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Steuererleichterungen in der Corona-Krise nutzen: So gehen Sie vor

Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 13.07.2020

Das Coronavirus sorgt weltweit für Entsetzen, Verunsicherung und für viele Menschen führt es zu einer existenziell bedrohlichen Situation. Doch was tun, wenn die Einnahmen wegbrechen und die laufenden Ausgaben unverändert anfallen? Neben einem milliardenschweren staatlichen Hilfspaket haben es sich auch die Finanzämter und der Gesetzgeber auf die Fahne geschrieben, Erleichterungen in dieser schweren Zeit zu gewähren. Hier eine Übersicht, welche Steuererleichterungen aufgrund von Verwaltungsanweisungen und aufgrund der Corona-Steuerhilfegesetze Unternehmern winken und wie sie diese bekommen.

1. Fristverlängerung für Steuererklärungen 2019

Eigentlich erwartet das Finanzamt bereits 31. Juli 2020 die Steuererklärungen für 2019, wenn diese nicht von einem Steuerberater erstellt werden. Doch viele Unternehmer kämpfen gerade ums Überleben und sind mit anderen Dingen beschäftigt. Sie stellen Anträge auf steuerliche Hilfen, organisieren wegen Geschäftsschließungen einen Lieferservice oder planen, wie es nach der Corona-Krise mit dem Personal weitergehen soll. Für die Abgabe der Steuererklärungen 2019 fehlt also vielen die Zeit – und leider derzeit auch das nötige Geld.

Um zu vermeiden, dass das Finanzamt Sie zur Angabe anmahnt, empfiehlt es sich, frühzeitig einen Antrag auf Fristverlängerung zu stellen. Mit einer guten Begründung (Krankheit, Corona-Krise, fehlende Belege, Arbeitsüberlastung) ist eine Fristverlängerung bis Ende September 2020 meist kein Problem. Stellen Sie den Antrag am besten schriftlich.

2. Sondervorauszahlungen in der Corona-Krise: Geld-Zurück-Versprechen

Unternehmer, die beim Finanzamt im Februar eine Dauerfristverlängerung nach § 46 UStDV beantragt haben, müssen ihre Voranmeldungen zur Umsatzsteuer sowieso immer einen Monat später ans Finanzamt übermitteln und die Zahlung leisten. Doch auch für diese Unternehmer lohnt sich jetzt ein spezieller Antrag beim Finanzamt. Wer nämlich nachweisen kann, dass er von Corona wirtschaftlich betroffen ist, bekommt die im Februar ans Finanzamt geleistete Sondervorauszahlung zurücküberwiesen.

Praxis-Tipp: So funktioniert die Erstattung der Sondervorauszahlung wegen Corona

Mit der Erstattung dieser Sondervorauszahlung im Rahmen der Dauerfristverlängerung klappt es, wenn Sie dem Finanzamt erneut das Formular „Antrag auf Dauerfristverlängerung – Anmeldung der Sondervorauszahlung“ (USt 1 H) elektronisch übermitteln. Tragen Sie in Zeile 22 die Zahl „1“ ein und in Zeile 24 die Zahl „0“. Sicherheitshalber faxen Sie noch eine kurze, aber plausible Erklärung ans Finanzamt, warum Sie von der Corona-Krise betroffen sind. Damit das Finanzamt dieses Schreiben zusammen mit dem Antrag auf Dauerfristverlängerung bearbeitet, tragen Sie in Zeile 34 des Formulars USt 1 H die Zahl „1“ ein.

3. Vorauszahlungen bei Gewinnrückgängen wegen Corona herabsetzen lassen

Um jeden Cent Ausgaben zu sparen und für die laufenden Kosten verwenden oder in neue Investitionen stecken zu können, sollte beim Finanzamt ein Antrag auf Herabsetzung der laufenden Vorauszahlungen zur Einkommen- und Körperschaftsteuer auf null Euro beantragt werden. Das Finanzamt erstattet in diesem Fall auch die bereits im ersten Quartal 2020 geleisteten Vorauszahlungen zurück.

Wichtig zu wissen: Auch die Herabsetzung der laufenden Gewerbesteuervorauszahlungen müssen Sie beim Finanzamt beantragen. Das Finanzamt schickt dann postwendend einen Gewerbesteuermessbescheid für Zwecke von Vorauszahlungen an die Gemeinde und diese mindert dann die laufenden Vorauszahlungen. Sie verlieren also nur Zeit, wenn Sie den Antrag auf Herabsetzung bzw. Erstattung der Gewerbesteuervorauszahlungen direkt bei der Gemeinde beantragen.

Praxis-Tipp: Finanzämter sollen in Corona-Krise großzügig sein

Sie müssen dem Finanzamt keine ausführliche Berechnung vorlegen, die den prognostizierten Verlust für 2020 wegen Corona nachweist. Sie müssen nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums die Schäden wegen Corona auch nicht wertmäßig nachweisen (BMF, Schreiben v. 19.3.2020, Az. IV A 3 – S 0336/19/10007:002). Die Finanzbeamten sollen den eingehenden Anträgen wegen der Corona-Krise unbürokratisch und großzügig stattgeben.

4. Pauschaler Verlustrücktrag zur Minderung der Vorauszahlungen 2019

Nachdem die Vorauszahlungen 2020 auf null Euro herabgesetzt sind, sollten Sie die Herabsetzung der Vorauszahlungen zur Einkommensteuer 2019 oder zur Körperschaftsteuer 2019 in Angriff nehmen. Denn erwarten Sie für 2020 wegen der Corona-Krise einen Verlust, können Sie ohne Steuererklärung 2020 einen pauschalen Verlustrücktrag beantragen (§ 110 EStG in der Fassung des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes). Das Finanzamt mindert in diesem Fall die Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Vorauszahlungen 2019 um pauschal 30 % und erstattet somit einen Teil der geleisteten Vorauszahlungen 2019.

Praxis-Tipp: Höherer Verlustrücktrag möglich

Ist der Verlustrücktrag von 2020 auf die Vorauszahlungen 2019 voraussichtlich deutlich höher als der pauschale 30 %-Rücktrag, können Sie auch den tatsächlich höheren Betrag geltend machen. Dazu erwartet das Finanzamt allerdings aussagekräftige Berechnungen und Unterlagen zur Höhe des Verlusts 2020.

5. Nachträgliche Vorauszahlungen mit Hinweis auf Corona verhindern

Hat Ihr Steuerberater Ihre Einkommensteuererklärung 2018 oder Körperschaftsteuererklärung 2018 Ende Februar ans Finanzamt geschickt, kann es bei Steuernachzahlungen passieren, dass das Steuerprogramm automatisch für 2019 eine fünfte Vorauszahlung festsetzt. Auch in diesem Fall sollten Sie mit Hinweis auf Corona die Herabsetzung dieser fünften Vorauszahlung beantragen.

Themenseite Corona-Krise: Hilfestellungen für Unternehmer und Selbstständige

Weitere Fachartikel, Online-Schulungen und Arbeitshilfen mit wichtigen Informationen und Hilfestellungen für Unternehmer rund um die Corona-Krise finden Sie auf unserer Themenseite.

6. Corona-Betroffene und Steuerstundung

Brauchen Sie dringend jeden Cent, um Ihren Betrieb vor der Insolvenz zu schützen, sollen Sie zumindest die bereits fälligen oder fällig werdenden Steuerzahlungen nicht belasten. Sie können beim Finanzamt einen Antrag auf Stundung dieser Steuern stellen. Nach dem BMF-Schreiben vom 19. März 2020 soll das Finanzamt dann bis Ende 2020 keine Mahnungen mehr schicken und keine Stundungszinsen berechnen.

Unternehmer sollten dabei beachten, dass das Finanzamt nicht auf die Steuerzahlungen verzichtet, sondern nur die Fälligkeit verschiebt. Das bedeutet: Spätestens 2021 müssen die gestundeten Steuern ans Finanzamt überwiesen werden. Wer es schafft, sollte deshalb frühzeitig mit der Bildung finanzieller Rücklagen beginnen.

In der Praxis kann es passieren, dass das Finanzamt die Stundung erst einmal nur auf einen Zeitraum von drei Monaten gewährt. Doch die Stundung kann danach scheibchenweise verlängert werden – eben längstens bis 31. Dezember 2020.

Praxis-Tipp: Keine Lohnsteuerstundung wegen Corona

Zwar gewährt das Finanzamt in Zeiten von Corona problemlos die Stundung von fälligen Umsatzsteuerzahlungen, doch bei der Lohnsteuer ist die Stundung nach wie vor tabu. Hintergrund: Bei der Lohnsteuer handelt es sich um Steuerschulden des Arbeitnehmers, die vom Arbeitgeber ans Finanzamt weitergeleitet werden und nicht um eigene Steuern, die eine wirtschaftliche Belastung beim Arbeitgeber darstellen.

7. Pfändungen mit Hinweis auf Betroffenheit durch Corona verhindern

Auch den Besuch eines Vollstreckungsbeamten des Finanzamts kann man mit dem Hinweis auf die Corona-Krise verhindern. Nach dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 19. März 2020 sollen Pfändungen wegen Steuerschulden bis zum 31. Dezember 2020 auf Antrag ausgesetzt werden. Auch hier gilt jedoch, dass die spätere Zahlung vorprogrammiert ist. Wenn also finanzielle Rücklagen gebildet werden können, sollten Unternehmer das tun.

Praxis-Tipp: Zusätzlicher Antrag wegen Corona stoppt Säumniszuschläge

Zusammen mit dem Antrag auf Einstellung der Vollstreckungsmaßnahmen sollten Unternehmer den Antrag stellen, dass das Finanzamt ab dem 19. März 2020 (= Veröffentlichung des BMF-Schreibens) zumindest bis zum 31.12.2020 keine weiteren Säumniszuschläge mehr festsetzen soll.

8. Beantragung von staatlichen Zuschüssen wegen Corona-Pandemie

Der Bundesrat hat am 27. März 2020 einem Hilfspaket von mehreren Milliarden Euro zugestimmt. Unternehmer, die wirtschaftlich nachweislich von der Corona-Krise betroffen sind, können Zuschüsse zur Bestreitung der laufenden Ausgaben beantragen. Bei der KfW finden sich auch Förderprogramme wegen Corona für zinsgünstige Darlehen oder für Investitionszuschüsse. Doch wie werden solche staatlichen Zahlungen steuerlich behandelt? Dazu gilt Folgendes:

  • Zuschüsse für laufende Ausgaben: Unternehmer, die wegen der Corona-Krise hohe Umsatz- und Gewinneinbußen zu verzeichnen haben und deshalb staatliche Zuschüsse erhalten, müssen diese Zuschüsse wie erzielte Umsätze als Betriebseinnahmen versteuern. Umsatzsteuer muss dafür allerdings keine ans Finanzamt abgeführt werden, weil kein Leistungsaustausch vorhanden ist.
  • Investitionszuschüsse: Bei staatlichen Zuschüssen für die Realisierung von Investitionen in betriebliche Wirtschaftsgüter haben Unternehmer ein Wahlrecht. Alternative 1: Sie können die Zuschüsse ganz normal als Betriebseinnahme erfassen. Alternative 2: Sie versteuern die Zuschüsse nicht als Betriebseinnahme, kürzen im Gegenzug jedoch die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut um die erhaltenen Zuschüsse und können so nur eine geringere Abschreibung vom Gewinn abziehen.

Praxistipp: So kommen Sie an staatliche Unterstützung

Einen Überblick über die staatlichen Hilfen aufgrund der Corona-Krise erhalten Sie im Fachartikel "Corona-Krise: So kommen Unternehmen zeitnah an staatliche Hilfen". Hier erfahren Sie auch, wie Sie diese Hilfen für Ihr Unternehmen in Anspruch nehmen.

9. Unterstützung von Mitarbeitern in der Corona-Krise

Ist die Corona-Krise für den Unternehmer selbst verschmerzbar, aber seine Mitarbeiter haben wegen Corona Geldsorgen, können Arbeitgeber diesen Mitarbeitern finanziell und lohnsteuerlich begünstigt unter die Arme greifen. Denkbar sind folgende Unterstützungsleistungen:

  • Betreuungsleistungen: Muss Ihr Arbeitnehmer sich wegen der Schulschließung aufgrund von Corona um die Betreuung seiner Kinder kümmern, können Sie ihn finanziell dabei unterstützen. Bis zu 600 Euro können Sie ihm steuerfrei nach § 3 Nr. 34a EStG für die Kinderbetreuung zuschießen, wenn das betreute Kind sein 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.
  • Notfallbeihilfe: Musste Ihr Arbeitnehmer einen Notfall verkraften (Erkrankung oder Tod des Ehegatten; Arbeitsplatzverlust des Ehegatten, Wegfall von Einnahmen durch Geschäftsschließung), können Sie ihm bis zu 600 Euro steuerfrei überweisen (sog. Notfallbeihilfe nach § 3 Nr. 11 EStG).
  • Arbeitgeberdarlehen: Hat Ihr Arbeitnehmer wegen Corona aktuell Geldsorgen, können Sie ihm aus betrieblichen Mitteln ein zinsloses Darlehen gewähren. Der Zinsvorteil bleibt lohnsteuerfrei, wenn der Darlehensbetrag nicht mehr als 2.600 Euro beträgt.

Praxis-Tipp: Steuerfreie Sonderzahlungen infolge der Corona-Krise

Zur Abmilderung der Belastungen durch die Corona-Krise können Sie Ihren Mitarbeitern Unterstützungen bis zu 1.500 Euro steuer- und beitragsfrei auszahlen. Diese Steuererleichterung für Sonderzahlungen ist zeitlich begrenzt für Zahlungen zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020. Die Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Sonderzahlung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt wird. Die steuerfreien Leistungen müssen wie üblich im Lohnkonto des Arbeitnehmers aufgezeichnet werden. 

Ausführliche Infos und viele Antworten auf Praxisfragen zur Corona-Krise finden Sie in den FAQ Corona (Steuern) des Bundesfinanzministerium auf www.bundesfinanzministerium.de, die in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden.

10. Zeitlich begrenzte Mehrwertsteuersenkung

Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde die Mehrwertsteuersenkung im Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 beschlossen. Der Regelsteuersatz beträgt für Lieferungen und Leistungen, die in diesem Zeitraum ausgeführt werden, statt 19 % nur noch 16 %, der ermäßigte Umsatzsteuersatz sinkt in diesem Zeitfenster von 7 % auf nur noch 5 %.

Praxis-Tipp: Mehrwertsteuersenkung muss nicht an Kunden weitergegeben werden

Wichtig zu wissen: Ob die Mehrwertsteuersenkung durch geminderte Preise an Privatkunden weitergegeben wird, muss jeder Unternehmer für sich selbst entscheiden. Er kann, muss aber nicht. Er kann auch seine Preise beibehalten und seine Gewinnspanne im zweiten Halbjahr 2020 erhöhen.

Durch die Mehrwertsteuersenkung gibt es natürlich viele Fragen aus der Praxis, die Unternehmer verunsichern. Hier einige Empfehlungen, wie Unternehmer vorgehen sollten:

  • Werfen Sie einen Blick in das Schreiben des Bundesfinanzministeriums zu den umsatzsteuerlichen Besonderheiten rund um die Mehrwertsteuersenkung (BMF, Schreiben v. 30.6.2020, Az. III C 2 - S 7030/20/10009 :004).
  • Stellen Sie Ihre Buchhaltung und Ihre Kassenführung auf die neuen Umsatzsteuersätze um.
  • Lassen Sie Ihren Steuerberater checken, ob Sie umsatzsteuerlich ab 1. Juli 2020 alles richtig machen (sogenannte Tax-Compliance-Prüfung).

11. Ermäßigter Steuersatz für die Gastronomie

Die Gastronomiebranche wird von den Folgen der Corona-Krise besonders hart getroffen. Um die Branche steuerlich zu entlasten, wurde beschlossen, dass für Speisen in der Gastronomie generell nur noch der ermäßigte Umsatzsteuersatz ausgewiesen werden muss, auch wenn der Kunde seine Speisen vor Ort verzehrt. Der generelle ermäßigte Steuersatz soll ab dem 1. Juli 2020 befristet bis zum 30. Juni 2021 gelten.

12. Investitionsabzugsbetrag: Mehr Zeit zum Investieren

Haben Sie im Jahr 2017 einen Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG vom Gewinn abgezogen, erwartet das Finanzamt eigentlich bis spätestens 31. Dezember 2020 die Investition. Wird bis Ende 2020 nicht investiert, kippt das Finanzamt rückwirkend den Abzug in 2017, was zu Steuernachzahlungen für 2017 und zu üppigen Nachzahlungszinsen führt.

Doch betroffene Unternehmer, die im Jahr 2020 wegen der Corona-Krise nicht die finanziellen Mittel haben, um die fällige Investition zu tätigen, können aufatmen. Im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde der dreijährige Investitionszeitraum um ein Jahr verlängert. Mit anderen Worten: Es genügt ausnahmsweise, wenn die Investition nicht 2020, sondern 2021 erfolgt.

13. Höhere Gewerbesteueranrechnung

Besonders interessant ist auch die höhere Gewerbesteueranrechnung, die Einzelunternehmern oder Mitunternehmern von gewerblichen Personengesellschaften zusteht. Das Finanzamt rechnet derzeit das bis zu 3,8-fache des Gewerbesteuermessbetrags auf die Einkommensteuer an. Damit soll die Gewerbesteuerbelastung reduziert oder bestenfalls neutralisiert werden.

Neuregelung: Im Jahr 2020 wird sogar das 4,0-fache des Gewerbesteuermessbetrags auf die Einkommensteuer angerechnet. Da sich ein Unternehmer durch die Anrechnung auch Solidaritätszuschlag spart, können Unternehmer in Gemeinden mit einem Hebesatz bis 422 % jubeln. Bei ihnen kommt es 2020 zur vollständigen Neutralisation der Gewerbesteuerbelastung.

14. Vorläufiger Verlustrücktrag

In Textziffer 4 haben wir bereits auf den pauschalen Verlustrücktrag zur Minderung der Vorauszahlungen 2019 hingewiesen. Ist bereits ein Steuerbescheid für 2019 vorhanden, gibt es eine weitere Möglichkeit, Steuern für 2019 zurückzubekommen. Die Rede ist vom vorläufigen Verlustrücktrag (§ 111 EStG in der Fassung des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes). Erwarten Sie 2020 einen Verlust, können Sie auf Antrag einen vorläufigen Verlustrücktrag beantragen. Dieser beträgt 30 % der Einkünfte 2019 (Einkünfte ohne Arbeitslohn).

Praxis-Tipp: Höherer Verlustrücktrag möglich

Ist der Verlustrücktrag von 2020 auf die Vorauszahlungen 2019 voraussichtlich deutlich höher als der vorläufige 30 %-Rücktrag, können Sie auch den tatsächlich höheren Betrag geltend machen. Dazu erwartet das Finanzamt allerdings aussagekräftige Berechnungen und Unterlagen zur Höhe des Verlusts 2020.

15. Weitere Corona-Tipps in Kurzform

Kurzarbeitergeld: Weisen Sie Ihre Mitarbeiter beim Bezug von Kurzarbeitergeld darauf hin, dass für 2020 Steuernachzahlungen drohen und sie deshalb finanzielle Rücklagen bilden sollen. Das Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, erhöht jedoch den Steuersatz auf das übrige Einkommen.

Steuererklärungen: Erwarten Sie für eingereichte Steuererklärungen eine Erstattung, müssen Sie einen Antrag auf vorrangige Bearbeitung stellen. Denn aufgrund der Corona-Pandemie arbeiten die Sachbearbeiter ansonsten nur die Anträge auf Steuererleichterungen ab.

Degressive Abschreibung: Bei Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen in den Jahren 2020 und 2021 dürfen Unternehmer eine neue Abschreibungsmethode geltend machen. Die Rede ist von der degressiven Abschreibung. Sie beträgt das 2,5-fache des linearen Abschreibungssatzes, maximal jedoch 25 % der Anschaffungskosten bzw. des Restbuchwerts.

Weitere Steuererleichterungen finden Sie im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz und in den FAQ Corona (Steuern) des Bundesfinanzministeriums.

Praxistipp: Kurzarbeitergeld beantragen

Aufgrund der Corona-Krise wurden die Hürden bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld gesenkt. Ob Ihr Unternehmen die Voraussetzungen erfüllt und wie Sie bei der Beantragung des Kurzarbeitergeldes vorgehen, erfahren Sie im Fachartikel "Kurzarbeit und Coronavirus: Diese Regelungen gelten".

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