eines bestimmten Rahmens - wählen, welchen Beitrag sie zahlen.

Achtung: Sonderfall GmbH-Geschäftsführer
Wenn Sie Ihren Betrieb als GmbH betreiben, gelten für Sie als Gesellschafter-Geschäftsführer je nach Konstellation andere unterschiedliche Regeln in der Sozialversicherung.

Praxis-Beispiel: Rentenversicherung – welcher Beitrag ist sinnvoll?

Als pflichtversicherter Selbstständiger können Sie bei der gesetzlichen Rentenversicherung wählen, ob Sie  

  • den sogenannten halben Regelbeitrag zahlen. Achtung: Das ist nur in den ersten 3 Kalenderjahren nach dem Jahr der Aufnahme der Selbstständigkeit möglich.
  • den vollen Regelbeitrag oder
  • nach Vorlage Ihres Steuerbescheids, einen Ihrem Einkommen entsprechend höheren oder niedrigeren Beitrag zahlen. Je nach Tätigkeit gilt dabei ein bestimmter Mindestbeitrag.

Welche Beitragshöhe sich für Ihre spätere Rente am besten rechnet, hängt z. B. von Ihrem Alter und davon ab, wie lange Sie als Arbeitnehmer bereits in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Tipp: Fachkundigen Rat einholen
Informationen und ausführliche Beratung zu Ihrer persönlichen Rentensituation erhalten Sie bei einer der zahlreichen Rentenberatungsstellen.

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