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Steuererleichterungen in der Corona-Krise nutzen: So gehen Sie vor

Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 27.04.2020

Das Coronavirus sorgt weltweit für Entsetzen, Verunsicherung und für viele Menschen führt es zu einer existenziell bedrohlichen Situation. Doch was tun, wenn die Einnahmen wegbrechen und die laufenden Ausgaben unverändert anfallen? Neben einem milliardenschweren staatlichen Hilfspaket haben es sich auch die Finanzämter auf die Fahne geschrieben, Erleichterungen in dieser schweren Zeit zu gewähren. Hier eine Übersicht, welche Steuererleichterungen Unternehmern winken und wie Sie diese bekommen.

1. Fristverlängerung wegen Corona zur Umsatzsteuer und Lohnsteuer

Eigentlich erwartet das Finanzamt bereits am 10. April die Umsatzsteuervoranmeldung und die Lohnsteueranmeldung für März sowie die entsprechenden Zahlungen dazu. Doch viele Unternehmer kämpfen gerade ums Überleben und sind mit anderen Dingen beschäftigt. Sie stellen Anträge auf steuerliche Hilfen, organisieren wegen Geschäftsschließungen einen Lieferservice oder planen, wie es nach der Corona-Krise mit dem Personal weitergehen soll. Für die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung und der Lohnsteueranmeldung fehlt also vielen die Zeit – und leider derzeit auch das nötige Geld.

Die Finanzämter wurden deshalb auf Länderebene angewiesen, auf Antrag eine Frist- und Zahlungsverlängerung bis zum 11. Mai 2020 zu gewähren. In Bayern ist man noch großzügiger und erwartet die Anmeldungen und Zahlungen sogar erst am 10. Juni 2020.

2. Sondervorauszahlungen in der Corona-Krise: Geld-Zurück-Versprechen

Unternehmer, die beim Finanzamt im Februar eine Dauerfristverlängerung nach § 46 UStDV beantragt haben, müssen ihre Voranmeldungen zur Umsatzsteuer sowieso immer einen Monat später ans Finanzamt übermitteln und die Zahlung leisten. Doch auch für diese Unternehmer lohnt sich jetzt ein spezieller Antrag beim Finanzamt. Wer nämlich nachweisen kann, dass er von Corona wirtschaftlich betroffen ist, bekommt die im Februar ans Finanzamt geleistete Sondervorauszahlung zurücküberwiesen.

Praxis-Tipp: So funktioniert die Erstattung der Sondervorauszahlung wegen Corona

Mit der Erstattung dieser Sondervorauszahlung im Rahmen der Dauerfristverlängerung klappt es, wenn Sie dem Finanzamt erneut das Formular „Antrag auf Dauerfristverlängerung – Anmeldung der Sondervorauszahlung“ (USt 1 H) elektronisch übermitteln. Tragen Sie in Zeile 22 die Zahl „1“ ein und in Zeile 24 die Zahl „0“. Sicherheitshalber faxen Sie noch eine kurze, aber plausible Erklärung ans Finanzamt, warum Sie von der Corona-Krise betroffen sind.

3. Vorauszahlungen bei Gewinnrückgängen wegen Corona herabsetzen lassen

Um jeden Cent Ausgaben zu sparen und für die laufenden Kosten verwenden oder in neue Investitionen stecken zu können, sollte beim Finanzamt ein Antrag auf Herabsetzung der laufenden Vorauszahlungen zur Einkommen- und Körperschaftsteuer auf null Euro beantragt werden. Das Finanzamt erstattet in diesem Fall auch die bereits im ersten Quartal 2020 geleisteten Vorauszahlungen zurück.

Laut Beschluss des Koalitionsausschusses vom 23. April 2020 dürfen absehbare Verluste für dieses Jahr außerdem mit Steuer-Vorauszahlungen aus dem vergangenen Jahr verrechnet werden. Das soll für maximal 15 Prozent des Gewinns aus 2019 gelten. Angesetzt dürfen dabei für Gewinneinkünfte maximal eine Million EUR für Einzelpersonen (zwei Millionen EUR bei einer Zusammenveranlagung) werden.

Wichtig zu wissen: Auch die Herabsetzung der laufenden Gewerbesteuervorauszahlungen müssen Sie beim Finanzamt beantragen. Das Finanzamt schickt dann postwendend einen Gewerbesteuermessbescheid für Zwecke von Vorauszahlungen an die Gemeinde und diese mindert dann die laufenden Vorauszahlungen. Sie verlieren also nur Zeit, wenn Sie den Antrag auf Herabsetzung bzw. Erstattung der Gewerbesteuervorauszahlungen direkt bei der Gemeinde beantragen.

Praxis-Tipp: Finanzämter sollen in Corona-Krise großzügig sein

Sie müssen dem Finanzamt keine ausführliche Berechnung vorlegen, die den prognostizierten Verlust für 2020 wegen Corona nachweist. Sie müssen nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums die Schäden wegen Corona auch nicht wertmäßig nachweisen (BMF, Schreiben v. 19.3.2020, Az. IV A 3 – S 0336/19/10007:002). Die Finanzbeamten sollen den eingehenden Anträgen wegen der Corona-Krise unbürokratisch und großzügig stattgeben.

4. Nachträgliche Vorauszahlungen mit Hinweis auf Corona verhindern

Hat Ihr Steuerberater Ihre Einkommensteuererklärung 2018 oder Körperschaftsteuererklärung 2018 Ende Februar ans Finanzamt geschickt, kann es bei Steuernachzahlungen passieren, dass das Steuerprogramm automatisch für 2019 eine fünfte Vorauszahlung festsetzt. Auch in diesem Fall sollten Sie mit Hinweis auf Corona die Herabsetzung dieser fünften Vorauszahlung beantragen.

Themenseite Corona-Krise: Hilfestellungen für Unternehmer und Selbstständige

Weitere Fachartikel, Online-Schulungen und Arbeitshilfen mit wichtigen Informationen und Hilfestellungen für Unternehmer rund um die Corona-Krise finden Sie auf unserer Themenseite.

5. Corona-Betroffene und Steuerstundung

Brauchen Sie dringend jeden Cent, um Ihren Betrieb vor der Insolvenz zu schützen, sollen Sie zumindest die bereits fälligen oder fällig werdenden Steuerzahlungen nicht belasten. Sie können beim Finanzamt einen Antrag auf Stundung dieser Steuern stellen. Nach dem BMF-Schreiben vom 19. März 2020 soll das Finanzamt dann bis Ende 2020 keine Mahnungen mehr schicken und keine Stundungszinsen berechnen.

Unternehmer sollten dabei beachten, dass das Finanzamt nicht auf die Steuerzahlungen verzichtet, sondern nur die Fälligkeit verschiebt. Das bedeutet: Spätestens 2021 müssen die gestundeten Steuern ans Finanzamt überwiesen werden. Wer es schafft, sollte deshalb frühzeitig mit der Bildung finanzieller Rücklagen beginnen.

Praxis-Tipp: Keine Lohnsteuerstundung wegen Corona

Zwar gewährt das Finanzamt in Zeiten von Corona problemlos die Stundung von fälligen Umsatzsteuerzahlungen, doch bei der Lohnsteuer ist die Stundung nach wie vor tabu. Hintergrund: Bei der Lohnsteuer handelt es sich um Steuerschulden des Arbeitnehmers, die vom Arbeitgeber ans Finanzamt weitergeleitet werden und nicht um eigene Steuern, die eine wirtschaftliche Belastung beim Arbeitgeber darstellen.

6. Pfändungen mit Hinweis auf Betroffenheit durch Corona verhindern

Auch den Besuch eines Vollstreckungsbeamten des Finanzamts kann man mit dem Hinweis auf die Corona-Krise verhindern. Nach dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 19. März 2020 sollen Pfändungen wegen Steuerschulden bis zum 31. Dezember 2020 auf Antrag ausgesetzt werden. Auch hier gilt jedoch, dass die spätere Zahlung vorprogrammiert ist. Wenn also finanzielle Rücklagen gebildet werden können, sollten Unternehmer das tun.

Praxis-Tipp: Zusätzlicher Antrag wegen Corona stoppt Säumniszuschläge

Zusammen mit dem Antrag auf Einstellung der Vollstreckungsmaßnahmen sollten Unternehmer den Antrag stellen, dass das Finanzamt ab dem 19. März 2020 (= Veröffentlichung des BMF-Schreibens) zumindest bis zum 31.12.2020 keine weiteren Säumniszuschläge mehr festsetzen soll.

7. Beantragung von staatlichen Zuschüssen wegen Corona-Pandemie

Der Bundesrat hat am 27. März 2020 einem Hilfspaket von mehreren Milliarden Euro zugestimmt. Unternehmer, die wirtschaftlich nachweislich von der Corona-Krise betroffen sind, können Zuschüsse zur Bestreitung der laufenden Ausgaben beantragen. Bei der KfW finden sich auch Förderprogramme wegen Corona für zinsgünstige Darlehen oder für Investitionszuschüsse. Doch wie werden solche staatlichen Zahlungen steuerlich behandelt? Dazu gilt Folgendes:

  • Zuschüsse für laufende Ausgaben: Unternehmer, die wegen der Corona-Krise hohe Umsatz- und Gewinneinbußen zu verzeichnen haben und deshalb staatliche Zuschüsse erhalten, müssen diese Zuschüsse wie erzielte Umsätze als Betriebseinnahmen versteuern.
  • Investitionszuschüsse: Bei staatlichen Zuschüssen für die Realisierung von Investitionen in betriebliche Wirtschaftsgüter haben Unternehmer ein Wahlrecht. Alternative 1: Sie können die Zuschüsse ganz normal als Betriebseinnahme erfassen. Alternative 2: Sie versteuern die Zuschüsse nicht als Betriebseinnahme, kürzen im Gegenzug jedoch die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut um die erhaltenen Zuschüsse und können so nur eine geringere Abschreibung vom Gewinn abziehen.

Praxistipp: So kommen Sie an staatliche Unterstützung

Einen Überblick über die staatlichen Hilfen aufgrund der Corona-Krise erhalten Sie im Fachartikel "Corona-Krise: So kommen Unternehmen zeitnah an staatliche Hilfen". Hier erfahren Sie auch, wie Sie diese Hilfen für Ihr Unternehmen in Anspruch nehmen.

8. Unterstützung von Mitarbeitern in der Corona-Krise

Ist die Corona-Krise für den Unternehmer selbst verschmerzbar, aber seine Mitarbeiter haben wegen Corona Geldsorgen, können Arbeitgeber diesen Mitarbeitern finanziell und lohnsteuerlich begünstigt unter die Arme greifen. Denkbar sind folgende Unterstützungsleistungen:

  • Betreuungsleistungen: Muss Ihr Arbeitnehmer sich wegen der Schulschließung aufgrund von Corona um die Betreuung seiner Kinder kümmern, können Sie ihn finanziell dabei unterstützen. Bis zu 600 Euro können Sie ihm steuerfrei nach § 3 Nr. 34a EStG für die Kinderbetreuung zuschießen, wenn das betreute Kind sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.
  • Notfallbeihilfe: Musste Ihr Arbeitnehmer einen Notfall verkraften (Erkrankung oder Tod des Ehegatten; Arbeitsplatzverlust des Ehegatten, Wegfall von Einnahmen durch Geschäftsschließung), können Sie ihm bis zu 600 Euro steuerfrei überweisen (sog. Notfallbeihilfe nach § 3 Nr. 11 EStG).
  • Arbeitgeberdarlehen: Hat Ihr Arbeitnehmer wegen Corona aktuell Geldsorgen, können Sie ihm aus betrieblichen Mitteln ein zinsloses Darlehen gewähren. Der Zinsvorteil bleibt lohnsteuerfrei, wenn der Darlehensbetrag nicht mehr als 2.600 Euro beträgt.

Praxis-Tipp: Steuerfreie Sonderzahlungen infolge der Corona-Krise

Zur Abmilderung der Belastungen durch die Corona-Krise können Sie Ihren Mitarbeitern Unterstützungen bis zu 1.500 Euro steuer- und beitragsfrei auszahlen. Diese Steuererleichterung für Sonderzahlungen ist zeitlich begrenzt bis zum 31.12.2020. Die Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Sonderzahlung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt wird. Die steuerfreien Leistungen müssen wie üblich im Lohnkonto des Arbeitnehmers aufgezeichnet werden.

9. Ermäßigter Steuersatz für die Gastronomie

Die Gastronomiebranche wird von den Folgen der Corona-Krise besonders hart getroffen. Um die Branche steuerlich zu entlasten, hat der Koalitionsausschuss am 23. April 2020 beschlossen, die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie generell auf 7 Prozent zu senken. Der ermäßigte Steuersatz soll ab dem 1. Juli 2020 befristet bis zum 30. Juni 2021 gelten.

10. Weitere Corona-Tipps in Kurzform

Kurzarbeitergeld: Weisen Sie Ihre Mitarbeiter beim Bezug von Kurzarbeitergeld darauf hin, dass für 2020 Steuernachzahlungen drohen und sie deshalb finanzielle Rücklagen bilden sollen. Das Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, erhöht jedoch den Steuersatz auf das übrige Einkommen.

Steuererklärungen: Erwarten Sie für eingereichte Steuererklärungen eine Erstattung, müssen Sie einen Antrag auf vorrangige Bearbeitung stellen. Denn aufgrund der Corona-Pandemie arbeiten die Sachbearbeiter ansonsten nur die Anträge auf Steuererleichterungen ab.

Praxistipp: Kurzarbeitergeld beantragen

Aufgrund der Corona-Krise wurden die Hürden bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld gesenkt. Ob Ihr Unternehmen die Voraussetzungen erfüllt und wie Sie bei der Beantragung des Kurzarbeitergeldes vorgehen, erfahren Sie im Fachartikel "Kurzarbeit und Coronavirus: Diese Regelungen gelten".

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